Hückelhoven (vormals Hückelhoven-Ratheim) ist eine Stadt im Kreis Heinsberg in Nordrhein-Westfalen, nahe der Grenze zu den Niederlanden.
Hückelhoven verdankt dem Steinkohlenbergbau seine Entwicklung vom Dorf zur Stadt; 1914 wurde die Zeche Sophia-Jacoba eröffnet. 1997 wurde diese Zeche (als letzte im Aachener Revier) geschlossen.
Geographie Hückelhoven liegt überwiegend in der Niederung des Flusses Rur und in der Baaler-Wassenberger Riedellandschaft. Der Ortsteil Brachelen befindet sich auf der Aldenhovener Lößplatte.
Gewässer Rur Adolfosee bei Ratheim Kapbuschsee bei Brachelen mit Freibad Baggersee und Baaler Bach bei Baal Gerderather Bach, mündet bei Ratheim in die Rur Golkrather Bach, mündet bei Millich in die Rur Malefinkbach bei Rurich Teichbach bei Brachelen
Geologie Steinkohlenflöze des Brüggen-Erkelenzer Horstes liegen im Untergrund. Die Stadt gehört zum Aachener Revier. Sande und Kiese, angelagert von der Rur, werden im Grundwasserbereich abgebaggert, hierdurch sind große Baggerseen entstanden. Der tiefste Punkt Hückelhovens liegt mit rund 40 m über NN an der Rur bei Ratheim; der höchste Punkt liegt mit 100 m über NN am Rand des Rurgrabens zwischen Ratheim und Kleingladbach. Allerdings ragen zwei in der Zeit des Bergbaus entstandene Abraumhalden mit 120 m (Millicher Halde) bzw. 140 m über NN (Ratheimer Halde) noch weit darüber hinaus.
Nachbargemeinden Die Nachbargemeinden werden im Uhrzeigersinn, beginnend im Norden aufgeführt: Stadt Erkelenz, Stadt Linnich, Stadt Geilenkirchen, Stadt Heinsberg und Stadt Wassenberg. Linnich gehört zum Kreis Düren, die anderen Städte liegen alle im Kreis Heinsberg.
Stadtgebiet Das Hückelhovener Stadtgebiet hat eine Ausdehnung in Nord-Süd-Richtung von rund 10 km von Altmyhl bis Brachelen und in Ost-West-Richtung von rund 6 km von Hilfarth bis Baal bzw. Ratheim bis Kleingladbach. So kommt es auf eine Gesamtfläche von 61,27 km². Das Stadtgebiet ist in folgende 11 Ortsteile unterteilt. Altmyhl Baal Brachelen Doveren Hilfarth Hückelhoven Kleingladbach Millich Ratheim Rurich Schaufenberg
Geschichte Der Ortsname Hückelhoven mit seiner Ortsnamensendung auf -hoven spricht für eine Gründung in der karolingischen bis spätkarolingischen Zeit (8./9. Jahrhundert). Bescheidene Grabfunde vom Nordrand der Stadt aus dem 6. Jahrhundert zeugen jedoch von einem Siedlungsbeginn bereits im frühen Mittelalter.Frank Siegmund: Merowingerzeit am Niederrhein. Rheinische Ausgrabungen 34. Rheinland-Verlag, Köln 1998, S. 310.
Im Jahre 1221 wird ein Sibertus de Hukelhoven in einer Urkunde des Klosters Dalheim erwähnt. 26 Jahre später (1247) taucht ein Ritter Reinard von Hückelhoven, Reynardo milite de Hukilhoven in einer Urkunde auf, welcher Haus Hückelhoven erbauen ließ. 1350 erscheint das Haus Hückelhoven (Heukelhoven) in einem Lehnsverzeichnis der Herrschaft Wassenberg. Es wird ein Ludwig Mulstroe um 1470 mit dem Hof Hückelhoven belehnt. Ende des 16. Jahrhunderts wird dieser Hof baulich umgestaltet, es entsteht ein zweigeschossiger Ziegelbau, „die Burg“.
Der Ort gehörte im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit zum Gericht Doveren im Amt Wassenberg des Herzogtums Jülich. 1798 wurde Hückelhoven von der französischen Verwaltung zur Mairie (Bürgermeisterei) erhoben, 1799 wurden die benachbarten Orte Hückelhoven und Doveren zur Mairie Doveren zusammengelegt. 17 Jahre später (1816) wurde diese Einteilung unter preußischer Herrschaft beibehalten, Hückelhoven gehörte nun zur preußischen Bürgermeisterei Doveren.
mini|links|hochkant|Wandrelief am Rathaus
1935 wurde die neue Gemeinde Hückelhoven aus den Orten Hückelhoven, Hilfarth, Ratheim, Millich, Schaufenberg und einem Teil von Kleingladbach gebildet. Am 7. Januar 1950 erhielt sie den Namen Hückelhoven-Ratheim. Erst 1969 wurde die damalige Gemeinde Hückelhoven-Ratheim zur Stadt erhoben. Am 1. Januar 1972 wurden die Gemeinden Baal, Brachelen, Doveren, Rurich und die Ortschaft Altmyhl eingemeindet. Rechtsgrundlage für die Eingemeindung war das Gesetz zur Neugliederung der Gemeinden und Kreise des Neugliederungsraumes Aachen vom 14. Dezember 1971, kurz Aachen-Gesetz.
Ende Oktober 1944 errichtete die Gestapo in Hückelhoven ein „Arbeitserziehungslager“, ein „Notgefängnis“. Mehrere Personen, darunter Zwangsarbeiter, wurden erschossen.LG Mönchen-Gladbach, 9. Mai 1950. In: Justiz und NS-Verbrechen. Sammlung deutscher Strafurteile wegen nationalsozialistischer Tötungsverbrechen 1945–1966, Band VI, bearbeitet von Adelheid L. Rüter-Ehlermann, H. H. Fuchs, C. F. Rüter. University Press, Amsterdam 1971, Nr. 213, S. 543–560
Die Stadt ist eine ehemalige Zechenstadt, in der die lange Zeit modernste Steinkohlenzeche Europas, die Gewerkschaft Sophia-Jacoba, etwa 80 Jahre lang das Stadtbild und den Lebensstil prägte. Die Zeche wurde am 27. März 1997 geschlossen. In der Folge erlebte Hückelhoven einen raschen und teilweise dramatischen Wandel. Bedingt durch die Zechenschließung lag der prozentuale Arbeitslosenanteil zunächst deutlich über dem Bundesdurchschnitt. Ein erstes richtungsweisendes Ziel zur Attraktivitätsverbesserung der Innenstadt wurde durch den ansprechenden Umbau der „Alten Post“ an der Parkhofstraße zu einem belebten Geschäfts- und Dienstleistungszentrum durch private Investoren verwirklicht. Im Herbst 2004 wurde in Hückelhoven das „Hückelhoven-Center“ eröffnet, das seitdem viele Menschen in die Stadt an der Rur zieht. Auf dem Wildauer Platz entstanden neue Geschäfte, Büroräume und Arztpraxen, die im April 2010 fertiggestellt wurden.
Religionen In den meisten Ortschaften befindet sich eine katholische Kirche.
Im 16. Jahrhundert bildete sich eine kleine Gemeinde, die der Täuferbewegung nahestand. Hieraus entstand später eine reformierte Kirchengemeinde, die 1688 in Hückelhoven eine Kirche baute. Der heutige Kirchenbau stammt aus den Jahren 1890/91. Die evangelische Kirchengemeinde Hückelhoven unterhält des Weiteren Kirchen in Hilfarth und Schaufenberg. Eine zweite evangelische Gemeinde befindet sich in Baal.
Bedingt durch den Zuzug der Zechenarbeiter bildeten sich im 20. Jahrhundert neue religiöse Gemeinschaften im Stadtgebiet. So existieren heute Gemeinden der Baptisten, der Freien Apostolischen Pfingstgemeinde, der Neuapostolischen Kirche und der Zeugen Jehovas.
In den 1970er Jahren gründeten türkische Gastarbeiter eine muslimische Gemeinde, die sowohl in Hückelhoven als auch in Schaufenberg eine Moschee unterhält.
Eingemeindungen Im Rahmen des Gesetzes zur Neugliederung der Gemeinden und Kreise des Neugliederungsraumes Aachen, vom 14. Dezember 1971, auch kurz Aachen-Gesetz genannt, wurden am 1. Januar 1972 die Gemeinden Baal, Brachelen, Doveren, Rurich und die Ortschaft Altmyhl eingegliedert. Die Gemeinde erhielt den Namen Stadt Hückelhoven. Die Gemeindefläche wuchs so von 27,48 km² auf 60,40 km² und die Bevölkerungszahl von 24.691 auf 34.072 Einwohner.
Einwohnerentwicklung 1863 hatte das damalige Dorf 734 Einwohner, 1900 war die Bevölkerung auf 637 Einwohner zurückgegangen. 1918 war sie, nachdem kurz vorher die Zeche gegründet worden war, auf 727 Einwohner gestiegen. 1930 betrug die Bevölkerungszahl 4692. Heute leben etwa 10.200 Menschen in Hückelhoven. Insgesamt wohnen rund 40.000 Einwohner in der Stadt und ihren Ortsteilen.
Das Bevölkerungswachstum wurde durch die Zeche verursacht, bis um 1960 zogen Bergleute aus anderen Teilen Deutschlands hierher, so aus dem Ruhrgebiet und Fulda. Nach 1960 warb die Zeche im Ausland, vor allem in der Türkei um Arbeitskräfte und die ersten Gastarbeiter kamen nach Hückelhoven. 46 Nationen waren auf der Zeche beschäftigt.
Heutzutage ist Hückelhoven als Wohnort aufgrund der guten Verkehrsanbindung an die Ballungsgebiete von Rhein und Ruhr attraktiv, aber auch im Zusammenhang mit relativ günstigen Grundstückspreisen. Die Stadt Hückelhoven und der Kreis Heinsberg zählen zu den wenigen Städten bzw. Kreisen in Nordrhein-Westfalen, die weiterhin eine anwachsende Einwohnerzahl haben.
Zum 30. Juni 2014 zählte die Stadtverwaltung 40.257 Einwohner. In: Aachener Zeitung. 24. Juli 2014.
Politik
Stadtrat Die Tabelle zeigt die Sitzverteilung im Rat nach den Kommunalwahlen seit 2014: mini|Rathaus der Stadt +Partei/ListeSitze202520202014CDU242626SPD5610GRÜNE473LINKE212FDP121FW-UWG111NPD -11AfD7 - -
Wappen Der Stadt ist mit Urkunde des Regierungspräsidenten vom 25. Oktober 1972 das Recht zur Führung eines Wappens verliehen worden.
Blasonierung: „In schwarz eine silberne (weiße) Leiste, begleitet oben von vier sechsstrahligen silbernen (weißen) Sternen – unten von einem silbernen (weißen) Schlegel, der von einem gleichfarbigen Eisen gekreuzt wird.“
Bedeutung: Die Sterne stehen für die vier ehemaligen Gemeinden Alt-Hückelhoven, Ratheim, Hilfarth und Kleingladbach. Sterne wurden gewählt, weil im Wappen der Herren Ollmissen von Haus Hückelhoven ein sechszackiger silberner Stern gezeigt wird. Hammer und Schlägel stehen für den Steinkohlenbergbau in der Stadt. Der Querbalken stammt aus dem Wappen des Dynastengeschlechts derer von Hückelhoven. zentriert|mini|300x300px|Die Parkhofstraße und das „Alte Rathaus“
Städtepartnerschaften Hückelhoven unterhält Partnerschaften mit dem britischen Hartlepool (seit 1973), mit dem französischen Breteuil-sur-Iton (seit 1987) sowie eine Städtefreundschaft mit der brandenburgischen Stadt Wildau (seit 1991).
Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Das Haus Hückelhoven mini|Das Hallenbad von Hückelhoven mini|Aula des Gymnasiums Hückelhoven mini|Der „Wald der blauen Blumen“
Museen Mineralien- und Bergbaumuseum Besucherbergwerk Schacht 3 Korbmachermuseum Hilfarth Opelmuseum Hückelhoven
Bauwerke Haus Blumenthal, nur noch teilweise erhaltene Burganlage im Ortsteil Brachelen Gut Gansbroich, Hofanlage im Ortsteil Baal (Ritter-)Gut Grittern, ehemalige Wasserburg im Ortsteil Doveren. Haus Hall, Wasserschloss im Ortsteil Ratheim Haus Horrig, Burganlage im Ortsteil Brachelen Haus/Burg Hückelhoven, heute ein katholisches Pfarrzentrum Haus Kleinkünkel, gut erhaltenes Herrenhaus zwischen Doveren und Baal Mahrhof, ehemaliger Wirtschaftshof, bedeutend für die Geschichte der Stadt im Ortsteil Millich Schloss Rurich, reizvolles Herrenhaus mit englischem Park im Ortsteil Rurich Gut Wedau, Hofanlage zwischen den Ortsteilen Hilfarth und Brachelen Schacht 3 in Hückelhoven und Aussichtspunkt Millicher Halde Lokdenkmal für die Kohlenzeche Sophia-Jacoba Gymnasiums Hückelhoven (1974), ein markantes Bauwerk des Brutalismus
Kirchen evangelische Kirche, Hückelhovendenkmalkirche.de Pfarrkirche Sankt Johannes der Täufer, Ratheim katholische Kirche Sankt Barbara, Hückelhoven katholische Pfarrkirche Sankt Lambertus, Hückelhoven
Flora Der „Wald der blauen Blumen“ zwischen Doveren und Baal Die Millicher Frucht (Streuobstwiese mit seltenen heimischen Apfel- und Birnensorten) in den Millicher Rurauen Wald Junkerberg zwischen Hückelhoven und Doveren Das Naturschutzgebiet Kapbusch (HS31)
Sport Tauchen und Segeln sind auf dem Adolfosee möglich, das Baden im Hallenbad (HÜBAD) Hückelhoven und dem Badesee Kapbusch.
Radwege Die Stadt ist in das Radwegenetz von Nordrhein-Westfalen eingebunden. Durch die Stadt führt der RurUfer-Radweg, der die höchste Erhebung des Hohen Venn mit der Mündung der Rur in die Maas verbindet, sowie die NiederRheinroute, die ein Radwegenetz über das gesamte Gebiet des Niederrheins von den Niederlanden bis Düsseldorf umfasst.
Regelmäßige Veranstaltungen Großer Wochenmarkt rund ums Rathaus CityFest „Hückelhoven brummt!“ (jeweils am ersten Wochenende im September) Belgisch-Niederländisch-Deutsche-Filmtage Hückelhoven „Rur in Flammen“ im Stadtteil Hilfarth Hückelhovener Autokino-Nacht Weihnachtsmarkt „Hückelhoven weihnachtet“ Trödelmarkt an Schacht 3 Hückelhovener Kirmes WEP-Strom-Lauf im Spätsommer Crosslauf des TuS Jahn Hilfarth Sprintercup des TuS Jahn Hilfarth StreetFood-Festival „Hü(wo)men-Triathlon“ Bierfest