Der Dienstgrad Hauptmann ist ein Offiziersrang in der Bundeswehr, dem österreichischen Bundesheer, der Schweizer Armee sowie in zahlreichen weiteren heutigen und ehemaligen Streitkräften. In Österreich wird dieser Dienstgrad darüber hinaus auch in der Bundespolizei und der Justizwache verwendet; früher war er zudem ein Rang innerhalb der Feuerwehr. Vergleichbare Dienstgrade und Funktionen existieren in vielen weiteren Streitkräften und zivilen Organisationen weltweit.

Begriff und Geschichte In den Heerhaufen des ausgehenden Mittelalters und der frühen Neuzeit war der Feldhauptmann der Anführer (das Haupt), der von den Männern des Verbandes gewählt wurde oder aber als Militärunternehmer die Truppe selber aufgestellt hatte. Die Größe des Verbandes konnte stark variieren. Im 16. Jahrhundert war der Hauptmann bei den Landsknechten im Rang dem Rittmeister gleichgestellt.Vgl. Leonhard Fronsperger: Von Kayserlichen Kriegßrechten Malefitz und Schuldhaendlen / Ordnung und Regiment […]. 4., vermehrte und verbesserte Auflage. Sigmund Feyerabend und Simon Hüter, Frankfurt am Main 1566, Blatt 82 („Ampter under ein jedes geschwader Reuter: Ein Hauptmann oder Rittmeister. Sein Leutenannt. Fenderich […]“). Die Hauptleute wurden auf Latein capitaneus („Anführer“, abgeleitet von caput, „Haupt“) genannt, wovon die noch heute in den romanischen, slawischen und englischen Sprachräumen bei den Landstreitkräften gebräuchliche Dienstgradbezeichnung Kapitän oder Captain herrührt.

Im 17. und 18. Jahrhundert wurde die Verwendung der französischen Bezeichnung Capitaine auch im deutschen Sprachraum gebräuchlich, da die französische Sprache zu dieser Zeit Verkehrssprache in militärischen Kreisen Europas war und das französische Heerwesen hohes Ansehen genoss.

Als Stabskapitän bezeichnete man in damaligen Armeen einen Offizier, der im Rahmen der Kompaniewirtschaft ohne eigene Kompanie und als Stellvertreter eines Kompanieinhabers fungierte. Gewöhnlich wurden die Kompanien der drei Stabsoffiziere eines Regiments (Major, Oberstleutnant, Oberst), die durch andere Aufgaben von der unmittelbaren Führung ihrer Kompanie abgehalten waren, von Stabskapitänen kommandiert. Sie rangierten vor den Leutnanten, jedoch hinter den „wirklichen“ Hauptleuten und bezogen auch weniger Sold als diese. Daraus entwickelte sich die bei einigen deutschen Armeen (wie in z. B. Bayern) und in Österreich-Ungarn die im 19. Jahrhundert gebräuchliche Abstufung der Hauptleute (z. B. Kapitän/Kapitänleutnant oder Hauptmann/Kapitän „1. und 2. Classe“). Mit der Wiedereinführung des Dienstgrads Stabshauptmann 1993 in Deutschland wurde diese Zweiteilung des Hauptmannsranges wiederbelebt und dient zur Besoldung und Unterscheidung von Kompanien in Verbänden und mit Fachdienstoffizieren der Truppengattung von selbständigen Kompanien.

Die weibliche Form, Hauptfrau, wird in der Bundeswehr ausdrücklich nicht verwendet. Die korrekte Anrede lautet „Frau Hauptmann“.

Deutschland Bundeswehr

Der Dienstgrad Hauptmann wurde durch den Bundespräsidenten mit der Anordnung des Bundespräsidenten über die Dienstgradbezeichnungen und die Uniform der Soldaten auf Grundlage des Soldatengesetzes festgesetzt.

Befehlsgewalt und Dienststellungen In der Bundeswehr ist der Hauptmann ein Dienstgrad der Offiziere, der gemäß der zentralen Dienstvorschrift (ZDv) A-1420/24 „Dienstgrade und Dienstgradgruppen“ zur Dienstgradgruppe der Hauptleute zählt. Aufgrund der Zugehörigkeit zur Dienstgradgruppe der Hauptleute können Soldaten im Dienstgrad Hauptmann auf Grundlage des § 4 („Vorgesetztenverhältnis auf Grund des Dienstgrades“) der Vorgesetztenverordnung innerhalb der dort gesetzten Grenzen Soldaten der Dienstgradgruppen Mannschaften, Unteroffizieren ohne und mit Portepee und Leutnanten Befehle erteilen.

Hauptleute in den Laufbahnen des Truppendienstes werden in der Truppe häufig als militärische Führer in den Verbänden ihrer Truppengattung eingesetzt.Leutnante und Hauptleute werden daher auch als Truppenoffiziere bezeichnet, solange sie keine für Stabsoffiziere vorgesehenen Posten in Stäben „fern der Truppe“ übernehmen. Typisch ist die Dienststellung eines Kompaniechefs,Die Verwendung als Kompaniechef ist seit 2013 nicht mehr zwingend in der Offizierlaufbahn vorgesehen und wird daher zukünftig möglicherweise sehr selten sein, vgl. aber auch als Zugführer I. Zug, Kompanieeinsatzoffizier, stellvertretender Einheitsführer oder Luftfahrzeugführer. Auf Stabsdienstposten werden erfahrene Hauptleute auch in Stäben der Verbände ab Stufe Bataillon, an Truppenschulen, in Kommandobehörden als Sachgebietsbearbeiter oder im Ministerium eingesetzt. Dort unterstützen sie häufig Stabsoffiziere beispielsweise bei der Personal- und Materialplanung, der Strategieentwicklung, Einsatzplanung oder im Militärischen Nachrichtenwesen. Einige wenige, besonders qualifizierte und erfahrene Hauptleute dienen bereits auf einem Dienstposten einen Offizier im Generalstabsdienst.Dann führen sie den Dienstgradzusatz „i. G.“ Berufssoldaten im Truppendienst werden im Dienstgrad Hauptmann in verschiedenen Lehrgängen für ihre Tätigkeit als Stabsoffizier geschult. Zu nennen sind besonders der obligatorische Basislehrgang Stabsoffizier an der Führungsakademie der Bundeswehr und der dort ebenfalls für besonders herausragende Hauptleute durchgeführte Lehrgang Generalstabsdienst/Admiralstabsdienst.

Offiziere des militärfachlichen Dienstes führen in Dienststellen wie (höhere) Kommandobehörden, in Ämtern oder in Wehrtechnischen Dienststellen meist Fachabteilungen oder Fachunterabteilungen, die sich mit Fachfragen der Rüstung-, Logistik- und Personalplanung, der Materialerprobung, der Materialerhaltung oder der Flugsicherung befassen. Im Ministerium werden sie als Sachbearbeiter eingesetzt. Militärmusikoffiziere im Dienstgrad Hauptmann dienen meist als zweiter Musikoffizier und stellvertretender Chef bei einem der Musikkorps der Bundeswehr. Aufgrund dieser und ähnlicher Dienststellungen können Soldaten im Dienstgrad Hauptmann in den in der Vorgesetztenverordnung aufgezählten Fällen allen dienstlich oder fachlich unterstellten Soldaten Befehle erteilen. Kompaniechefs sind als Einheitsführer Disziplinarvorgesetzter der ihnen truppendienstlich unterstellten Soldaten gemäß Wehrdisziplinarordnung.

Ernennung, Besoldung und Altersgrenze Maßgebliche gesetzliche Grundlagen für die Ernennung zum Hauptmann trifft die Soldatenlaufbahnverordnung (SLV) und ergänzend die Zentrale Dienstvorschrift (ZDv) A-1420/7. Zum Dienstgrad Hauptmann können Soldaten auf Zeit, Berufssoldaten und beorderte Reservisten ernannt werden. Voraussetzung ist die Zugehörigkeit zur Laufbahngruppe der Offiziere. Der Dienstgrad kann frühestens fünf Jahre (für Fliegendes Personal, Personal, das im KSK für besondere Einsätze verwendet wird, und Kampfschwimmer nach viereinhalb Jahren) nach Ernennung zum Leutnant erreicht werden. War der Einstellungsdienstgrad Oberleutnant, so können Soldaten nach viereinhalb Jahren im Dienstgrad Oberleutnant befördert werden. Eine Einstellung mit dem Dienstgrad Hauptmann ist mit einer der Verwendung entsprechenden Qualifikation ebenfalls möglich.Voraussetzung ist für die meisten Laufbahnen ein für die geplante Verwendung dienlicher Hochschulabschluss und eine mindestens zweijährige Berufspraxis. Für Militärmusikoffizieranwärter wird das Kapellmeisterexamen oder eine gleichwertige Hochschulprüfung gefordert. Voraussetzung für die Beförderung von Militärmusikoffizieranwärtern zum Hauptmann ist das Kapellmeisterexamen.Beachte auch: ZDv A-1420/7 auf Grundlage der Soldatenlaufbahnverordnung ()

Hauptmann ist – neben Stabsunteroffizier/Obermaat, Oberstleutnant/Fregattenkapitän und Oberst/Kapitän zur See – ein Dienstgrad, dem zwei Besoldungsgruppen zugeordnet sind. Im Dienstverhältnis eines Soldaten auf Zeit oder Berufssoldaten erhält er eine Besoldung nach Besoldungsgruppe A 11 oder 12 der Bundesbesoldungsordnung A. Ein Reservistendienst Leistender erhält stattdessen Leistungen nach dem Unterhaltssicherungsgesetz ().

Die besondere Altersgrenze für Soldaten im Dienstgrad Hauptmann ist die Vollendung des 56. Lebensjahres ( Abs. 2 Nr. 4 SG). Diese tritt erstmals 2024 in Kraft. Zuvor wurde sie vom 54. Lebensjahr ausgehend schrittweise erhöht ( SG).

Dienstgradabzeichen

Das Dienstgradabzeichen für Hauptleute zeigt drei Sterne als Schulterabzeichen.

Äquivalente, nach- und übergeordnete Dienstgrade Den Dienstgrad Hauptmann führen nur Heeres- und Luftwaffenuniformträger. Marineuniformträger (außer Sanitätsoffiziere) derselben Rangstufe führen den Dienstgrad Kapitänleutnant. Die ranggleichen Sanitätsoffizierdienstgrade sind die nach Approbationsrichtung unterschiedlich lautenden Dienstgrade Stabsarzt, Stabsapotheker und Stabsveterinär. In den Streitkräften der NATO ist der Hauptmann zu allen Dienstgraden mit dem NATO-Rangcode OF-2 äquivalent.

Der Hauptmann ist gemäß ZDv A-1420/7 eine Rangstufe über dem rangniedrigeren Oberleutnant bzw. Oberleutnant zur See und unter dem ranghöheren Stabshauptmann bzw. Stabskapitänleutnant eingeordnet (erste Dienstgradbezeichnung jeweils für Heeres- und Luftwaffenuniformträger; zweite Dienstgradbezeichnung für Marineuniformträger). Dagegen ist in der nach der Soldatenlaufbahnverordnung und ZDv A-1420/7 regelmäßig zu durchlaufenden Beförderungsreihenfolge der dem Hauptmann für Militärmusikoffiziere vorangehende Dienstgrad in der Regel der Leutnant und der für alle Hauptleute (außer für Offizier des militärfachlichen Dienstes)Nur Offiziere des militärfachlichen Dienstes werden zum Stabshauptmann bzw. Stabskapitänleutnant ernannt (erste Dienstgradbezeichnung für Heeres- und Luftwaffenuniformträger; zweite Dienstgradbezeichnung für Marineuniformträger) nachfolgende Dienstgrad der Major.

Verwendung als Sammelbezeichnung Die Dienstgrade Hauptmann, Kapitänleutnant, Stabsarzt, Stabsapotheker, Stabskapitänleutnant und Stabshauptmann bilden gemäß ZDv 14/5 die als Hauptleute bezeichnete Dienstgradgruppe. Folglich ist „Hauptleute“ eine offizielle Sammelbezeichnung für diese Dienstgrade. Manchmal bezeichnet „Hauptleute“ je nach Kontext auch nur mehrere Soldaten im Dienstgrad Hauptmann. Selten bezeichnet „Hauptleute“ informell in Abgrenzung zu den inhomogen bezeichneten anderen Dienstgraden der Dienstgradgruppe nur die ähnlichlautenden Dienstgrade Hauptmann und Stabshauptmann. Die nach Duden mögliche, aber auch im zivilen Sprachgebrauch seltene, Pluralform „Hauptmänner“ wird im militärischen Sprachgebrauch der Bundeswehr selten gebraucht und auch dann meist nur für mehrere Soldaten im Dienstgrad Hauptmann und nicht für die offiziell anderslautende Dienstgradgruppe.

Nationale Volksarmee bis 1990

Der Hauptmann war wie in anderen Armeen der dem Oberleutnant folgende nächsthöhere Offiziersrang, allerdings wurden im Unterschied zu den NATO-Streitkräften vier Offizierssterne auf seinem Schulterstück aufgebracht. Die Anordnung der Sterne entsprach der des heutigen Stabshauptmanns der Bundeswehr.

In Anlehnung an die sowjetischen Streitkräfte und die anderen Streitkräfte des Warschauer Pakts gab es in den Bewaffneten Organen der DDR den Rang eines Unterleutnants, dessen Dienstgradabzeichen mit einem Rangstern dem des Oberleutnants in den älteren deutschen Streitkräften entsprach.

In der Volksmarine war die zum Hauptmann äquivalente Rangbezeichnung Kapitänleutnant. Für Offiziere der NVA betrug die Regelstehzeit für die Beförderung vom Oberleutnant/Oberleutnant zur See (OF1) zum Hauptmann/Kapitänleutnant (OF2) vier Jahre.

Waffenfarbe, Tabelle rechts NVA LaSK, Raketentruppen und Artillerie =

Reichsheer, Reichswehr und Wehrmacht mini|Hauptmann der Panzertruppe (links) mit Oberfeldwebel, Südrussland, April 1944.