FM4 ist ein englisch- und deutschsprachiger Jugendkulturradiosender des Österreichischen Rundfunks (ORF).

Der Sender weist einen hohen Wortanteil auf, arbeitet eng mit der österreichischen Musiklandschaft zusammen und trifft eine heterogene Musikauswahl abseits des Chart-Mainstreams der Formatradios. Die Kern-Zielgruppe sind Menschen zwischen 14 und 29 Jahren.

Geschichte mini|FM4-Stand am Donauinselfest 2011 mini|FM4-Werbeente am Popfest 2014 FM4 entstand im Zuge der Privatradio-Einführung in Österreich. Als sich in der zweiten Hälfte der 1990er Jahre das Ende des öffentlich-rechtlichen Rundfunkmonopols abzeichnete, begann der ORF seine Hörfunkprogramme zu differenzieren. Konkurrenz entstand vor allem für Ö3, bei dem durch einen befürchteten Reichweiteneinbruch hohe Einnahmen durch Werbung auf dem Spiel standen. Das im Vergleich zuvor heterogene Ö3-Programm wurde deshalb auf ein AC-Formatradio homogenisiert. Kritischere, wenig mainstreamkonforme Sendungsinhalte wurden auf den neu geschaffenen Radiosender FM4 ausgelagert.

Am 16. Jänner 1995 ging FM4 um 19 Uhr erstmals auf Sendung, moderiert von Angelika Lang, das erste Lied war Sabotage von den Beastie Boys. Bis ins Jahr 2000 teilte sich FM4 die Frequenz mit Blue Danube Radio und sendete zunächst nur von 19 bis 1 Uhr morgens, zwischen 1 und 6 Uhr wurde das Programm von Ö3 übernommen. 1997 wurde die Sendezeit auf 19 bis 6 Uhr ausgeweitet. Seit 1. Februar 2000 sendet FM4 rund um die Uhr, nachdem Blue Danube Radio eingestellt wurde und Mitarbeiter von dort zu FM4 wechselten. Die Zahl 4 im Sendernamen resultiert aus der chronologischen Reihung der ORF-Radios (nach Ö1, Ö2 und Ö3). Um sich von den anderen überregionalen ORF-Radioprogrammen abzuheben, wählte man anstelle des Ö die Abkürzung FM (Frequenzmodulation; englischsprachige Bezeichnung für den UKW-Rundfunk).

Das typische Pausenzeichen, das einem „schlagenden Herzen“ nachempfunden ist, wurde vom Musicbox-Mitarbeiter Werner Geier kreiert. Es ist fast nie im Tagesprogramm zu hören, trennt aber im Abend- und Nachtprogramm die einzelnen Formate.

Das Spezifikum von FM4 als gemischtsprachiges Radio geht auf seinen Vorgänger Blue Danube Radio zurück. Dieses wurde 1979 vom ORF zeitgleich mit der Fertigstellung der UNO-City als lokales englischsprachiges Programm mit der Zielgruppe „internationales Publikum“ eingerichtet und später auf eine vierte österreichweit sendende Frequenzkette ausgedehnt. Ende der 1990er Jahre wurden Forderungen laut, diese vierte Frequenzkette für Privatradio zu nutzen. Durch die Etablierung von FM4 konnte der ORF diese Forderungen zwar abwehren, als (vermeintlicher) kommerzieller Hemmschuh (beabsichtigt als Hilfe für die Privatradios) wurde dem ORF vom Gesetzgeber aber aufgetragen, den vierten Frequenzbereich mit einem im Wortanteil vorwiegend fremdsprachigen Programm zu bespielen. Das zuvor rein deutschsprachige FM4 wird daher seit dem Start des 24-Stunden-Betriebes auch in englischer Sprache moderiert.

DVB-H/T2 FM4 war von 2008 bis zur Abschaltung Ende 2010 Teil des DVB-H-Angebots von Orange.

Mit Ausweitung auf den 24-Stunden-Betrieb und mit steigenden Quoten wandelte sich das Programm von FM4 weg von Underground hin zu Alternative Mainstream, ein Begriff, den der Sender selbst zu seiner Beschreibung verwendet.

Am 25. November 2019 übersiedelte FM4 vom Funkhaus Wien ins ORF-Zentrum Küniglberg. 2021 starb Martin Blumenau, der den Sender seit dessen Anfang bis dahin maßgeblich prägte.

Der „Strategie ORF 2025“ zufolge ist die Zukunft von FM4 in der bisherigen Form nicht sicher. Es wird erwogen, das lineare Hörfunkprogramm in eine „SOUND-/Podcast-Plattform“ zu überführen.

Nachdem Dodo Roscic 2022 Monika Eigensperger ablöste, welche seit 1996 Leiterin von FM4 war, wurde am 3. Oktober 2022 ein neues Sendungsschema eingeführt, welches eine Reihe neuer Sendungen beinhaltete und eben auch alte auslaufen ließ.

Auch in den Jahren 2024 und 2025 wurden langjährige Sendungen eingestellt, insbesondere im Abendprogramm: Im März 2024 wurde die letzte Ausgabe der Sendung Chez Hermes ausgestrahlt. Diese Sendung lief, von Herrn Hermes moderiert, seit 1999 jeden Dienstag um Mitternacht. Am 17. Dezember 2024 wurde High Spirits von BTO Spider (Claus Mitterhuemer) verabschiedet, eine Sendung, die seit 1995 wöchentlich ausgestrahlt wurde. Und im Jänner 2025 wurde das Ende der Comedy-Show Projekt X bekannt gegeben.

Im November 2025 wurde der Abgang des seit 1995 amtierenden Musikchefs Marcus Wagner-Lapierre (Makossa) bekannt. Dieser hatte, so die FM4-Redakteurin Lisa Schneider, „das letzte Wort“ bei der Auswahl der gespielten Songs und prägte somit die Linie der sogenannten „FM4-Musik“ entscheidend mit.

Programm und Konzept Die Auswahl der Musik ist heterogen und abhängig von der jeweiligen Sendung. So wird unter anderem Alternative, Heavy Metal (House of Pain), elektronischer Musik (La Boum de Luxe), House & Funk (High Spirits) und Hip-Hop (Tribe Vibes) Platz geboten. Musik aus den Mainstream-Charts fehlt dagegen fast völlig. Das SR-Archiv österreichischer Popularmusik urteilte 2013 rückblickend, FM4 habe „das Selbstbewusstsein der Subgenres und Subkulturen gestärkt, und bietet österreichischen Bands, Produzenten und DJs eine Plattform“. Im Jahr 2018 betrug der Anteil österreichischer Musik auf FM4 laut AKM 30,5 %, im Jahr 2021 waren es 40 %. Am österreichischen Nationalfeiertag wird ausschließlich österreichische Musik gespielt (Stand: 26. Oktober 2021). Zum Jahresbeginn werden das Läuten der Pummerin und der Donauwalzer gesendet.

FM4 berichtet unter anderem über die Themen Musik (jene Art, die FM4 spielt), Musikfestivals, Spiele (vor allem Videospiele), Filme und Filmfestivals, Serien, Bücher (Belletristik, Sachbücher, Comics), Kunst und Kultur, in- und ausländische Politik/Gesellschaft, Umweltschutz (z. B. Klimakrise), Studieren und ÖH-Wahlen, Schule, Trendsport, Internet, Menschenrechte, Sexualität (z. B. Homosexualität), Gender, junge Menschen, Feminismus, Diskriminierung, Rassismus, Flüchtlinge, Menschen mit Migrationshintergrund, Rechtsextremismus, Menschen mit Behinderung, soziales Engagement, Wissenschaft.

Auf FM4 wird Englisch und Deutsch gesprochen (ungefähr gleich viel), wobei innerhalb einer Sendung, eines Beitrags oder eines Gesprächs beide Sprachen vorkommen können. Es wird selten für die Hörer in die andere Sprache übersetzt. Die Moderatoren reden meistens in ihrer Muttersprache (Ausnahmen sind vor allem englischsprachige Interviews).

Nachrichtensendungen Nachrichtensendungen werden jeden Tag von 6 bis 19 Uhr zur vollen Stunde in englischer Sprache gesendet. Die Nachrichten werden von FM4 selbst produziert. Oft wird auch auf eigene Korrespondentenberichte zurückgegriffen, teilweise aber auch auf Berichte anderer englischsprachiger Sender wie BBC oder National Public Radio.

Zusätzlich werden morgens zwischen 6 und 10 Uhr zur halben Stunde Kurznachrichten in deutscher Sprache gesendet, außer an Wochenenden und Feiertagen.

Bis 31. Dezember 2018 wurden darüber hinaus zwei Mal täglich Nachrichten in französischer Sprache angeboten. Diese wurden eingestellt, da es diesbezüglich inzwischen online ein vielfältiges öffentlich-rechtliches Angebot gibt und diese außerdem den Hörgewohnheiten des Zielpublikums nicht mehr entsprechen.

Interaktivität Hörer können Musikwünsche abgeben, bei einigen Sendungen anrufen, Empfehlungen geben, bei Videospielstreams mitchatten, die FM4-Charts beeinflussen, den FM4-Award-Preisträger wählen, auf sozialen Netzwerken mit FM4 interagieren, an Umfragen, Gewinnspielen, Kurzgeschichtenwettbewerben oder Liederwettbewerben teilnehmen, Fotos für einen Stehkalender beisteuern und eigene Musik auf der FM4-Website veröffentlichen.

Webpräsenz Auf der barrierefreien Website des Senders werden meist deutschsprachige Artikel veröffentlicht. Dazu kommen programmbegleitende Informationen, Podcasts, Veranstaltungstermine, die Soundpark-Plattform, ein Onlineshop, sowie Konten auf sozialen Netzwerken. Auf YouTube veröffentlicht FM4 unter anderem Auftritte von Musikern. (Stand: Jänner 2022)

Personal

Programmchefs: Doroteja Gradištanac (seit 1. Jänner 2022) Monika Eigensperger (1996 Leiterin, ab 1999 Senderchefin bis 2021) Mischa Zickler (1995–1996) Chefredakteur: Martin Pieper Musikchef: Marcus Wagner-Lapierre Nachrichtenchef: Paul Brennan

Moderatoren (Auswahl)

Ehemalige Moderatoren (Auswahl)

Sendungen Siehe Liste von FM4-Sendungen.

FM4 Charts Die FM4 Charts bestehen seit dem Jahr 2000 als eigene Sendung und werden jeden Samstag zwischen 17 und 19 Uhr ausgestrahlt. Die Charts sind Redaktionscharts und setzen sich aus der am Sender gespielten Musik zusammen. Sie stellen die wichtigsten alternativen Musikcharts des Landes dar. Zusätzlich wurden die FM4 Charts auch auf dem privaten Musik-Fernsehsender gotv ausgestrahlt. FM4 veröffentlicht Playlists der Charts auf Spotify und Deezer.

Die Charts bestehen aus 25 Songs und werden wöchentlich von der 50-köpfigen Fachredaktion von FM4 erstellt. Ein Charakteristikum der Sendung ist die Beschreibung des Hintergrunds zu jedem Song. Jede Woche werden auch vier Musiktitel vorgestellt, die nächste Woche in die Charts einsteigen werden. Man kann auf der Website abstimmen, welcher am höchsten einsteigen soll.

Als FM4 noch nicht ganztägig sendete, waren die wöchentlichen Charts Teil der Sendung Zimmerservice und umfassten nur 10 Titel.

Die Musik aus den Charts wird einmal in der Woche auch nachts in einer unmoderierten Sendung gespielt.

Am Silvestertag werden die FM4-Jahrescharts bekanntgegeben und gespielt. Sie bestehen aus jeweils 100 Titeln (bis 2012 nur 50 Titel).

Die besten 100 Songs aus 30 Jahren FM4 Anlässlich des 30-jährigen Bestehens spielte FM4 am 24. Jänner 2025 „die besten 100 Songs aus 30 Jahren FM4“.

Die bestplatzierten Lieder waren (Interpret – Titel): Bilderbuch – Maschin MGMT – Time to Pretend Billie Eilish – Bad Guy Santigold – Disparate Youth Wanda – Bologna Gorillaz – Feel Good Inc. Mavi Phoenix – Aventura Tocotronic – Let There Be Rock Bibiza – Akademie der bildenden Künste Beastie Boys – Sabotage

Sendungsrubriken Die FM4-Sendungen enthalten eine Vielzahl von kurzen Rubriken, die, häufig humoristisch, einem bestimmten Thema gewidmet sind.

Science Busters Wissenschaftskabarett mit den Science Busters. Martin Puntigam redet mit einem Wissenschaftler über ein Wissenschaftsthema. Am Samstag und, als Wiederholung, in der Morning Show am Montag. Sprache: Deutsch. Auch als Podcast verfügbar. (Stand: November 2025)

Ombudsmann Kabarett mit Hosea Ratschiller. Von ihm, Martin Puntigam und anderen geschrieben. Der Ombudsmann beantwortet seit 2006 angebliche Hörerfragen. Sprache: Deutsch. Auch als Podcast verfügbar. (Stand: November 2025)

Sonja und Bernd Pärchen-Satire mit Eva Deutsch und David Pfister. Manchmal als längeres Hörspiel mit Gästen. Sprache: Deutsch. Auch als Podcast verfügbar. (Stand: Jänner 2022)

Kabarett Weitere Kabarettbeiträge gibt oder gab es z. B. von:

Flüsterzweieck. Sprache: Deutsch. (z. B. im Jahr 2023) RaDeschnig. Sprache: Deutsch. (z. B. im Jahr 2021) Antonia Stabinger (Die Zudeckerin). Sprache: Deutsch. Auch als Podcast verfügbar. (z. B. im Jahr 2025)

Ehemalige Rubriken Digital Underground Digital Underground war eine Senderubrik, die in den Shows FM4 Connected und FM4 Homebase ausgestrahlt wurde. Die Senderubrik behandelte Themen aus den Bereichen IT, Computerkunst und Computerspiele.

Webtipp Täglicher Kurzbeitrag von Dave Dempsey, bei dem eine kurioser Fund im Internet präsentiert wurde.

Initiativen und Schwerpunkte Soundpark Am 26. Oktober 2001 veröffentlichte FM4 die Online-Plattform FM4 Soundpark, auf der Nachwuchsmusiker ihr Material auf ähnliche Art wie bei MP3.com oder besonic kostenlos veröffentlichen können.

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