Die Stiftung Warentest ist eine gemeinnützige deutsche Verbraucherorganisation und die mit Abstand bekannteste Stiftung in Deutschland. In: stiftungen.org, Bundesverband Deutscher Stiftungen, Hamburg, 30. September 2013. Sie ist eine rechtsfähige Stiftung des bürgerlichen Rechts. Aufgrund eines Beschlusses des Bundestags am 4. Dezember 1964 errichtet, untersuchen und vergleichen ihre Mitarbeiter Waren und Dienstleistungen verschiedener Anbieter. Sie hat ihren Sitz am Lützowplatz im Berliner Ortsteil Tiergarten, Bezirk Mitte.
Das Verbrauchermagazin (Zeitschrift) Stiftung Warentest gehört neben der Zeitschrift Stiftung Warentest Finanzen und dem Internetauftritt test.de zu den drei Marken der Verbraucherorganisation Stiftung Warentest.
mini|Stiftung Warentest am Lützowplatz in Berlin mini|hochkant|Vor dem Haupteingang der Stiftung Warentest
Unternehmen Geschichte Gründung Die Gründung einer Organisation für Warentests wurde nach jahrelangen Diskussionen und der Regierungserklärung von Bundeskanzler Konrad Adenauer vom 9. Oktober 1962 am 16. September 1964 durch die Bundesregierung beschlossen. Die Stiftung Warentest wurde schließlich am 4. Dezember 1964 durch die Bundesrepublik Deutschland, vertreten durch Bundeswirtschaftsminister Kurt Schmücker, als selbstständige rechtsfähige Stiftung bürgerlichen Rechts errichtet und ist als solche hauptsächlich operativ tätig.
Die staatliche Gründung des Warentest-Instituts markierte laut dem Historiker Kevin Rick am Anfang der 1960er Jahre einen Paradigmenwechsel in der Verbraucherpolitik. Der Bundestag griff mit dem staatlichen Auftrag unmittelbar in den Markt der Verbraucherinformationen ein und machte mit der Stiftung deutlich, dass sie die damals stärkste Verbraucherorganisation – die Arbeitsgemeinschaft der Verbraucherverbände, Vorgänger des heutigen vzbv – nicht als legitime Interessenvertretung der Konsumenten betrachtete. Dies lässt sich vor allem anhand der regierungsinternen Bezeichnung der Stiftung Warentest als „zweitbeste Lösung“ ableiten: Die optimale Lösung wäre gewesen, wenn ein solches Institut durch eine neutrale Verbraucherorganisation gegründet worden wäre. Da es die in der Bundesrepublik aber nicht gebe, so argumentierte man beim Wirtschaftsministerium, müsse der Staat den schwachen Konsumenten helfen.
Entwicklung 1966 wurde das erste test-Heft mit einer Auflage von 210.000 Exemplaren verkauft.Hans-Dieter Lösenbeck: Stiftung Warentest – Ein Rückblick 1964–2002, S. 16. Im April 1967 kam es zu einem massiven Einbruch der Verkaufszahlen, die Anzahl der Abonnenten fiel auf 10.000, und als Folge wurde ab 1968 der Verkauf im Einzelhandel eingestellt; eine Belieferung erfolgte fortan nur noch an Abonnenten und Direktbesteller. Erstmals wurden ab 1968 auch die Untersuchungsergebnisse mit einem test-Qualitätsurteil („gut“ bis „nicht zufriedenstellend“) bewertet.
Im November 1969 wurde ein Test von Skibindungen veröffentlicht, dabei schnitten drei Bindungen des Herstellers Hannes Marker (heute im Besitz von Völkl) mit „nicht zufriedenstellend“ ab. Das Unternehmen klagte gegen die Untersuchungsergebnisse der Stiftung Warentest bis zum Bundesgerichtshof und unterlag nach einem langen Rechtsstreit 1975.
Um die Bekanntheit der Testergebnisse zu steigern, wurden ab 1968 die Untersuchungsergebnisse der Stiftung Warentest anderen Zeitungs- und Zeitschriftenverlagen kostenlos zur Verfügung gestellt. Das Konzept ging auf, und ab 1970 wurde der Verkauf der test-Zeitschrift im Handel wieder aufgenommen. Die Bekanntheit wurde auch durch spektakuläre Aktionen gesteigert, zum Beispiel, als 1973 aufgrund der überwiegend schlechten Untersuchungsergebnisse insbesondere in Bezug auf die Sicherheit von Kinderwagen die Redaktion der test-Zeitschrift auf ungewöhnliche Weise diese auf dem Kurfürstendamm in Berlin als lebendige Testtabelle präsentierte.Hans-Dieter Lösenbeck: Stiftung Warentest – Ein Rückblick 1964–2002, S. 47.
Nach der Katastrophe von Heysel 1985 untersuchte die Stiftung Warentest auch die baulichen Verhältnisse und die Sicherheit von 18 Fußball-Bundesligastadien. Dabei wurden acht Stadien als „sehr bedenklich“ eingestuft, worüber unter anderem auch die Tagesschau berichtete.
1988 klagte ein Hersteller von Komposthäckslern vor dem Bundesgerichtshof gegen die Stiftung Warentest, da diese höhere Sicherheitsanforderungen stellte als die übliche DIN-Norm. Der Bundesgerichtshof entschied zugunsten der Stiftung, da es auch ihre Aufgabe sei, auf Mängel der DIN-Normen hinzuweisen.
Seit November 1997 sind die Stiftung Warentest und ihre Zeitschriften auch im Internet unter test.de vertreten.
Aufgaben und Bedeutung Zu ihren Aufgaben zählt einerseits der Vergleich von objektivierbaren Merkmalen des Nutzwertes, Gebrauchswertes und der Umweltverträglichkeit, andererseits die Information des Verbrauchers über wirtschaftliche Haushaltsführung sowie gesundheits- und umweltbewusstes Verhalten.
Durch den hohen Bekanntheitsgrad hat die Stiftung mit ihren Bewertungen einen signifikanten Einfluss auf das Kaufverhalten der Verbraucher. Gute Bewertungen der Stiftung Warentest nehmen oft einen prominenten Platz in der Werbung oder auf Verpackungen ein. Andererseits führen schlechte Bewertungen immer wieder zu Absatzeinbrüchen und Schadensersatzklagen durch die Hersteller – nach Angaben der Stiftung durchschnittlich zehnmal jährlich, wobei sie die meisten davon gewonnen hat.
Die monatliche Zeitschrift Öko-Test ist, trotz der Namensähnlichkeit, keine Publikation der Stiftung Warentest, sondern vielmehr ein Konkurrent, an dem die Deutsche Druck- und Verlagsgesellschaft beteiligt ist.
Die Stiftung Warentest veranstaltet seit 1979 den Schülerwettbewerb Jugend testet, um bei Jugendlichen den kritischen Umgang mit Waren, Dienstleistungen und Werbung zu fördern.
Finanzierung Die Stiftung Warentest finanziert sich durch den Verkauf ihrer Zeitschriften „Stiftung Warentest“ (Auflage: im Jahresdurchschnitt 299.000 Exemplare) und „Stiftung Warentest Finanzen“ (194.000), den Verkauf von Büchern, wie zum Beispiel dem Vorsorge-Set oder dem Aroma-Buch, und Sonderpublikationen, Werbelizenzen, durch Testergebnisse im Internet auf test.de und durch Erträge aus dem Stiftungskapital. Im Jahr 2024 lagen die Einnahmen bei rund 66,7 Millionen Euro.
2009 beschloss die Bundesregierung, die jährlichen Zuwendungen zu kürzen und gleichzeitig das Stiftungskapital um 50 Millionen Euro zu erhöhen.
Im Jahr 2012 hat die Stiftung das einzige Mal in ihrer Geschichte rote Zahlen geschrieben. Der Fehlbetrag von 1,2 Millionen Euro kam vor allen Dingen durch eine niedrigere Verzinsung des Stiftungskapitals zustande.Marco Wurzbacher: Kritik an der Stiftung Warentest prallt ab. Ein schwieriges Jahr für die Tester. In: HardwareSchotte.de. 16. Mai 2013, abgerufen am 17. Mai 2013.
Um die Unabhängigkeit der Stiftung weiterhin zu sichern, wurde von der Bundesregierung in den Haushaltsjahren 2016 und 2017 das Stiftungskapital der Stiftung Warentest um insgesamt 100 Millionen auf 175 Millionen Euro aufgestockt.
Seit dem Jahr 2024 erhält die Stiftung Warentest keine jährlichen Zuwendungen vom Bund mehr.
Organisation Die rechtsfähige und selbstständige Stiftung Warentest ist satzungsgemäß mit den drei Stiftungsorganen Vorstand, Verwaltungsrat und Kuratorium ausgestattet und hat ihren Sitz in Berlin. Die Stiftungsaufsicht liegt bei der Berliner Senatsverwaltung für Justiz.
Vorstand Alleinvorstand ist seit dem 1. Januar 2024 Julia Bönisch. Ihre Vorgänger waren von 2012 bis 2023 Hubertus Primus, von 1995 bis 2011 Werner Brinkmann und von 1972 bis 1994 Roland Hüttenrauch (* 1928 bis † 2006). Der erste Vorstandsvorsitzende der Stiftung war 1964 Hans Otto Wesemann. Ein weiteres Mitglied des fünfköpfigen, ehrenamtlich tätigen Vorstands bei der Gründung war Erika Luther.test, Zeitschrift der Stiftung Warentest, 20. Jahrgang, Januar 1985, Seite 3, 17 und 18.
Verwaltungsrat Der Vorstand wird von einem siebenköpfigen Verwaltungsrat berufen und in seiner Tätigkeit überwacht. Zu den Vorsitzenden des Verwaltungsrates gehörte von 1972 bis 1984 die Politikerin Lucie Beyer. Von 1999 bis 2012 war der Vorsitzende der Rechtswissenschaftler Karl-Heinz Fezer, von 2012 bis 2022 der Wirtschaftswissenschaftler Andreas Oehler von der Universität Bamberg. Von Mai 2022 bis April 2024 hatte Isabel Rothe, Präsidentin der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, den Vorsitz inne. Seit April 2024 steht Barbara Brandstetter, Professorin für Wirtschaftsjournalismus an der Hochschule Neu-Ulm, an der Spitze des Verwaltungsrats.
Zu den weiteren Verwaltungsratsmitgliedern zählen:Verwaltungsrat: Die Gremienmitglieder, Stiftung Warentest (online abgerufen am 9. Januar 2025).
Dieter Lehmann (Volkswagenstiftung) Ramona Pop (Vorständin Verbraucherzentrale Bundesverband) Tanjev Schultz (Professor für Journalistik an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz) Matthias Spielkamp (Geschäftsführer der Organisation AlgorithmWatch) Michael Stephan (DIN e. V.)
Zu weiteren ehemaligen Verwaltungsräten zählen:
Gerd Billen Manfred Hennecke Maria Krautzberger Günter Müchler Edda Müller Helmut Reihlen, Vorsitzender von 1984 bis 1993 Lucia Reisch Volker Wolff
Kuratorium Vorstand und Verwaltungsrat werden von einem 18-köpfigen Kuratorium in allen grundsätzlichen Fragen beraten. Es besteht zu je einem Drittel aus Interessenvertretern der Wirtschaftsverbände, der Verbraucherschutzorganisationen sowie der Sachverständigenbehörden.
Zum Kuratorium gehören unter anderem folgende Personen:
Lukas Siebenkotten Wolfgang Schuldzinski
Im Kuratorium haben unter anderem folgende Personen mitgewirkt:
Werner Brinkmann (später Vorstand der Stiftung Warentest) Thea Brünner Jörg Freiherr Frank von Fürstenwerth Rainer Grießhammer Herbert Kubicek Klaus Müller Franz-Georg Rips Friedrich Wilhelm Schwartz Reiner Wittkowski
Operative Struktur Die Stiftung Warentest hat sich zum 1. Januar 2012 eine neue Struktur gegeben. So gibt es nicht mehr getrennte Redaktionen und Untersuchungsabteilungen, sondern Thementeams, die für die Zeitschriften Stiftung Warentest und Stiftung Warentest Finanzen sowie die Webseite test.de publizieren.Organigramm der Stiftung Warentest, auf test.de, online, abgerufen am 9. März 2012.
Chefredakteure
Stiftung Warentest (ehemals test): Hans-Dieter Lösenbeck (1966 bis 1999) Hubertus Primus (1999 bis 2011) Anita Stocker (2012 bis 2021) Isabella Eigner (seit 2021)
Stiftung Warentest Finanzen (ehemals Finanztest): Werner W. Klingberg (1991) Hans-Dieter Lösenbeck (1992 bis 1993) Hubertus Primus (1993 bis 1999) Hermann-Josef Tenhagen (1999 bis 2014) Heinz Landwehr (2015 bis 2021) Matthias Thieme (2021 bis 2025) Isabella Eigner (seit 2025)
Kooperationen Gemeinschaftstests Internationale Gemeinschaftstests werden als vergleichende Warentests in der Regel mit der Dachorganisation International Consumer Research & Testing (ICRT) in London und meist unter der Federführung der Stiftung Warentest durchgeführt.
Partnerorganisationen Österreich: Verein für Konsumenteninformation (VKI) in Wien Schweiz: Fédération romande des consommateurs in Lausanne Stiftung für Konsumentenschutz in Bern
Belgien: Test Achats / EuroConsumer in Brüssel Frankreich: Union fédérale des consommateurs in Paris Großbritannien: Which? in London Niederlande: Consumentenbond in Den Haag Vereinigte Staaten: Consumer Reports in Yonkers
Nationale Kooperationen Auswertungs- und Informationsdienst für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Bonn Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in BerlinStiftung Warentest und BfR unterzeichnen Kooperationsvertrag, BfR, 21. Oktober 2005, abgerufen am 21. Februar 2014. Deutsches Institut für Normung (DIN) in Berlin, unter anderem im Verbraucherrat des DIN Deutsche Kommission für Elektrotechnik, Elektronik und Informationstechnik (DKE) in Frankfurt am Main Deutsche Lebensmittelbuch-Kommission