mini|Skizze Abu Nawas von Kahlil Gibran in Al-Funoon (1916) Abu Nuwas (), auch (geboren 757 in Ahwaz; gestorben wahrscheinlich 815 in Bagdad), gilt als erster urbaner Dichter der arabischen Literatur und war Hofpoet. In der Swahili-Literatur wird sein Name für eine fiktive Narrengestalt verwandt, der teilweise dieselben Geschichten zugeschrieben werden wie dem türkischen Nasreddin Hodscha oder dem nordafrikanischen Dschuha.

Leben Er lebte zur Zeit des Kalifen Hārūn ar-Raschīd. In 1001 Nacht wird Abu Nuwas als Begleiter des Kalifen erwähnt. Diese Epoche gilt als Zeit der klassischen arabischen Literatur mit dem Zentrum Bagdad, damals Hauptstadt Arabiens und Persiens.

Abu Nuwas lernte seinen Vater Hani nie kennen. Dieser war Araber, seine Mutter war eine persische Weberin. In Basra und Kufa studierte er bei den größten Philologen seiner Zeit. Um das beduinische Arabisch zu erlernen, das als besonders rein galt, soll er auch ein Jahr in der Wüste verbracht haben.

Literarisch geprägt ist diese Zeit durch den Übergang von den Topoi der Beduinendichtung zu einer Verklärung und Idealisierung derselben, oft auch ironisch, vor allem durch städtische Dichter. Abu Nuwas gelangte in den Umkreis des Kalifen Harun ar-Raschid und später seines Sohnes al-Amin. Seine Dichtung spielte bewusst mit dem Gegensatz zwischen religiösem Verbot und weltlicher Lust. Er verfasste Wein-, Jagd- und Liebesgedichte, überwiegend in homoerotischer Form. Seine Gedichte waren außergewöhnlich offen und provokativ für ihre Zeit. Daher bekam er häufiger Schwierigkeiten; er wurde auch eingekerkert. In der letzten Periode seines Lebens wandte sich Abu Nuwas von der weltlichen Lyrik der Religion zu. Dies spiegelt sich auch in seinen Gedichten.

Eines seiner zahlreichen Spottgedichte soll auch zum gewaltsamen Tod von Abu Nuwas geführt haben. Die vornehme persische Familie Nawbakht ließ ihn derart misshandeln, dass er an den Folgen starb. Es gibt jedoch auch andere Berichte, dass er nach schwerer Krankheit eines natürlichen Todes starb und in Bagdad beerdigt wurde.

Seit 1976 ist ein Krater mit 116 Kilometern Durchmesser auf dem Merkur nach dem Dichter benannt (Lage: 17,4°N, 20,4°W).

Textbeispiele

Wein und Koran Schenk mir und schenk Joseph ein den köstlichen Wein der uns schaudern lässt

Meide die Wirrnis in deinem Leben und nimm nur den Frieden

Schenk mir ein bis zum Rand ich mag keine Becher die nur halbvoll sind

Die Flasche auf dem Tisch und das Buch daneben

Trink drei Gläser und zitiere einen Vers

Das Gute hat sich mit Bösem vermischt und -Gott möge mir verzeihen-

Der wird gewinnen in dem das eine das andere überwand: genug!

(aus dem Französischen übersetzt)

Die Freuden von Bagdad Zu wem, sagt er, willst du nach Mekka gehen? Ich antworte: Ja, wenn es mit den Freuden von Bagdad vorbei sein wird. Wie soll ich denn auf Pilgerfahrt gehen solange ich hier abgesoffen bin bei der Kupplerin oder dem Wirt?

(aus dem Französischen übersetzt)

Abu Nuwas als literarische Figur Abu Nuwas ist eine wiederholt auftretende Figur in den Geschichten aus Tausendundeiner Nacht. Er tritt unter anderem in folgenden Geschichten auf, sortiert nach der Arabian Nights Encyclopedia:

Harun al-Raschid und Zubaida im BadeEnno Littmann: Die Erzählungen aus den tausendundein Nächten, Insel Verlag, Frankfurt 1968, Band 3, S. 440–442. (ANE 111) Die Sklavin Sitt al-Milah und Nur al-DinMax Habicht: Tausend und eine Nacht – Arabische Erzählungen, F.W. Hendel Verlag, Leipzig 1926, Band 11, 57–94.Richard Francis Burton: Arabian Nights, Band 12 (Supplemental Nights to the Stories of One Thousand and One Nights with Notes, Band 2), 1900, S. 107–138. (ANE 341)

Literatur Esat Ayyıldız. Ebû Nuvâs’ın Şarap (Ḫamriyyât) Şiirleri. [„Weingedichte“] In: Bozok Üniversitesi İlahiyat Fakültesi Dergisi. [Zeitschrift der Theologischen Fakultät der Universität Bozok] Band 18, Nr. 18, 2020, S. 147–173. Wolfhart Heinrichs, Gregor Schöler (Hrsg.): Festschrift Ewald Wagner zum 65. Geburtstag. Band 2: Studien zur arabischen Dichtung (= Beiruter Texte und Studien. Band 54). Franz Steiner, Stuttgart 1994. Darin: Julie Scott Meisami: Abu Nuwas and the Rhetoric of Parody. S. 246–257. Philip F. Kennedy: Perspectives of a Khamriyya – Abu Nuwas’ Ya Sahir al-Tarf. S. 258–276. Vincent Mansour Monteil: Abu Nuwas: Quintette du vin. S. 277–282. Heinrich Ludwig Kaster (Übersetzer, Nacherzähler): Abu Nawas oder die Kunst zu lügen. Piper-Bücherei, München 1961. Philip F. Kennedy: The Wine Song in Classical Arabic Poetry. Abu Nuwas and the Literary Tradition. Clarendon Press, Oxford 1997. Philip F. Kennedy: Abu Nuwas. A Genius of Poetry. Oneworld Publications, Oxford 2005. Alfred von Kremer (Hrsg.): Diwan des Abu Nuwas, des größten lyrischen Dichters der Araber. Braumüller, Wien 1855; , ; wieder: Beirut 1982 (hrsg. und komm. von A.A. M. al-Ghazali, udT Divan). Ewald Wagner: Die Überlieferung des Abū Nuwās-Dīwān und seine Handschrifte (= Abhandlungen der geistes- und sozialwissenschaftlichen Klasse der Akademie der Wissenschaften und der Literatur in Mainz. Jahrgang 1957, Nr. 6). Ewald Wagner: Abu Nuwas. Eine Studie zur arabischen Literatur der frühen Abbasidenzeit. Franz Steiner, Wiesbaden 1965.

Weblinks

(nur: „Diwan“) Zwei Gedichte zum Anhören in Arabisch Abu Nuwas, Layla. Princeton Online Arabic Poetry Project Thomas Bauer: In: Uni-Muenster.de, 2000 (mit sechs Übertragungen von Gedichten Abu Nuwas).

Einzelnachweise

Kategorie:Person im Abbasiden-Kalifat Kategorie:Autor Kategorie:Literatur (8. Jahrhundert) Kategorie:Literatur (9. Jahrhundert) Kategorie:Literatur (Arabisch) Kategorie:Lyrik Kategorie:Homosexualität in der Literatur Kategorie:Reale Figur in Tausendundeine Nacht Kategorie:Person als Namensgeber für einen Merkurkrater Kategorie:Geboren 757 Kategorie:Gestorben 815 Kategorie:Mann