mini|Unvollendeter Südturm und Nordturm mit Aussichtsplattform mini|Dreieinigkeitskirche: Innenraum mini|Innenraum, Blick von der Orgel-Empore zum Altar mini|hochkant=0.8|GesandtenfriedhofSchott-Epitaph (Detail)

Die Dreieinigkeitskirche (, deren ursprünglicher Name Kirche zur Heiligen Dreifaltigkeit lautete) ist eine protestantische, frühbarocke, säulenlose Saalkirche in der Gesandtenstraße, in der Altstadt von Regensburg. Die Kirche wurde von 1627 bis 1631 nach Plänen von Hanns Carl erbaut und war einer der ersten evangelisch-lutherischen Kirchenneubauten in Bayern. Die Kirche gilt als größter Kirchenneubau der damaligen freien Reichsstadt Regensburg;Martina Topp: Die Orgel in der Dreieinigkeitskirche in Regensburg. In: Roma Quanta fuit. Wißner, Augsburg 2010, ISBN 978-3-89639-799-7, S. 655 ff. sie ist wegen des besteigbaren Kirchturms mit Blick über die Altstadt ein beliebtes Ziel von Besuchern. Eine weitere Attraktion ist der von der Kirche aus zugängliche südliche Kirchhof. Auf dem Kirchhof kam es nach der von bayerischen Besatzungstruppen erzwungenen Beendigung des Kirchbaus und noch vor Beginn abschließender Baumaßnahmen auf dem südlichen Kirchhof während des Dreißigjährigen Krieges, im Verlauf der 1632 beginnenden Kämpfe um Regensburg auf Wunsch des schwedischen Heerführers Bernhard von Sachsen-Weimar zum Begräbnis eines hohen schwedischen Offiziers und auf Wunsch einiger Exulanten-Familien auch zu einigen Umbettungen verstorbener Exulanten aus Österreich, die geholfen hatten, den Bau der protestantischen Kirche zu finanzieren. Ihre ursprünglichen Grabstätten lagen wie üblich außerhalb der Stadtmauern und konnten deshalb von den feindlichen kaiserlich-bayerischen Truppen geplündert werden.

Bauplanung und Baugeschichte Planung des Kirchbaus mini|links|Entwurf, Stich von 1642

Nach Einführung der Reformation in Regensburg im Jahr 1542 dienten den Protestanten die Oswaldkirche und die Neupfarrkirche als gottesdienstliche Versammlungsorte. Zudem stand seit 1563 die Dominikanerkirche St. Blasius als Simultankirche zur Verfügung. Nachdem 1626 die Dominikaner die gemeinsame Nutzung ihrer Kirche durch den Reichshofrat untersagen ließen und nur bis 1628 eine Übergangszeit gewährten, beschloss der Rat der freien Reichsstadt Regensburg im Februar 1627 eine neue Kirche zu bauen.Homepage der Kirchengemeinde: Zur Geschichte der Dreieinigkeitskirche, abgerufen am 11. Dezember 2016. Der Kirchbau war durch eine finanzielle Entschädigung der Dominikaner möglich geworden.Karl Möseneder: Die Dreieinigkeitskirche in Regensburg. Ein protestantischer Kirchenbau. In: 450 Jahre Evangelische Kirche in Regensburg 1542–1992. Katalog der Museen der Stadt Regensburg 1993. Studio Druck, Regensburg 1992, ISBN 3-925753-28-1, S. 109–112, 117–120 f. Außerdem hatte sich die evangelische Gemeinde sehr stark vergrößert, weil viele aus Böhmen und Österreich vertriebene Protestanten in Regensburg Zuflucht gefunden hatten. Auch diese Exulanten unterstützten den Bau der Kirche mit erheblichen finanziellen Mitteln. Später wurden daraufhin Einige Exulanten aus der Familie der Stubenberger auf dem Gesandtenfriedhof begraben, der sich nach Beginn des Immerwährenden Reichstages nach 1650 auf dem Kirchhof südlich der Kirche im Laufe der Folgejahre entwickelte.

Die Planung des Kirchbaus begann 1627 mit einem Entwurf des Architekten Mathias Stang aus Pfalz-Neuburg, dessen Entwurf sich nicht vom zeitgenössischen italianisierenden Stil des katholischen Kirchbaus unterschied und vom Rat der Stadt abgelehnt wurde. Der noch im gleichen Jahr neu berufene Nürnberger Architekt Hanns Carl präsentierte zunächst einen extrem konservativen, gotisierenden Entwurf, der ebenfalls keinen Anklang fand. Der vom Rat der Stadt dann akzeptierte zweite Entwurf präsentierte einen Kompromiss zwischen Nachgotik und frühbarocker Moderne. Erst zehn Jahre später kam es dann in Regensburg mit dem Bau des barocken Karmelitenklosters am Alten Kornmarkt zum Bruch mit den mittelalterlichen Traditionen.

Bau und bauliche Besonderheiten der Kirche mini|Grundsteinlegung 1627 hochkant|mini|Stich zur Einweihung der Kirche 1631

Beginn und Abbruch des Kirchbaus, kriegerische Begleitumstände und Beginn von Begräbnissen mini|hochkant|Gewölberippen

Am 4. Juli 1627, mitten im Dreißigjährigen Krieg, erfolgte die Grundsteinlegung der Dreieinigkeitskirche. Am 5. Dezember 1631 war der Bau fast fertiggestellt und wirkte von außen mit seiner Eckrustizierung trutzig wie eine feste Burg. Der Bau des heute begehbaren Nordturms mit Glocke war abgeschlossen. Der Bau des Südturms und die angrenzende Sakristei blieben unvollendet und wurden nur provisorisch abgeschlossen, weil im April 1632 bayerische Truppen nach ihrer Niederlage in der Schlacht bei Rain am Lech auf der Flucht vor einem anrückenden schwedischen Heer Regensburg besetzt und die Stadtkasse geplündert hatten. Der Baumeister der Kirche Hanns Carl wurde zum Neubau von Festungsanlagen in Regensburg verpflichtet. Für diese Baumaßnahmen wurde der von der protestantischen Gemeinde bisher als Grabstätte genutzte Petersfriedhof südwestlich außerhalb der Stadt vor der Stadtmauer einschließlich aller Grabdenkmäler, darunter auch das Grabdenkmal von Johannes Kepler, zerstört. Die Nutzung der neu erbauten Kirche und auch die beschränkte Nutzung des südlich an die Kirche anschließenden Kirchhofs als zunächst provisorische Begräbnisstätte blieb möglich und begann in der Folgezeit mit vereinzelten, nur schlecht dokumentierten Begräbnissen von Personen, die den Bau der Kirche unterstützt hatten. Darunter waren auch Exulanten, die den Bau der Kirche finanziell unterstützt hatten und deren Grabstätten vor den Toren der Stadt von bayerischen Truppen geplündert worden waren. Später wurden auch einige Militärpersonen begraben, nachdem ein Jahr später im November 1633 Regensburg durch ein schwedisches Heer, das nach dem Tod des schwedischen Königs Gustav II. Adolf unter Führung des neuen schwedischen Heerführers Bernhard von Sachsen-Weimar stand, erobert worden war. Bei den Kämpfen kam in Regensburg ein hoher schwedischer Offizier bei der Eroberung des Ostentors ums Leben. Sein Leichnam war einer der ersten Toten, der auf Wunsch von Bernhard von Sachsen-Weimar auf dem südlichen Hinterhof der neuen Dreieinigkeitskirche begraben wurde. Dieser Hinterhof wurde damals bezeichnet als „der schmale Gang hinter unseren neuen Kirche“ und entwickelte sich in den folgenden Jahrhunderten zum heutigen Gesandtenfriedhof.

Nur ein halbes Jahr später wurde die Stadt Regensburg den Schweden wieder entrissen. Ende Juli 1634, einige Monate nach der Ermordung von Wallenstein, wurde Regensburg von kaiserlich-bayerischen Truppen unter Führung von Gallas und des späteren Kaisers Ferdinand III. nach Belagerung und Sieg über die Schweden von den kaiserlich-bayerischen Truppen zurückerobert. Trotz heftiger Beschießungen der Stadt durch die kaiserliche Artillerie gibt es keine Berichte über Beschädigungen der gerade neu erbauten Dreieinigkeitskirche im Verlauf dieser Kämpfe um Regensburg.

Saalkirche, also ohne Säulen Im Inneren ließ Hanns Carl die Kirche als einen säulenlosen Saalbau errichten, der wegen dieser damals noch neuartigen Bauweise in den folgenden Jahrzehnten weithin berühmt wurde. Sogar die umlaufenden Holzemporen wurden nicht von senkrechten Säulen getragen, sondern waren mit schräg verlaufenden hölzernen Streben seitlich in den Außenmauern verankert. Von allen Plätzen aus war ein freier Blick auf den Altar und die Kanzel möglich. Deshalb war diese Kirche nach lutherischen Vorstellungen zum Predigen vor vielen Besuchern bestens geeignet. Der Kirchraum bot mehr als 1000 Besuchern Sitzplätze, alle mit freiem Blick auf Kanzel und Altar, sodass Besucher auch bereit waren, den üblich lang andauernden Predigten zu folgen.

Im Dachstuhl aufgehängtes Tonnengewölbe Der Verzicht auf tragende Säulen hatte zur Konsequenz, dass die das Kirchenschiff überwölbende Tonne im Dachstuhl rückverankert werden musste, d. h. so aufgehängt werden musste, dass die gesamte Last der Tonne und des Daches auf den Außenmauern der Kirche ruht. Es war der Zimmermeister Lorenz Friedrich, dessen Können dieses Kunststück, das noch heute von Fachleuten bewundert wird, ermöglichte. Die Wölbung der Decke des Chores wurde auf die gleiche Art ermöglicht.

Hohle Gewölberippen aus innovativem Leichtbaumaterial Die geschilderte Gewölbekonstruktion machte Gewölberippen eigentlich überflüssig, jedoch wollte man auf Gewölberippen als wesentliche Gestaltungsmerkmale einer Kirchendecke nicht verzichten. Die Aufhängung der Decke im Dachstuhl machte es aber erforderlich, dass das Gewicht der Rippen, die nur der Gestaltung dienen sollten, möglichst niedrig sein musste. Das Problem wurde gelöst durch den Bossierer Georg Vest. Er fertigte die Gewölberippen nicht wie üblich aus massivem Stuck, sondern er formte mit Hilfe von Modeln aus Rupfen-Textil und Leim innen hohle, also sehr leichte Gewölberippen, die man an der Decke anheften konnte. Als Nachteil erwies sich in der Neuzeit, dass das textile Material der Gewölberippen bei Feuchtigkeit für Schimmel anfällig ist.Denkmalsteckbrief Am Ölberg 1, Evang.-Luth Dreieinigkeitskirche, Stadt Regensburg, Amt für Archiv und Denkmalpflege, Stand Mai 2015.

Separater Zugang zur Empore für Prominente Die Mauern der ersten, provisorischen Sakristei sind auf dem ältesten erhaltenen Grundriss-Bauplan der Kirche eingetragen. Diese Sakristei wurde im Jahr 1755 „erweitert“, von außen beheizbar gemacht und durch eine neue Tür im Südturm erreichbar. Durch die neue Tür und eine ebenfalls neue Treppenanlage im Südturm (Ratsstiege) waren seitdem auch die Emporen und die dort auch neu gebauten „2 Cabinet mit Fenstern für die Herren Gesanden und den Magistrat“ erreichbar.Zitate: Bauamtschronik SAR IAe 1,12 S. 108, Jahr 1755; Stadtarchiv Regensburg. Grundriss-Bauplan: Plan G 2006 / 10.78; graphische Sammlung des Museums der Stadt Regensburg; Plan-Auswertung in: Klaus-Peter Rueß: Der Gesandtenfriedhof bei der Dreieinigkeitskirche in Regensburg, seine Entstehung und seine Baugeschichte. Staatliche Bibliothek Regensburg, Regensburg 2015, S. 67.

Separates Oratorium für die protestantische Fürstin Therese von Thurn und Taxis 1790 entstand auf Kosten des Hauses Thurn und Taxis unterhalb der Orgelempore als nachträglicher Einbau in die Westempore ein auf zwei hölzernen Säulen ruhendes, separates Oratorium, von dem aus die Fürstin, Erbprinzessin Therese von Thurn und Taxis, die Ehefrau des Prinzipalkommissars Karl Alexander von Thurn und Taxis, dem Gottesdienst folgen konnte. Therese war eine Schwester von Königin Luise von Preußen und stammte aus dem Fürstenhaus Mecklenburg-Strelitz. Die Fürstin Therese hatte in einem langwierig ausgehandelten Ehevertrag vereinbart, dass sie nach der Heirat protestantisch bleiben konnte und ihren Glauben in der Dreieinigkeitskirche und später in ihren Privatgemächern im Kloster St. Emmeram ausüben durfte.Carolin Philipps: Luise. Die Königin und ihre Geschwister. Piper Verlag, München 2010, ISBN 978-3-492-25854-8, S. 207.

Sanierungen ab 2008 und Turmbesteigung