mini|hochkant=1.8|Pieter Bruegel der Ältere: Sturz der gefallenen Engel, Gemälde von 1562 Der Höllensturz, auch Engel(s)sturz genannt, ist ein zentrales Motiv hauptsächlich der christlichen Eschatologie sowie der Ikonografie der christlichen Kunst.

Bedeutung Unter Höllensturz werden drei grundsätzlich zu unterscheidende Vorgänge verstanden:

Gefallener Engel Im Neuen Testament, in christlichen Interpretationen des Alten Testaments sowie in apokryphen Büchern und im KoranUrsula Spuler-Stegemann: Die 101 wichtigsten Fragen – Islam. 4., akt. und erw. Auflage. C. H. Beck, München 2017, ISBN 978-3-406-70889-3, S. 17, . ist die Vorstellung eines abtrünnigen Engels verbreitet. Der Engel wird für seine Auflehnung mit der Vertreibung aus dem Himmel durch Gott und seine übrigen Engel bestraft. Häufig wurde dieser gefallene Engel dann mit Luzifer, Iblis, Samael oder dem personifizierten Bösen, mit dem Titel Satan, dem Teufel, in Verbindung gebracht, der nach ebenfalls „vom Himmel gefallen“ sein soll.

Als Gründe für den Fall des Engels werden genannt: Streben nach Gottgleichheit: Im Buch Jesaja wird der König von Babylon – in christlichen Interpretationen mit einem Engel identifiziert – angesprochen, der sich über Gott erheben wollte und dafür in die Hölle fuhr. – Im Umm al-kitāb, einem ismailitischen Werk, aus dem 8. Jahrhundert, stellt sich der Erzengel Asasel, aufgrund seiner Fähigkeit eigene Welten zu erschaffen, Allah gleich. Dieser entzieht dem Engel seine geliehenen Kräfte und verbannt ihn in die niederen Sphären, bis er auf Erden endet. Auch die Koranexegese ergänzt die Sünde des gefallenen Engels Iblis, der sich nach der koranischen Erzählung weigerte vor Adam zu verneigen, um den Anspruch der Göttlichkeit. Allerdings erhob sich Iblis nicht gegen Gott, sondern beanspruchte göttliche Autorität, indem er die Sünder dazu einlädt seinen Anweisungen statt denen Allahs zu folgen.Deniz Özkan Erdağı: Evil in Turkish Muslim horror film: the demonic in “Semum”. In: SN Social Sciences. Springer Nature Switzerland AG, Cham, Band 4.2 (2024), Artikelnr. 27, , S. 1–22, doi:10.1007/s43545-024-00832-w. Stolz: Ezechiel erwähnt in seiner Strafpredigt gegen den König von Tyros einen „glänzenden, schimmernden Cherub“, dessen „Herz sich hob ob seiner Schönheit“. Daraufhin entweihte er durch „Missetat“ und „unrechten Handel“ sein Heiligtum. Weigerung, dem Menschen Respekt zu bezeugen: Nach anderer Lehre gebot Gott nach Erschaffung des Menschen seinen Engeln, vor diesem niederzuknien. Einige Engel aber weigerten sich, da der Mensch aus niedrigerem Stoff gemacht sei als sie selbst. Biblische Belege für diese Version gibt es nicht. Ihren Ursprung hat sie vielmehr wahrscheinlich im Leben Adams und Evas,R. H. Charles: Live of Adam and Eve. Clarendon Press, Oxford 1913 (englisch; unicorngarden.com). einem apokryphen Text aus dem 1. Jahrhundert nach Christus. In ihm bekennt der Teufel gegenüber Adam, er hasse die Menschen deshalb, weil er ihretwegen aus dem Himmel vertrieben worden sei. Im Bartholomäusevangelium, einem apokryphen Evangelium, wird beschrieben, dass der Satan sich aufgrund seiner Erschaffung aus Feuer weigert, den aus Materie erschaffenen Menschen zu ehren. Das taucht auch im Koran auf. In Sure 38,72 verweigert Iblis dem Menschen seine Reverenz, da er aus Feuer, der Mensch aber nur aus Lehm geschaffen sei; daraufhin wird er verbannt. Willensfreiheit: Nach dem Kirchenvater Origenes verleitete die ihnen eingeräumte Willensfreiheit einige Engel dazu, sich mehr und mehr von Gott zu entfernen. Einige wurden dadurch zu Menschen oder gar zu Dämonen und mussten deshalb aus dem Himmel vertrieben werden – nicht ohne die Möglichkeit zu haben, durch Tugend und gottgefälliges Leben dorthin zurückzukehren. Origenes wurde u. a. wegen dieser Lehren beinahe als Häretiker exkommuniziert. Nach der Vorstellung von Augustinus von Hippo ist das Böse ein Resultat der Willensfreiheit, und somit besteht der Fall der Engel ebenfalls in ihrer freien Entscheidung zu sündigen. Die Sünde der Engel könne aber nur, da sie nach Augustinus geistige Wesen seien, im Geiste und nicht auf körperlicher Ebene erfolgen. Zudem gilt die Entscheidung der Engel als einmalig, weshalb die gefallenen Engel weder bereuen, noch die Engel Gottes sündigen können.Jeffrey Burton Russell: Satan. The Early Christian Tradition. Cornell University Press, 1987, ISBN 0-8014-9413-3, S. 211–215 (). Lust: Nach dem apokryphen Buch Henoch ist es sexuelle Lust, die den Sturz der Engel herbeigeführt hat. Gott hatte die Grigori, eine bestimmte Engelgruppe, damit beauftragt, den Erzengeln bei der Schaffung des Gartens Eden zu helfen. Auf die Erde herabgestiegen, verliebten sie sich jedoch in die Menschentöchter, verrieten ihnen himmlische Geheimnisse und zeugten mit ihnen sogar Kinder, das Riesengeschlecht der Nephilim (vgl. hierzu auch ). Darüber war Gott so erzürnt, dass er die Grigori aus dem Himmel verstieß, ihnen ihre Unsterblichkeit nahm und sie in Dämonen verwandelte. Die Sintflut sandte er nicht zuletzt, um das Geschlecht der Nephilim auszulöschen. – Eine ähnliche Geschichte findet sich in der islamischen Exegese in Bezug auf die im Koran genannten Engel Harut und Marut. Nachdem sie Allah baten, die Sündhaftigkeit der Menschen zu strafen, wurden sie in Menschengestalt auf die Erde gesandt. Dort verfielen sie, von der sexuellen Lust nach einer Frau verführt, selbst den Sünden Unzucht und Mord, woraufhin ihnen eine Rückkehr zum Himmel verweigert wurde.

Diese Motive treten auch in gemischter Form auf, so zum Beispiel in John Miltons epischem Gedicht Paradise Lost. Dort rebellieren Satan und ein Drittel der Engel gegen Gott, nachdem dieser seinen Sohn als Herrscher eingesetzt hat. Satan und seine Verbündeten sind zu stolz, um sich der Herrschaft von Gottes Sohn unterzuordnen. Sie machen von ihrem freien Willen Gebrauch, verweigern Gott den Gehorsam und bereiten sich für einen Angriff vor. Daraufhin entbrennt ein drei Tage währender Kampf zwischen den gottestreuen Engeln und den Rebellen, an dessen Ende Gottes Sohn in Gottes Auftrag die ungehorsamen Engel aus dem Himmel vertreibt und sie in die Hölle stürzen lässt. Buch V, ab Vers 564 bis zum Ende von Buch VI (deutsche Übersetzung). Nach dem Fall rächt sich Satan, indem er die von Gott geliebten Menschen zum Essen der verbotenen Frucht vom Baum der Erkenntnis verführt.

Sieg über den Teufel in der Apokalypse Während in der christlichen Tradition die Geschichten von den gefallenen Engeln in grauer Vorzeit spielen und häufig mit der Erschaffung des Menschen in Zusammenhang stehen, kann sich das christliche Höllensturz-Motiv auch umgekehrt auf Vorgänge in der Apokalypse am Ende der Zeiten beziehen:

In der Offenbarung des Johannes () erscheint ein Drache, der in Offb 12,9 ausdrücklich mit dem Teufel identifiziert wird, mit „sieben Häuptern und zehn Hörnern“, der mit seinem Schwanz ein Drittel der Sterne hinwegfegt und das Kind des Weibes zu verschlingen droht. Daraufhin entbrennt ein Kampf zwischen den Engeln und dem Drachen: „Da entbrannte im Himmel ein Kampf; Michael und seine Engel erhoben sich, um mit dem Drachen zu kämpfen. Der Drache und seine Engel kämpften, aber sie konnten sich nicht halten und sie verloren ihren Platz im Himmel. Er wurde gestürzt, der große Drache, die alte Schlange, die Teufel oder Satan heißt und die ganze Welt verführt; der Drache wurde auf die Erde gestürzt und mit ihm wurden seine Engel hinabgeworfen.“

In heißt es weiter: „Er überwältigte den Drachen, die alte Schlange – das ist der Teufel oder der Satan –, und er fesselte ihn für tausend Jahre. Er warf ihn in den Abgrund, verschloss diesen und drückte ein Siegel darauf, damit der Drache die Völker nicht mehr verführen konnte, bis die tausend Jahre vollendet sind. Danach muss er für kurze Zeit freigelassen werden … Wenn die tausend Jahre vollendet sind, wird der Satan aus seinem Gefängnis freigelassen werden. […] Und der Teufel, ihr Verführer, wurde in den See von brennendem Schwefel geworfen, wo auch das Tier und der falsche Prophet sind. Tag und Nacht werden sie gequält, in alle Ewigkeit.“

Verdammung der Sünder beim Jüngsten Gericht Daneben hat Höllensturz noch eine dritte Bedeutung: Sie bezieht sich nicht auf die Vertreibung des Teufels und seines Gefolges aus dem Himmel, sondern auf die Verdammung der Sünder beim Jüngsten Gericht. Sie stellt das Gegenstück zur Aufnahme der Gerechten ins Paradies dar.

Im Christentum ist die Idee insbesondere in verankert. Hiernach werden die Toten „gerichtet nach der Schrift in den Büchern, nach ihren Werken (…) Und so jemand nicht ward erfunden geschrieben in dem Buch des Lebens, der ward geworfen in den feurigen Pfuhl.“ Katholiken und Arminianer sehen die Hoffnung des Einzelnen auf Erlösung durch eigene Werke, mit den Gnadenmitteln der Kirche wie die Taufe, oder durch den eigenen Glauben und die Barmherzigkeit und Gerechtigkeit Gottes aufgrund der Freiheit des Menschen, sich für sein zukünftiges Schicksal eigenverantwortlich zu entscheiden. Calvin und Calvinisten (so unter anderem nach der Synode von Dordrecht) vertreten dagegen gestützt auf Augustinus’ Lehre, dass nur ein Teil der Menschheit von Anbeginn an von Gott zur Erlösung vorgesehen war und schließlich auch nur dieser Teil erlöst werden wird, während der Rest der Menschheit der ewigen Verdammnis in der Hölle anheimfällt. Diese Lehre wird abgekürzt mit dem Akronym TULIP ( [völlige Verderbtheit, bedingungslose Erwählung, begrenzte Sühne, unwiderstehliche Gnade, Beharrlichkeit der Heiligen]). Dieser Teil wird nach der Prädestinationslehre „massa perditionis“ ( für ‚Masse [= Menschheit] der Verderbtheit und Verlorenheit‘) betitelt.Die Lehren des Judentums nach den Quellen. Neue und erw. Ausg., neu hrsg. von Walter Homolka. Band III. Mit einem Vorw. von Tovia Ben Chorin. Übers. des Vorw. aus dem Hebräischen von Raphael Pifko. Knesebeck, München 1999, S. 138, 141, 147 und 120 f. (Faksimile-Druck der Orig.-Ausgabe. Besorgt von Fritz Bamberger. Engel, Leipzig 1928–1930). Mit der Vorherbestimmungslehre ist auch die kirchliche Lehre der von Adam bewirkten Erbsünde aller Menschen (außer von Jesus und nach katholischer Lehre von Maria) im Paradies verbunden, die auch auf Augustinus zurückzuführen ist. Diese kann nur Jesus Christus, der christliche Glaube und/oder die verschiedenen kirchlichen Sakramente in der Taufe oder im abschließenden göttlichen Gericht zum Weltende beseitigen.

Im Islam finden sich ähnliche Gedanken u. a. in der 75. Sure des Korans (al-Qiyāma „Die Auferstehung“).