Die Kaufhalle AG war ein Niedrigpreiswarenhauskonzern im Kaufhof-Konzern. Sitz der Gesellschaft war seit Anbeginn Köln. Im September 2000 wurde das operative Geschäft der als Kaufhalle, Kaufcenter und M. Multistore geführten Warenhäuser an den italienischen Textilhändler Oviesse verkauft; der Name Kaufhalle/Multistore blieb an etlichen Filialen bis 2005 erhalten. Die verbleibende Unternehmenshülle war danach als eine reine Immobiliengesellschaft tätig.
Geschichte mini|Kaufhalle Frankfurt Hauptwache (1966), heute abgerissen mini|Kaufhalle 2009 auf dem Holm in Flensburg; hinter dem Holmnixen-Brunnen mini|Einkaufswagen von Multistore aus der Anfangszeit in einer ehemaligen Filiale in Solingen
Anfangsjahre Die Gesellschaft wurde 1925 als Ehape Einheitpreis-Handelsgesellschaft mbH von der Leonhard Tietz AG (aus der später die Kaufhof AG wurde) gegründet. 1927 erfolgte die Umfirmierung in eine AG. 1937 kam es zur Umbenennung in Rheinische Kaufhalle AG. Oft waren die Kaufhalle-Filialen in direkter Umgebung zum Mutterunternehmen angesiedelt. Einige waren ehemalige Kaufhof-Filialen, die für den Kaufhof nicht mehr groß genug waren. Äußerlich konnte man die Verbindung zwischen Kaufhof und Kaufhalle am Schriftzug erkennen, da es sich um den gleichen Schrifttyp handelte. Die Farbe des Logos der Kaufhalle war Rot, die des Kaufhofs Grün.
Hauptkonkurrenten Woolworth: Woolworth war schon seit den 1920er Jahren im deutschen Markt tätig. Nach 1990 war Woolworth der einzige große Konkurrent im deutschen Markt. Bilka: Bilka war die Niedrigpreissparte von Hertie. Kepa: Kepa war die Niedrigpreissparte von Karstadt bis 1980. DeFaKa: DeFaKa (Deutsches Familien-Kaufhaus) war die Niedrigpreissparte der Horten AG.
1990er Jahre Nach der Übernahme der Bilka-Häuser betrieb das Unternehmen mehr als 110 Filialen und war damit in fast allen Regionen Deutschlands vertreten. Viele Jahre wurde nicht ausreichend investiert, sodass der Ruf sank und das Defizit wuchs. Das Jahresergebnis betrug 1994 bei der Kaufhalle minus 4,2 Millionen DM,Capital, Ausg. 35/1996 allein in den neuen Bundesländern wurde ein Minus von 15 Mio. DM erwirtschaftet. Da der Aktionär, die Metro AG, die mittlerweile den Kaufhof-Konzern übernommen hatte, die unrentable Kette abstoßen wollte, wurden einige Filialen zu lukrativeren Verwendungszwecken konzernintern umgewidmet und als MediaMarkt, zur Ergänzung des Kaufhofs, oder als Sportarena verwendet. Schließlich blieben 99 Filialen, zwei Logistikzentren und die Hauptverwaltung in Köln übrig, die von der Metro in die Verwertungsgesellschaft Divaco überführt wurden. In dieser Gesellschaft sammelte der Metro-Konzern alle nicht mehr zum Kerngebiet gehörenden Unternehmen. Die übriggebliebenen Filialen befanden sich an sehr unterschiedlich attraktiven Standorten, für die der neue Besitzer lange Zeit nach Interessenten suchte. Währenddessen modernisierte man das Filialnetz und führte gleichzeitig drei Vertriebsmarken.
Die drei Vertriebsmarken seit den 1990er Jahren Kaufhalle Als Kaufhalle verblieben zumeist ältere Filialen und Filialen an B- oder sogar C-Lagen. Kaufcenter In den 1980er Jahren tauchte diese Zweitmarke auf. Kaufcenter waren zunächst etwas größere Kaufhallen. Sie wirkten etwas besser, weil sie neuer waren. Das Logo ließ aber auf den ersten Blick erkennen, wo der Ursprung lag. Nach der Wende hießen zusätzlich auch etliche Filialen in den neuen Bundesländern „Kaufcenter“, denn dort war der Begriff Kaufhalle historisch bedingt anders belegt, nämlich in der Bedeutung von Supermarkt. (M.) multistore In den 1990er Jahren wurde das Multistore-Konzept eingeführt. Die neue Grundfarbe war nun Blau. Das Logo wurde binnen weniger Jahre zweimal verändert. Die ersten Filialen trugen einfach nur einen Schriftzug in Großbuchstaben; bei der ersten Veränderung wurde der Schriftzug in Kleinbuchstaben geschrieben und um den Vorsatz „M.“ in einem Quadrat ergänzt, wobei es keine Bedeutung für das zusätzliche M gab. In Version 2.2 wurde der Punkt hinter dem M in den Rahmen des Quadrats gerückt. Mit den Multistore-Filialen wurde versucht, das antiquierte, teils auch negative Image des Namens Kaufhalle abzulegen und mit neuem Namen und renovierten Kaufhallen-Flächen neue Kundenkreise zu erschließen. Die ersten vier Multistore-Filialen wurden 1997 in Paderborn, Passau, Kaufbeuren und Solingen eröffnet.
Verkauf, Rückgabe und Schließung mini|Die ehemalige Filiale in Kassel wurde 1999 zur Sportarena umgebaut mini|Kaufhalle München, Fürstenrieder Straße kurz vor der Schließung (Februar 2007) Im Jahr 2000 fand die Divaco ein Unternehmen, das die Kaufhalle als Ganzes übernehmen wollte. Der größte italienische Textilhändler Gruppo Coin hatte damals Pläne, außerhalb seines Heimatlandes Märkte zu erschließen. Dafür wurde die Vertriebsmarke Oviesse ausgesucht. Im September 2000 ging das operative Geschäft mitsamt 5000 Mitarbeitern, zwei Logistikzentren, einer Hauptverwaltung und den 99 Filialen von der Kaufhalle auf die deutsche Oviesse über. Einen Preis musste Gruppo Coin nicht bezahlen, vielmehr bekam das Unternehmen von der Divaco noch 64 Millionen Euro dazu. Dieses Geld hätte Divaco ansonsten auch weiterhin in die defizitäre Kette stecken müssen. Als erste wurde die Ulmer Filiale zu Oviesse umgebaut.
2002 zeigte sich Oviesse trotz Verlusten der deutschen Tochter noch zuversichtlich und bezeichnete Deutschland als „Kernmarkt für die Gruppe Coin“. Das Handelsblatt sprach vom „Comeback der totgesagten Kaufhalle“. Der Verlust betrug 45 Millionen Euro bei einem Umsatz von 189 Millionen Euro., Netzeitung.de, 30. Oktober 2003 Laut Deutschland-Chef Dieter von Aspern war geplant, 50 Geschäfte zu behalten und den Rest zu schließen. Im Herbst 2003 wurden jedoch 71 Kaufhäuser geschlossen, die zu diesem Zeitpunkt 1600 Mitarbeiter beschäftigten., Wallstreet-online.de, 29. Oktober 2003 Nur 17 blieben weiterhin in Betrieb. Woolworth übernahm 2004 fünf Filialen (Köln, Nürnberg, Passau, Remscheid und Solingen). Man schätzte, dass Oviesse 50. Mio. Euro für die Rück- oder Aufgabe der Filialen an die Kaufhalle zahlte. In: pz-news.de, Pforzheimer Zeitung, 11. Februar 2009.
An einigen Standorten zeigten sich auch Jahre nach der Aufgabe des operativen Geschäftes durch Oviesse noch Filialen mit den alten Namen. So gab es unter anderem noch eine Kaufhalle in München und einen M. multistore in der Stuttgarter Innenstadt. Einige Filialen wurden als M. multistore reaktiviert. 2007 waren schließlich alle Filialen geschlossen worden.
Die Kaufhalle AG als Immobiliengesellschaft nach dem September 2000 mini|Ehemalige Kaufhalle an der Konstablerwache in Frankfurt, heute zur Hälfte H&M (links) und Conrad (rechts) Nach Abgabe des operativen Geschäftes wurde die Kaufhalle AG zur reinen Immobiliengesellschaft. Sie vermietete die Filialen an Oviesse, wobei viele Filialen noch Kaufhalle hießen. Mit dem Entschluss der Oviesse, den deutschen Markt aufzugeben, bekam Kaufhalle eine Ablösesumme von 50 Millionen Euro für den entstehenden Mietverlust. Nach dem Auszug von Oviesse aus allen Filialen versuchte Kaufhalle ihre Immobilien neu zu vermieten. Größere Mieter mit etlichen gemieteten Filialen in den letzten Jahren waren „Billig-Kaufhaus“ und KarstadtQuelle mit Restpostenmärkten für nicht verkaufte Versandhauswaren. 38 Kaufhalle-Immobilien wurden 2007 an Dawnay Day verkauft; diese britische Gesellschaft betrieb in Deutschland auch die Hertie-Kaufhäuser. Seit 2003 gehörte die Kaufhalle AG mittelbar der WestLB (49,5 %), der Metro (49 %) und der Provinzial Rheinland (1,5 %). Die Erfüllung von Pensions- und Versorgungsverpflichtungen gegenüber ehemaligen Kaufhalle-Mitarbeitern wurde 2010 auf die Providus GmbH in Langenburg übertragen, die vom ehemaligen Metro-Vorstand Siegfried Kaske abgewickelt wurde.
Auswahl ehemaliger Filialen
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