Als Buntpapier wird Papier bezeichnet, das mittels unterschiedlicher Techniken manuell oder maschinell bearbeitet wurde. Der englische Fachbegriff lautet decorated paper. Der Begriff wird darüber hinaus umgangssprachlich für industriell hergestelltes einfarbiges Bastelpapier verwendet. Buntpapier dient zum Umhüllen, Bekleben und Auskleiden von Gegenständen und Verpackungen oder als künstlerischer Bedarf. Nicht als Buntpapier gelten Tonpapier und Tonkarton, die aus direkt in der Masse gefärbtem Stoff hergestellt werden. Albert Haemmerle, dem Doyen der deutschsprachigen Buntpapiergeschichtsforschung, verdankt sich eine 1970 publizierte begriffliche Abgrenzung:

Geschichte Japanisches Suminagashi-Papier aus der Heian-Zeit (794–1185) ist das älteste überlieferte Beispiel für Buntpapierherstellung. Auf verziertem Papier wurden Gedichte niedergeschrieben. Auch in Persien wurde Marmorpapier für kalligrafische Arbeiten verwendet. Das älteste bekannte deutsche Buntpapier (ein einfarbig gestrichenes Papier) wird auf ca. 1430 datiert. Marmoriertes Papier lernte Europa um 1600 über die Türkei kennen, wo man es „Ebru“ nannte. In Europa hieß dieses Buntpapier nach seiner Einführung noch häufig „türkisch Marmor“ oder „türkisch Papier“.

Techniken und Sorten (Auswahl) Beim Dekorieren von Papier können eine Reihe von Techniken eingesetzt und auch miteinander kombiniert werden.Peter F. Tschudin: Grundzüge der Papiergeschichte. 2., erg. Auflage. Hiersemann, Stuttgart 2012, S. 223–232 Die Sortenbezeichnungen spiegeln zum Teil diese Techniken wider (z. B. „Modeldruckpapier“, „Walzendruckpapier“, „Schablonenspritzpapier“), zum Teil benennen sie die Erscheinungsform der Oberflächen bzw. des Dekors (z. B. „Holzmaserpapier“, „Moirépapier“, „Kalbslederpapier“) oder beziehen sich auf Rohstoffe und Pigmente („Metallpapier“, „Glimmerpapier“, „Wollvelourspapier“). Immer wieder wird versucht, das Erscheinungsbild historischer Techniken durch andere, oft preisgünstigere Verfahren zu imitieren.

Einfarbiges Papier Die Farbe kann sowohl manuell als auch maschinell aufgebracht sein, Werkzeugspuren sind nicht sichtbar. In der industriellen Buntpapierfabrikation erhält die Gestaltung der Papieroberfläche einen hervorgehobenen Stellenwert. Einfarbiges Glanz- und Glacépapier sind Buntpapiersorten, deren Oberfläche durch Kalandrieren, Bürsten oder Bearbeiten mit dem Achatstein geglättet werden. Diese Oberflächen werden häufig mit Prägeplatten und Prägewalzen weiter zu reliefiertem Papier veredelt.

Einfarbig gestrichenes Papier Farbe wird vollflächig mit dem Pinsel aufgetragen. Die Spuren der Pinselborsten sind erkennbar.

Kleisterpapier

Bei Kleisterpapier werden Kleisterfarben aus Stärkekleister und aus in Wasser löslichen Farbmitteln hergestellt und erlauben gezielte Abstufungen der Farbintensität. Zum Auftragen der Farbe werden vor allem Bürsten, Pinsel und Schwämme verwendet. Geädertes Kleisterpapier entsteht beispielsweise durch das sogenannte Abzugverfahren, aber auch mit verschiedenen Tupftechniken. Mit Stempeln, Rollen, Walzen, Holzstäben, Kämmen oder auch Fingern können in die noch feuchte Farbe Muster eingedrückt werden (Kleisterpapier mit Verdrängungsdekor, manchmal auch „Papier nach Herrnhuter Art“ oder Herrnhuter Kleisterpapier genannt).

Rieselpapier

Bei Rieselpapier wird aufgesprenkelte oder aufgetropfte gefärbte oder ungefärbte Flüssigkeit über die Papieroberfläche fließen gelassen. Dabei werden auf der Oberfläche deutlich sichtbare Rieselspuren hinterlassen. Der Effekt kann mechanisch, durch Zusatz von Chemikalien zur Rieselflüssigkeit oder durch eine Kombination aus beidem erzielt werden.

Marmoriertes Papier

Bei marmoriertem Papier oder Marmorpapier (historische Benennungen: „Tunkpapier“, „türkisch Papier“) wird die Farbe zunächst auf die Oberfläche von Wasser oder einem beispielsweise aus Carrageen oder Traganth hergestellten Schleimgrund durch Spritzen oder Tropfen aufgebracht und mittels die Oberflächenspannung beeinflussender Treibmittel sowie unter Zuhilfenahme mechanischer Mittel (Stäbchen, Kämme etc.) in der gewünschten Form verteilt. Der so entstandene Farbenteppich wird anschließend mit einem Papierbogen komplett abgehoben, wodurch das Muster seitenverkehrt auf den Bogen übertragen wird. Beim japanischen Suminagashi-Papier wird Tusche auf Wasser verteilt, wobei Kieferharzöl als Treibmittel eingesetzt wird. Bei europäischem Marmorpapier wird häufig Ochsengalle als Treibmittel eingesetzt. Bei Marmorpapier unterscheidet man eine Vielzahl von Mustern, die nur zum Teil nach den Formen („Steinmarmor'“, „Adermarmor“, „Schneckenmarmor“, „Bukettmarmor“, „Wellenmarmor“, „Tigeraugenmarmor“) benannt werden; andere Sortenbezeichnungen sind „Antikmarmor“, „Wandamarmor“ etc. Der Begriff „Marmor“ wird dabei nicht nur auf Sorten angewandt, die im Marmorierverfahren hergestellt wurden. Das ist historisch belegt und hat sich auch international durchgesetzt.Richard J. Wolfe: Marbled paper: its history, techniques, and patterns; with special references to the relationship of marbling to bookbinding in Europe and the Western world. University of Pennsylvania Press, Philadelphia 1990

Bedrucktes Papier Alle Techniken des Druckens können grundsätzlich auch zum Veredeln von Papier verwendet werden.

Hochdruck

Erhabene Druckformen kommen beim Hochdruckverfahren, so unter anderem bei Stempeldruckpapier, bei Bronzefirnispapier, bei Modeldruckpapier und bei Walzendruckpapier mit erhabener Druckform zur Anwendung. Der Künstler Otto Hupp verwendete das typografische Material (Ornamente) der Schriftgießerei E. J. Genzsch in München zur Gestaltung von Vorsatzpapieren.digi.ub.uni-heidelberg.de abgerufen am 31. August 2023

Modeldruckpapiere werden unter Verwendung von als Model bezeichneten Druckstöcken hergestellt. „Die Arbeiten der Modelstecherei bezwecken die Darstellung erhaben ausgeschnittener Zeichnungen auf hölzernen Stöcken oder Tafeln, um damit Abdrücke in beliebigen Farben auf Papier und Zeugen aller Art darzustellen.“Christian Heinrich Schmidt: Die Formschneidekunst oder die Herstellung von Druckformen oder Druckmodeln für die Zeugdruckerei, für das Bedrucken von Wachstuch, Tapeten und Spielkarten; ferner die Ausführung von Buchdruckereivignetten und Verzierungen, sowohl durch Abklatschen und Abgießen, als auch durch Galvanoplastik ; und endlich das Guillochiren, Graviren, Punziren und Molettiren der Druckwalzen nach dem neuesten Standpuncte dieser Kunst. (Neuer Schauplatz der Künste und Handwerke; 173), 2., verm. Aufl. Voigt, Weimar 1852., S. 3. Die historische Benennung „Kattunpapier“ geht auf die Verwendung ähnlicher Model beim Bedrucken leichter Baumwollstoffe zurück.

„Dominotier-Papier“ (frz. papier dominoté) bezeichnet einen einfarbigen Modeldruck, der mit schablonierten, handgemalten oder handkolorierten Elementen ergänzt wurde.André Jammes: Papiers dominotés, 2010.Gefärbt, gekämmt, getunkt, gedruckt: die wunderbare Welt des Buntpapiers; Katalog zur Sonderausstellung im Mainfränkischen Museum Würzburg 22. Oktober 2011 bis 29. Januar 2012, Frauke van der Wall (Hrsg.). Würzburg, 2011, ISBN 978-3-932461-29-3, S. 42 Als „Rizzi-Papier“ wird Modeldruckpapier bezeichnet, das etwa ab 1904 von Giuseppe Rizzi in Varese nach älteren italienischen Vorbildern hergestellt wurde.

Als „Japanisches Figurenpapier“Otto Winckler: Der Papierkenner. Ein Handbuch und Rathgeber für Papier-Käufer und Verkäufer, technische Lehranstalten etc. Grieben, Leipzig 1887. Papier-Probe No. 15. wurden dünne japanische Seidenpapiere (Tengujo) bezeichnet, die als Schutz- und Trennpapier Verwendung fanden und z. B. in den 21 zwischen 1895 und 1900 publizierten Heften der Zeitschrift PAN vor den originalgrafischen Blättern eingebunden waren. Die nur 11,5 Gramm pro Quadratmeter flächenbezogene Masse aufweisenden Papiere zeigten die charakteristische Struktur des aus Bambusstäbchen gebildeten flexiblen Schöpfsiebs und waren mit Ornamenten in weißer Farbe bedruckt.Frieder Schmidt: Buntpapier. In: Die Buchkultur im 19. Jahrhundert. Band 2/1: Monika Estermann und Frieder Schmidt: Zeitalter – Materialität – Gestaltung. Veröffentlichung der Maximilian-Gesellschaft für das Jahr 2016. Hamburg 2016, S. 427–484, hier S. 466–467 und Abb. 24–27.

Tiefdruck Im Tiefdruckverfahren wurde Buntpapier als Kupferstich oder als Walzendruckpapier mit gravierten Walzen produziert.

Flachdruck Die Lithografie erlangte unter den Flachdruckverfahren mit lithografiertem Papier die größte Bedeutung für die Buntpapierfabrikation des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts.

Durchdruck Mittels Schablonen gefärbtes Schabloniertes Papier wird historisch auch als „patroniertes Papier“ bezeichnet. Mit Schablonen wurden unter anderem Brokatpapiere und Dominotierpapiere zusätzlich koloriert.

Das Siebdruckverfahren, bei dem Seidengaze als Schablonenträger verwendet wurde, kam zu Beginn des 20. Jahrhunderts in den USA auf. Es erlaubt einen dicken Farbauftrag, zudem können helle Farben auf dunklem Untergrund gedruckt werden. Es wird sowohl im Handsiebdruck als auch im industriellen Maßstab vornehmlich in Asien eingesetzt.Julia Rinck: Siebdruckpapier. In: Susanne Krause, Julia Rinck: Handbuch Buntpapier. Hauswedell, Stuttgart 2021, S. 248–253.

Muster, die früher häufig mittels Schablonen auf das Papier übertragen wurden, werden heute oft im Siebdruckverfahren hergestellt. Dies gilt z. B. für die japanischen Chiyogami-Papiere, die häufig für Origami Verwendung finden. Muster aus der Produktion der Chang Chuen Cotton Mill Pu-Li, Taiwan finden sich bei Fred Siegenthaler.Fred Siegenthaler: Siebdruck-Papiere = Papier de l’impression au cadre = Silk screen printed paper. Papier-Mitteilung Nr. 42 der Sandoz Products Ltd., Horsforth, Leeds, IBS Paper, 1. Januar 1992.

Geprägtes Papier

Ein Relief im Papier wird durch Prägung erzeugt, es erfolgt mittels einer Matrize eine Verformung des Papiers. Eine Patrize wird vor allem bei moderneren Prägeverfahren angewendet. Weiterhin kann eine Beschichtung mit Edelmetall oder (häufiger) einem Schlagmetall erfolgen. Zu dieser Gruppe gehört das Brokatpapier. Dieses konnte auf einfarbigem oder mehrfarbigem Papier geprägt werden. Mehrfarbige Papiere wurden mit Schablonen (hist. „Patronen“) gestaltet.

Weitere typische Beispiele Geprägter Papiere sind Moirémuster oder spezielle Lederimitationen, bei denen die Prägematrizen durch Abgüsse von originalen Ledermustern gewonnen werden.

Sprenkelpapier Sprenkelpapier ist der Oberbegriff für Papier, das ganz mit meist gleichmäßig verteilten Sprenkeln ähnlicher Größe bedeckt ist. Kleine (meist schwarze, selten braune) Farbspritzer auf beige gestrichenem Grund sind charakteristisch für „Kiebitzpapier“, da ihr Aussehen an die Eier des Vogels erinnert. Die Kombination hell- und dunkelgrauer Farbtöne ergibt „Granitpapier“. Deckt man einen Teil des Grunds beim Aufsprühen oder Aufspritzen der Farbe mit entsprechend konturierten Schablonen ab, so lässt sich „Schablonenspritzpapier“ mit charakteristischen Farbverläufen herstellen.

Batikpapier Bei Batikpapier wird die Musterung auf indirektem Weg (Reservetechnik) erzeugt. Durch Wachsauftrag werden die Stellen abgedeckt, an denen keine Farbe aufgenommen werden soll. Nach Eintauchen in ein Farbbad und anschließendem Trocknen wird das Wachs durch Hitze entfernt. Wie beim Batiken von Textilien lassen sich Muster auch durch Abbinden („Plangi“) erzielen. Auch einige Varianten der japanischen Textilfärbetechnik Shibori lassen sich auf geeignetem Papier durchführen.

Hersteller Buntpapiermacher