Borchen ist eine Gemeinde in Nordrhein-Westfalen, Deutschland, und gehört zum Kreis Paderborn.
Geografie Geografische Lage Die Gemeinde Borchen liegt auf der Paderborner Hochfläche und damit im südöstlichen Winkel der Westfälischen Bucht, sie hat aber auch einen kleinen Anteil am östlichen Hellwegraum. Am nordwestlichen Ortsrand des Kernorts mündet die Altenau in die Alme, dort wo die A 33 an Borchen vorbei führt.
Der tiefste Punkt des Gemeindegebiets liegt auf , der höchste auf .
Geologie mini|Schichtstufe über dem Almetal bei Kirchborchen mini|Geothermische Karte von Borchen Der Untergrund des Gemeindegebiets besteht vorrangig aus Mergelkalk-, Kalkmergelstein und schwach sandführendem Mergelkalkstein der Oberkreide. Die Gesteine sind tektonisch wenig gestört, schwach nach Westen zum Inneren der Münsterländer Bucht geneigt und liegen über einem Sockel aus gefalteten Gesteinen aus Devon und Karbon. Im Nordwesten des Ortes Borchen liegt auf den Schichten der Kreide zum Teil eine dünne, aus eiszeitlichen Ablagerungen wie Grundmoräne, Schmelzwasser- und Flusssedimenten bestehende Lockergesteinsschicht.
Der Untergrund ist verkarstungsfähig, wovon eine Vielzahl von Erdfällen auf der Paderborner Hochfläche und Schwalglöchern in den Bach- und Flusstälern zeugt. Er ist ein guter Karstgrundwasserleiter, aber auch wegen der geringen Filterwirkung des Erdreichs verschmutzungsanfällig. Das versinkende Niederschlags- und Oberflächenwasser im westlichen Gemeindegebiet fließt in den Karstgerinnen nach Nordwesten entlang der Schichtneigung und tritt in den Borchener Karstquellen wieder zu Tage. Beispielhaft sei der Storchenkolk genannt. Östlich einer Linie von Schloss Hamborn nach Lichtenau-Ebbinghausen (Lichtenau) versinkendes Wasser tritt in den Paderquellen wieder aus. Die Gemeinde wird wegen der beschriebenen Verschmutzungsgefährdung des eigenen Wassers bereits seit 1977 von den Stadtwerken Paderborn mit Trinkwasser versorgt. Zwischen 1977 und 1990 wurde das Wasser aus Paderborn-Marienloh bezogen, seitdem kommt es aus der Aabach-Talsperre.
Die kreidezeitlichen Mergelkalksteine werden derzeit nicht abgebaut und sind als potentielles Reservegebiet für die Zementindustrie anzusehen. Als Ziegelrohstoff werden Ton und Schluff des Quartärs genutzt.
Aus den Gesteinen der Oberkreide sind die Böden in der Gemeinde entstanden. Durch Verwitterung hat sich eine lediglich bis zu 50 cm dicke steinig-tonige Lehmschicht mit Verbraunung gebildet. Diese Braunerden sind zum großen Teil basenreich und bedecken die Hochfläche fast vollständig. Der Löss des Eiszeitalters – ehemals weitverbreitet – wurde örtlich infolge von Rodungen im Mittelalter in die Trockentäler erodiert und hat dort Kolluvien gebildet. Nordwestlich von Borchen befindet sich über der Grundmoräne eine Deckschicht aus Löss, der zu Braunerde verwittert ist. Hier staut sich zum Teil Sickerwasser über nicht wasserdurchlässigen Bodenschichten, in der Folge entstanden Pseudogley. In den Tälern der Altenau und der Alme herrschen nährstoffreiche Auenböden vor.
Borchen eignet sich gut bis sehr gut zur Nutzung von geothermischen Wärmequellen mittels Erdwärmesonde und Wärmegewinnung durch Wärmepumpenheizungen (vgl. dazu die nebenstehende Karte). (PDF; 369 kB)
Ausdehnung und Nutzung des Gemeindegebiets Die als „große Landgemeinde“ klassifizierte Gemeinde liegt auf einer Höhe zwischen (im Almetal) und (östlich von Dörenhagen) und bedeckt eine Fläche von 77,13 km². Den größten Flächenanteil nehmen Wald- und Landwirtschaftsfläche mit zusammen ca. 87,2 % ein, Siedlungs- und Verkehrsfläche bedecken weitere rund 11,2 %. Die Ost-West-Ausdehnung beträgt etwa 13 km, die Nord-Süd-Ausdehnung etwa 10 km.
Flächenach Nutzungsart Landwirt-schaftsfläche Wald-fläche Gebäude-, Frei-und Betriebsfläche Verkehrs-fläche Fläche in km² 51,63 15,68 4,30 4,36 Anteil an Gesamtfläche 66,92 % 20,32 % 5,57 % 5,65 % Flächenach Nutzungsart Wasser-fläche Sport- undGrünfläche sonstigeNutzung Fläche in km² 0,33 0,75 0,10 Anteil an Gesamtfläche 0,43 % 0,97 % 0,13 %
Nachbargemeinden Im Norden beginnend im Uhrzeigersinn grenzen an Borchen die Kreisstadt Paderborn, sowie die Städte Lichtenau, Bad Wünnenberg und Salzkotten, die allesamt dem Kreis Paderborn angehören.
Gemeindegliederung Nach § 4 ihrer Hauptsatzungborchen.de: gliedert sich die Gemeinde Borchen in die fünf Bezirke (Ortschaften): Bevölkerungszahlen der Ortsteile Stand: 31. Dezember 2007 Ortsteil Einwohner Gliederung der Gemeinde Borchen Alfen 1956 300px|zentriert Dörenhagen (mit Eggeringhausen und Busch) 1471 Etteln 1920 Kirchborchen (mit Schloss Hamborn) 4192 Nordborchen 3957
Klima
Geschichte Borchen existiert in seiner heutigen Form erst seit 1969. Seine Vorgängerorte gehörten seit ihrer Gründung zur weltlichen Herrschaft des deutschen Bistums Paderborn, ursprünglich im Herzogtum Sachsen. Der Name ist erstmals in einer Urkunde aus der Zeit zwischen 1014 und 1028 genannt. Es geht darin um einen Hof namens Burgnum. Ab dem 14. Jahrhundert bildete sich das Territorium Hochstift Paderborn im Heiligen Römischen Reich, ab dem 16. Jahrhundert dem niederrheinisch-westfälischen Reichskreis zugehörig. 1802/03 wurde das Hochstift vom Königreich Preußen besetzt. Preußen musste 1807 im Frieden von Tilsit alle linkselbischen Territorien abgeben; das Gebiet fiel an das Königreich Westphalen. Dieses Königreich zerbrach 1813. Das Gebiet kam beim Wiener Kongress zurück an Preußen, das hier neue Verwaltungsstrukturen schuf, die in abgewandelter Form bis heute fortwirken. So kommt das Gebiet zum 1815 gebildeten Regierungsbezirk Minden in der neugeschaffenen Provinz Westfalen. 1816, bei der Bildung der neuen Landkreise, kamen Alfen, Nordborchen, Kirchborchen und Dörenhagen zum Kreis Paderborn – hier gehörten sie zum Amt Kirchborchen – und Etteln kam zum Kreis Büren, wo es bis 1974 zum Amt Atteln gehörte.
Mit Bezug des neuen Rathauses 1984, dessen Grundstein 1983 gelegt wurde, verlegte die Gemeinde Borchen ihren Sitz in den Ortsteil Kirchborchen.
Zur Geschichte der einzelnen Ortsteile siehe den Abschnitt Geschichte bei Alfen, Dörenhagen, Etteln, Kirchborchen und Nordborchen.
Vor-, Früh- und Mittelaltergeschichte mini|Steinkiste am Lechtenberg bei Gellinghausen Auf dem Gebiet der heutigen Gemeinde Borchen finden sich menschliche Spuren, die bis in die Letzte Kaltzeit hinein reichen. Als ältestes Zeugnis menschlicher Existenz auf dem Gebiet der heutigen Gemeinde Borchen gilt ein Werkzeug im Stil der Federmesser-Gruppen.
Die meisten Funde dieser Art stammen aus dem Neolithikum, speziell der Michelsberger Kultur; sie gehören also einer bäuerlichen Kultur an. Von der Besiedelung des Gebiets der heutigen Gemeinde während der älteren Bronzezeit zeugen über 30 Grabhügel und Gräberfelder aus dieser Zeit.
Wallburg Gellinghausen Die Wallburg Gellinghausen, auch Hünenburg genannt, entstand als Schutzburg in verschiedenen Entwicklungsphasen zwischen ca. 700 v. Chr. bis ca. 1200 n. Chr. Der Befund früher Bauphasen deutet auf die keltische Kultur bzw. deren Einfluss hin.
Turmhügelburg Haxterberg Im Mittelalter stand auf dem Haxterberg eine im Geländeprofil noch erkennbare Turmhügelburg, die ursprünglicher Stammsitz des Adelsgeschlechts von Haxthausen war, aus dem die Mutter der Dichterin Annette von Droste-Hülshoff stammte, an die das Annette-Tempelchen beim Mallinckrodthof in Borchen erinnert.
Hexenprozesse in Borchen Von 1597 bis ca. 1611 wurden Hexenprozesse in Borchen auf dem Gebiet der heutigen Gemeinde Borchen durchgeführt. 13 Menschen wurden angeklagt, darunter Elisabeth Schaefer, Margaretha Vogt, „Die Josepsche“ von Etteln und Gertraud Kneips, neun Personen wurden wegen angeblicher Zauberei verbrannt.
Ortsname Die frühesten Schriftzeugnisse sind Burgnum (1014–1028), Burgnun (1015), Burgnon (1031). Erst im 14. Jh. findet sich die heutige Form. Wenn nicht altsächsisch burg (‚Stadt, Burg‘) zugrunde liegt, wird es wohl urgermanisch *burginum (‚bei den Gräbern‘) sein.
Religionen Die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung Borchens ist katholisch. Für diese gibt es fünf katholische Kirchengemeinden: St. Michael, St. Laurentius, St. Walburga, St. Simon und Judas Thaddäus und St. Meinolfus. Diese sind Teil des Pastoralen Raumes Elsen-Wewer-Borchen und gehören zum Dekanat Paderborn des Erzbistums Paderborn.
Die evangelische Bevölkerung in den Ortsteilen Alfen, Kirchborchen und Nordborchen gehört der evangelischen Stephanus-Kirchengemeinde Borchen an, die auch den Paderborner Stadtteil Wewer umfasst. Dörenhagen gehört zum Lukas-Pfarrbezirk der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde Paderborn und Etteln zur Kirchengemeinde Lichtenau, alle im Kirchenkreis Paderborn der Evangelischen Kirche von Westfalen.
Ein Indiz für die Verteilung kann die Angabe der konfessionellen Zugehörigkeit der Borchener Schüler sein. Demnach sind rund 55 % der Schüler katholisch, 21 % evangelisch, unter 1 % islamisch. 7 % geben an, einer sonstigen Konfession anzugehören, und 16 % rechnen sich keiner Konfession zu.Landesamt für Datenverarbeitung und Statistik Nordrhein-Westfalen:
Eingemeindungen Am 1. Juli 1969 schlossen sich die Gemeinden Alfen, Nordborchen und Kirchborchen des Amtes Kirchborchen auf Basis des Gesetzes über den Zusammenschluss der Gemeinden Alfen, Kirchborchen und Nordborchen im Landkreis Paderborn vom 14. Januar 1969Gesetz über den Zusammenschluss der Gemeinden Alfen, Kirchborchen und Nordborchen, Landkreis Paderborn. vom 14. Januar 1969. zur Gemeinde Borchen mit Sitz zunächst in Nordborchen zusammen, wobei für die ersten Jahre das 1880 bezogene Amtshaus an der heutigen Paderborner Straße der neugebildeten Gemeinde als Rathaus diente.
Durch das Sauerland/Paderborn-GesetzGesetz zur Neugliederung der Gemeinden und Kreise des Neugliederungsraumes Sauerland/Paderborn (Sauerland/Paderborn-Gesetz). vom 5. November 1974. wurden am 1. Januar 1975 die bisherigen Gemeinden Borchen, Dörenhagen und Etteln zur neuen Gemeinde Borchen zusammengeschlossen, das Amt Kirchborchen wurde aufgelöst. Rechtsnachfolgerin wurde die Gemeinde Borchen. Wewer, das bis 1969, und Dahl, das bis einschließlich 1974 ebenfalls zum Amt Kirchborchen gehört hatte, wurden nach Paderborn eingemeindet.
Einwohnerentwicklung Bei den Zahlen handelt es sich ab 1975 um amtliche Fortschreibungen des Landesbetriebs Information und Technik NRW, Geschäftsbereich Statistik.Landesbetrieb für Information und Technik Nordrhein-Westfalen, Geschäftsbereich Statistik: Landesdatenbank Nordrhein-Westfalen. Die Zahlen von 1975 bis 1985 sind geschätzte Werte, die Angabe für 1987 ist ein VolkszählungsergebnisLandesbetrieb Information und Technik NRW: Sonderreihe zur Volkszählung 1987 in Nordrhein-Westfalen, Band 1.1 Bevölkerung, Privathaushalte und Erwerbstätige. Düsseldorf 1989, S. 110. und die Zahlen ab 1990 Fortschreibungen auf Basis der Ergebnisse dieser Volkszählung, ab 2012 Fortschreibungen auf Basis des Zensus 2011.https://www.landesdatenbank.nrw.de/ldbnrw/online?operation=ergebnistabelleInfo&levelindex=3&levelid=1641932928255#abreadcrumb Die Angaben beziehen sich bis inklusive 1984 auf die Wohnbevölkerung und ab 1985 auf die Bevölkerung am Ort der Hauptwohnung.
Seit Gründung der Gemeinde Borchen in ihrer heutigen Gestalt 1975 hat sich die Einwohnerzahl von 8.930 auf 13.597 erhöht, das entspricht einer Steigerung um etwa 52 %.
Die Zahlen vor 1975 beziehen sich auf das heutige Gemeindegebiet.
mini|hochkant=2.0|Bevölkerungsentwicklung von Borchen von 1961 bis 2017 nach nebenstehender Tabelle Jahr Einwohner 1961 6.857 1970 7.922 1974 8.751 1975 8.930 1980 10.013 1985 10.261 1987 10.272 1990 11.071 Jahr Einwohner 1995 12.338 2000 12.976 2001 13.085 2002 13.204 2003 13.221 2004 13.355 2005 13.405 2006 13.495 Jahr Einwohner 2007 13.527 2008 13.597 2012 13.144 2016 13.449 2017 13.465 2022 13.685 2025 13.722
Politik
Gemeinderat Der Gemeinderat von Borchen hat derzeit 28 Sitze. Hinzu kommt der Bürgermeister als Ratsvorsitzender.