Alt-Hohenschönhausen () ist ein Berliner Ortsteil im Bezirk Lichtenberg. Bis zur Bezirksreform 2001 war er unter der Bezeichnung Hohenschönhausen der namensgebende Ortsteil des Bezirks Hohenschönhausen, davor bis 1985 ein Ortsteil im Bezirk Weißensee. Bei der Neubildung des Ortsteils Neu-Hohenschönhausen im Jahr 2002 wurde der Name in Alt-Hohenschönhausen geändert. Der Ortsteil hat Einwohner (Stand: ).
Lage Alt-Hohenschönhausen befindet sich im Nordosten Berlins auf dem Barnim. Der Namenszusatz Hohen- ist als Abgrenzung gegenüber dem tiefer gelegenen Niederschönhausen zu verstehen. Die höchsten Erhebungen im Ortsteil sind der Lindwerderberg am Obersee sowie der Fuchsberg auf dem Friedhof der St.-Pius- und St.-Hedwigs-Gemeinde. Der Obersee sowie der benachbarte Orankesee sind die einzigen größeren Gewässer im Ortsteil.
Die Grenzen richten sich vorwiegend am bestehenden Straßen- und Eisenbahnnetz aus. Im Süden bildet die Landsberger Allee die Grenze zu Lichtenberg. Die östliche Begrenzung nach Marzahn (Bezirk Marzahn-Hellersdorf) bildet der Berliner Außenring. Die nördliche Grenze nach Neu-Hohenschönhausen wird durch die Arnimstraße, den Rüdickengraben sowie die nördliche Bebauungsgrenze an der Bitburger Straße gebildet. Nach Westen hin grenzt der Ortsteil Weißensee (Bezirk Pankow) an. Die Grenze verläuft zunächst entlang der Perler Straße, der Trasse der stillgelegten Industriebahn Tegel–Friedrichsfelde und weiter über die Suermondtstraße. Von dort aus führt sie weiter über den Orankestrand und Orankeweg zur Indira-Gandhi-Straße und dieser sowie dem Weißenseer Weg folgend bis zur Landsberger Allee zurück. Am südwestlichen Rand grenzt der Ortsteil Fennpfuhl an Alt-Hohenschönhausen.
Geschichte mini|Erwähnung Hohenschönhausens in einer Urkunde vom 4. Februar 1356 mini|Gedenktafel in Berlin-Alt-Hohenschönhausen Anfänge Die ältesten Siedlungsfunde auf Hohenschönhauser Gebiet stammen aus der Bronzezeit. Entsprechend der Besiedlung des Berliner Raumes könnten Menschen bis um 10.000 v. Chr. hier gelebt haben. Das Gebiet war in den ersten Jahrhunderten unserer Zeitrechnung vor allem von Sprewanen und Hevellern besiedelt.
Hohenschönhausen wurde als ein typisches Straßendorf angelegt. Die Besiedlung des Ortes begann in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts im Zuge der deutschen Ostexpansion. Die Kolonisatoren kamen vermutlich aus der Gegend von Schönhausen in der Altmark. Damit ließe sich der Ortsname erklären, der sich von slawischen Namen der umgebenden Dörfer, wie Malchow oder Marzahn, abgrenzt. schön, was auch klar oder hell bedeuten kann, könnte die Hoffnungen der ansässigen Siedler ausdrücken, die sie in ihrer neuen Heimat hatten. Hausen stammt von dem sächsischen Wort Hus und bedeutet Haus. Im 14. Jahrhundert folgte der Zusatz Hohen (Ho-, Hogen-) um sich vom tiefer gelegenen Niederschönhausen (Nydderen Schonhusen) abzugrenzen.
mini|Taborkirche (ältestes Bauwerk Hohenschönhausens)
Im Jahr 1230 begann der Bau der spätromanischen Dorfkirche, die das älteste noch existierende Gebäude des Ortsteils ist. Der erste indirekte schriftliche Hinweis für die Existenz des Dorfes findet sich in einer Berliner Ratsurkunde vom 19. August 1284, in der der Name „Conradus de Schonehusen“ auftaucht. Ob es sich dabei um besagtes Hohenschönhausen handelt, ist ungewiss. Der erste sichere schriftliche Beleg stammt aus dem Jahr 1356, in der der „henricus bilebeke rector ecclesie in alta schonehusen“, also der Pfarrer der Kirche von Hohen Schönhausen Heinrich Billerbeck in einer Urkunde erwähnt wird.Heinrich Billerbeck, Pfarrer in Hohenschönhausen, entscheidet als delegierter Richter des Bischofs von Brandenburg in der Auseinandersetzung um eine Altarbesetzung in der Marienkirche Templin zwischen den von den Markgrafen Ludwig der Römer und Woldemar von Brandenburg gleichzeitig präsentierten Kandidaten. Urkunde, 1352, Brandenburgisches Landeshauptarchiv; deutsche-digitale-bibliothek.de Billerbeck entschied in einer Auseinandersetzung um eine Altarbesetzung gegen den vom „falschen Waldemar“ eingesetzten Kandidaten. Weitere vier Jahre später wurde das Dorf erneut erwähnt, als die Adelsfamilie von Rochow den Kalandsherren auf dem Barnim den Besitz von zwei Hufen „in campis nostre ville alte Schonehusen“ bestätigen. Jene Familie Rochow besaß in Hohenschönhausen neben ihrem Anteil an Pacht und Zins 16 Hufen sowie den Zehnt von drei Höfen, die höhere Gerichtsbarkeit und den Wagendienst.
Infolge des Berliner Unwillens verloren zahlreiche wohlhabende Patrizier ihre Besitzungen, die daraufhin an treue Gefolgsleute des Kurfürsten verteilt wurden. Die von dieser Maßnahme betroffene Familie von Rochow verlor ihren Hohenschönhauser Anteil im Jahr 1448, der daraufhin als Lehnschulzengut an Paschen Donewitz und seine beiden Söhne Merten und Peter Donewitz ging. 1450 entstand daraus ein Rittergut, das zehn Freihufen und eine Schäferei umfasste und sich im Besitz von Hans Glienicke befand.
Herrschaft der Familie Röbel Das Rittergut wurde 1480 der Familie von Röbel übertragen, die neben Hohenschönhausen noch weitere Dörfer nordöstlich des mittelalterlichen Berlins besaßen, unter anderem knapp die Hälfte von Wartenberg. Ab 1513 befand sich einer ihrer Wohnsitze im Dorf Hohenschönhausen. 1527 wurde Arnt von Röbel mit einem Anteil an Leibchel, Sglietz und Skuhlen in der Niederlausitz belehnt. Mitbelehnt zur gesamten Hand waren Hans, Valten und Joachim Röbel zu Buchen (Berlin-Buch), Joachim, Peter, Wulf und Georg Röbel, Gebrüder zu Schonhause (Hohenschönhausen), Martin Röbel zu Buche (Berlin-Buch) sowie Hans und Dietrich Röbel, Gebrüder und Antonius Röbel zu Eigenstorff (Eggersdorf bei Strausberg: Petershagen-Eggersdorf). Im Jahr der Einführung der Reformation in der Mark Brandenburg (1539) übernahm Hohenschönhausen den neuen Glauben, die umliegenden Dörfer folgten etwa zur gleichen Zeit.
mini|Schloss (ältestes Wohnhaus Hohenschönhausens) während der Renovierungsarbeiten im Mai 2006
Im 16. Jahrhundert wurde der brandenburgische Adel von den Getreidezöllen befreit. In der Folgezeit strebte der Adel die Vergrößerung seiner Eigenbetriebe an. Dies geschah vor allem durch das sogenannte „Bauernlegen“, was bedeutete, dass die Bauern zunehmend in die Abhängigkeit der Dorfherren gerieten, und dadurch ihren sozialen Niedergang erlitten. Die Röbels hingegen profitierten von den neuen Umständen und bauten ihren Herrschaftssitz in Hohenschönhausen aus. Der neu errichtete Sitz nahm den Grund des Schulzengerichts und eines ehemaligen Bauernhofes ein. Spätestens seit der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts handelt es sich um einen massiven Steinbau, das Schloss Hohenschönhausen.
Während des Dreißigjährigen Krieges wurde das Dorf ab 1626 in Mitleidenschaft gezogen. Neben den durchziehenden Schweden plünderten auch die kaiserlichen Truppen unter Wallenstein Hohenschönhausen und die umliegenden Ortschaften. Selbst die Dorfkirche wurde nicht verschont. Aus Furcht, ein weiteres Mal ausgeraubt zu werden, richteten die Bewohner Hohenschönhausens ihre Häuser nicht wieder her. Die Verwüstung war immens und die durch den Krieg bedingte Hungersnot groß. Hinzu kamen in den Folgejahren noch die Pest und weitere Plagen. So wurde im Jahr 1651 von einer entsetzlichen Heuschreckenplage berichtet. Ein Jahr später kamen die Auswirkungen im Landreiterbericht für den Niederbarnim ans Tageslicht. Insgesamt wohnten zu diesem Zeitpunkt noch drei Bauern, ein Knecht sowie fünf Kossäten im Dorf. 1624 waren es noch zehn Hüfner, drei Kossäten, ein Pachtschäfer und Schäferknechte. Dabei ist anzumerken, dass keiner von ihnen im Krieg gedient hatte. Im gesamten Umfeld von Hohenschönhausen lag der Bevölkerungsverlust bei etwa 58 Prozent.
Im Jahr 1736 verkaufte der letzte in Hohenschönhausen ansässige Angehörige der Familie Röbel, Christian Friedrich Röbel, das Rittergut für insgesamt 22.800 Taler an den Berliner Kaufmann Adam Ebersbach, dessen Familie es bis 1792 behielt. Im gleichen Jahr wurde in Preußen die allgemeine Schulpflicht eingeführt. Das erste Schulhaus befand sich auf dem hinteren Kirchhof an der Wartenberger Straße.
Entwicklung im 18. und 19. Jahrhundert Im 18. Jahrhundert, zu Beginn der Herrschaft Friedrichs des Großen, wurde die Seidenherstellung im Berliner Raum vorangetrieben. In Hohenschönhausen befanden sich die als Grundlage dienenden Maulbeerbäume auf dem Kirchhof, der letzte von ihnen stand noch bis in die 1980er Jahre auf dem Gelände. Ebenso verordnete der preußische König die Anlage von Weiden und Obstbäumen an den Straßen, dennoch mussten die Bewohner immer aufs Neue an ihre Pflichten erinnert werden. Hinzu kam noch die angeordnete Ausrottung der Sperlinge. 1740 hatte jeder Bauer wöchentlich zwölf Spatzenköpfe abzuliefern, jeder Kossät acht. Sollte die Zahl geringer ausfallen, war ein entsprechender Beitrag in die Armenkasse zu entrichten.
Im Siebenjährigen Krieg litt das Dorf ein weiteres Mal. Nach der Niederlage Friedrichs II. bei Kunersdorf marschierten erstmals russische sowie österreichische Truppen in Berlin ein. Die umliegenden Dörfer wurden von beiden Truppen gleichermaßen geplündert, in Hohenschönhausen wiederum samt Kircheninventar. Die besorgten Dorfbewohner wandten sich daraufhin an den Weißenseer Landrat Carl Gottlob von Nüßler, einem engen Vertrauten des Königs, woraufhin dieser ihnen eine finanzielle Unterstützung von 450 Talern zukommen ließ, was etwa der Hälfte des Schadens entsprach. Gutsbesitzer Georg Ebersbach, der seinen Verlust mit 105.000 Talern angab, ging dagegen ebenso leer aus wie die geschädigte Kirche.
mini|hochkant=0.5|Im Jahr 1816 gab sich die Gemeinde ein neues Wappen
Ab 1802 befand sich das Gut Hohenschönhausen im Besitz der Familie von Eisenhard. Wegen zu hoher Verschuldung wurde es ab 1812 von Municipalrat Cosmar und Staatsrat Christian Friedrich Scharnweber verwaltet. 1817 erwarb Scharnweber das Gut und vollzog die Trennung von Guts- und Bauernland im Zuge der Preußischen Reformen. Die spannfähigen Bauern wurden so Eigentümer des Bodens, hatten dafür aber das Wartenberger Feld, das ein Drittel ihres Landes ausmachte, an den Gutsbesitzer abzutreten.
An der Straße nach Altlandsberg (seit 1992: Landsberger Allee) entstand 1821 das Gasthaus Neuer Krug, das später den Namen Wirtshaus zur weißen Taube erhielt. Etwa zur gleichen Zeit verpachtete die Witwe Scharnwebers, der 1822 starb, einen Teil des Gutslandes an Gemüsebauern. Die dort entstandene Ansiedlung mit anfangs acht Feuerstellen erhielt zunächst den Namen Colonie Hohenschönhausen, ab 1854 dann Neu-Hohenschönhausen (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Ortsteil). Im Volksmund war sie hingegen als Hungriger Wolf bekannt. Außerhalb der Siedlungen wurde vor allem Getreide angebaut und nach der Aufhebung des Mühlenzwangs 1810 vor Ort gemahlen.
Die Entwicklung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde maßgeblich von der Berlins beeinflusst. Durch das anhaltende Stadtwachstum verlagerte die Stadt diverse Institutionen in die Vororte, während gleichzeitig die Bebauung auf diese übergriff. So erwarben die Berliner evangelischen Kirchengemeinden St. Andreas und St. Markus sowie die katholischen Gemeinden St. Pius und St. Hedwig in den 1880er Jahren Grundstücke vom Gutsbezirk zur Anlage von Friedhöfen. Der Aufbau der städtischen Kanalisation in den 1870er Jahren forderte entsprechende Flächen zum Verrieseln der Abwässer. Die für den Nordosten Berlins vorgesehenen Rieselfelder entstanden zu großen Teilen auf den von der Stadt erworbenen Gütern Malchow, Wartenberg und Falkenberg. Der Westen der Hohenschönhauser Gemarkung wurde ebenfalls zum Verrieseln genutzt. Die vorhandenen Flächen dienten zudem zum Anbau von Getreide, Hackfrüchten und Rieselgras, was wiederum die Viehzucht und –mast ermöglichte. Aus dieser Zeit stammt der abfällige Beiname Hohenschöngrünkohl.