Neu-Hohenschönhausen ist ein Ortsteil im Bezirk Lichtenberg in Berlin. Er umfasst das Neubaugebiet Hohenschönhausen-Nord, das ab Anfang der 1980er Jahre entstand. Am 31. Dezember 2025 lebten 59.715 Menschen in Neu-Hohenschönhausen, damit ist der Ortsteil der bevölkerungsreichste im Bezirk.
Lage Neu-Hohenschönhausen befindet sich im Nordosten Berlins auf der Barnim-Hochfläche. Der Ortsteil ist weitestgehend identisch mit dem Neubaugebiet Hohenschönhausen-Nord. Er grenzt im Norden an die Ortsteile Malchow, Wartenberg und Falkenberg, im Osten an Marzahn (Bezirk Marzahn-Hellersdorf), im Süden an Alt-Hohenschönhausen und im Westen an die Ortsteile Weißensee und Stadtrandsiedlung Malchow (beide Bezirk Pankow).
Bereits im 19. Jahrhundert existierte westlich des alten Dorfes Hohenschönhausen auf dem Gebiet des heutigen Sportforums ebenfalls eine Siedlung mit dem Namen Neu Hohenschönhausen. Die Bezeichnung wurde bis mindestens in die 1960er Jahre für diesen Ortsteil verwendet. Heutzutage wird dieses Gebiet nicht mehr mit diesem Begriff bezeichnet.
Geschichte mini|Gedenktafel zur Grundsteinlegung von Hohenschönhausen-Nord an der Barther Straße 3
Erschließung und Eingrenzung In den 1970er Jahren entstanden rund um den alten Dorfkern von Hohenschönhausen sowie nördlich der Leninallee (seit 1992: Landsberger Allee) Neubaugebiete Hohenschönhausen I und Hohenschönhausen II für insgesamt 25.000 Einwohner. Weil die Bevölkerungszahl aber rasch anstieg, begann 1981 die Erschließung des künftigen Neubaugebietes Hohenschönhausen-Nord. Im Jahr 1982 wurde zunächst die Infrastruktur mit den nötigen Straßen festgelegt und mit Namen versehen, ab 1984 erschlossen vor allem öffentliche Verkehrsmittel das Gebiet, und zwar Straßenbahnen und die S-Bahn. Am 9. Februar 1984 erfolgte die symbolische Grundsteinlegung durch den DDR-Staatsratsvorsitzenden Erich Honecker.
Das Neubaugebiet ist durch die Falkenberger Chaussee und den Berliner Außenring in vier Viertel geteilt. Diese Viertel gehörten dabei anfangs zu den Ortsteilen Malchow, Wartenberg und Falkenberg, wobei die Straßen und Wohnblöcke nicht an den Verlauf dieser Grenzen gebunden waren. Die Bebauung führten neben Berliner Betrieben auch solche aus den Bezirken Rostock, Schwerin, Neubrandenburg und Frankfurt (Oder) mit den von dort angelieferten Fertigteilen aus. Deutlich erkennbar ist dies durch die unterschiedliche Bauweise der Plattenbauten sowie die Benennungen der Straßen. Drei der vier Viertel erhielten Namen nach Ortschaften aus den Herkunftsbezirken der Baufirmen.
Eigenständiger Bezirk mini|hochkant|Buddy Bär in der Egon-Erwin-Kisch-Straße (2015) Im April 1985 beschloss die Ost-Berliner Stadtverordnetenversammlung zum 1. September desselben Jahres die Bildung des eigenständigen Stadtbezirks Hohenschönhausen. Dazu gehörten der namensgebende Ortsteil sowie Falkenberg, Wartenberg und etwa die Hälfte von Malchow. Die westliche Hälfte verblieb beim Stadtbezirk Weißensee, der nach der Bildung des damals neuen Stadtbezirks am 1. Januar 1986 die Pankower Ortsteile Karow, Heinersdorf und Blankenburg erhielt. Der neue Stadtbezirk umfasste am ersten Tag rund 67.000 Bewohner, bis 1989 stieg die Einwohnerzahl bis auf 118.000, das entsprach rund 9,2 Prozent der Gesamtbevölkerung Ost-Berlins. Vor allem junge Familien erhielten die begehrten Neubauwohnungen. Die ersten Jahre waren geprägt von zahlreichen Baustellen, der Bezirk befand sich erst im Prozess der Entstehung. Um nicht nur in „blankem Beton“ zu wohnen, gab es während des Baus Vorgaben zur künstlerischen Gestaltung wie Springbrunnen oder Skulpturen sowie etliche Bürgerinitiativen zur Verschönerung ihres Stadtbezirks, Aktionen wie die Goldene Hausnummer für die Verschönerung der Hauseingänge und Vorgärten ist nur eine von ihnen. Der Bau der Siedlung wurde am 5. Oktober 1989 offiziell beendet.
In den neuen Wohngebieten entstanden auch Produktionsbetriebe innerhalb des neuen Bezirks. Neben dem neu errichteten Omnibusbetriebshof in der Indira-Gandhi-Straße siedelten sich unter anderem der VEB Chemiehandel Berlin oder der VEB Signal- und Sicherungstechnik an. Bereits auf Marzahner Gebiet gelegen, aber oft verwechselt, entstand zudem in den Jahren 1963 bis 1968 das Klärwerk Falkenberg.
Wende und politischer Neuanfang In Hohenschönhausen wählte die Mehrheit bei den Kommunalwahlen im Jahr 1989 die Kandidaten der Nationalen Front. Die zunehmende Unzufriedenheit der Bürger führte jedoch auch in diesem Bezirk zu wachsender Kritik am politischen System und an der SED. Kurz nach dem Rücktritt Erich Honeckers von seinen Ämtern im Oktober 1989 kam es zu ersten Rundtischgesprächen mit den örtlichen Verwaltungen, um die unzufriedenen Bürger zu beruhigen. Nach dem Mauerfall lösten sich diese Strukturen jedoch wieder auf. Als politisch neu gegründete Partei erhielt bei den Wahlen zur Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Die Linke jedoch über Jahre hinweg die Mehrheit (Stand: 2015).
Die politische Wende führte zu einem schrittweisen Rückgang der Einwohnerzahl: Mitte der 1990er Jahre waren es noch knapp 115.000, um die Jahrtausendwende um 110.000. Der Großteil der Bevölkerung wohnte dabei im Gebiet des späteren Ortsteils Neu-Hohenschönhausen. Dieser wurde nach der Zusammenlegung des Bezirks mit dem Bezirk Lichtenberg aus Teilen der schon vorher bestehenden Ortsteile Malchow, Wartenberg und Falkenberg gebildet (sie wurden ausgegründet) und umfasst lediglich das Gebiet der Großsiedlung Hohenschönhausen Nord.
Unterteilung der Ortsgebiete
Grundsätzliches Neu-Hohenschönhausen umfasst komplett das als Hohenschönhausen bezeichnete Neubaugebiet. Dieses wird durch die Falkenberger Chaussee und den Berliner Außenring in vier Viertel unterteilt, den Mühlengrund, das Viertel an der Zingster und Vincent-van-Gogh-Straße sowie den Krummen Pfuhl. Da die einzelnen Neubaugebiete zunächst zu den früher eigenständigen Dörfern und heutigen Ortsteilen Malchow, Wartenberg und Falkenberg gehörten, werden diese Viertel wie das Neubauwohngebiet um den Krummen Pfuhl als Neu-Wartenberg, das Wohngebiet an der Grenze zum Dorf Falkenberg als Neu-Falkenberg und das Ostseeviertel wegen der bevorzugten Vergabe von Straßennamen nach Ostseestädten bezeichnet. Die Wohnhäuser entstanden in Plattenbauweise zwischen 1984 und 1989 und sind meist sechs- oder elfgeschossig.
Neubaugebiet Mühlengrund – Flurnamen-Viertel mini|Mühlengrund mit dem Mühlenradbrunnen Das Neubaugebiet Mühlengrund ist das erste der vier Neubaugebiete des späteren Neu-Hohenschönhausen, das verwirklicht worden ist. Es befindet sich im Südosten von Neu-Hohenschönhausen. Der Name Mühlengrund bezieht sich auf eine Kleingartenanlage südwestlich des Neubaugebietes. Diese wiederum hat ihren von einem ehemaligen, in der Nähe ehemals existenten Erdholländer.
Die Straßennamen um den Mühlengrund mit Bezeichnungen wie „Maten“, „Röttken“ oder „Rotkamp“ gehen auf alte Gemarkungen auf der Wartenberger oder Malchower Flur zurück.
Das Viertel entstand von 1982 bis 1987, zunächst begann die Festlegung der Straßenzüge, 1984 folgte die Verlängerung der Straßenbahn von der Gehrenseestraße nach Zingster Straße und kurz darauf der eigentliche Bau der Wohnungen. Es handelt sich hierbei um sechs- beziehungsweise elfgeschossige Gebäude, letztere mit Fahrstuhl. Die Wohnungen konnten teilweise erst zwei bis drei Jahre nach ihrer Fertigstellung bezogen werden, da sich zwischendurch der Grundwasserspiegel erhöhte und die Keller überflutete.
Das Zentrum des Viertels ist ein unbenannter Platz, der die inoffizielle Bezeichnung „Am Mühlengrund“ trägt, um die agrarische Tradition und die historische Nähe dieses Wohngebiets zu einer ehemaligen Holländermühle zu betonen. Das Ensemble des Platzes wurde aus einer früheren HO-Kaufhalle und Gewerbeneubauten gebildet, die 1997 als Mühlengrundcenter den ehemaligen Dienstleistungskomplex mit Jugendklub Rotkamp, Reinigung, Postannahmestelle, Blumengeschäft sowie die Klubgaststätte Mühlengrund ersetzten. Der Platz selbst wird vom Mühlenradbrunnen geschmückt, der nach jahrelanger Stilllegung durch grundhaften Neubau der Betonanlage und Restaurierung der Brunnenkunst Ende des Jahres 2014 wieder in Betrieb genommen werden konnte. Im Zuge dieser Platzsanierungsmaßnahme sind durch den Eigentümer des Mühlengrundcenters der Abriss aller dort befindlichen Gewerbebauten realisiert und die Schaffung von 372 Wohneinheiten geplant, in denen auch Arztpraxen und Gastronomie sowie minimierter Einzelhandel ihren Platz erhalten sollen. Grund des Abrisses war die Konkurrenzsituation des Nahversorgungszentrums zu Gunsten des Linden-Centers, die zu großen Geschäftsleerständen und Bestandsvernachlässigung am Stadtplatz führte.
Mitte der 1990er Jahre begann die erste Sanierungsphase der Wohnungsbestände. Alle Wohnhäuser wurden von der Wohnungsbaugenossenschaft Neues Berlin eG bzw. der Howoge und der GSV-Ratsbleiche Baubetreuungs- und -verwaltungs GmbH strangsaniert; Heizungsanlagen und Fenster wurden erneuert, die Treppenhäuser modernisiert und die Fassaden mit Dämmschutz verkleidet – nicht zuletzt auch der besseren Optik wegen. Im Jahr 2004 erhielten zudem einige der sechsgeschossigen Häuser Außenaufzüge.
Im Juli 2017 kaufte die Howoge die Grundstücke Rüdickenstraße 25–33 und Rotkamp 2–6 von der ELAD Group, deren Bauvorhaben in dem Gebiet gescheitert war. Die Pläne der ELAD Group zum Neubau von drei sechs- bis achtgeschossigen Wohn- und Geschäftshäusern setzte die Howoge abschließend um. Die Bauarbeiten begannen im Frühjahr 2018 mit dem Abriss des Mühlengrundcenters, das bis auf eine Apotheke, Arztpraxen und kleinere Lokale mittlerweile leer stand. Ab Oktober 2020 waren die ersten der 173 Wohnungen, seit Mai 2022 sind alle Wohnungen des Neubauprojekts auf dem 12.300 m² großen Grundstück bezugsfertig.
Neubaugebiet Ostseeviertel – Zingster Straße mini|Hochhäuser an der Zingster Straße Bebauung Das Viertel an der Zingster Straße liegt im Nordwesten des Ortsteils. Hier begann am 9. Februar 1984 mit der Grundsteinlegung durch Erich Honecker an der Barther Straße die Anlage des neuen Wohnviertels. Im Jahr 1988 waren die Bauten weitestgehend fertiggestellt. Das Viertel ist entlang der Zingster Straße ausgerichtet, hier befinden sich die Straßenbahntrasse, eine Ladenpassage sowie im nördlichen Abschnitt das Nahversorgungszentrum RIZ. Die Straßen in diesem Viertel sind nach Städten und Gemeinden nahe der Ostsee im ehemaligen Bezirk Rostock benannt, beispielsweise Ribnitz, Zingst oder Ahrenshoop, aus denen die Bauarbeiter nach Berlin kamen. Daher lautet der inoffizielle Name dieses Wohngebietes Ostseeviertel.
Erwähnenswert ist hier außerdem die 1988 eröffnete öffentliche Schwimmhalle Zingster Straße 16, die in den Jahren 2023–2025 komplett saniert wird. Ein neues Edelstahlbecken wird eingebaut und die Umkleideräume samt Foyer werden modernisiert. Die Wiedereröffnung ist für den 1. September 2025 vorgesehen.Fortschritte an der Schwimmhalle. In: Berliner Woche, 1. März 2025, Lokales, S. 2.
Mitte der 1990er Jahre, nach der politischen Wende führten die neu gegründeten Wohnungsunternehmen Haussanierungen und Modernisierungen durch, die 1997 abgeschlossen werden konnten. Das dabei abgetragene Material, besonders das der Balkone wurde jedoch nicht nur auf Deponien gebracht, sondern zum Teil auch als Kletterfelsen wiederaufgebaut. Der Monte Balkon trägt somit auch zur Naherholung in dem Gebiet bei. Am nordwestlichen Rand des Neubaugebietes bis hin zum Malchower See erstreckt sich die Niles-Siedlung, die in den 1930er Jahren entstand. Das Gebiet der Niles-Siedlung gehörte bis zum Jahr 2001 zu Malchow.
Prerower Platz Am Südende der Zingster Straße liegt der Prerower Platz. Hier befindet sich das Linden-Center, ein Einkaufszentrum und gleichzeitig Ortsteilzentrum von Neu-Hohenschönhausen. Der Prerower Platz und die anliegende Falkenberger Chaussee bilden hier den Kern aller vier Neubauviertel und dienen nicht zuletzt als Treffpunkt zum Informationsaustausch.
Dekrapfuhl