Die 16. SS-Panzergrenadier-Division „Reichsführer SS“ war eine Panzergrenadier-Division der Waffen-SS. Die Einheit war aus dem persönlichen Bataillon des Reichsführers SS hervorgegangen.

Angehörige der Division waren für das Massaker von Sant’Anna di Stazzema am 12. August 1944, das Massaker von Fivizzano im August 1944 und das Massaker von Marzabotto am 29. und 30. September 1944 in Italien verantwortlich. Die Art der strafrechtlichen Aufarbeitung der Tötungen und Morde durch ehemalige Divisionsangehörige belastete lange Zeit das deutsch-italienische Verhältnis.

Geschichte

Vorgeschichte Bei der Aufstellung der 16. SS-Panzergrenadier-Division „Reichsführer SS“ griff die Führung der Waffen-SS auf bereits existierende SS-Einheiten zurück. Der seit Sommer 1941 existierenden Kommandostab Reichsführer SS nahm auf die Aufstellung der neuen Division maßgeblichen Einfluss, als er Mannschaften des ihm unterstellte SS-Begleit-Bataillon und der 3. SS-Panzer-Division „Totenkopf“ für die Aufstellung heranzog. Denn der SS-Kommandostab Reichsführer SS und die beiden zuvor genannten Truppenteile „gelten nach Martin Cüppers als Wegbereiter der Shoa“, die die Vernichtung der Juden in der Sowjetunion begannen.Carlo Gentile: Wehrmacht und Waffen-SS im Partisanenkrieg: Italien 1943–1945. Schöningh, Paderborn 2012, ISBN 978-3-506-76520-8, S. 200.

SS-Begleit-Bataillon Aufgestellt im Frühjahr 1941 in Oranienburg. Das SS-Begleit-Bataillon wurde als Wacheinheit für die Sicherung von Himmlers Feldquartier Hegewald aufgestellt. Am 22. Juni 1941 alarmiert und Richtung Osten nach Polen in den Raum Lyck östlich des Truppenübungsplatz Arys verlegt. Anfang September Verlegung an die Ostfront mit Marsch über Pleskau nach Luga. Von dort in den Kampfraum südlich der Newa nördlich von Nikolskoje, hierbei kam es um den 19. September zu vereinzelten Angriffen durch verstreute russische Truppen oder Partisanen auf rückwärtige deutsche Truppen. Nach dem 3. Oktober verlustreicher Einsatz bei der 122. Infanterie-Division. Am 20. Juni 1942 zur Auffrischung wieder nach Deutschland verlegt.

Im Jahresverlauf 1942 bei der Partisanenbekämpfung in der Ukraine und Weißrussland eingesetzt. Bei diesen Aktionen wurden zahlreiche Dörfer vernichtet und viele Zivilisten umgebracht.

SS-Sturmbrigade Reichsführer-SS Ende 1942 kam das SS-Begleit-Bataillon in ein Ausbildungslager in Ostpreußen und verlegte später in die Bretagne. Durch die Zuführung von Heereseinheiten wurde der Verband auf Brigadestärke gebracht und im Februar 1943 in SS-Sturmbrigade Reichsführer-SS umbenannt. Geführt wurde es von SS-Obersturmbannführer Karl Gesele. Im Juli 1943 wurde die neue SS-Brigade nach Italien verlegt und kam dort gegen italienische und französische Truppen und Partisanen zum Einsatz. Hierbei war der Verband an der Erstürmung der korsischen Hauptstadt Bastia eingesetzt, nachdem sich die italienische Besatzung dort geweigert hatte, sich nach dem einseitigen Waffenstillstand der italienischen Regierung am 8. September 1943 entwaffnen zu lassen.

Nach dem Einsatz auf Korsika kam der Ende September 1943 für die SS-Brigade der Befehl den Verband in eine Panzergrenadierdivision umzugliedern, hierfür verlegte die Brigade Anfang Oktober auf das italienische Festland nach Oberitalien zurück.

16. SS-Panzergrenadier-Division Reichsführer-SS

Aufstellung mini|Auf dem Weg an die Front in Süditalien passieren Teile der 16. SS-Panzer-Division „Reichsführer SS“ die Stadt Rom Im Herbst 1943 hatte Hitler die Aufstellung der neuen Division befohlen. Der Verband wurde am 3. Oktober 1943 in Laibach gebildet, dabei bildete die SS-Sturmbrigade „Reichsführer SS“ das Stammpersonal.Tessin: Verbände und Truppen der deutschen Wehrmacht und Waffen-SS im 2.WK Bd. 4 S. 47 Es wurden folgende Truppenteile gebildet:Tessin: Verbände und Truppen der deutschen Wehrmacht und Waffen-SS im 2.WK Bd. 4 S. 47 SS-Panzergrenadier Regiment 33 (I.–III. Bataillon / ab 12. November mit der Regimentsnummer 35) SS-Panzergrenadier Regiment 34 (I.–III. Bataillon / ab 12. November mit der Regimentsnummer 36) SS-Panzer Abteilung 16 (1.–4. Kompanie) SS-Panzer-Aufklärungs-Abteilung 16 (1.–5. Kompanie) SS-Sturmgeschütz Abteilung 16 (1.–3. Batterie) SS-Flak-Abteilung 16 (1.–4. Batterie) SS-Pionier Bataillon 16 (1.–3. Kompanie) SS-Feldersatz-Bataillon 16 (1.–5. Kompanie) SS-Nachrichten Abteilung 16 (1.–2. Kompanie) und SS-Nachschubeinheiten 16

Die Aufstellung erfolgte schleppend, es fehlte an Personal und Material. Teilweise wurde Führungspersonal von der 3. SS-Panzer-Division „Totenkopf“ zugeführt, bei der eine Personalrotation mit dem Bewachungspersonal der Konzentrationslager üblich war, um dem Personal Fronterfahrung zu verschaffen. Ein Teil der neuen Division befand sich in Laibach, aber der größte Teil bildete die Einsatzreserve im Raum Lucca. Schon während der Aufstellungszeit wurde das SS-Panzergrenadier Regiment 36 und die SS-Flak Abteilung 16 bis April 1944 im Raum Nettuno in Italien eingesetzt.Tessin: Verbände und Truppen der deutschen Wehrmacht und Waffen-SS im 2.WK Bd. 4 S. 48

Die 16. SS-Panzergrenadier-Division wurde zum Jahreswechsel 1944 in Baden nahe Wien zusammengeführt und schloss die Ausbildung im Divisionsverband im Raum Debreczen ab. Hierzu war der Verband von Januar bis Anfang April dem Befehlshaber des Ersatzheeres unterstellt und danach für die abschließende Versammlung dem Befehlshaber Ostungarn.Tessin: Verbände und Truppen der deutschen Wehrmacht und Waffen-SS im 2.WK Bd. 4 S. 48

Die Verlegung der gesamten Division nach Norditalien erfolgte im Mai 1944, mit dem Befehl die Küste der Toskana im Abschnitt Carrara-Livorno gegen, eine eventuelle Landung der Alliierten zu sichern. Als die Division Ende Mai in Italien eintraf, betrug der Fehlbestand des Personals etwa 40 Prozent, nur zwei Drittel der schweren Maschinengewehre war vorhanden, es fehlten Waffen der Artillerie und der Flak. Die gepanzerten Einheiten hatten keine Panzer, von den gebrauchten Sturmgeschützen, die ihnen die Fallschirm-Panzer-Division 1 Hermann Göring überließ, waren lediglich 20 Prozent einsatzfähig. Viele junge SS-Männer, die neu rekrutiert worden waren, waren kaum oder schlecht für ihre Aufgaben ausgebildet und hatten keine Kampferfahrung.

Abwehrkämpfe im Raum Suvereto-Belvedere Im Laufe des Monats Juni wurden einzelne Einheiten der Division, die dem LXXXV. (85.) Armee Korps der Armeegruppe Zangen der Heeresgruppe C unterstellt war, an die Front im Raum nordostwärtig von Grosseto und Follonica verlegt. Am 26. Juni begannen die Kämpfe im Raum Suvereto-Belvedere. Die SS-Panzer-Aufklärungs-Abteilung 16 und das II. Bataillon des SS-Panzergrenadier-Regiment 35 sollten den Vorstoß der 34th US Infantry Division verhindern. Die amerikanische Division stieß hierbei erstmals seit der Befreiung von Rom auf harten Widerstand, der die deutschen Verteidiger hohe Verluste kostete. Während bei den deutschen Nachbardivisionen Frontdurchbrüche durch die Alliierten erzwungen wurden, hielt die SS-Division die eigene Linie. Bei den folgenden Gefechten bei Cecina und Livorno wehrte sie vier Angriffe ab. Die Verluste des SS-Verbandes waren enorm, beispielsweise verlor das II. Bataillon des SS-Panzergrenadier Regiment 36 neben vielen Soldaten auch alle Fahrzeuge. Von der 6. Kompanie / SS-PzGren Rgt 36 überlebten beispielsweise lediglich sechs Mann.Carlo Gentile: Wehrmacht und Waffen-SS im Partisanenkrieg: Italien 1943–1945. Schöningh, Paderborn 2012, ISBN 978-3-506-76520-8, S. 201–211. Diese ersten Kampfeinsätze der 16. SS-Panzergrenadier-Division „Reichsführer SS“ demoralisierten die Truppe erheblich.

Für den Monat Juni 1944 ist ein personeller Austausch des II./PzGren Rgt 35 mit dem SS-Begleit-Bataillon belegt.Tessin: Verbände und Truppen der deutschen Wehrmacht und Waffen-SS im 2.WK Bd. 4 S. 48

Anfang Juli 1944 verlagerten sich die Kämpfe um das Städtchen Cecina südostwärts von Livorno. Harte Kämpfe fanden vor allem um Rosignano und Castellina statt.

Der folgende Rückzug führte die Division am 19. Juli 1944 über den Arno in den Raum um Pisa, Lucca und Carrara.

Im August erfolgte die Unterstellung der Division beim XIV. (14.) Panzer Korps der 14. Armee.

Arno-Stellung Am Nordufer des Arno bezog die Division Ende Juli 1944 eine neue Stellung, die bis Anfang September 1944 gehalten wurde. In den Kämpfen südlich von Pisa und Livorno verlor die 16. SS-Panzergrenadier-Division mindestens 3000 Führer, Unterführer und Mannschaften.

Der Panzerjäger-Abteilung der Division wurden im September 1944 für eine Neuausrüstung zehn Jagdpanzer 38 zugeteilt.Spielberger: Leichte Jagdpanzer Bd. 14 Militärfahrzeuge 1992 S. 87

Die Division wurde in der zweiten Hälfte des Monats September aus dem Carrara-Massiv in den Raum südwestlich von Bologna verlegt.Carlo Gentile: „Politische Soldaten“. Die 16. SS-Panzer-Grenadier-Division „Reichsführer-SS“ in Italien 1944. In: Quellen und Forschungen aus italienischen Archiven und Bibliotheken. 81, 2001, S. 529–561, hier: S. 540.

Im Oktober 1944 wurde die Division dem I. Fallschirmjäger Korps der 14. Armee im Raum Bologna unterstellt.

Verlegung an die Adria-Front Nach Kämpfen im etruskischen Apennin, südwestlich von Bologna, im Herbst 1944, wurde die Division an die Adria-Front verlegt.

Ab November unterstand das I. Fallschirmjäger Korps der 10. Armee der Heeresgruppe C.

Im Dezember 1944 wurde für das SS-Artillerie Regiment 16 eine neue III. Abteilung gebildet. Die bisherige III. Abteilung wurde zur IV. Abteilung.Tessin: Verbände und Truppen der deutschen Wehrmacht und Waffen-SS im 2.WK Bd. 4 S. 48

Im Januar 1945 wechselte die Division im Raum Bologna zum LXXXIII. Armee Korps der 10. Armee, die dann die letzte Kommandobehörde der Division in Italien.

Verlegung nach Ungarn Im Februar 1945 wurde der Verband mit dem LXXXIII. Armee Korps nach Ungarn verlegt wurde, wo er im Raum Nagykanizsa die herannahende Rote Armee aufhalten sollte.

Zu diesem Zeitpunkt verließ die SS-Sturmgeschütz Abteilung 16 die Division und wechselte als SS-Panzerjäger Abteilung 16 zur neuen 32. SS-Freiwilligen-Grenadier-Division „30. Januar“.Tessin: Verbände und Truppen der deutschen Wehrmacht und Waffen-SS im 2.WK Bd. 4 S. 48

Rückzug in die Steiermark Im Verband des LXXXIII. Armee-Korps zog sich die Division bei Kriegsende im April 1945 in die Steiermark zurück.

Von April bis Mai erfolgt die letzte Unterstellung beim I. Kavallerie Korps der 2. Panzer-Armee.

Kapitulation Die Überlebenden der Division begaben sich bei Kriegsende in west-alliierte Kriegsgefangenschaft.

Einsatzgebiete Oktober 1943 bis April 1944 (Aufstellung und Ausbildung, Einsatz in Ungarn) Mai 1944 bis Januar 1945 (Verlegung nach Italien im Bereich der Heeresgruppe C, Küstenverteidigung, dann Fronteinsätze und Partisanenbekämpfung, Massaker bei Sant’Anna di Stazzema, Fivizzano und Marzabotto) Januar 1945 bis April 1945 (Erneute Verlegung nach Ungarn) April 1945 (Rückzug in die Steiermark im Bereich der Heeresgruppe Süd, mit anschließender Gefangennahme durch die Alliierten)

Kriegsverbrechen