Die K+S AG (vormals Kali und Salz AG) mit Sitz in Kassel ist ein börsennotiertes deutsches Bergbauunternehmen mit den Schwerpunkten Kali- und Salzförderung. K+S zählt international zu den bedeutendsten Anbietern von kali- und magnesiumhaltigen Produkten für landwirtschaftliche und industrielle Anwendungen. K+S ist vorwiegend in Europa, Nord- und Südamerika tätig.

Durch Fusionen und Übernahmen integrierten die K+S und ihre Vorgängerunternehmen seit den 1890er Jahren die gesamte deutsche Kalibranche. Zwischen 1971 und 1993 gehörte das Unternehmen mehrheitlich zum BASF-Konzern, der bis 2011 an der Gesellschaft beteiligt war. Die Tochtergesellschaften der K+S sind vornehmlich mit der Vermarktung der eigenen Produkte befasst, aber auch im Dienstleistungsbereich tätig, hier insbesondere in den Geschäftsbereichen Entsorgung und Wiederverwertung.

Geschichte Salzdetfurth AG (1889 bis 1971) mini|Stammwerk der Salzdetfurth AG in Bad Salzdetfurth (um 1900) mini|Industriedenkmal Fördergerüst Schacht I in Bad Salzdetfurth (2015) mini|links|Salz- und Kali-Bergbau-Museum in Bad Salzdetfurth mini|Aktie über 100 RM der Kaliwerke Salzdetfurth AG vom 10. Januar 1929 Am 3. Oktober 1889 wurde in Goslar die Aktiengesellschaft für Bergbau und Tiefbohrung gegründet. Zu den Gründern gehörte der schlesische Industrielle Guido Henckel von Donnersmarck. Die Gründung fiel in eine Phase des Aufbruchs im norddeutschen Kalirevier. Bereits Mitte des 19. Jahrhunderts hatte der deutsche Chemiker und Begründer der Agrikulturchemie, Justus von Liebig, die Bedeutung des Mineraldüngers für die Landwirtschaft entdeckt, woraufhin in den folgenden Jahrzehnten ein Boom der mineralischen Düngemittel einsetzte. Die drei Grundbestandteile des Mineraldüngers waren Kali, Phosphat und Stickstoff. Neben dem Einsatz als Düngemittel wuchsen auch die Einsatzgebiete von Kalisalzen in der Industrie. Die Kaliförderung in Deutschland begann im Staßfurter Kalirevier, im Salzlandkreis in Sachsen-Anhalt, wo unter anderem der Pionier der deutschen Kaliindustrie, Hermann Grüneberg, tätig war. Im Zuge des allgemeinen Wirtschaftsaufschwungs der Gründerzeit kam es zur Gründung einer Vielzahl zunächst staatlicher neuer Kaligruben und -fabriken, die dem enormen Bedarf Rechnung trugen. Ab 1865 konnten durch die Liberalisierung des preußischen Bergrechts auch private Gruben errichtet werden; bis 1883 wurde im gesamten Deutschen Reich der Salzhandel freigegeben, der zuvor staatlich kontrolliert worden war. Als die Förderstätten im Staßfurter Revier den steigenden Bedarf nicht mehr decken konnten, begann die Suche nach neuen Lagerstätten. Gefunden wurden diese in der damaligen preußischen Provinz Hannover rund um die Städte Hannover, Braunschweig und Hildesheim, zwischen den Flüssen Weser, Aller und Bode. Fortan wurde diese Gegend als norddeutsches Kalirevier bezeichnet.

In den folgenden Jahren führte das Unternehmen Probebohrungen im norddeutschen Kalirevier durch, bis es schließlich 1892 in Salzdetfurth bei Hildesheim auf eine Lagerstätte des Kalisalzes Sylvinit stieß. Daraufhin begannen die Bauarbeiten an den Schachtanlagen, um das Salzgestein in 700 Metern Tiefe abbauen zu können. Als diese 1899 abgeschlossen waren, wurde der Firmensitz nach Salzdetfurth verlagert und das Unternehmen in Kaliwerke Salzdetfurth AG umbenannt.Reder u. a. 2006, S. 46. Der Aufbau des Unternehmens fiel in eine Phase des raschen Wachstums der Kali-Industrie. Ab den 1880er Jahren waren neben staatlichen Bergwerken verstärkt private Gewerkschaften errichtet worden. So entstanden etwa zur gleichen Zeit wie die Salzdetfurth AG weitere Unternehmen, die später in der K+S aufgingen. So beispielsweise Wintershall in Heringen an der Werra und die Gewerkschaft Burbach in Walbeck.Vgl. Reder u. a. 2006, S. 48 ff. Durch Absprachen und Kartelle konnten diese ihre Marktposition zügig ausbauen. Im Zuge dieser Entwicklung gründete sich 1888 das Kalisyndikat als zentrale Institution der deutschen Kaliwirtschaft, um den krisenanfälligen und volatilen Markt zu stabilisieren, der immer wieder Spekulationen ausgesetzt war und von zyklischer Überproduktion und einem Verdrängungskampf der Gewerkschaften bestimmt wurde. Preisabsprachen und Absatzmengenbeschränkungen sollten die Kali-Wirtschaft beruhigen. Die beteiligten Unternehmen einigten sich zu diesem Zweck auf sieben Konventionen, woraufhin ihr Verbund auch Syndikat der sieben Einzelverträge genannt wurde. Dieses erste Syndikat, das bis 1898 Bestand hatte, integrierte schrittweise die größten Produzenten und dominierte den Kali-Markt.Vgl. Reder u. a. 2006, S. 41 f.

Anfangs lag der Schwerpunkt auf der Erschließung von Steinsalzlagerstätten, bald aber richtete sich das Augenmerk des Konzerns auf den Abbau von Kalisalz, worin das Deutsche Reich bis zum Ersten Weltkrieg eine Monopolstellung auf dem Weltmarkt innehatte. Die erfolgreiche Förderung der Salzdetfurth AG weckte das Interesse etablierter Kaliwerke, die sich an dem aufstrebenden Unternehmen beteiligten. 1901 trat die Salzdetfurth AG dem deutschen Kali-Kartell bei, in dem die meisten deutschen Kali-Bergwerksgesellschaften nach dem Ende des Kali-Syndikats (1888–1898) vereinigt waren. Ziel des Kartells war die Sicherung der marktbeherrschenden Stellung auf dem Weltmarkt. Nach ersten losen Zusammenschlüssen und Absichtserklärungen seit den 1870er Jahren und der Errichtung des Kali-Syndikats kam es 1899 zu einem festen Zusammenschluss der zwölf führenden Kali-Bergwerksunternehmen. Bis zum Ende des Ersten Weltkriegs wurde das Kartell organisatorisch durch Fördermengenabkommen, Preisfestlegungen und eine gemeinsame weltweite Vertriebsorganisation gestärkt. Durch die Aufnahme weiterer Bergwerksgesellschaften stellte es fortdauernd seine marktbeherrschende Stellung sicher. Ab dem Jahr 1901 betrieb das Unternehmen eine eigene Kalifabrik und expandierte durch die Übernahme von Grubenfeldern in der Umgebung. Vor dem Krieg begann die Erschließung von Kalivorkommen in Elsaß-Lothringen, wobei die dortige Förderung von der Deutschen Kaliwerke AG dominiert wurde.

Während des Ersten Weltkriegs wurden die deutschen Kaliproduzenten in die Kriegswirtschaft einbezogen. Die landwirtschaftliche Produktivität musste angesichts der wegfallenden Importe sichergestellt werden. Eine wichtige Rolle spielte dabei die zur Düngemittelproduktion wichtige und ebenfalls bei BASF entwickelte Ammoniaksynthese nach dem Haber-Bosch-Verfahren. Es stellte einen preisgünstigen Ersatz für den Wegfall des vor dem Krieg vorwiegend aus Chile importierten Salpeters dar, indem Stickstoff in industriellen Maßstäben mit Wasserstoff gebunden und so als Düngemittel verfügbar gemacht wurde. Entsprechend dem Gesetz des Minimums kann eine erfolgreiche Düngung nur durch die ausreichende Bereitstellung aller benötigter Komponenten erreicht werden. Mit dieser Entwicklung stieg der spätere Großaktionär der Salzdetfurth AG ins Düngemittelgeschäft ein. Zudem wurde Kaliumchlorid für die Herstellung von Sprengstoffen benötigt. Die deutsche Kali-Industrie konnte trotz des Wegfalls ihrer Exportmärkte, die vor dem Ersten Weltkrieg drei Viertel der Absatzmenge ausmachten, ihre Fördermengen durch die kriegsbedingt gestiegene inländische Nachfrage aufrechterhalten. Wegen der Einziehung von Arbeitskräften in den Kriegsdienst kam es bald zu Personalengpässen, die mit dem Einsatz von Zwangsarbeitern und Erhöhung der Produktivität ausgeglichen wurden.Reder u. a. 2006, S. 75.

Nach dem Ersten Weltkrieg verlor das Unternehmen seine Abbaugebiete in Elsaß-Lothringen. Die Bedeutung der Bergwerke in Elsaß-Lothringen ergab sich nur nachrangig aus der dort geförderten Menge – diese steuerte nur drei Prozent zur Fördermenge des Deutschen Reiches bei (1913) –, sondern vielmehr im erstmaligen Durchbrechen des deutschen Kalimonopols.Reder u. a. 2006, S. 55. Bald mussten sich die deutschen Kaliproduzenten weltweiter Konkurrenz, vorwiegend aus den Vereinigten Staaten, Kanada und der Sowjetunion sowie aus Südeuropa und Südamerika, insbesondere Chile und Brasilien, stellen. Trotzdem stammten in den 1920er Jahren noch rund 70 Prozent der weltweiten Kali-Produktion aus Deutschland, 1935 waren es noch 62 Prozent.Reder u. a. 2006, S. 101. Nach dem Ersten Weltkrieg begann in der Kali-Industrie ein Konzentrationsprozess, der zur Bildung größerer Konzerne führte, mit dem Ziel, im verschärften Wettbewerb bestehen zu können. In den wirtschaftlich schweren Zeiten der Inflation stiegen die Deutsche Bank, die Commerzbank, die Dresdner Bank und die Deutschen Solvay-Werke als Großaktionäre in das Unternehmen ein. Die beteiligten Banken kontrollierten weitere Kali-Konzerne, die sie 1922 durch wechselseitige Beteiligungen der Consolidirten Alkaliwerke Westeregeln AG, der Kaliwerke Aschersleben AG und der Salzdetfurth AG zur Werksgruppe Salzdetfurth-Aschersleben-Westeregeln zusammenschlossen. Die Salzdetfurth AG hielt etwa 40 Prozent des Aktienkapitals und übernahm die Führung innerhalb der Unternehmensgruppe. Zusammen kam die Unternehmensgruppe auf etwa 20 Prozent der deutschen Kali-Produktion und schloss auf den dominierenden Wintershall-Konzern auf, der zu dieser Zeit einen Anteil von knapp 40 Prozent für sich verbuchen konnte.Reder u. a. 2006, S. 86.

In den 1920er Jahren beteiligte sich das Unternehmen an der Mansfeld AG für Bergbau und Hüttenbetrieb in Eisleben. Um eine weitere Expansion des dominierenden Wintershall-Konzerns zu verhindern, schlossen sich die meisten der verbliebenen Kali-Konzerne, darunter die Salzdetfurth AG, Burbach-Kaliwerke AG, die Kali-Chemie AG und die Deutschen Solvay-Werke, 1926 zum Kaliblock zusammen, einer Interessengemeinschaft, die vor allem in Einkauf und Vertrieb kooperierte. Zusammen kamen diese Unternehmen auf einen Marktanteil von mehr als 50 Prozent. mini|Sammelaktie über 1.000.000 RM der Salzdetfurth AG vom Dezember 1943

Während der NS-Zeit profitierten die Kali-Unternehmen von der eingeschlagenen Autarkie-Politik der Nationalsozialisten, die für einen wesentlichen Anstieg der Kali-Nachfrage sorgte. Auf Drängen der Machthaber wurde der Verbund der Werksgruppe Salzdetfurth-Aschersleben-Westeregeln am 22. Dezember 1937 unter Führung von Salzdetfurth fusioniert und auf einer außerordentlichen Hauptversammlung die Änderung des Firmennamens in Salzdetfurth AG sowie die Verlegung des Firmensitzes nach Berlin beschlossen. Im Zuge der Arisierung jüdischen Vermögens erwarb die Wintershall AG die von der Aussiger Familie Petschek gehaltenen Anteile an der Salzdetfurth AG und beteiligte sich damit an ihrem größten Konkurrenten. Während des Zweiten Weltkrieges kam es zum Einsatz von Zwangsarbeitern, deren Anteil an der Gesamtbelegschaft 1944 mehr als ein Drittel betrug.Reder u. a. 2006, S. 109. Im Jahr 2000 beteiligte sich K+S an der Stiftungsinitiative der deutschen Wirtschaft zur Ausstattung der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“, die ehemalige Zwangsarbeiter des NS-Regimes entschädigen soll () Während der letzten Kriegsjahre wurden in den Stollen der Kali-Bergwerke kriegswichtige Güter, Kunst- und Kulturschätze versteckt. In einigen Stollen wurden Rüstungsbetriebe errichtet, um sie vor den zunehmenden Bombardements der Alliierten zu schützen. Dort kam es ebenfalls zum Einsatz zahlreicher Zwangsarbeiter.Reder u. a. 2006, S. 110.