Mimmenhausen ist ein Ortsteil der Gemeinde Salem im Bodenseekreis in Baden-Württemberg.

Geografie Lage Mimmenhausen liegt in der Bodenseeregion in der Ebene des Salemer Tales. Nach Südwesten wird die Landschaft bestimmt durch zahlreichen Drumlins. Die große geschlossene Waldfläche im Westen wird unterbrochen durch die Salemer Klosterweiher. Die Salemer Aach und der Stefansfelder Kanal durchfließen den Ort. Gegen Norden grenzt Mimmenhausen an den Schlosssee. Ein Teil der Neuen Mitte der Gemeinde Salem liegt auf der Gemarkung von Mimmenhausen.Mimmenhausen auf Landeskunde entdecken online – leobw

Gliederung Zur Gemarkung gehören das Dorf Mimmenhausen und das Forsthaus Killenberg.Gemeinde Salem: Findbuch Gemeindearchiv. Daten zur Geschichte der Altgemeinde Mimmenhausen 2009

Schutzgebiet Die Salemer Klosterweiher sind Europäisches Vogelschutzgebiet. Auf der Gemarkung Mimmenhausen liegt der Killenweiher und der Bifang- oder Mimmenhauser Weiher. Die Klosterweiher stehen in der Gesamtheit auch unter Denkmalschutz.Regierungspräsidium Tübingen Referat 26: Liste der Kulturdenkmale in Baden-Württemberg, Salem-Tüfingen (Bodenseekreis) 2012.

Geschichte Ur- und Frühgeschichte Auf der Gemarkung Mimmenhausen gibt es mehrere ur- und frühgeschichtliche Fundstellen. Der Beginn der alemannischen Besiedlung des Ortes liegt vermutlich im 7. Jahrhundert, in der frühen fränkischen Siedlungsperiode. Der Fund eines Reihengräberfeldes in der Bahnhofstraße bestärkt diese Annahme.Gemeinde Salem: Findbuch Gemeindearchiv. Daten zur Geschichte der Altgemeinde Mimmenhausen 2009.

Mittelalter und frühe Neuzeit Mimmenhausen wird 1132 in einer Urkunde erstmals erwähnt. In dem Dokument erhält das Kloster St. Georgen eine Schenkung im Ort. Im 13. Jahrhundert erwarb das Kloster Salem Grundbesitz in Mimmenhausen, zuletzt im Jahr 1331 auch die gesamte Grundherrschaft vom Kloster Petershausen. Ein Ortsadel wird in Mimmenhausen im 12. und 13. Jahrhundert erwähnt.

Schon 1315 hatte das Kloster Salem die Vogteirechte an sich gebracht, die im Besitz von Kloster Petershausen waren. Schließlich kaufte Salem 1637 die Hochgerichtsbarkeit über Mimmenhausen von den Grafen von Heiligenberg und erlangte damit die Landeshoheit im Oberamt Salem. Gemeinde Salem: Findbuch Gemeindearchiv. Daten zur Geschichte der Altgemeinde Mimmenhausen 2009

Im Dreißigjährigen Krieg im Winter 1645/46 war in Mimmenhausen ein ganzes Regiment schwedischer Soldaten einquartiert. Joseph Klein (1930): Geschichtliches von der Pfarrei und Pfarrkirche Mimmenhausen, in: Birnauer Kalender 10/1930 und 11/1931.

Im 18. Jahrhundert entwickelte sich Mimmenhausen zum bevorzugten Wohnort der weltlichen Bediensteten des nahen Klosters Salem. Auch die Künstlerfamilie Feuchtmayer hat seit 1715 ihre Wohn- und Arbeitsstätte im Ort. Mit dem Bau einer Kaserne 1718 wurde Mimmenhausen auch Garnisonsstandort. Bis dahin waren die Soldaten des Reichstiftes Salem in Privatquartieren untergebracht.Schmid Fridolin (1988): Die Garnison des Reichsstiftes Salem. Kasernenbau in Mimmenhausen. Sonderdruck Salem aktuell

Moderne mini|links|Postkarte Mimmenhausen um 1920 mit Schwesternhaus und Killenberg Nach der Enteignung des Klosters Salem im Zuge der Säkularisation 1803 kam Mimmenhausen zum standesherrlich badischen Oberamt, ab 1813 zum großherzoglichen badischen Bezirksamt Salem im Seekreis, ab 1857 zum Bezirksamt Überlingen im Großherzogtum Baden.

Im Zuge der Gebietsreform in Baden-Württemberg schloss sich Mimmenhausen 1972 mit sieben weiteren Orten zur Gemeinde Salem zusammen. Statistisches Landesamt BW: Gemeindeliste III - Herkunft und Verbleib der Gemeinden nach Abschluss der Kreis- und Gemeindereform, Stuttgart 1999

Gesellschaft Bevölkerung mini|Bevölkerungsentwicklung 1834–2024 Die Zahl der Einwohner von Mimmenhausen lag 1834 bei 537 Seelen und war dann im 19. Jahrhundert leicht rückläufig. Ab der Jahrhundertwende steigt sie deutlich an. Das Bevölkerungswachstum beschleunigt sich ab den 1950er Jahren und hält auch im neuen Jahrtausend an.Mimmenhausen auf Landeskunde entdecken online – leoBW

Religion mini|Pfarrkirche Unserer Lieben Frau Die Bevölkerung war bis zur Säkularisation 1803 katholisch. Dies ändert sich im 19. Jahrhundert nur geringfügig. Bis 1925 steigt der Anteil der evangelischen Christen aus 5 %, liegt ab den 1960er Jahren dann etwas über 20 %.

Im Jahr 1630 wurde Mimmenhausen eigenständige katholische Pfarrei. Bis dahin war es eine Filialgemeinde der Pfarrei Seefelden. Die Einrichtung einer Kaplanei war im 16. Jahrhundert gescheitert. Zur Pfarrei gehören die Dörfer Grasbeuren und Tüfingen.

Die Pfarrkirche Unserer Lieben Frau in Mimmenhausen besteht aus dem noch erhaltenen mittelalterlichen Turm mit Stufengiebel und dem neu erbauten Kirchengebäude von 1969. Der asymmetrische helle Kirchenraum ist ausgeschmückt mit dem Auferstehungsbaum der Künstlerin Lore Unger. Neben dem Eingang stehen die Epitaphe von Joseph Anton Feuchtmayer und Johann Georg Dirr.Kirche Unserer Lieben Frau in Mimmenhausen

Auf dem Killenberg steht eine Kapelle.

Politik Der Gemeinderat von Salem wurde von 1972 bis 2004 in einer unechte Teilortswahl gewählt. Das System garantierte jedem Ortsteil eine bestimmte Anzahl von Sitze. In der Gemeinde Salem gibt es für jeden Ortsteil einen Ortsreferenden. Der letzte Bürgermeister der selbständigen Gemeinde Friedrich (Fritz) Baur (1948–1972).

Wappen Blasonierung: In Blau ein gold-rot-blau-grün-goldener Regenbogen, begleitet von drei zu 2 und 1 gestellten goldenen Sternen. Das Wappen geht auf Johannes II. Scharpfer gebürtig aus Mimmenhausen zurück, dem 19. Abt des Klosters Salem. Mimmenhausen verdankt ihm die Gründung einer Kaplanei und den Bau eines Kaplaneihauses.Hugo Gommeringer: Mimmenhausen S. 56–59, in: Salemer Wappen. 2000

Infrastruktur Öffentliche Einrichtungen Die zentrale Wasserversorgung wurde 1951 gebaut. 1968 war der Ausbau der Kanalisation fertig gestellt. Das Schulhaus aus dem Jahre 1910 wurde mehrmals erweitert und beherbergt heute die Fritz-Baur-Grundschule. 1968 wurde das Ensemble um eine Turnhalle erweitert. Im ehemaligen Schwesternhaus/Kindergarten befindet sich seit 1989 das „Haus der Vereine“. Der Narrenverein hat hier eine Zunftstube und unterhält ein Museum.

Der Kindergarten „Zum kleinen Brühl“ wurde 1989 eingerichtet. 1996 erfolgte der Bau eines zweiten Kindergartens mit der Bezeichnung „Zum Fohrenbühl“.

Verkehr In Mimmenhausen trifft die L206 von Neufrach kommend auf die alte historische Landstraße Salem-Meersburg, heute L201. Die Kreisstraße K7760 zweigt nach Buggensegel / Grasbeuren ab. Die Tüfinger Straße und die Alte Neufracher Straße sind untergeordnete Gemeindestraßen.

Die Eröffnung der Bodenseegürtelbahn 1901 bescherten dem Ort neue Entwicklungsmöglichkeiten. Die Bahnstation hieß Mimmenhausen-Neufrach und steht auf Neufracher Gemarkung.

Mimmenhausen ist gut in das Netz des Verkehrsverbunds bodo angebunden, primär durch die Linien 7396, 7397 und 7381, die Orte wie Überlingen, Markdorf, Frickingen und das Bildungszentrum verbinden.

Wirtschaft Mimmenhausen war im 18. und 19. Jahrhundert geprägt durch die Landwirtschaft. Aber im Gegensatz zu den anderen umliegenden Dörfern, besaß der Ort eine ausgeprägte Infrastruktur an Handwerkern und Handelsgeschäften. „Daher man Mimmenhausen gewöhnlich auch eine Stadt zu nennen pflegte.“. Staiger, F. X. Conrad: Mimmenhausen, in: Salem oder Salmansweiler … Constanz 1863 (ND 2008). S. 296 ff Das Ende der Klosterherrschaft im Jahre 1803 bedeutete für den Ort einen tiefgreifenden Einschnitt. Die Kaserne wurde aufgelöst, die Künstler waren brotlos und die neue Herrschaft in Salem konnte das Kloster als Arbeitgeber nicht ersetzen. Dazu kam im Großherzogtum Baden in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts noch eine hohe Belastung der Landwirtschaft durch die Ablösung des alten feudalen Pachtsystems. Viele Höfe waren überschuldet und mussten verkauft werden. Der direkte Anschluss an die Bodenseegürtelbahn 1901 verbesserte die wirtschaftliche Situation. In den 1920er Jahren entstanden viele neue Betriebe im Einzelhandel und Handwerk. Nach dem Zweiten Weltkrieg belebte sich der Ort durch einen starken Zuzug Vertriebener. Eine beträchtliche Ausweitung der Neubaugebiete erlebte Mimmenhausen in den 1980er Jahren.Webseite Gemeinde Salem

Mit dem „Schloßseezentrum“ entstand in den 1980er Jahren zusätzlicher Einzelhandel in dezentraler Lage von Mimmenhausen. Der Erfolg war nicht nachhaltig. Aber auch der innerörtliche Handel und Dienstleister, wie zum Beispiel die Bankfilialen, sind weitgehend verschwunden.

Die drei traditionellen Gasthäuser haben inzwischen auch ihre Funktion eingebüßt. Der Hirschen ist bereits 1503 als Wirtshaus des Salemer Klosters erwähnt. Er ist heute Flüchtlingsunterkunft. Das Bräuhaus, die ehemalige Gaststätte der Brauerei auf dem Kasernengelände, ist geschlossen und der Adler neben dem ehemaligen Rathaus ist abgerissen.

Die Firma Schiesser Trikotagen aus Radolfzell errichtete 1956 eine Nähfiliale in Mimmenhausen. 41 Jahre wurde hier Wäsche konfektioniert, bis 1997 das Werk stillgelegt wurde. Gommeringer, Hugo: Schiesser-Werk Mimmenhausen / 41 Jahre Konfektionsfabrik in Salem (1956-1997), in: Linzgau Mosaik, Band 2 (2018)

Kultur Sehenswürdigkeiten Unter Denkmalschutz stehen in Mimmenhausen folgende Objekte: Turm der katholischen Pfarrkirche Unsere Liebe Frau, mittelalterlicher Turm mit Staffelgiebel Feuchtmayerhaus, ursprünglich Verwaltungsgebäude des Klosters Salem, ab 1730 im Besitz des Bildhauers Josef Anton Feuchtmayer, traufständiger zweigeschossiger Fachwerkbau mit Krüppelwalmdach über kräftigem barocken Kehlgesims, ursprünglich gänzlich in Fachwerk von 1692, seit 2000 Museumsbetrieb Schulhaus, langgestreckter zweigeschossiger Bau mit Vollwalmdach und profilierten Kaminköpfen, hohes massives Erdgeschoss, Fachwerkobergeschoss, 1910 Mahlmühle, zweigeschossiges langgestrecktes Gebäude in Sichtziegelbauweise mit Krüppelwalmdach und aufwändige Architekturgestaltung sowie vollständiger Mühleneinrichtung, 1902 Gasthaus zum Hirschen, stattlicher zweigeschossiger Bau mit siebenachsiger Front, Mitteleingang und teilweise vorkragendem Fachwerkobergeschoss, um 1700 Bauernhaus (Bodenseestr. 115), ehemals zum Kloster Salem gehörend, zweigeschossig, Wohn- und Ökonomieteil unter einem Dach, Sichtfachwerk, 1725, mit Vorgarten

Erwähnenswert noch zwei Wohnhäuser, eine Scheuer aus dem 18. Jahrhundert und die Brückenfigur des Hl. Nepomuk, die ebenfalls geschützt sind.Regierungspräsidium Tübingen Referat 26: Liste der Kulturdenkmale in Baden-Württemberg, Salem-Mimmenhausen 2012.

Bildung Für Mimmenhausen ist im 18. Jahrhundert eine sogenannte Lateinschule (1736) belegt. Norbert Graf: Schule in früher Zeit und die „Lateinschule“ in Mimmenhausen. 2022

Das Reichsstift Salem erließ 1787 für sein Hoheitsgebiet eine Schulordnung. Die Untertanen sollten ihre Kinder ab 6 Jahren in die „Werktagsschule“ und vom 14. bis zum 18. Lebensjahr in die „Sonn- und Feiertagsschule“ schicken. So wurde in Mimmenhausen 1796 ein neues Meßner- und Schulhaus unmittelbar neben der Pfarrkirche gebaut. Bis dahin fand der Unterricht in Privaträumen und in dem Kasernengebäude statt. Nach Aufhebung der Salemer Garnison 1803 kam das Schullokal in die freigewordene Kaserne und blieb dort, bis 1846 die alte Kaserne durch einen Brand zerstört wurde. Nun wurde die alte Schule wieder benutzt. Im Kulturkampf wurde 1871 Mesner- und Lehrerdienst gesetzlich getrennt. Joseph Klein: Geschichtliches aus der Pfarrei und Pfarrkirche Mimmenhausen. 1930 1910 wurde hier ein neues Schulhaus in der Bahnhofsstraße gebaut. Anfang der 1950er Jahre wurde es um den sogenannte „Mittelbau“ mit einem überdachten Pausenbereich erweitert. 1965 erfolgte dann der Bau eines zusätzlichen separaten Gebäudes und 1968 wurde das Ensemble um eine Turnhalle erweitert.