mini|240px|Eingeklebte Miniatur des Sinai in Hartmann Schedels Abschrift des Evagatoriums 1509
Felix Fabri, deutsch Schmid, oft auch (fälschlich) Faber (* um 1438/14391438/1439 nach Angabe des HLS; ADB und BBKL nennen 1441/1442 als Geburtsjahr. in Zürich; † wohl 14. März 1502Das im Original verschollene Familienbuch Hilprant Brandenburgs nennt den 23. März, siehe Hermann Tüchle in: Heimatkundliche Blätter für den Kreis Biberach 1982/1, S. 14 (online). in Ulm) war ein Dominikaner und Schriftsteller, der vor allem durch sein Evagatorium bekannt wurde, den umfangreichen und lebendigen Bericht über eine Reise ins Heilige Land. Die Allgemeine Deutsche Biographie bezeichnete ihn 1877 als den „hervorragendsten Pilger des 15. Jahrhunderts“.
Leben Felix Fabri war der Sohn des Jos Schmid und der Clara von Issnacht sowie ein Neffe des Zürcher Bürgermeisters Rudolf Stüssi.Das Biographische am besten bei Carls, 1999, S. 53–56. Er nannte sich selbst Fabri und signierte gern mit f.f.f. (Frater Felix Fabri). 1452 trat er in den Konvent des Predigerordens zu Basel ein, am Fest seiner Schutzheiligen Katharina von Alexandrien, dem 25. November. Genau ein Jahr später legte er die Ordensgelübde ab.
Fabri dürfte zu den Brüdern gehört haben, die 1468 von Basel zur Reform des Ulmer Konvents entsandt wurden. Hier wirkte er bis zu seinem Tod 1502 hoch angesehen als Lesemeister und Prediger.Siehe etwa die chronikalischen Notizen im Wiener Cod. 1507, auf die Klaus Graf hinwies: archiv.twoday.net Zu seinen Schülern dort zählte der Inquisitor Konrad Köllin. Zugleich betreute er als Seelsorger reformierte Frauenkonvente der Umgebung.
Eine Pilgerfahrt führte Fabri 1467 nach Aachen. In Ordensangelegenheiten reiste er 1476 nach Rom, 1482 nach Colmar, 1485 (oder 1486) nach Nürnberg und 1486 und 1487 nach Venedig. Fabri bereiste zweimal Palästina: 1480 und 1483/84. Seine Wallfahrten führten ihn von Ulm über Jerusalem zum Katharinenkloster auf dem Sinai und nach Kairo sowie nach Alexandria.
Fabri unterstützte die von den Dominikanern getragene Verbreitung des Rosenkranz-Gebets.Klaus Graf: Der Ulmer Dominikaner Felix Fabri und der Rosenkranz. Bei: Archivalia, 7. November 2019 (abgerufen am 7. November 2019)
Werke Trotz der engen Beziehungen zu Buchdruckern (siehe unten) wurde von seinem umfangreichen literarischen Werk zu seinen Lebzeiten nichts gedruckt. Inzwischen sind fast alle bislang gedruckten Werke Fabris im Internet zugänglich.
Evagatorium, der Bericht über die Reise ins Heilige Land mini|Handschrift des Evagatoriums mini|Aus Bernhard von Breydenbachs Reisebuch Sanctae Peregrinationes, gedruckt in Mainz 1486; die Illustration von Erhard Reuwich zeigt die Reisegruppe mini|Reiseroute, Karte von 1896
Das umfangreiche lateinische Evagatorium (auf Deutsch in etwa: Buch der Abschweifungen), das Fabris Bericht von der zweiten Palästina-Reise 1483/84 enthält, liegt handschriftlich als Autograph im Cod. 19555.1.2 der Stadtbibliothek Ulm vor. Konrad Dietrich Haßler gab es von 1843 bis 1849 in drei Bänden heraus. An einer Neuausgabe (für die Monumenta Germaniae Historica.) arbeitete an der Stuttgarter Universität der Pilgerreisen-Spezialist Folker Reichert.uni-stuttgart.de; siehe auch: Die Ausgabe Haßlers wurde zuerst von Austrian Literature Online (ALO) digitalisiert.
Auf der zweiten Pilgerfahrt befand sich in der Reisegruppe, der Fabri angehörte, zeitweilig auch der Mainzer Domdekan Bernhard von Breidenbach (um 1440–1497), dessen Reisebericht ab 1486 lateinisch und deutsch viele Auflagen erlebte. Eine ins Auge gefasste gemeinsame Reisebeschreibung kam dagegen nicht zustande. Auch Paul Walther aus Guglingen verfasste einen Bericht über die gleiche Reise.
Eine gedruckte deutsche Gesamtübersetzung aus dem Lateinischen existiert nicht. Unvollständig ist die 1996 publizierte Übersetzung von Herbert Wiegandt, die als einzige im Buchhandel noch erhältlich ist.
1896 legte die Palestine Pilgrims’ Text Society eine zweibändige englische Übersetzung von Aubrey Stewart vor. Sie ist allerdings ebenfalls unvollständig.
2000/2002 kam eine lateinisch-französische Ausgabe heraus. Bereits 1975 war in Kairo eine französische Übersetzung erschienen.
Das Werk „gibt nicht nur eine höchst lebendige Schilderung der abenteuerlichen Reise, sondern vor allem auch ein auf exakter Beobachtung beruhendes Bild der geographischen, religiösen und gesellschaftlichen Verhältnisse in den bereisten Ländern. Daneben stellt es mit zahlreichen historischen Rückblicken wie Abschweifungen in viele geistige Bereiche ein fesselndes Dokument des Übergangs vom Mittelalter zur Neuzeit dar.“
Noch enthusiastischer äußerte sich die britische Schriftstellerin H. F. M. Prescott (1896–1972), die Fabris Reisen drei Bücher widmete. Für sie enthält das Evagatorium „die weitschweifigste und abwechslungsreichste und dazu unterhaltendste Mischung von Frömmigkeit und Leichtsinn, Schlauheit und Einfalt, scharfer Beobachtung und Leichtgläubigkeit, die sich denken lässt, alles reichlich ausgeschmückt mit klassischem und theologischem Wissen und gewürzt mit des Bruders gutem Humor und seiner unerschöpflichen Lebensfreude.“H. F. M. Prescott: Felix Fabris Reise nach Jerusalem. Freiburg/Basel/Wien 1960, S. 9. Titel der Originalausgabe: Jerusalem Journey, London 1954. Zuvor erschienen in New Haven: Yale 1950 als Friar Felix at Large: A Fifteenth Century Pilgrimage to the Holy Land, später die Fortsetzung Once to Sinai: The Further Pilgrimage of Friar Felix Fabri, London 1957.
Ausführlicher als andere Schriftsteller beschreibt Fabri die Prozedur, mit der Adlige am Heiligen Grab in Jerusalem zu Grabesrittern geschlagen wurden.Jakob Hermens: Der Orden vom heil. Grab, Düsseldorf 1867, S. 33–42
Ein Rhinoceros In seinem Evagatorium beschreibt Felix Fabri ein Rhinoceros, das er bei der Durchquerung der Wüste Sinai auf einem Hügel gesehen habe. Seine Darstellung legt allerdings nahe, dass er nicht beschrieb, was er sah, sondern was er über das Tier gelesen hatte, zum Beispiel bei Plinius, Rabanus Maurus oder Albertus Magnus, denn was er beschreibt, ähnelt eher dem legendären Einhorn und ist insofern ein Beleg für Fabris Gelehrsamkeit und für die Bewunderung eines für die Pilger unbekannten Geschöpfs.Jean Meyers: Le „rhinocéros“ de Frère Félix Fabri. Autopsie d’un passage de l’Evagatorium (II, 7, fol. 39 B-40 A). Mit einer Edition und Übersetzung (französisch) des lateinischen Textes Bernhard von Breidenbach berichtete ebenfalls kurz über die Sichtung des Tieres in der Ferne, das für ein Einhorn gehalten wurde und das nach modernem Verständnis zu den Oryxantilopen gezählt werden muss. Die viel spätere Darstellung eines Rhinocerus von Albrecht Dürer aus dem Jahre 1515, die nur auf Beschreibungen beruhte, gab dem Tier in Europa zum ersten Mal ein annähernd naturalistisches Bild.
Pilgerbuch Die deutschsprachige Kurzfassung der 1484 abgeschlossenen Reise kann als Pilgerbuch bezeichnet werden.Siehe Carls, 1999, S. 59–61, mit weiterer handschriftlicher Überlieferung Das Autograph befindet sich in der Stadtbibliothek Dessau (Georg. Hs. 238. 8°, Bl. 1–232).Eine Edition plante Randall Herz: Editionsbericht (ohne Rückmeldung seit 2005). Von dem Text existieren mehrere Abschriften und noch nicht untersuchte Bearbeitungen in Handschriften.
1556 wurde das Pilgerbuch in Frankfurt am Main gedruckt, registriert im Verzeichnis der im deutschen Sprachgebrauch erschienenen Drucke des 16. Jahrhunderts VD 16 unter F 137. 1557 erschien es ohne Angabe des Druckorts erneut (VD 16 F 137). Durch die leicht gekürzte Aufnahme in Feyerabends Reyßbuch von 1584, nochmals gedruckt 1659, wurde es weithin bekannt. In der Ausgabe von 1584 steht es auf den Blättern 122v bis 188, es nimmt also über 130 Druckseiten ein.
Moderne Bearbeitungen bzw. Auszüge publizierten Helmut Roob (Berlin 1964/Heidelberg 1965) und 1990 Gerhard E. Sollbach. ISBN 3-88851-121-6 Ohne Quellenangabe bearbeitete Magdalene Kuhn Auszüge aus dem Text als Pilgerbüchlein des Bruders Felix Faber, erschienen in Konstanz 1955.
In der Zimmerischen Chronik referiert der Hauschronist Froben Christoph von Zimmern die Palästina-Reise seines Großvaters, Johannes Werner des Älteren von Zimmern (1454–1495), nach Fabris und Breidenbachs Berichten.Wie herr Johanns Wörnher freiherr zue Zimbern mit herr Hainrichen freihern von Stöffeln und andern zu dem hailigen landt zogen und was im auf derselben fart begegnet auf Wikisource. Siehe auch Felix Heinzer: „Wie herr Johanns Wörnher freiherr zue Zimbern zu dem hailigen landt zog“. Anmerkungen zu einem Reisebericht der Zimmerischen Chronik. In: Birgit Schneider (Hrsg.): Bücher, Menschen und Kulturen. Festschrift für Hans-Peter Geh zum 65. Geburtstag. Saur, München 1999, ISBN 3-598-11399-4, S. 88–101, freidok.uni-freiburg.de. Vermutlich lagen dem Chronist sowohl das lateinische Evagatorium als auch das Pilgerbuch als Handschrift oder Druck vor.
Die Geschichte Schwabens mini|Beginn des Autographs der Beschreibung Schwabens
Die Geschichte Schwabens und Ulms wollte Fabri ursprünglich als zwölften und letzten Traktat seiner Reisebeschreibung beigeben. Daraus wurden aber eigene Bücher: die Descriptio Sueviae und der Tractatus de civitate Ulmensi.
Im November 1933 gelang der Stadt Ulm der Ankauf des längst als verschollen geglaubten Autographs des dritten Bandes des Evagatoriums mit diesen beiden Büchern in der Stadtbibliothek Ulm (cod. 19555.3).Walter Schmidlin: Felix Fabris Beschreibung Schwabens und dessen Abhandlung von der Stadt Ulm. In: Ulm und Oberschwaben, 29, 1934, S. 97–102
Die Beschreibung, besser: Geschichte Schwabens, Descriptio Sueviae wurde von Melchior Goldast 1605 mit dem von ihm gewählten Titel Historia suevorum gedruckt und ist im VD 17 mit der Nummer 23:237314E verzeichnet. Online liegt dieser und der Ulmer Nachdruck von 1727 vor.
Eine moderne Ausgabe fehlt. Man hat neben der Ausgabe Goldasts den Anhang zur Tractatus-Ausgabe und die Auszüge zur Schweizergeschichte von Hermann Escher 1884, wiederum bei ALO, zu benutzen.
Das Verhältnis der Fassungen klärte Georg Leidinger 1898.Georg Leidinger: Eine bisher unbekannte Hs. von Felix Fabri's Descriptio Theutoniae, Sueviae et civitatis Ulmensis. In: Neues Archiv der Gesellschaft für ältere deutsche Geschichtskunde, Band 23, 1898, S. 248–259 (Monumenta Germaniae Historica). 1488/89 schrieb Fabri eine vollständige Fassung nieder, die er 1493/94 kürzte. Goldast druckte die gekürzte Fassung ab.
Fabris gelehrtes Geschichtswerk ist ein Zeugnis für den damals aufkommenden, auf das Land Schwaben bezogenen Patriotismus, den die ältere Forschung gern Stammespatriotismus nannte.Zu Fabri unter diesem Aspekt siehe Klaus Graf: Reich und Land in der südwestdeutschen Historiographie um 1500. In: Franz Brendle u. a. (Hrsg.): Deutsche Landesgeschichtsschreibung im Zeichen des Humanismus (= Contubernium 56), Stuttgart 2001, S. 201–211, hier S. 206–208 freidok.uni-freiburg.de. Der gebürtige Zürcher schreibt pro-habsburgisch und anti-eidgenössisch.
Abhandlung von der Stadt Ulm Der lateinische Tractatus de civitate Ulmensi ist im Autograph ebenfalls in der Stadtbibliothek Ulm erhalten: Cod. 19555.3. Sowohl die lateinische Ausgabe von Gustav Veesenmeyer 1889, einzusehen bei ALO, als auch die 1909 gedruckte deutsche Übersetzung von Konrad Dietrich Haßler dem Jüngeren (ein Sohn des Konrad Dietrich Haßler) liegen digitalisiert im Internet vor. Auch ein Aufsatz von 1870, eine Vorarbeit Veesenmeyers für die Ausgabe, ist als Faksimile online verfügbar.Veesenmeyer tractatus auf Commons