Die Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns (SNSB) sind eine Forschungs- und Bildungsinstitution, die als Mittelbehörde dem Bayerischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst nachgeordnet sind. Sie vereinen fünf naturkundliche Staatssammlungen, acht Schausammlungen und den Botanischen Garten München.
Die SNSB gelten als eine der ältesten naturwissenschaftlichen Forschungssammlungen der Welt. Sie dienen dem Aufbau, der Pflege und der wissenschaftlichen Bearbeitung der etwa 35 Millionen Sammlungsobjekte aus Fachrichtungen wie Zoologie, Botanik, Geologie, Paläontologie, Mineralogie, Anthropologie und Paläoanatomie. Die SNSB sind eingebunden in die universitäre Forschungs- und Bildungsarbeit im Bereich der Bio- und Geowissenschaften. Die enge Verbindung von sammlungsbezogener geo- und biowissenschaftlicher, Fauna und Flora umfassender Forschung ist ein herausragendes Merkmal der SNSB. Dem dienen auch die Aktivitäten der SNSB in Sammlung, Forschung und Wissenstransfer im Zeichen des Geo- und Biosphärenwandels mit dem Fokus auf alpine Systeme. Dabei geht es vor allem darum, ausreichend vergleichbare Daten zur Biodiversität sowohl zu verschiedenen Zeitpunkten als auch zur gesamten Erdgeschichte zu liefern. Die SNSB verfügen über eine umfassende Infrastruktur, um den Wandel der Biosphäre zu dokumentieren, zu erforschen und die Erkenntnisse an eine breite Öffentlichkeit zu vermitteln. Die zehn Museen der Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns, u. a. das Museum Mensch und Natur und der Botanische Garten sowie die fünf Regionalmuseen, zählen jährlich rund 800.000 Besucherinnen und Besucher.
Seit 1. August 2025 ist Jörg Overmann Generaldirektor der Sammlungen und damit Nachfolger von Joris Peters, der die Sammlungen seit 2022 als Generaldirektor geleitet hat. Jörg Overmann war zuvor Direktor des Leibniz-Instituts DSMZ – Deutsche Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen in Braunschweig. Als ausgewiesener Experte leitete er dort eine der umfassendsten biologischen Ressourcensammlungen weltweit. Overmann gilt als Experte im Bereich Biodiversitätsforschung und hat langjährige Leitungserfahrung in der Leibniz-Gemeinschaft. Mit Jörg Overmann bekommen die Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns erstmals einen Generaldirektor, der dieses Amt hauptamtlich ausübt.
Forschungsinstitutionen und Naturkundemuseen Zu den Forschungsinstitutionen der SNSB gehören:
Staatssammlung für Anthropologie und Paläoanatomie Botanische Staatssammlung München mit SNSB IT Center Mineralogische Staatssammlung München (nicht öffentlich zugänglich) Bayerische Staatssammlung für Paläontologie und Geologie Zoologische Staatssammlung München
Folgende Museen gehören zum Verbund: Museum Mensch und Natur als zentrale Ausstellungsplattform der SNSB. Es ist derzeit geplant, das Museum zu einem größeren Naturkundemuseum auszubauen.. Auf muenchen-querbeet.de Es wurde bereits ein Architektenwettbewerb durchgeführt. M. Apel (2015) Der Architektenwettbewerb zur Erweiterung des Museums Mensch und Natur zum Naturkundemuseum Bayern; Natur und Museum, Heft 5, 59–61 Geologisches Museum München als öffentlich zugänglicher Teil der Bayerischen Staatssammlung für Paläontologie und Geologie Museum Mineralogia München als öffentlich zugänglicher Teil der Mineralogischen Staatssammlung Paläontologisches Museum München als öffentlich zugänglicher Teil der Bayerischen Staatssammlung für Paläontologie und Geologie Jura-Museum Eichstätt (Trägerin: Stiftung Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt) Naturkunde-Museum Bamberg (Trägerin: Lyzeumstiftung Bamberg) Rieskrater-Museum Nördlingen (Trägerin: Stadt Nördlingen) Urwelt-Museum Oberfranken in Bayreuth (Trägerin: Stadt Bayreuth)
Ebenfalls Teil des Verbundes ist: Botanischer Garten München-Nymphenburg (Lebend-Forschungssammlung und öffentlicher botanischer Garten mit verschiedenen Gewächshäusern und Ausstellungen)
Eine Besonderheit der Organisation der SNSB ist, dass die Leiter der Staatssammlungen meist Professoren der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) sind und Sammlungsdirektoren im Nebenamt. Dadurch ist eine intensive Kooperation der SNSB mit der LMU gewährleistet. Die SNSB sind Mitglied des Verbundes von naturkundlichen Museen, dem Humboldt-Ring.
Aufgaben Die Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns haben drei AufgabenbereicheStrukturkommission Bayern 2013 (Hrsg.): Evaluierungsbericht Strukturkommission Bayern 2013. (StrukBY2013). Ergebnisse der Begutachtung von 13 durch den Freistaat Bayern finanzierten nichtuniversitären Forschungseinrichtungen. Bayerisches Staatsministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst, München 2013, S. 173 ff.:
Sammlungswesen: Konservierung, Erfassung, Erweiterung und Verfügbarmachung der umfangreichen Sammlungsbestände. Diese werden Wissenschaftlern aus vielen Ländern der Welt zur Verfügung gestellt, teils durch Besuche, durch Leihverkehr und zunehmend auch durch elektronisches Bereitstellen sowie Versand von Daten (z. B. Bildern von Sammlungsstücken). Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit: Verschiedene Dauer- und Sonderausstellungen vermitteln Informationen über Geo- und Biowissenschaften. Dadurch sollen die Besucher mit ihrer natürlichen Umwelt und deren Geschichte vertraut werden; ihr Verständnis für die Bedeutung der Umwelt soll geweckt und gefördert werden. Die Museen der SNSB zeigen jährlich etwa 30 Sonderausstellungen und zählen mehr als 750.000 Besucher. 2010/2011, . Die Staatssammlungen sind auch durch Führungen, Bibliotheken, Fachvorträge und Lehre vielfältig im Bildungssektor wirksam. Zugleich sind sie Ratgeber in Fragen der Ökologie und geben gutachterliche Stellungnahmen ab. Wissenschaft und Forschung: Die Mitarbeiter der SNSB erforschen die heutige und frühere Vielfalt der lebenden Welt (Biodiversität) und der unbelebten Welt (Geodiversität). Die meisten Forschungsthemen sind mit den Sammlungen verknüpft. Viele Forschungsvorhaben können nur auf der Grundlage von Drittmitteleinwerbung und durch Studenten im Rahmen von Abschlussarbeiten realisiert werden.
Geschichte Vorgeschichte Der Bayerischen Akademie der Wissenschaften wurde schon bei ihrer Gründung im Jahr 1759 die Anlage von Sammlungen angeordnet.Dietmar Willoweit: Wissenschaft aus Wissensdurst – Die Bayerische Akademie auf dem Weg in das Zeitalter der Wissenschaft. In: Tobias Schönauer, Dietmar Willoweit (Hrsg.): Wissenswelten. Die Bayerische Akademie der Wissenschaften und die wissenschaftlichen Sammlungen Bayerns. Ausstellungen zum 250-jährigen Jubiläum der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Katalog. Bayerische Akademie der Wissenschaften, München 2009, S. 10–44. König Max I. Joseph reformierte 1807 die Kgl. Akademie der Wissenschaften grundlegend.Reinhard Heydenreuter, Sylvia Krauß: Helle Köpfe. Die Geschichte der Bayerischen Akademie der Wissenschaften 1759–2009. Ausstellung des Bayerischen Hauptstaatsarchivs, München, 28. März bis 5. Juli 2009 (= Ausstellungskataloge der staatlichen Archive Bayerns. Nr. 51). Pustet, Regensburg 2009, ISBN 978-3-7917-2223-8. Der Akademie wurden sogenannte Attribute zugeordnet, das war eine Reihe von Sammlungen und Institutionen. Wichtige Ergänzungen der Bestände waren die zoologischen, botanischen und mineralogischen Privatkabinette des Hauses Wittelsbach, die vor allem aus der sogenannten Herzoglichen Sammlung und der Kurpfälzisch-Zweibrückener Riedlschen Sammlung bestand. Die Sammlungen der Akademie sowie ihre Bibliothek waren seit 1784 in der Alten Akademie bzw. im Wilhelminum in der Neuhauser Straße (heute Fußgängerzone) untergebracht.Wolf Bachmann: Die Attribute der Bayerischen Akademie der Wissenschaften 1807–1827 (= Münchener historische Studien. Abteilung bayerische Geschichte. Bd. 8, ). Lassleben, Kallmünz 1966, (Zugleich: München, Universität, Dissertation, 1963). Die Sammlungen hatten einen großen Zuwachs durch die Säkularisation von 1803 und wurden auch in der Folgezeit laufend ergänzt. Im Jahre 1811 wurde mit der Ernennung von Johann Baptist Spix zum Konservator als erste die zoologisch-zootomische Sammlung (die heutige Zoologische Staatssammlung München) ausgegliedert und als selbständige Institution der Akademie unterstellt. Klaus Schönitzer: Ein Leben für die Zoologie. Die Reisen und Forschungen des Johann Baptist Ritter von Spix (= Berichte der Freunde der Zoologischen Staatssammlung München. Bd. 3). Allitera-Verlag, München 2011, ISBN 978-3-86906-179-5, S. 34–40. Bereits im Jahre 1809 wurde in der Alten Akademie ein Naturkundemuseum der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Dies kann als Vorgänger des Münchner Naturkundemuseums gesehen werden, das bis zu seiner Zerstörung im Zweiten Weltkrieg bestand.Richard Kraft: Die Naturwissenschaftlichen Sammlungen in der Alten Akademie in München. In: Reinhard Heydenreuter, Sylvia Krauß: Helle Köpfe. Die Geschichte der Bayerischen Akademie der Wissenschaften 1759–2009. Ausstellung des Bayerischen Hauptstaatsarchivs, München, 28. März bis 5. Juli 2009 (= Ausstellungskataloge der staatlichen Archive Bayerns. Nr. 51). Pustet, Regensburg 2009, ISBN 978-3-7917-2223-8, S. 153–155.
Gründung bis heute Nachdem 1827 die Ludwig-Maximilians-Universität von Landshut nach München verlegt worden war, wurden im selben Jahr neue Statuten erlassen, die die Konservatorien („Attribute“) auch rechtlich zu selbständigen Einheiten erhoben. Die gemeinsame Unterbringung in der Alten Akademie (auch Wilhelminum genannt) sicherte einen interdisziplinären Forschungsansatz, der sich auch in einer gemeinsamen Schausammlung äußerte. Die naturwissenschaftlichen Sammlungen der Universität wurden mit den Sammlungen der Akademie vereinigt. Die naturwissenschaftlichen Sammlungen wurden einem Generalkonservator unterstellt, der vom König selbst ernannt wurde und von Akademie und Universität nominell unabhängig war.Gründungsurkunde. In: Regierungs-Blatt für das Königreich Bayern. Nr. 12, 1827, , Sp. 205–216. Der erste Generalkonservator war Schelling.Wolf Bachmann: Die Attribute der Bayerischen Akademie der Wissenschaften 1807–1827 (= Münchener historische Studien. Abteilung bayerische Geschichte. Bd. 8, ). Lassleben, Kallmünz 1966, S. 45 f., (Zugleich: München, Universität, Dissertation, 1963). Die Neuorganisation von 1827 gilt als Gründung der SNSB.Jahresbericht 1977 der Generaldirektion der Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns. . mini|Das Jesuitenkolleg (Wilhelminum) um 1700 nach Michael Wening
Das Ende der Monarchie in Bayern 1918 brachte für die naturwissenschaftlichen Staatssammlungen wenig Änderung. Im Gegensatz zu den meisten Ländern, wo die selbständigen Sammlungen, die aus den Privatkabinetten der regierenden Häuser entstanden, sowie die noch vorhandenen Privatkabinette mit den Sammlungen der jeweiligen Universitäten verschmolzen wurden, blieb es in Bayern beim Status quo. Die königlichen Sammlungen wurden gemäß neuer Terminologie zu den Staatssammlungen. Allerdings erlosch der Fonds zur naturwissenschaftlichen Erforschung des Königreiches, den König Maximilian II. bei seiner Thronbesteigung 1848 eingerichtet hatte, durch die Inflation während der Weltwirtschaftskrise vollständig.
Ab 1927 erfolgte die Trennung der Verwaltung der Staatssammlungen von der bayerischen Akademie der Wissenschaften.Freddy Litten: Die Trennung der Verwaltung der Wissenschaftlichen Sammlungen des Staates von der bayerischen Akademie der Wissenschaften. In: Zeitschrift für Bayerische Landesgeschichte. Bd. 55, Heft 2, 1992, S. 411–420, online. Die SNSB erhielten einen Generaldirektor und wurden als Mittelbehörde direkt einem Staatsministerium unterstellt.Homepage der SNSB. Nach einigen Umstrukturierungen und Ausgliederungen tragen die SNSB seit 1969 die Bezeichnung Generaldirektion der Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns als offiziellen Behördennamen.