mini|hochkant=1.3|Henenu
Henu oder Henenu ist der Hausvorsteher (altägyptisch: „Em-ra-per“ (M-r3-pr), manchmal „Imi-ra-per“ (Jmj-r3-pr) vokalisiert, später unter Amenemhet I. zu „Imi-ra-per-wer“ (Jmj-r3-pr-wr) erweitert) der ägyptischen Könige Mentuhotep II. und Mentuhotep III., der als erster Beamter des Mittleren Reichs die Wege in den Libanon und nach Punt (Goldland) wieder geöffnet hat.
Belege Die Inschrift Wadi Hammamat Nr. 114 Im Wadi Hammamat findet sich folgende Inschrift von Henu:
Vertikale Zeile (Couyat & Montet 1 = Breasted 0) „[…] Se-anch-ka-Re […]“
Horizontale Zeile (M 2 = B 1) Jahr Acht 3. Schemu I (18. August).Datierung für das Jahr 2000 v. Chr. gemäß Jean Meeus: Astronomische Algorithmen, u. a. Anwendungen für Ephemeris Tool 4,5 Barth Leipzig 2000, ISBN 3-335-00400-0 mit Umrechnungsprogramm Ephemeris Tool 4,5.
Zeile (M 3 = B 2) Der wirkliche Lieblingsdiener, der alles tut, was er preist, jeden Tag, Träger des königlichen Siegels, [einziger] Be[gleiter], - Aufseher über das, was ist und das, was nicht ist, Aufseher über die Tempel, Aufseher über die Getreidespeicher und das Weiße Haus,
Zeile (M 4 = B 3) Aufseher über Horn und Huf, Chef der sechs großen Häuser, der mit lauter Stimme den König am Tage des Aufwartens ausruft, der den Gefangenen beurteilt gemäß seiner Wüste […]
Zeile (M 5 = B 4) […]
Zeile (M 6 = B 5) […]
Zeile (M 7 = B 6) […]
Zeile (M 8 = B 7) […]Der das Herz des Königs zufriedenstellt als Wächter des Tores des Südens; über die
Zeile (M 9 = B 8) Verwaltung der Gaue des Südens, Vorsteher des Schatzes aus Gold … der die Haunebu (Unzivilisierte)Rainer Hannig: Großes Handwörterbuch Ägyptisch-Deutsch: (2800 – 950 v. Chr.). von Zabern, Mainz 2006, ISBN 3-8053-1771-9, S. 535. ohnmächtig macht, zu dem die Beiden Länder kommen und sich verneigen, an den jedes Amt berichtet; Träger des königlichen Siegels, einziger Begleiter.
Zeile (M 10 = B 9) der Haushofmeister Henu sagt:"[Mein Herr, sein Leben sei lang] und er sei bei guter Gesundheit, [hat mich] gesandt, um ein Schiff nach Punt auf den Weg zu bringen, um ihm frische Gewürze/Myrrhe (anti), die sich im Besitze der Scheichs der Wüste/des Roten Landes befinden, zu bringen, wegen seiner Furcht in den Hochländern (?). Also bin ich von Koptos aufgebrochen,
Zeile (M 11 = B 10) auf dem Weg, den seine Majestät mir gezeigt hat: Eine Truppe aus dem Süden begleitete mich. Sie bestand aus […] w3bw (?) aus dem Gau von Theben – von der einen Seite bis Iumiteru und auf der anderen Seite bis Shabe –, königlichen Beauftragten aller Art, aus den Dörfern und Feldern, sie gingen vereint an meiner Seite; zwei Corps Aufklärer (?), vier Kompanieen Wachleute (?)
Zeile (M 12 = B 11) machten vor mir den Weg frei, indem sie die Feinde des Königs unterwarfen; Jäger und Gebirgsjäger/Wüstenbewohner/Kinder des Hochlands wurden als Wachen aufgestellt, um mein Corps zu sichern. Die Verantwortung für alles war mir von seiner Majestät übergeben worden. Sie sandten Boten zu mir, und so wie ich befahl, gehorchten Millionen. Ich bin mit einer Truppe von 3.000 Mann aufgebrochen.
Zeile (M 13 = B 12) Ich habe den Weg in einen Strom verwandelt, das Rote Land/die Wüste in fruchtbare Felder der Ebene: Ich habe jedem eine lederne Flasche gegeben, eine Tragestange, zwei Schläuche/Krüge Wasser und 20 Semmeln für jeden Tag, die Mulis waren mit Sandalen beladen. Nun grub ich zwölf Brunnen im Busch
Zeile (M 14 = B 13) […]Als ich Wadj-Wer erreichte, baute ich ein Schiff/eine Flotte und entsandte es/sie mit allem, nachdem ich ein großes Opfer aus Rindern, Stieren und
Zeile (M 15 = B 14) Gazellen/Ibissen dargebracht hatte. Jetzt nach meiner Rückkehr vom Wadi-Wer taten sie, was seine Majestät befohlen hatte und ich brachte ihm von den Produkten, die ich gefunden hatte an den Ufern des Gotteslandes. Ich bin herabgestiegen durch Wag und Ra-henu und brachte ihm Steinblöcke hoher Qualität für Statuen für die göttliche Kapelle/den Tempel; nie
Zeile (M 16 = B 15) wurde solches getan von einem Vertrauten des Königs, der ausgesandt wurde, seit der Zeit des Gottes. Ich tat dies für die Majestät meines Herrn, weil er mich so sehr liebte […]"
Zeile (M 17 = B 16) […]
Zuerst veröffentlicht von: Émile Prisse d'Avennes: Monuments égyptiens, bas-reliefs, peintures, inscriptions etc., d'après les dessins exécutés sur les lieux; pour faire suite aux Monuments de l'Égypte et de la Nubie de Champollion-le-Jeune. Didot frères, Paris 1847, Blatt (Seite) VI, Nr. 2.Vollständig dargestellt bei Carl Richard Lepsius: Denkmäler aus Aegypten und Aethiopien. Tafelwerke, Band II, Nicolaische Buchhandlung, Berlin 1849–1859, S. 150 → Bild a. (online: Tafelwerk, Abteilung II, Band IV: Altes Reich. S. 150 → Bild a (Inschriften von Hamamât)).Golénischeff Hammamat XV – XVII = В. С. Голенищев: Эпиграфические результаты поездки в Уади-Хаммамат, в сборнике. Записки Восточного отделения Русского археологического общества. т. 2, в. 1—2, СПБ. 1887, C. 69–79, 18 табл. XV – XVII = in Deutsch: Wladimir Semjonowitsch Golenischtschew: Epigraphische Ergebnisse der Reise nach Wadi-Hammamat, in der Sammlung. In: Memoirs of the Oriental Department of the Russian Archaeological Society. (= Zapiski Vostocnogo Otdelenija Rossijskogo Archeologičeskogo Obščestva. [ZVORAO]) Band 2, Nummer 1 bis 2). St. Petersburg 1887, S. 69–79, Tabelle 18, XV – XVII.Abdruck bei Jules Couyat, Pierre Montet: Les Inscriptions hiéroglyphiques et hiératiques de Ouâdi Hammâmât (= Mémoires publiés par les membres de l'Institut français d'archéologie orientale du Caire. Band 34). Imprimerie de l'Institut français d'archeologie orientale, Kairo 1912, Nr. 114.Erste Übersetzung bei: François Joseph Chabas: Voyage d'un Égyptien en Syrie, en Phénicie, en Palestine. Dejussieu, Chalon-sur-Saone 1866, S. 56–57.Englische Übersetzung bei: J. H. Breasted: Ancient records of Egypt. Band 1, Chicago 1906, § 427 – 433.Französische Übersetzung bei: C. Obsomer: Sesostris Ier. Étude chronologique et historique du règne. Bruxelles 1995, S. 394 & 395. [Die Lücken […] befinden sich bei Breasted in der Übersetzung, weil er die endlose Litanei von Titeln nicht weiter übersetzen will.]Erwähnt bei: Gaston Maspero: Histoire ancienne des peuples de l'Orient classique. Band I, Hachette, Paris 1875, S. 495; Henri Gauthier: Le livre des rois d'Egypte. Recueil de titres et protocoles royaux, noms propres de rois, reines, princes et princesses, noms de pyramides et de temples solaires, suivi d'un index alphabétique. Band I, Imprimerie de l'Institut français d'archéologie orientale, Kairo 1907, S. 243; E. Meyer In: Geschichte des Altertums. Band I, Darmstadt 1981, § 278 & § 291; H. E. Winlock: The Rise and Fall of the Middle Kingdom in Thebes. New York (NY) u. a. 1947, S. 50; The Scepter of Egypt. A background for the study of the Egyptian antiquities in the Metropolitan Museum of Art. Harper, New York 1953, I, S. 166; J. H. Breasted: Geschichte Aegyptens. Zürich 1954, S. 109; G. Callender: The Middle Kingdom Renaissance. Oxford 2000, S. 156; C. D. Noblecourt: Die geheimnisvolle Königin auf dem Pharaonenthron. Bergisch Gladbach 2007, S. 202 & 203.
Übrigens ist diese Inschrift die einzige datierte Inschrift aus der Regierung von Mentuhotep III.
Das Grab Deir el-Bahari (MMA 510; TT 313) Nördlich des Tempels von Mentuhotep II. Neb-hepet-Re in Deir el-Bahari hat Haushofmeister Henenu [hier wird er mit -nn- geschrieben] sich ein Grab anlegen lassen. Es sind vier Kalkstein-Stelen erhalten, Fragmente des bemalten Sarkophags und der Türeinfassung. Zwei der Stelen sind etwas besser erhalten und befinden sich im Metropolitan Museum of Art. Sie standen ursprünglich einander gegenüber im Eingang des Grabs. Sie sind von einem Inschriftenband eingefasst. Darauf befinden sich 16 Zeilen eines biographischen Textes. Daneben befindet sich ein Relief mit dem Grabherrn, der hinter einem Opfertisch sitzt. Der Name von Mentuhotep II. Neb-hepet-Re wird ausdrücklich erwähnt.
[Sein (des Königs) wahrer Lieblings]diener, [der das tat, was er pries] im Laufe eines jeden Tages, der Aufseher über Horn, Huf, Feder und […], der Aufseher über […], über das, was fliegt und das, was herunter flattert, der Aufseher über das, was ist und das was nicht ist, der große Haushofmeister Henenu.
Dann folgen Fragmente, aus denen hervorgeht, dass er in den Gauen Thinis und Aphroditopolis für den König Steuern eingetrieben hat, dass er verstopfte Kanäle gereinigt hat und eine große militärische Expedition organisiert hat. Er hat das Haus meines Herrn versorgt und für sein Wohlergehen in allen seinen Bereichen gesorgt. Für sein eigenes Grab hätte er Granit aus Assuan herbeischaffen lassen. Er habe eine Reise nach Syrien, bzw. dem Libanon unternommen, um Holz, genauer Zedernstämme, für den König zu holen.H. E. Winlock: The Rise and Fall of the Middle Kingdom in Thebes. New York (NY) u. a. 1947, S. 44 & 45 & 67; W. C. Hayes: Career of the Great Steward Henenu under Nebhepetre Mentuhotep. 1949 und W. C. Hayes: The Scepter of Egypt. A background for the study of the Egyptian antiquities in the Metropolitan Museum of Art. Band I, New York 1953, S. 164 & 165; J. P. Allen: Some Theban Officials of the Early Middle Kingdom. Band 1, Boston 1996, S. 4 (Lageplan), S. 10–12, 18 (Zeittafel), S. 19–20, 23–24; G. Callender: The Middle Kingdom Renaissance. Oxford 2000, S. 156, S. 152.
Weitere Spuren 1.: Ebenfalls am Westufer von Theben (Ägypten) sind mehrere Mumienbinden zum Vorschein gekommen, die aus einer Werkstätte Henenus stammen. Dies ist daraus ersichtlich, dass die Hersteller eigene Zeichen auf den Tüchern angebracht haben. 1.1: Aus dem Grabe des Wah.W. C. Hayes: The Scepter of Egypt. A background for the study of the Egyptian antiquities in the Metropolitan Museum of Art. Band I, New York 1953, S. 260. 1.2: Aus dem Grabe der Miyet.J. P. Allen: Some Theban Officials of the Early Middle Kingdom. Band 1, Boston 1996, S. 11; The Metropolitan Museum of Art, Department of Egyptian Art. (MMA) 22.3.7, unveröffentlicht: MMA – Theban Expedition Tomb Card 65, photograph MCC 133.
2.: In Shatt er-Rigale neben einer großen Inschrift von Mentuhotep II. Neb-hepet-Re erscheint der Hausvorsteher H[enenu] in der Gesellschaft der Beamten des Königs.H. E. Winlock: The Rise and Fall of the Middle Kingdom in Thebes. New York (NY) u. a. 1947, S. 34 & 67. Die Formulierung Winlocks ist missverständlich und ruft den Eindruck hervor, dass H[…] neben dem König abgebildet sei, was nicht der Fall ist.
3.: Eine missverständliche Stelle bei Eduard Meyer deutet auf ein Kenotaph in Abydos. Das ist aber ohne weitere Überprüfung ganz unsicher.E. Meyer in: Geschichte des Altertums. Band I, Darmstadt 1981, § 291. Eduard Meyer führt zwei Stellen an, woher er die Information haben könnte: Auguste Mariette: Catalogue général des monuments d'Abydos découverts pendant les fouilles de cette ville. L'imprimerie nationale, Paris 1880, S 154-155, Nr. 630 und Hans Ostenfeldt Lange, Heinrich Schäfer: Grab- und Denksteine des Mittleren Reichs. Teil II (CG 20001-20780) (= Catalogue Général des Antiquités Égyptiennes du Musée du Caire.) Reichsdruckerei, Berlin 1908, Nr. 20425 (online als PDF-Datei).
Interpretation Ist Henu identisch mit Henenu?