Brixen ([]; , ladinisch Persenon oder Porsenù, , bis 1919 offiziell Brixen am Eisack) ist eine Stadt und Gemeinde im Südtiroler Eisacktal in Italien. Brixen ist eine der ältesten Städte der historischen Region Tirol und mit Einwohnern (Stand ) die drittgrößte Stadt Südtirols. Bedeutung erlangte die Stadt als Zentrum des über Jahrhunderte von Fürstbischöfen regierten Hochstifts Brixen, wobei sie im kirchlichen Bereich als Zweitsitz der Diözese Bozen-Brixen nach wie vor ein regionaler Bezugspunkt ist. Heute ist Brixen Hauptort der Bezirksgemeinschaft Eisacktal, ein lokales Wirtschaftszentrum sowie Standort von Hochschuleinrichtungen, mehrerer weiterführender Schulen und eines öffentlichen Krankenhauses.

Geographie Lage mini|Blick von Milland über den Brixner Talkessel in nördliche Richtung

Die Stadtgemeinde Brixen liegt etwa 40 Kilometer nordöstlich von Bozen und 45 Kilometer südlich des Brennerpasses am Zusammenfluss von Eisack und Rienz im Eisacktal. Der Brixner Talkessel markiert den Beginn des Eisacktals, das hier aus dem Aufeinandertreffen des Wipptals (von Nordwesten) und des Pustertals (von Nordosten) entsteht. Umgeben ist er von den Sarntaler Alpen im Westen, den zu den Zillertaler Alpen gerechneten Pfunderer Bergen im Norden und den Lüsner Bergen, einer Untergruppe der Dolomiten, im Osten. Kleinere Seitentäler, die hier aufgehen, sind das von Westen zulaufende Schalderer Tal, das von Norden einmündende Valler Tal sowie von Osten kommend das Lüsner und das Aferer Tal.

Gemeindegebiet mini|Blick von Westen vom Pfeffersberg auf die Innenstadt

Die Stadtgemeinde Brixen nimmt die zentralen und südlichen Teile des Talkessels ein. Die nördlichen Nachbargemeinden des Talkessels sind Vahrn und Natz-Schabs; im Süden, wo sich das Eisacktal zunehmend verengt, grenzt Brixen an Feldthurns und Villnöß.

Westseitig steigt das Gemeindegebiet über die Hänge des Pfeffersbergs bis zum Hundskopf () an. Ostseitig reicht es bis zu den drei Gipfeln der Plose (Telegraph, ; Pfannspitze, ; Gabler, ) hinauf. Auf der Südseite der Plose wird Brixen weitgehend von der Sade begrenzt, wodurch das Gemeindegebiet die orographisch rechte Flanke des Aferer Tals umfasst. Hinter dem Kofeljoch () ragt es sogar noch ein Stück in den Lüsner Talschluss bis zur Lasanke hinein. Im Plose-Gebiet grenzt Brixen an Lüsen, St. Martin in Thurn und Villnöß.

Stadtgliederung mini|Panorama von Brixen gegen Süden mini|Der Weiler St. Leonhard vom Tal aus gesehen mini|Tschötsch von Osten

Das historische Zentrum Brixens entstand an der Einmündung der Rienz in den Eisack. Die Altstadt () und der Großteil des heutigen städtischen Siedlungskerns mit den Stadtteilen Burgfrieden, Zinggen und Rosslauf liegen auf der orographisch rechten, westlichen Seite des Eisack. Der Stadtteil Stufels, vermutlich der älteste Siedlungskern, nimmt den Mündungszwickel zwischen Eisack und Rienz ein; das Viertel, das sich über die hinter Stufels ansteigenden Hänge erstreckt, heißt Kranebitt. Zum unmittelbaren Stadtgebiet zählt auch Milland, das sich etwas gegen Südosten versetzt auf der orographisch linken, östlichen Seite des Eisack befindet. Daneben umfasst die Stadtgemeinde noch zahlreiche ländliche Dörfer, Weiler und Streusiedlungen, die 20 weitere Fraktionen bilden.

Das von Eisack und Rienz eingefasste Plateau im Norden des Gemeindegebiets bietet dem Dorf Elvas () Platz. Südlich des Stadtkerns befinden sich im Talboden westlich des Eisack die Mahr () und etwas versetzt gegenüber östlich des Flusses Sarns (). Die südlichste Siedlung des Talkessels ist das Dorf Albeins () am Ausgang des Aferer Tals. Über die das Eisacktal auf beiden Seiten begleitenden Hänge sind in mittelgebirgigen Lagen zahlreiche Ortschaften verstreut. Am Pfeffersberg auf der Westseite befinden sich Gereuth (1100–), Pairdorf (), Pinzagen (), Tils (), Tötschling (), Tschötsch () und Untereben (). An den Hängen der Plose auf der Ostseite liegen Karnol (850–), Klerant (), Mairdorf (), Mellaun (), Plabach (900–), Rutzenberg (1200–), St. Andrä () und St. Leonhard (). Die Fraktion Afers mit ihrem Hauptort St. Georg () nimmt die Südhänge der Plose im Aferer Tal ein.

Klima Laut dem zwanzigjährigen Temperaturdurchschnitt (2001–2020) beträgt die Durchschnittstemperatur des kältesten Monats Jänner in Brixen 0,4 °C; jene des heißesten Monats Juli +21,3 °C.Brixen Vahrn - Monatswerte Temperaturen (XLS; 90 kB), Daten der Autonomen Provinz Bozen.

Die durchschnittliche Niederschlagsmenge beträgt 721 mm, welche sich auf ca. 90 Tage verteilen, wobei der Winter gewöhnlich die Jahreszeit mit den niedrigsten Niederschlagsmengen ist. Diese äußern sich dann meist in Form von Schnee. Die höchste Niederschlagsmenge wird im Sommer gemessen, wobei hier auch die Gewitterhäufigkeit aufgrund des Aufeinandertreffens verschiedener Luftmassen, begünstigt durch die Nähe zum Alpenhauptkamm, am größten ist.Brixen Vahrn - Monatswerte Niederschläge (XLS; 103 kB), Daten der Autonomen Provinz Bozen.

Geschichte Im Brixner Talkessel und an den klimatisch günstig gelegenen Hängen zur Plose wurden mehrere prähistorische Siedlungen nachgewiesen; etwa auf der Anhöhe von Stufels, auf die sich wohl der Name Brixen ursprünglich bezog, aber auch in Elvas, Karnol, Milland und auf dem Rosslauf wurden Siedlungsstrukturen ausfindig gemacht. Aus der Antike ist der Stammesname der Isarken bekannt, die allgemein im Eisacktal verortet werden. Nach der Unterwerfung der Alpenstämme im 1. Jahrhundert v. Chr. wurde das Gebiet vom römischen Imperium annektiert.

Wahrscheinlich ist Brixen schon am 4. Juli 828 in einer Urkunde unter dem Namen „Pressena“ genannt. Erstmals urkundlich sicher erwähnt wurde Brixen 901 als Meierhof „Prihsna“ in einer Schenkungsurkunde des Karolingers Ludwig IV. an Bischof Zacharias von Säben. Jahrhundertelang war Brixen als zentrale Stadt des Hochstifts Brixen ein weit über die Tiroler Landesgrenzen hinaus einflussreicher Sitz von Fürstbischöfen, die von 1027 bis 1803 deutsche Reichsfürsten waren. mini|Brixner Dom 1080 fand in Brixen ein Konzil statt, das Wibert von Ravenna als Clemens III. gegen Gregor VII. zum Papst wählte. Kirchengeschichtlich bedeutsam wurden außerdem Bischof Poppo, der 1048 zum Papst gewählt wurde (Damasus II.), Nikolaus von Kues (1450–1464), genannt Cusanus, und Georg Golser (1464–1488). Heute teilt sich Brixen den Bischofssitz mit der Landeshauptstadt Bozen (Diözese Bozen-Brixen).

Im unmittelbaren Stadtumfeld kam es im Mittelalter zu Konflikten zwischen den Fürstbischöfen und lokalen Adligen. Im 13. Jahrhundert versuchten die Voitsberger, Ministerialen am Hof des Fürstbischofs, Teile des heutigen Stadtteils Burgfrieden ihrer Gerichtsbarkeit zu unterstellen.Der Stadtteil Burgfrieden erstreckt sich über das unmittelbar westlich der Altstadt Richtung Pfeffersberg ansteigende Gelände. Der Ausdruck Burgfrieden oder Burgfriede bezeichnete im Mittelalter den bischöflichen Hoheitsbereich außerhalb der Stadtmauern, in dem Fehden, also Feindeshandlungen von Privatpersonen untereinander, unter Androhung der Acht verboten waren. So erbauten sie auf dem sogenannten Burgerhügel die Pfefferburg, um dort Gericht zu halten. Erst Fürstbischof Bruno von Kirchberg konnte sich in jahrelangen Fehden gegen die Voitsberger durchsetzen, die Stammburg in Vahrn und die Pfefferburg wurden 1270 geschleift und der eigene Gerichtsbezirk Pfeffersberg/Salern geschaffen.

1174, 1234 und 1445 wurde die Stadt Brixen durch Feuersbrünste verheert. 1512 wurde sie von den Franzosen unter Gaston de Foix erobert. 1525 litt sie auch im Bauernkrieg.

1802 fiel Brixen an Österreich, 1805 an Bayern (Landgericht Brixen), 1814 wieder an Österreich. Im 19. Jahrhundert dehnte sich das Stadtgebiet westwärts Richtung Burgfrieden aus, das bis dahin noch landwirtschaftlich geprägt war und wo viele Bürger Güter zur Lebensmittelversorgung unterhielten. Im Jahr 1900 hatte Brixen einschließlich der Garnison 5783 meist katholische Einwohner, deren Haupterwerbsquellen der Wein- und Obstbau sowie die Schafwollweberei und der Handel waren; die Stadt mit Sitz eines Fürstbischofs und eines Domkapitels hatte ein staatliches Gymnasium, ein bischöfliches Gymnasium und eine theologische Lehranstalt.

Das heutige Rathaus an der Nordseite des Domplatzes ist das frühere Palais Taurenstein, das seine historistische Gestaltung seinem früheren Inhaber Hofrat Ferdinand Kaltenegger verdankt, der das vormalige Bürgerhaus Oberhaidacher ab 1895 schlossartig ausbauen ließ, und das 1911 an die Stadtverwaltung überging, die es als Gemeindesitz adaptierte.

mini|Der ehemalige Kasernenkomplex beherbergt heute die italienische Mittelschule „Alessandro Manzoni“ In den Jahren 1912/13 errichtete die Stadt einen Kasernenkomplex aus 18 Gebäuden. Die Kaserne war nach Erzherzog Karl benannt. In der Kaserne war das Gebirgsartillerieregiment Nr. 8 des VIII. Armeekorps untergebracht. Nach dem Ersten Weltkrieg übernahm die italienische Armee die Kaserne.Bezirksgemeinschaft Eisacktal: Geschichtsparcours S. 10–11. 1920 kam Brixen durch das Inkrafttreten des Vertrags von Saint-Germain zu Italien.

Unter dem Faschismus wurde das Gemeindegebiet durch Eingemeindungen enorm erweitert: 1928 kamen Milland-Sarns, Pfeffersberg, Albeins sowie das von Natz losgelöste Elvas samt Kranebitt hinzu, 1941 folgte auch noch St. Andrä.

Von den Ärzten Hans von Guggenberg und Markus von Guggenberg wurde in den 1950er Jahren das 1890 von dem Politiker Otto von Guggenberg als Kneippsche Heilanstalt gegründete Sanatorium Kuranstalt Dr. v. GuggenbergDeutsche Heilbäder und Kurorte. In: Münchener Medizinische Wochenschrift. Band 95, Nr. 1, 2. Januar 1953, S. CXXIX. geleitet.

In den 1960er Jahren wurde am Hang des Oberraggengerhofes am Pfeffersberg, nach den Plänen des Brixner Architekten Othmar Barth, das Südtiroler Kinderdorf errichtet.

Etymologie Die Herkunft und die Bedeutung des Namens Brixen sind nicht gesichert. Die 901 nachgewiesene althochdeutsche Form lautet Prihsna, die dann zu Prixina (935–955) und Bricsina (952) wurde. Die oben genannte Form Pressena (828) kann nicht eindeutig zugeordnet werden. Im Hochmittelalter setzte sich schließlich die Lautung Brixen durch. Der Ortsname lässt sich zu einer Reihe anderer Tiroler Ortsnamen stellen wie etwa Brixen im Thale (790: Prixina), Brixental (902: Prihsnatala) oder Brixlegg (788–790: Prisslech).

Der Name ist jedenfalls vorrömisch. Vermutlich leitet sich der Name vom urkeltischen Wort *brigsina ab und bedeutet kleine (befestigte) Anhöhe oder Berg. Andere führen Brixen auf einen rätischen Namen zurück und rekonstruieren das Ausgangswort *Prikse-na (eventuell deutsch „Gebiet des Prikse“). Die Räter hatten diesen Namen womöglich aus einer noch früheren Lautung übernommen und rätisiert.

Demographie Jahr Einwohnerzahl 1900 5.783 1971 16.017 1981 16.101 1991 16.992 2001 18.359 2011 20.677

Brixen ist gemäß den seit 1981 erhobenen Sprachgruppenzugehörigkeitserklärungen bzw. Sprachgruppenzuordnungserklärungen eine mehrheitlich deutschsprachige Gemeinde, wobei als Berechnungsgrundlage dieser Prozentwerte allein die gültigen Erklärungen von Personen mit italienischer Staatsbürgerschaft herangezogen wurden. Verteilung nach Sprachgruppen Sprache 1900 1971 1981 1991 2001 2011 2024 Deutsch 94,19 % 64,86 % 70,32 % 71,68 % 73,13 % 72,82 % 72,61 % Italienisch 5,65 % 34,32 % 28,40 % 27,03 % 25,65 % 25,84 % 26,03 % Ladinisch 0,82 % 1,29 % 1,29 % 1,23 % 1,34 % 1,36 %

Politik mini|Brixener Rathaus

Bürgermeister Kommissarischer Bürgermeister in der NS-Zeit: Hans Stanek: 1943–1945

Bürgermeister seit 1952: Valerius Dejaco: 1952–1968 Zeno Giacomuzzi: 1969–1988 Klaus Seebacher: 1988–2005 Albert Pürgstaller: 2005–2015 Peter Brunner: 2015–2023 Andreas Jungmann: seit 2024

Gemeinderat