mini|Stadtseite des Düsseldorfer Schlosses im Stil der Renaissance, 1629, Zeichnung des Landgrafen Moritz von Hessen-Kassel mini|Rheinseite des Düsseldorfer Schlosses auf einem 1798 von Artaria publizierten Stich nach einer Zeichnung von Laurenz Janscha, der das Schloss vor den Zerstörungen von 1794 zeigt mini|Rheinseite der Düsseldorfer Altstadt mit St. Lambertus und Schloss, Foto aus der Mitte des 19. Jahrhunderts mini|Düsseldorfer Schloss, nach Plänen von Rudolf Wiegmann und Friedrich August Stüler im Stil der Neorenaissance ab 1845 errichteter Gebäudeflügel für den Rheinischen Provinziallandtag (Ständehaus), Ruine um 1890 mini|Zwischennutzung des Ständehauses während der Provinzial-Gewerbe-Ausstellung für Rheinland und Westphalen, 1852 mini|Verbliebener Schlossturm am Rheinufer, heute ein Düsseldorfer Wahrzeichen Das Düsseldorfer Schloss an bzw. in der Düsseldorfer Altstadt bestand vom 13. bis 19. Jahrhundert. Das Gebäude wurde bereits vor 1260 als Niederungsburg der Grafen von Berg an der Rheinmündung der Düssel auf einer kleinen Insel erbaut. Ausbauten als herzogliches und kurfürstliches Residenzschloss erfolgten unter Wilhelm dem Reichen (1549), Jan Wellem (Ende 17. Jahrhundert) und Carl Theodor (1755). Internationale Beachtung erfuhr das Schloss vor allem durch seine Gemäldegalerie, die spätestens ab 1705Johann Tobias Köhler: Des Herrn von Blainville ehemaligen Gesandschaftssekretärs der Generalstaaten der vereinigten Niederlande an dem Spanischen Hofe Reisebeschreibung durch Holland, Oberdeutschland und die Schweiz, besonders aber durch Italien. Meyer, Lemgo 1764, S. 66 ff. (Digitalisat)Anton Fahne: Der Düsseldorfer Museumbau. P. Vitter, Düsseldorf 1876, S. 4 ff. (Digitalisat) als erster selbständiger Galeriebau Europas auf der Südseite des Schlosses angebaut worden war und bis 1805 eine weltberühmte Kollektion von Bildern der Renaissance und des Barock ausstellte. Brände in den Jahren 1492, 1510 und 1794 bildeten Zäsuren in seiner wechselvollen Baugeschichte.
1821 zog die Kunstakademie Düsseldorf ein, daneben war von 1817 bis 1848 in einem Teil des Schlosses eine Münzprägeanstalt des Königreichs Preußen untergebracht.Hugo Weidenhaupt: Von der französischen Zeit zur preußischen Zeit. In: Hugo Weidenhaupt (Hrsg.): Düsseldorf. Geschichte von den Ursprüngen bis ins 20. Jahrhundert. Schwann im Patmos Verlag, Düsseldorf 1988, ISBN 3-491-34222-8, Band 2, S. 358 Ab 1845 wurde anstelle des niedergebrannten Nordflügels unter Friedrich Wilhelm IV. ein Neubau für den Provinziallandtag der Rheinprovinz errichtet. In der Nacht vom 19. zum 20. März 1872 wurde das Schloss, jahrhundertelang das Wahrzeichen der Residenzstadt Düsseldorf sowie ein Zentrum im Leben und im städtebaulichen Gefüge der Altstadt, endgültig ein Raub der Flammen.Hugo Weidenhaupt, S. 578 Ein noch erhalten gebliebener Südflügel wurde 1896 abgerissen.
An der Stelle des Schlosses erstreckt sich heute der Burgplatz, dessen Name auf die historische Nutzung der Fläche als Burganlage hinweist. Von ihr blieb nur der Schlossturm erhalten, in dem das Schifffahrtsmuseum beheimatet ist. Darüber hinaus erinnert an das Schloss dort nur noch eine Kontur aus andersfarbigen Steinen, die den ehemaligen Grundriss des Düsseldorfer Schlosses im Pflaster des Burgplatzes andeutet.
Geschichte Gründung und Ausbau, 13. bis 15. Jahrhundert mini|Rekonstruktionsskizze (1904) von Altstadt und Schloss im Jahr der Stadterhebung 1288 mini|Westansicht des Düsseldorfer Schlosses nach der Umgestaltung nach den Plänen des Hofbaumeisters Nosthofen im Jahr 1755. mini|Düsseldorfer Schloss nach der Umgestaltung durch Nosthofen, 1756 mini|Brand der Stadt und des Residenzschlosses nach der Beschießung durch französische Artillerie am 6. Oktober 1794 mini|Die alte Akademie in Düsseldorf, Darstellung der Kunstakademie in einem Flügel des Düsseldorfer Schlosses auf einem Gemälde von Andreas Achenbach, 1831 mini|Burgruine, Darstellung des Schlossturms auf einem Gemälde von Carl Adloff, um 1840Vgl. auch Abbildung in: Paul Clemen: Die Kunstdenkmäler der Stadt und des Kreises Düsseldorf. In: Die Kunstdenkmäler der Rheinprovinz. Band 3, Teil I, L. Schwann, Düsseldorf 1894, S. 60, Fig. 20: Der Schlossturm vor der Wiederherstellung (Digitalisat) mini|Düsseldorfer Stadtansicht, Gemälde von Julius Kost, 1861, Blick auf Wache, Akademie und Schlossturm mit neuer Laterne von August Stüler von 1845 mini|Altes Schloss in Düsseldorf im Jahre 1869: als Königliche Landesbibliothek genutzter Ostflügel der Gemäldegalerie (links), als Kunstakademie Düsseldorf genutzter Südflügel des Schlosses (Mitte) sowie als Provinziallandtag genutzter Neubau mit neu bekröntem Schlossturm (rechts) mini|Brand des Düsseldorfer Schlosses 1872, nach August von Wille mini|Düsseldorfer Schloss nach dem Brand, um 1872 mini|Rheinufer mit Krämerstraße am Düsseldorfer Schloss, Gemälde von Franz Stegmann, 1882
Die Schlossanlage wurde als gräfliche Burg vor dem Jahre 1260 gegründet. Die Entstehung des Schlosses weist in die Zeit, als Graf Adolf V. von Berg zusammen mit Herzog Johann I. von Brabant und den Grafen von Jülich und Mark die Herrschaft des Kölner Erzbischofs in der Schlacht von Worringen 1288 endgültig beendete. Aus dem 13. Jahrhundert stammt noch der erhalten gebliebene Rundturm. Die Erhebung Wilhelm II. in den Reichsfürstenstand zog eine planmäßige räumliche Ausgestaltung der Düsseldorfer Residenz nach sich. 1382 bestand auf dem Schloss der Vorläufer einer bergischen Kanzlei („schrijfcamer“). Für 1382 sind Baumaßnahmen an einer fürstlichen Kapelle verbürgt, die als „Schlosskapelle“ in einer Urkunde vom 12. Juli 1392 des Erzbischofs von Köln Friedrich III. angeführt wurde.Axel Kolodjiej: Herzog Wilhelm I. von Berg (1380–1408). VDS-Verlagsdruckerei Schmidt GmbH, Neustadt an der Aisch 2005, ISBN 3-87707-639-4, S. 188 ff.Karl Leopold Strauven: Geschichte des Schlosses zu Düsseldorf von seiner Gründung bis zum Brand am 20. März 1872. Palm, Düsseldorf 1872, S. 13 (Digitalisat) Weitere Baumaßnahmen fanden um 1384 statt. Es wurde eine dreiflügelige Burganlage errichtet, die ungefähr die Fläche des heutigen Burgplatzes beanspruchte. Der Bau erfolgte im Rahmen eines Stadterweiterungsplans. 1399 sind bereits zwei Kapellen vorhanden; in der kleineren („capella minor“) leistete Herzog Wilhelm am 23. April 1399 in Gegenwart des englischen Abgesandten Johann de Palacio dem englischen König Richard II. den versprochenen Lehnseid.Axel Kolodjiej, S. 195 1435 wird ein „Burghgrave“ erwähnt. 1492 brannte die Burg zum ersten Mal, anschließend ist vermehrte Bautätigkeit festzustellen. Ende des 15. Jahrhunderts wurde das Schloss ausgebaut, es entstand der viereckige Südostturm, der die Mühlen- und Kurzestraße, sowie den Markt- und Burgplatz dominierte. Als Material waren zu dem Schloss Sandsteinquader vermischt mit Trachyt verwendet worden. Spätere Verstärkungen wurden in Ziegelsteinmauerwerk gearbeitet.
Brand und Zerstörung 1510 Am 23. Dezember 1510 zerstörte ein erneuter Brand den Versuch eines erweiternden Wiederaufbaus. „Item in demselven jair op den 23 ten dach December brande die alde Borch to Dusseldorp gans aff“, beschreibt die Duisburger Chronik den Brand der Alten Burg in Düsseldorf.
Wiederauf- und Umbau nach Plänen Pasqualinis 1549 1521 wurde Düsseldorf Hauptstadt der Vereinigten Herzogtümer von Jülich-Kleve-Berg und bedurfte nun dringend eines repräsentativen Schlosses. Den Wiederauf- und Umbau leitete Bertram von Zündorf. Aber erst als Wilhelm der Reiche im Jahre 1549 den Renaissance-Baumeister Alessandro Pasqualini aus Bologna nach Düsseldorf berief, kam die Bautätigkeit in Schwung.
Dieser vollendete im Jahre 1551 den einzig noch erhaltenen Turm des Schlosses. Er setzte diesem toskanische Säulen vor. Weiter setzte Pasqualini dem Turm eine Renaissance-Kuppel, gekrönt von einer Laterne mit welscher Haube, auf. Im nordöstlichen Winkel des Schlosshofes brachte Pasqualini auch eine dreigeschossige Loggia an, die in ihren „modernen Renaissance-Formen von der altertümlichen Fachwerkgalerie links des rechteckigen Treppenturms sehr absticht“.Karl Bernd Heppe: Das Düsseldorfer Stadtbild I. 1585–1806. Düsseldorf 1983, (Bildhefte des Stadtmuseums Düsseldorf Nr. 4) S. 5 Dokumentiert ist ein Ädikula-Portal mit durch Bossenquader rhythmisierten Wandpilastern. Auch die Schlosskapelle mit ihrer Altarwand und Täfelung mit Blendarkaden, korinthischen Wandpilastern und verkröpftem Gesims muss als Werk Pasqualinis gelten.
Format und Kunst Pasqualinis lassen sich an den erhaltenen Bauten Schloss Rheydt und Zitadelle Jülich ablesen.
Anlässlich der Hochzeit mit Jakobe von Baden-Baden schuf Frans Hogenberg im Jahre 1585 verschiedene Kupferstiche, die die Architektur des Residenzschlosses darstellen:
Mit dem Tod Johann Wilhelms von Jülich-Kleve-Berg am 25. März 1609 fand die über hundertjährige Klever Union der herzoglichen Häuser Jülich-Berg und Kleve-Mark im Düsseldorfer Schloss ihr Ende. Mit der Hochzeit seines Großvaters Johann war sie am 1. Oktober 1510 dort auch ehelich vollzogen worden. Im Jahr 1613 trafen sich im Düsseldorfer Schloss der pfalz-neuburgische Erbprinz Wolfgang Wilhelm und der brandenburgische Kurfürst Johann Sigismund, um über den Jülich-Klevischen Erbfolgestreit zu verhandeln. In der Hitze des Wortgefechts erteilte Johann Sigismund dem Pfalz-Neuburger eine Ohrfeige. Die Verhandlungen erbrachten keine Einigung.
Umbau nach Plänen Martinellis, Ende 17. Jahrhundert Als Kurfürst Jan Wellem die Herrschaft übernahm, verlegte er seine Hofhaltung nach Düsseldorf. Er ließ „gegen Ende des 17. Jahrhunderts“ das Schloss „nach seinem Geschmack modernisieren und ausstatten, der Treppenturm am rheinseitigen Flügel, sowie Loggia und [Fachwerk]Galerien mußten Arkaden und einer streng gegliederten dreizeiligen Fensterfront weichen“.