mini|Gemeindestand vor der Fusion am 22. Oktober 2006 mini|Olivone, historisches Luftbild von 1923, aufgenommen aus 2200 Metern Höhe von Walter Mittelholzer
Olivone, im alpinlombardischen Ortsdialekt Rivöi Lexikon der schweizerischen Gemeindenamen. Hrsg. vom Centre de Dialectologie an der Universität Neuenburg unter der Leitung von Andres Kristol. Frauenfeld/Lausanne 2005, S. 676 f. (), ist eine Ortschaft im oberen Bleniotal im Schweizer Kanton Tessin. Früher eine selbständige politische Gemeinde, ist sie heute Teil der Gemeinde Blenio im Kreis Olivone im Bezirk Blenio. mini|Werner Friedli (Fotograf): Marzano, historisches Luftbild (1953)
Geographie Olivone liegt im oberen Bleniotal. Das Gebiet der ehemaligen Gemeinde umfasst die Fraktionen MarzanoCelestino Trezzini: Marzano. In: Historisch-Biographisches Lexikon der Schweiz, Band 8, Supplement, Macheret – Z. Paul Attinger, Neuenburg 1934, S. 110 (PDF Digitalisat), abgerufen am 23. Oktober 2017, Scona, Sommascona, CamperioCelestino Trezzini: Camperio. In: Historisch-Biographisches Lexikon der Schweiz, Band 2: Brusino – Caux. Paul Attinger, Neuenburg 1924, S. 481 (Digitalisat)., AcquacaldaCelestino Trezzini: Acquacalda. In: Historisch-Biographisches Lexikon der Schweiz. Paul Attinger, Neuenburg 1921, Band 1, S. 92 f. (PDF Digitalisat), abgerufen am 6. Mai 2017. und das Valle Santa Maria, durch das einer von zwei Armen des Brenno fliesst. Olivone liegt an der Strasse zum Lukmanierpass, der das Bleniotal mit dem Bündner Oberland verbindet.
Nachbargemeinden waren von Nordwesten aus im Uhrzeigersinn Medel (Lucmagn) im Kanton Graubünden, Campo (Blenio), Ghirone, Aquila und Acquarossa im Tessiner Bezirk Blenio sowie Faido, Campello, Calpiogna, Mairengo, Osco und Quinto im Bezirk Leventina, ebenfalls Kanton Tessin. Ganz im Osten grenzte Olivone über eine kurze Strecke an die Bündner Gemeinde Vals.
Die Form des Berges im Wappen entspricht genau derjenigen der Westflanke des Berges im Nordosten des Dorfes, des Sosto.
Geschichte Olivone wurde erstmals 1193 als Alivoni erwähnt. Die Bedeutung des Ortsnamens ist ungeklärt.
Die Ortschaft wurde im Hochmittelalter erst von der Familie da Torre (bis 1182), später von der Familie da Locarno beherrscht. Ein Aufstand der Bürger von Olivone und Acquarossa 1213 erreichte, dass die Orte durch einen Statthalter aus der fernen Lombardei regiert wurden. Das örtliche Gewohnheitsrecht wurde 1237 und 1474 schriftlich festgehalten. Die Wirtschaft basierte jahrhundertelang auf dem Passverkehr und der Landwirtschaft, profitierte aber auch schon früh von den Auswanderern und seit dem 19. Jahrhundert vom Tourismus.
Die Dörfer Scona und Sommascona bildeten seit dem Mittelalter eine der drei degagne im Patriziato interno von Olivone. Die Kapelle San Colombano von Scona wird 1205 erstmals erwähnt. 1567 gab es in Scona 28 Haushaltungen; 1920 zählte der Ort 79 Einwohner.Celestino Trezzini: Scona. In: Historisch-Biographisches Lexikon der Schweiz. Band 8, Supplement, Macheret – Z. Paul Attinger, Neuenburg 1934, S. 156 (PDF Digitalisat), abgerufen am 23. Oktober 2017.
Am 25. Januar 2005 beschloss das Tessiner Kantonsparlament, die fünf Gemeinden des oberen Bleniotals – neben Olivone auch Aquila, Campo (Blenio), Ghirone und Torre – zur neuen Gemeinde Blenio zusammenzuschliessen. Dieser Plan wurde durch eine Beschwerde der Gemeinde Aquila verzögert, doch nachdem das Bundesgericht im April 2006 die Beschwerde abgewiesen hatte, war der Weg zur Fusion frei. In Olivone, der grössten der fünf Fraktionen, wurden die zentralen Einrichtungen wie Gemeindekanzlei und Schule konzentriert.
Die bisherige Ortsbürgergemeinde Olivone, Campo und Largario blieb auch nach der Fusion der Einwohnergemeinden bestehen.Patriziato generale di Olivone, Campo e Largerio. In: www4.ti.ch/fileadmin/DI/DI_DI/SEL/Patriziati. Abgerufen am 29. Juli 2024 (italienisch; mit Landkarte).Patriziato Generale di Olivone, Campo e Largario (mit Fotos) (italienisch) auf patriziatolivone.ch
Bevölkerung Jahr 1960: Bau der Luzzone-Staumauer
Sehenswürdigkeiten
Das Dorfbild ist im Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz (ISOS) als schützenswertes Ortsbild der Schweiz von nationaler Bedeutung eingestuft.
Die hie und da anzutreffenden Palazzi im oberen Bleniotal sind eine Folge der Rückkehr von erfolgreichen Auswanderern. Die neoklassische Residenz Il Centralone im Ortsteil Chiesa beispielsweise, ein ehemaliger Sommersitz der Tessiner Regierung, wurde vom Anwalt Carlo Poglia (1793–1877) erbaut, ein im Ausland zum Tod verurteilter Holzhändler und Staatsrat, der nach seinem Exil ins Bleniotal zurückkehrte und erneut Grossrat wurde. Die Casa Piazza gegenüber entwarf 1868 der Mailänder Architekt Luigi Savoia für Vincenzo Piazza (1816–1875), einen der bekanntesten Chocolatiers Mailands.
An der Lukmanierstrasse stand einst das Hospiz Camperio; die Kapelle wird 1303 erwähnt, ein Hospiz 1389, als Filiale desjenigen von Casaccia. 1476 hiess es Kloster der heiligen Barnabas und Defendens und wurde von einem Prior und mehreren Brüdern des Humiliatenordens geleitet. Die vicinìa von Olivone besass dort 1478 das Patronatsrecht. 1478 wurde das Hospiz dem Ospedale Maggiore (Mailand) angeschlossen.Celestino Trezzini: Camperio. Digitalisat. Heute befindet sich in einem Teil des ehemaligen Hospizes ein Restaurant.
Weitere Sehenswürdigkeiten sind: Plinio-Bolla-Denkmal (1898), Bildhauer Antonio Soldini Grabmal von Vincenzo Dalberti und Giovanni Martino Soldati (1852) auf dem Friedhof, Bildhauer Vincenzo Vela Pfarrkirche San Martino, erstmals erwähnt 1136Pfarrkirche San MartinoSimona Martinoli u. a.: Guida d’arte della Svizzera italiana. Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte. Edizioni Casagrande, Bellinzona 2007, ISBN 978-88-7713-482-0, S. 105–108. Museum Cà da Rivöi, Gebäude aus dem 15. Jahrhundert, neue Flügel von 1998/2000, Architekt: Raffaele CavadiniCa’ da Rivoi (Museum) auf portal.dnb.de (abgerufen am 5. Mai 2016.) Schalenstein im Ortsteil Rialpwald über Campra di Là ()Franco Binda: Il mistero delle incisioni, Armando Dadò editore, Locarno 2013, S. 44–45.
Bilder
Hütten für Alpinwanderer Adula-Hütte CASAdula CAS Hütte auf capanneti.ch/ Adula-Hütte UTOEAdula UTOE Hütte auf capanneti.ch/ Bovarina-HütteBovarina Hütte auf capanneti.ch/ Dötra-HütteDöttra Hütte auf capanneti.ch/ Gorda-HütteGorda Hütte auf capanneti.ch/ Michela-Motterascio-/Greina-HütteMotterascio Greina Hütte auf capanneti.ch/Michela-Motterascio-/Greina-Hütte auf ETHorama Prou-HütteProu Hütte auf capanneti.ch/ Quarnei-HütteQuarnei Hütte auf capanneti.ch/ Scaletta-HütteScaletta Hütte auf capanneti.ch/ Scaradra di sopra-HütteScaradra di sopra Hütte auf capanneti.ch/
Persönlichkeiten
Giovanni Martino Soldati (1747–1831), Chocolatier, Unternehmer, Politiker, Philanthrop Vincenzo Dalberti (1763–1849), Priester, Politiker Carlo Poglia (1793–1877), Rechtsanwalt, Politiker Luigi Bolla (1813–1877), Anwalt, Politiker (u. a. Ständerat) Cesare Bolla (1848–1922), Ingenieur, Politiker (u. a. Nationalrat) Plinio Bolla (1859–1896), Anwalt, Politiker (u. a. Nationalrat), in Olivone gestorben Arnaldo Bolla (1885–1942), Anwalt, Politiker (u. a. Ständerat und Nationalrat) Ines Bolla (1886–1953), Lehrerin, Aktivistin Fulvio Bolla (1892–1946), Journalist, Politiker Plinio Bolla (1896–1963), Anwalt, Professor an der Universität Pavia, Politiker, Bundesrichter
Literatur Piero Bianconi: Arte in Blenio. Guida della valle. S.A. Grassi & Co. Bellinzona-Lugano 1944. Virgilio Gilardoni: Il Romanico. Catalogo dei monumenti nella Repubblica e Cantone del Ticino. La Vesconta, Casagrande S.A., Bellinzona 1967, S. 22, 38, 41, 44, 91, 179, 263, 299, 330, 407, 463–470, 482, 483, 501, 509. Simona Martinoli u. a.: Guida d’arte della Svizzera italiana. Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte. Edizioni Casagrande, Bellinzona 2007, S. 23, 81, 95, 98, 104, 105, 107. Johann Rudolf Rahn: I monumenti artistici del medio evo nel Cantone Ticino. Tipo-Litografia di Carlo Salvioni, Bellinzona 1894, S. 244, (Scona) S. 269.
Celestino Trezzini: Olivone. In: Historisch-Biographisches Lexikon der Schweiz. Band 5: Maillard – Saint Didier. Paul Attinger, Neuenburg 1929, S. 343 f (Digitalisat).
Weblinks
Amt für Statistik des Kantons Tessin: Blenio (italienisch) Blenio-Olivone: Kulturgüterinventar des Kantons Tessin Olivone Chiesa-Solario (italienisch)
Einzelnachweise
Kategorie:Geographie (Blenio) Kategorie:Ort im Kanton Tessin Kategorie:Ehemalige politische Gemeinde in der Schweiz Kategorie:Ortsbild von nationaler Bedeutung im Kanton Tessin Blenio Kategorie:Ersterwähnung 1193 Kategorie:Gemeindeauflösung 2006 Kategorie:Wintersportgebiet in der Schweiz