Die Schwarzmeerregion () ist seit dem Geographie-Kongress 1941 in Ankara ein geographisches Gebiet der Türkei. Die Region stellt etwa 18,1 % des türkischen Staatsterritoriums dar. Mit einer Fläche von 141.000 km² belegt sie im Flächenvergleich der sieben Regionen den 3. Platz.

Die Schwarzmeerregion im Nordosten der Türkei ist sowohl als räumlich-administrative Region, wie auch als kulturelle Region zu verstehen, obwohl die genaue Grenzziehung beider nicht zwangsläufig identisch sein muss. Durch die Randlage im Norden Anatoliens am Südufer des Schwarzen Meeres und den Bergketten, die die Region nach Süden hin vom Rest des Landes trennen, bewahrte die Schwarzmeerregion ihre besondere Geschichte und Identität in der Türkei. Trotz dieser geografischen Isolation war die Schwarzmeerregion stets im Austausch mit dem Rest Kleinasiens, wenn auch die Blicke eher nach Istanbul und in andere westlich gelegene Metropolen gingen. Während des Kalten Krieges spielte die Nähe zur UdSSR auf Land- und Seewegen eine wichtige Rolle. mini|1. Marmararegion, 2. Zentralanatolien, 3. Ägäisregion, 4. Mittelmeerregion, 5. Schwarzmeerregion, 6. Südostanatolien, 7. Ostanatolien

Geografie Die Schwarzmeerregion ist geografisch stark durch verschiedene Gebirgszüge geprägt. Das Pontische Gebirge erstreckt sich über eine Strecke von etwa 1000 Kilometern entlang der Meeresküste. Zwischen dem Meer und der natürlichen Barriere der Pontischen Alpen ist das Klima feucht und die Vegetation dicht. Die durchschnittliche Höhe des Gebirges beträgt zwischen 2000 und 3000 Meter. Generell steigt seine Höhe von Westen nach Osten an. Die höchste Erhebung in der Schwarzmeerregion befinden sich im Ostpontischen Gebirge. Es handelt sich um den Kaçkar Dağı mit 3932 Metern Höhe. Die Isolation der Region durch die Bergketten sorge für eine weitgehend von Zentralanatolien unabhängige, isolierte und eigenständige Entwicklung bezüglich der regionalen Geschichte, Kultur und der Bevölkerungszusammensetzung.

Gerade der östliche Teil der Schwarzmeerregion ist von Haselnussplantagen dominiert und wird daher im Volksmund auch „Haselnussküste“ genannt. Weitere Teile der Region sind durch den Teeanbau und weite Teeplantagen geprägt. Dies gilt vor allem für die Gegend um Rize, wo man im Sommer vielen lokalen Teefesten beiwohnen kann.

Administrative Einteilung

Die Schwarzmeerregion liegt im Norden Anatoliens und umfasst den Großteil der türkischen Schwarzmeerküste. Die Schwarzmeerregion besteht aus folgenden drei Teilregionen: Batı Karadeniz Bölgesi – westliche Schwarzmeerregion Orta Karadeniz Bölgesi – zentrale Schwarzmeerregion Doğu Karadeniz Bölgesi – östliche Schwarzmeerregion

Politik Von den 81 Provinzen der Türkei gehören folgende 22 zur Schwarzmeerregion: Amasya Artvin Ardahan (zum Teil) Bartın Bayburt Bolu Çorum Düzce Erzurum (zum Teil) Giresun Gümüşhane Kastamonu Karabük Ordu Rize Samsun Sakarya Sinop Sivas (zum Teil) Tokat Trabzon Zonguldak

Klima Die Schwarzmeerregion liegt in einer gemäßigten Klimazone. Es fällt ganzjährig Regen und ein ständiger Wind kommt vom Meer. Die Höchsttemperaturen im Sommer betragen normalerweise etwa 27 Grad Celsius. Im Winter werden Werte von null bis zehn Grad Celsius erreicht. Es herrscht humides, feuchtes Klima.

Klimadaten der Schwarzmeerregion ZahlenDurchschnittliche Temperatur 12,3 °CHöchsttemperatur 44,2 °CTiefsttemperatur −32,8 °CDurchschnittliche Feuchtigkeit 70,9 mgDurchschnittlicher Niederschlag 828,5 mm

Geschichte Antike und Byzantinisches Reich Die alten Griechen beschrieben die Region an der Schwarzmeerküste als angsteinflößenden und barbarischen Ort fernab der zivilisierten Welt. Bekanntheit erlangte die Region durch die Sage von Jason und dem Goldenen Vlies. Im vierten Jahrhundert vor Christus wurde die Schwarzmeerküste durch Rivalitäten und Schlachten zwischen Athen und den Persern geprägt. Sieben indigene Nationen der Schwarzmeerküsten waren ebenfalls in den Konflikt als Gegner der Griechen verwickelt. Lange bis ins Byzantinische Reich war das Bild der Schwarzmeerregion durch negative Vorurteile geprägt, die aus einer kolonialen und imperialen Arroganz herrührten. So konstatierte der byzantinische Historiker Procopius, dass die Bewohner der Region barbarisch seien und heidnische Bräuche pflegten.

Im fruchtbaren „Ellenbogen“ am Schwarzen Meer, der von Trabzon bis zu den Ausläufern des Kaukasus reicht, entstand in der Bronzezeit eine wohlhabende Zivilisation, die stark vom Handel zwischen Persien, anatolischen Städten und den Griechen profitierte. In diesem Zeitalter begann auch der Abbau von Silber in der Stadt Gumüshane (Argryopolis oder auch Silberstadt genannt), der bis in die heutige Zeit andauert.

Ursprünglich kamen Griechen als Krieger auf Beutezügen an die nördliche Schwarzmeerküste. Ab dem siebten Jahrhundert vor Christus begann ihre Ansiedlung auf diesem Territorium. Entlang der Küste wurden Handelskolonien errichtet. Hierbei war die wichtigste und einflussreichste die Stadt Sinope, die von Ioniern aus Miletus gegründet wurde. Es folgten Ableger der Stadt ab dem vierten Jahrhundert vor Christus. Namentlich werden die Orte Amisus (Samsun), Cotyora (Ordu), Cerasus (Giresun), Trapezus (Trebizond, Trabzon) sowie Bathys (Batumi) genannt. Die Kolonialisierung durch die Griechen erfolgte stets entlang der Küstenlinie an strategisch bedeutsamen Standorten, die an die Handelsrouten, welche das Pontische Gebirge durchquerten, angeschlossen waren. Die Mehrheit der heute in der Region existierenden Städte sind griechischen Ursprungs.

Ein großer Wandel für die Region kam im vierten Jahrhundert nach Christus durch die Christianisierung der Bevölkerung. Der griechischsprachige Teil der Bevölkerung adaptierte das Christentum zum selben Zeitpunkt wie der Rest des antiken Römischen Reiches. Die Lasen folgten zwei Jahrhunderte später. Die gemeinsame Religion veranlasste eine Hellenisierung und eine Zuwendung zur griechischen Kultur in der Region.

Die osmanische Ära in der Schwarzmeerregion Die nächste markante Änderung in Kultur und Prägung der Region kam im 11. Jahrhundert nach Christus, als die Türken nach Anatolien vordrangen. Auch wenn die Region weniger direkt von diesem Ereignis betroffen war, wirkte sich dieser Faktor indirekt auf die Küstenregion aus: Das zentralisierte, administrative byzantinische Regime wurde durch ein türkisches Regime ersetzt, welches denen der europäischen Feudalzeit ähnelte. Als Konsequenz bildete sich das Kaiserreich Trapezunt in der Schwarzmeerregion, und die Wirtschaft, der Handel wie auch die Kultur florierten. Das Kaiserreich profitierte 1258 vom Einfall der Mongolen in Bagdad, da somit die Seidenstraße und der Handel notgedrungen nach Norden verlegt werden mussten. In dieser wirtschaftlich günstigen Lage entwickelte sich das Reich für zwei Jahrhunderte zu einem christlichen Außenposten im muslimischen Nahen Osten und wurde ein Zentrum für Kunst, Literatur und Lehre. Genuesische und venezianische Händler dominierten zu dieser Zeit mit Billigung des Byzantinischen Reiches den Seehandel der Region.

Ab dem 15. Jahrhundert begannen die Osmanen ihr Reich im Osten zu erweitern. Mit den osmanischen Eroberungen endete die Geschichte des Kaiserreiches Trapezunt im Jahre 1461. Darauffolgend wurde das Gebiet wieder in eine zentralisierte Administration reintegriert. Daraufhin fiel die Region in eine marginalisierte und unbedeutendere Stellung in einem großen Reich zurück. Auch wenn ein gemäßigtes Niveau an Wohlstand gehalten werden konnte, galt die Provinz als Hinterland. Trotz der osmanischen Eroberung zogen vorerst wenige Türken in die Region des Schwarzmeeres, mit Ausnahme der Gegend um Trabzon. Unter der Herrschaft von Selim I. wurden die Lasen zum Islam konvertiert. Die Konvertierung der griechischsprachigen Hemsin erfolgte in den 1680er Jahren.

Die Minderheiten überdauerten. Die Griechen stellten bis ins 19. Jahrhundert die Mehrheit in den Küstenstädten wie zum Beispiel Giresun, Tirebolu, Trabzon und Batumi. Sie behielten ihre Tradition der Seefahrt und des Handels bei. Lange garantierte der russische Zar den Schutz und die Privilegien orthodoxer Untertanen des osmanischen Sultans. Dennoch kam es zu Konflikten zwischen dem Osmanischen und dem Russischen Reich, als sich Russland die Kaukasusregion einverleibte, die bis dato als Pufferzone gedient hatte. So kam es 1828, 1864, 1877 und von 1915 bis 1918 zu Konflikten und Kriegen. Der Krieg im Jahre 1877 veränderte die Bevölkerungsstruktur in der Schwarzmeerregion stark. Die schlechte Behandlung kaukasischer Muslime durch Russland im Krieg von 1877 löste eine Einwanderungswelle von muslimischen Völkern aus dem Kaukasus in die Region aus. Während der russischen Besetzung der Region im Jahre 1916 kam es zu Spannungen zwischen den muslimischen Türken und den orthodoxen Griechen, da letztere bezichtigt wurden, mit den Besatzern aufgrund der geschichtlichen und religiösen Verbindungen zu kollaborieren.

Türkische Republik Am 19. Mai 1919 spielten sich in der Schwarzmeerregion historisch entscheidenden Szenen der modernen Türkei ab. An diesem Tag landete Atatürk in Samsun, um von dort aus gegen das Sultanat und die in Anatolien präsenten Siegermächte des Ersten Weltkrieges vorzugehen.

Nach dem Griechisch-Türkischen Krieg in den Jahren 1920–22 mussten etwa eine Million Griechen ihre Heimat am Schwarzen Meer und der türkischen Ägäis verlassen bzw. wurden zwangsumgesiedelt. Die in der Türkei, hauptsächlich entlang der Schwarzmeerküste, ansässigen Minderheiten wie die Griechen, lebten dort schon seit Jahrtausenden. Lange Zeit konnten sich die christlichen Minderheiten der Griechen und Armenier ihrer historischen Privilegien unter den osmanischen Eroberern sicher sein, da Teile ihrer Gesellschaftsstruktur übernommen wurden und Russland seit dem Vertrag von Kutschuk-Kaynardji im Jahre 1774 als Schutzmacht dieser Minderheit gegenüber dem osmanischen Regime auftrat. Dies änderte sich mit dem Erstarken der Jungtürkischen Bewegung und des türkischen Nationalismus im Zuge der türkischen Revolution im Jahre 1908. Seine diplomatischen und politischen Ursprünge hat der griechisch-türkische Bevölkerungsaustausch im Jahre 1914. Dort handelt es sich aber um einen fakultativen und nicht um einen obligatorischen Bevölkerungsaustausch. Der tatsächliche Bevölkerungsaustausch von 1923 ist jedoch effektiv ein obligatorischer Akt gewesen. Das Lausanner Abkommen vom 30. Januar 1923 hat sich nicht an die Grundsätze des Minderheitenschutzes halten können, wie sie heute Standard sind. Der Bevölkerungsaustausch von 1923 und damit der Wegfall der für die lokale Wirtschaft wichtigen Griechen, schwächte die Region bis in die 1940er Jahre. Ab dann sorgte die Teeproduktion für wirtschaftlichen Aufschwung.

In der Vergangenheit trafen in der Schwarzmeerregion zwei gegenteilige Systeme aufeinander. Die Region kann als Frontlinie zwischen Ländern mit einer kapitalistisch orientierten freien Marktwirtschaft einerseits und andererseits Ländern, die planwirtschaftlich organisiert waren, angesehen werden.