+Kerguelen-ArchipelArchipel de Kerguelen 220px Basisdaten Verwaltung: Französische Süd- und Antarktisgebiete Forschungsstation: Port-aux-Français Bewohner: rund 60, im Sommer 120 Geographische Lage: Fläche: 7215 km² höchste Erhebung: Mont Ross () längster Fjord: Baie de Recques (21 km) größter See: Lac Marville (25 km²) größte Insel: Île Kerguelen / Grande Terre (6675 km²) größter Gletscher: Cook-Gletscher / Calotte Glaciaire Cook (403 km²) Währung: Euro (EUR) Entdeckung: 12. Februar 1772, durch Yves Joseph de Kerguelen de Trémarec Website: www.taaf.fr/ … les-iles-australes 300px
Der Kerguelen-Archipel [] (auch „Kerguelen“ oder „die Kerguelen“) ist eine subantarktische Inselgruppe im südlichen Indischen Ozean. Sie ist Teil der Französischen Süd- und Antarktisgebiete (TAAF). Seit dem 19. Jahrhundert trägt sie den Namen ihres Entdeckers, des französischen Konteradmirals Yves Joseph de Kerguelen de Trémarec. Der Archipel liegt 1261 Kilometer östlich der Crozetinseln und 422 Kilometer nordwestlich des australischen Außengebiets Heard und McDonaldinseln.
Mit Ausnahme der Forschungsstation Port-aux-Français ist der Kerguelen-Archipel unbewohnt. Die Station wurde 1949 für den permanenten Betrieb eingerichtet und liegt im Osten der Hauptinsel auf der Péninsule Courbet, am Golfe du Morbihan.
Im Jahr 2019 wurde die Inselgruppe, als Bestandteil der französischen Südgebiete und -meere, zum UNESCO-Weltnaturerbe erklärt.
Lage Der Archipel liegt im südlichen Indischen Ozean auf 49° südlicher Breite und 70° östlicher Länge, 3981 km von Australien, 3782 km von der südafrikanischen Küste und etwa 2000 km vom antarktischen Festland entfernt.
Die Inselgruppe, wie viele der subantarktischen Inseln eine sehr abgelegene Region, ist bis heute nur auf dem Seeweg erreichbar, weil es keine Landebahn für Flugzeuge gibt. Wegen der Unzugänglichkeit der Inseln können die meisten Regionen des Archipels nur mit dem Hubschrauber aufgesucht werden. Von November bis März läuft das 1995 gebaute Forschungs- und Versorgungsschiff Marion Dufresne II die Kerguelen-Inselgruppe, die Crozetinseln und die Inseln Sankt Paul und Amsterdam von Réunion aus an. Die Überfahrt auf dem 120,5 m langen Schiff des Institut Polaire Français Paul-Émile Victor (IPEV) dauert im Schnitt acht bis zehn Tage.
Geologie Der Kerguelen-Archipel ist eine der ältesten Inselgruppen der Welt. Er bildete sich vor etwa 40 Millionen Jahren aufgrund vulkanischer Aktivität; unter der Inselgruppe liegt im Erdmantel ein so genannter Plume. Die Inseln liegen auf dem Kerguelenplateau, einem unterseeischen Gebirge, das 3700 m über den umgebenden Meeresboden hinausragt. Die Inseln sind – mit Heard und den McDonald-Inseln – eine der drei Stellen, an denen sich das Kerguelenplateau bzw. der größere Kerguelen-Gaussberg-Meeresrücken über die Wasseroberfläche erhebt. Die gewaltige Vulkantätigkeit, die die Inseln im Verlauf der Erdgeschichte immer wieder umgeformt hat, hat sich seit Beginn des Quartärs mehr und mehr abgeschwächt.
mini|Geologische Übersichtskarte von Kerguelen
Periodisch wiederkehrende Wechsel zwischen Kaltzeiten und wärmeren Phasen, in denen sich ein dichterer Bewuchs entwickeln konnte, bestimmen seither das pflanzliche und tierische Leben auf den Kerguelen-Inseln. Kohlefunde und Pflanzenfossilien wie versteinerte Baumreste lassen darauf schließen, dass hier unter klimatisch günstigeren Bedingungen im Quartär sogar Wälder wuchsen.
Der vulkanische Ursprung des Archipels zeigt sich vor allem in den Basaltdecken, die etwa 85 Prozent des Archipels bedecken und teilweise eine Mächtigkeit von 1.000 m erreichen. Erosion durch Wind und Wasser hat hier vielerorts in den Tafelbergen tiefe Talzüge, pyramidenartige Bergkuppen oder Felsnadeln geschaffen. Freigelegte Intrusivgesteine wie Syenit bestimmen vor allem den geologischen Aufbau der südwestlichen Halbinsel Rallier du Baty.
Geographie mini|Südende des Cook-Gletschers (1983)
Der Kerguelen-Archipel hat eine Gesamtfläche von 7215 km² (und ist damit fast so groß wie die Kanaren). 6675 km² entfallen auf die Hauptinsel Île Kerguelen (Grande Terre). Vom Îlot du Rendez-vous am nördlichsten Punkt bis zur Île de Boynes ganz im Süden sind es 174 km, west-östlich erstreckt sich der Archipel von den Îles de la Fortune zum Cap Ratmanoff 158 km weit. Die mittlere Höhe der Inseln liegt bei 300 m. Ihr Erscheinungsbild ist jedoch von weiten Basalttafellandschaften von 400 bis 600 m Höhe geprägt. Fjorde schneiden tief ins Innere der Inseln ein, die von gewaltigen, zum Teil vergletscherten Tälern durchzogen sind, welche von Steilhängen eingefasst werden. Zahlreiche Vulkangipfel überragen die Inseln, darunter der Mont Ross (Grand Ross: 1850 m, Petit Ross: 1721 m) auf der Halbinsel Gallieni, der 1975 erstmals bestiegene höchste Berg des Archipels.
Von der einst vollständigen Vergletscherung Kerguelens haben sich heute nur noch isolierte Eiskappen erhalten. Die größte ist der den Westteil der Insel bedeckende Cook-Gletscher (Calotte Glaciaire Cook) mit einer Gesamtfläche von 403 km² im Jahr 2003 (sechs Prozent der Fläche von Grande Terre), der zahlreiche Gletscherzungen in die umliegenden Täler und Buchten ausstreckt. Auch um den Mont Ross im Massif Gallieni und um die Berggipfel auf der Halbinsel Rallier du Baty sind noch große Teile der Gebirgsmassive vergletschert.
Der Rückgang der Gletscherflächen seit dem Ende der letzten Kaltzeit hat zahlreiche sehr langgestreckte Gletscherseen hinterlassen, z. B. den Lac d’Entr’Aigues (9 km²), den Lac Bontemps (7 km²), den Lac Hermance (6 km²) sowie den Lac Sibelius (alle im Plateau Central zwischen den Halbinseln Courbet und Jeanne d’Arc). Der mit 25 km² flächengrößte Lac Marville liegt am nordöstlichen Ende der Halbinsel Courbet. Die abnehmenden Eisflächen haben zudem von vielfach verzweigten Flüssen durchzogene weite, sandige Talflächen hinterlassen, die sich vor allem auf der Halbinsel Rallier du Baty und um die Ausläufer des Cook-Gletschers erstrecken.
Insgesamt gehören zum Archipel etwa 400 Inseln, von denen nach Grande Terre (deutsch Großes Land) die Île Foch und die Île Saint-Lanne Gramont im nördlichen Teil der Inselgruppe die größten sind. Die Küsten sind überwiegend felsig und fallen steil ab. Im Durchschnitt liegen die Inselränder fast 200 m über dem Meer, teilweise erreichen sie sogar Höhen um 800 m wie am Cap des Aiguilles (deutsch Nadelkap) und am Cap du Challenger (beide an der Südküste der Halbinsel Jeanne d’Arc).
Geographische Gliederung Inseln 300px|noframe Île Kerguelen (Grande Terre) 1 Île Foch 2 Île Saint-Lanne Gramont 3 Île du Port 4 Île de l’Ouest 5 Île Longue 6 Île Howe 7 Île Mac Murdo 8 Île Australia 9 Îles Nuageuses (Île de Croÿ, Île du Roland, Îles Ternay) 10 Îles Leygues (Île de Castries, Île Dauphine) 11 Îles du Prince de Monaco 12 Île Violette 13 Île Haute 14 Île Gaby 15 Île Altazin
Halbinseln 300px 1 Péninsule Courbet 2 Péninsule Rallier du Baty 3 Péninsule Gallieni 4 Péninsule Loranchet 5 Presqu’île Jeanne d’Arc 6 Presqu’île Ronarc’h 7 Presqu’île de la Société de Géographie 8 Presqu’île Joffre 9 Presqu’île du Prince de Galles 10 Presqu’île du Gauss 11 Presqu’île Bouquet de la Grye 12 Presqu’île d’Entrecasteaux 13 Presqu’île du Bougainville 14 Presqu’île Hoche
Île Kerguelen (Grande Terre) mini|Satellitenfoto von Kerguelen (NASA)
Die Hauptinsel Île Kerguelen (auch Grande Terre) hat eine Fläche von 6675 km², das sind etwa 92,5 Prozent der Gesamtfläche der Inselgruppe. Damit ist sie so groß wie das österreichische Bundesland Salzburg. Die Insel misst etwa 134 Kilometer von Osten nach Westen und hat eine Nord-Süd-Ausdehnung von 120 Kilometern.
Auffällig ist vor allem die starke Zerklüftung der Insel – ein zerrissenes Gebilde aus mehreren großen Halbinsel-Ausläufern, die teilweise nur durch filigrane Isthmen mit der zentralen Insel verbunden sind, und dem andere kleinere Inseln vorgelagert sind. Wegen der oft weit einspringenden Küstenlinie ist kein Punkt der Insel weiter als 21 Kilometer vom Meer entfernt.
Péninsule Courbet Die Halbinsel Courbet, benannt nach dem französischen Admiral Amédée-Anatole Courbet (1827–1885), ist die nach Fläche größte Halbinsel und durch eine sehr uneinheitliche Topografie gekennzeichnet. Während der gebirgige Westen Höhen bis zu 979 m (Mont Crozier) erreicht und tief einschneidende Täler die Höhenzüge zergliedern (Val Studer, Val de l’Ouest), erhebt sich der Osten nur wenig über den Meeresspiegel, und seine teils sandigen oder kiesbedeckten Ufer weisen breite Strände wie am Cap Ratmanoff auf. Der an der Ostküste gelegene Lac Marville ist der größte der zahlreichen Seen auf Kerguelen.
Die sich von Westen nach Osten über 54 Kilometer erstreckende Halbinsel wird im Norden vom Golfe des Baleiniers (deutsch Walfängerbucht) und im Süden von der weiten, mit etwa fünfzig größeren und kleineren Inseln (z. B. Île Australia, Île Haute) übersäten Bucht des Golfe du Morbihan begrenzt. Der Golfe du Morbihan (700 km²) ist vor dem rauen Klima des Archipels recht gut geschützt; die bis zu acht Kilometer breite Meeresstraße der Passe Royale verbindet ihn mit dem Indischen Ozean.
Wegen der geschützten Lage wurde die dauerhafte französische Forschungsstation Port-aux-Français im Jahre 1949 am Golfe du Morbihan errichtet. Bis 1976 wurde sie erweitert, um die Inseln umfassend wissenschaftlich erforschen zu können. Zur Station gehören die Kirche Notre-Dame des Vents und ein Krankenhaus. Etwa 60 Menschen leben und arbeiten hier das ganze Jahr über; während des Sommers (Dezember bis März) steigt die Zahl der Beschäftigten auf rund 120 Personen. In der Station und in ihrer Umgebung verlaufen einzelne Schotterpisten, es sind die einzigen Straßen der Insel.
Presqu’île Jeanne d’Arc mini|Volcan du Diable, Plateau Central mini|Golfe du Morbihan mini|Péninsule Rallier du Baty
Die nach der französischen Nationalheldin und Heiligen Jeanne d’Arc (1412–1431) benannte Halbinsel Jeanne d’Arc ist nur über eine etwa 500 m breite Landenge mit der Hauptinsel Grande Terre verbunden und begrenzt den Golfe du Morbihan im Süden.
Weite Hochplateaus überragen hier schmale, feuchtnasse, langgestreckte Täler. Am Südrand fällt die Halbinsel in einer von zahlreichen Klippen und Felsnadeln gesäumten Steilküste zum Meer hin ab und endet am Cap du Challenger, dem südlichsten Punkt der Hauptinsel. Die höchsten Erhebungen sind der Mont Tizard () an der Baie des Licornes und der Mont Evans () an der Baie Sauvage (deutsch Wilde Bucht). Im Westen grenzt die Halbinsel an die Baie des Swains mit ihren zwei größeren Inseln Île Altazin und Île Gaby.
Im Nordwesten der Halbinsel liegt Port-Jeanne-d’Arc, eine 1906 von norwegischen Walfängern errichtete Fang- und Verarbeitungsstation. Die Siedlung bestand aus vier Wohngebäuden mit Wellblechdächern und Holzwänden, einem Stall, mehreren Heizkesseln und anderen technischen Anlagen und verfiel späterhin völlig. Seit dem Jahr 2000 finden umfangreiche Restaurierungsmaßnahmen statt.
Presqu’île Ronarc’h Die Halbinsel Ronarc’h [], benannt nach dem französischen Admiral Pierre Alexis Ronarc’h (1865–1940), ist durch einen schmalen Isthmus, den Halage des Naufragés, mit der Halbinsel Jeanne d’Arc im Süden verbunden. Die Höhenzüge der Halbinsel fallen von den zentralen Erhebungen des Mont Wyville Thomson () und des Mont Rouge () zum Meer hin ab. Eine auffällige Erscheinung ist vor allem die 744 m hohe, kegelförmige Vulkanruine Le Pouce (deutsch der Daumen). Am Nordrand der Ronarc’h befindet sich Port-Douzième mit einer Hütte und einer geomagnetischen Station.
Péninsule Gallieni