mini|Marc Brandenburg fotografiert von Oliver Mark (Berlin 2007) Marc Brandenburg (* 18. Juli 1965 in West-Berlin) ist ein deutscher Künstler.

Leben Marc Brandenburg wurde 1965 als Sohn einer Deutschen und eines afro-amerikanischen GIs geboren. 1968 ging er mit seiner Familie in die USA und kehrte 1977 nach West-Berlin zurück, wo er bereits früh mit der Punkszene in Berührung kam. Von 1983 bis 1988 arbeitete er als Türsteher in der Berliner Diskothek Dschungel, in der er bereits seit den späten 1970ern verkehrte. Brandenburg, der von seiner Mutter nach dem ehemaligen Chefdesigner von Dior, Marc Bohan, benannt wurde, begann selbst 1984 autodidaktisch als Modedesigner zu arbeiten und kollaborierte immer wieder mit anderen Designern, so mit Claudia Skoda, PLEZ und Tabea Blumenschein. Seine Entwürfe zeigte er 1984 gemeinsam mit Claudia Skoda im Londoner Club Heaven und 1987 im New Yorker Tunnel. 1988 trat er als Performer mit Die Tödliche Doris in Ost-Berlin auf.

Mode sollte auch später Bestandteil seiner künstlerischen Arbeit bleiben. So zeigte er 1993 als Reaktion auf die rassistischen Ausschreitungen in Rostock-Lichtenhagen in seiner ersten institutionellen Einzelausstellung Oceans of Violence (mit Sabina Maria von der Linden) im Berliner Künstlerhaus Bethanien u. a. „Tarnpullover für Ausländer“ und eine Burberry-Tarnkappe. 2009 kollaborierte er für eine Kollektion mit dem Designer Bernhard Wilhelm, 2010 entwarf er Unterhemden für Schiesser, 2016 arbeitete er mit Bless an der Kollektion Daycation.

Marc Brandenburg lebt in Berlin und Barcelona.

Werk mini|hochkant|Marc Brandenburg (2018)1992 begann Brandenburg damit, Menschen, Situationen und Interieurs in seiner Umgebung zu fotografieren und diese Fotos in jedem Format ohne Hilfsmittel mit dem Bleistift detailgetreu abzuzeichnen. Bereits in seinen frühen Ausstellungen kombinierte er diese Momentaufnahmen mit abgezeichneten Motiven aus Pornoheften, Modemagazinen, Werbeanzeigen oder von Verpackungen und Plastikspielzeug. 1994 erschien sein Bilderbuch-Picturebook, in dem er mit Zeichnungen einen fiktiven Tag in seinem Berliner Freundeskreis schildert. 1996 fing der Künstler, der sich wiederholt als „menschliche Kopiermaschine“ bezeichnete, damit an, seine Zeichnungen am Kopierer oder am Computer ins Negative zu verkehren und optisch zu verzerren, um den Ausdruck dann wieder abzuzeichnen. Seit Mitte der 1990er produzierte Brandenburg Serien von Zeichnungen, die er zu filmartigen Sequenzen aneinander reihte und in den Einzelzeichnungen filmische Effekte wie Zooms, Kameraschwenks, Unschärfe aufgriff.

Während zahlreiche inszenierte und performative Selbstporträts mit Maskierungen entstanden, die Brandenburg fotografierte und dann wieder abzeichnete, konzentrierte er sich in seinem Werk auf Rollen- und Körperbilder, Kostümierungen und Rituale, die aus der gesellschaftlichen Norm fallen. Brandenburgs Motive konnten dabei Rechtsextreme, Hooligans, kostümierte Globalisierungsgegner, Teilnehmer von Raves und Paraden, Obdachlose oder Exzentriker sein. Zentrale Themen für ihn sind „Überdruss, Exzess, Sucht, Überfluss“.

Seit Beginn seiner Laufbahn wurde Brandenburgs Werk immer wieder in Bezug zur Popkultur der 1960er- und 1980er-Jahre und der künstlerischen Praxis Andy Warhols gestellt oder aufgrund von Brandenburgs Homosexualität und seiner Hautfarbe in einem queeren, antirassistischen Kontext gelesen. Brandenburg selbst jedoch betonte, dass für ihn die formalen und konzeptionellen Aspekte der Zeichnung, die grundsätzliche Auseinandersetzung mit Repräsentation bedeutsamer sind, als die Motive selbst: „Diese Leere hinter den Abbildern, das durchscheinende Weiß ist wichtig.“

Seit seiner Einzelausstellung im MMK in Frankfurt am Main 2005, anlässlich der Verleihung des Karl-Ströher-Preises, installiert Brandenburg seine als Negativ gezeichneten Motive häufig in abgedunkelten Räumen unter UV-Licht, was den optischen Effekt eines Fotolabors hat. Er selbst bezeichnete dies als „Gegenstück zum White Cube“. 2002 begann er damit, seine Zeichnungen auf Sticker, Siebdrucke und temporäre Tattoos zu überführen, um daraus eigenständige Arbeiten entstehen zu lassen. So realisierte er 2009 für den Berliner Club Berghain eine permanente Siebdruckinstallation auf Glas und gestaltete dort für eine Gruppenausstellung 2014 einen Kiosk, an dem ein Tattoobogen mit Motiven aus dem Klub erhältlich war – etwa Architekturdetails aus dem Haus, benutzte Kondome oder auch der Kopf des Türstehers. In Ausstellungen wie Normex in der Städtischen Galerie Wolfsburg (2012) gestaltete Brandenburg ganze Räume mit Sticker-Folien, die er als Streifen die Wände entlanglaufen lässt oder als transparente Cluster auf Fensterscheiben arrangiert, sodass sich die Zeichnungen im Tageslicht in den Raum projizieren.

Auszeichnungen und Preise

2002: Arbeitsstipendium der Stiftung Kunstfonds Bonn 2005: Karl-Ströher-Preis der Stadt Frankfurt, Senatsstipendium der Stadt Berlin, Artist in Residence, Villa Romana Florenz, IT 2016: Artist in Residence / Goethe-Institut, Wellington, New Zealand

Dauerhafte Installationen 2008 „UV/R“, Grill Royal, Berlin 2009 „Ohne Titel“, Berghain/Panorama Bar, Berlin

Öffentliche Sammlungen Kupferstichkabinett Berlin Kupferstichkabinett Dresden Museum of Modern Art, New York Hamburger Kunsthalle Museum für Moderne Kunst, Frankfurt Museum der Moderne Salzburg The Studio Museum, New York Institut für Auslandsbeziehungen, Stuttgart Bundeskunstsammlung Bayerische Staatsoper Städtische Galerie Wolfsburg

Ausstellungen (Auswahl) 1990 »Adieu«, Scheederbauer, Berlin 1992 »Punk and Circumstance along the Yellow Brick Road – Liebeskummer«, Galerie Martin Schmitz, Kassel 1993 »Marc Brandenburg & Attila Richard Lucas I«, PLUG IN, Winnipeg, CA; »Marc Brandenburg & Attila Richard Lucas II«, Gallery III, School of Art, University of Manitoba, Winnipeg, CA 1996 »The Dangling Conversation – from Electric Lane to Lavender Hill«, Morris Healy Gallery, New York, USA 1998 »Draw Stranger«, PLUG IN, Winnipeg, CA 2000 »White Rainbow«, Contemporary Fine Arts, Berlin; Paul Morris Gallery, New York; Neuer Berliner Kunstverein, Berlin; Kunstmuseum Wolfsburg 2002 Kunstraum Bonn, Bonn 2003 »Full Circle (Excerpts from Negrophobia)«, Kunstraum Innsbruck, Innsbruck 2004 Laura Mars Grp., Berlin; Kunstverein Frankfurt; Schwules Museum, Berlin; David Zwirner, New York 2006 »Tilt«, Gallery André Schlechtriem Temporary, New York 2010 »Bonkers«, Contemporary Fine Arts, Berlin; »Deutsch-Amerikanische Freundschaft«, Denver Art Museum, Denver; »Isolated Imagery«, Galerie Thaddaeus Ropac, Salzburg 2011 »Version«, OFF/SITE, New York; »Marc Brandenburg. Zeichnung«, Hamburger Kunsthalle, Hamburg 2012 »NORMEX«, Städtische Galerie Wolfsburg 2013 »Interior/Exterior«, Galerie Thaddaeus Ropac, Paris 2015 »Marc Brandenburg. Zeichnung I Skulptur I Performance«, Museen Stade, Stade 2017 »Alpha St«, Galerie Thaddaeus Ropac, Salzburg 2018 »Camouflage Pullover«, Kunstraum Potsdam, Potsdam 2019 Unlimited Art Basel, Basel 2020 »Snowflake«, Galerie Thaddaeus Ropac, Paris 2020 »Snowflake«, Galerie Thaddaeus Ropac, London 2021 »Hirnsturm II«, Palais Populaire, Berlin 2021 »Hirnsturm II«, Städel Museum, Frankfurt am Main 2026 »20th Century Debris«, Berlinische Galerie

Gruppenausstellungen (Auswahl) 1995 »Summer Exhibition 1995«, Paul Morris Gallery, New York 1995 1998 »Draw, Stranger«, PLUG IN, Winnipeg 1998 1999 »Loveolution«, XL Gallery, New York 2000 »ANP at s&h de Buck«, Gallery s&h de Buck, Gent, Belgien 2003 »Man in Middle«, Deutsche Bank, Eremitage, St. Petersburg, Russland 2003 »Lebenslänglich 14«, Laura Mars Group, Berlin 2004 »Seeds and Roots«, The Harlem Studio Museum, New York 2004 »Emotion Eins«, Frankfurter Kunstverein, Kraichtal, Frankfurt 2007 »Heimat als Utopie«, Goethe-Institut Tokio 2007 »Das achte Feld – Geschlechter, Leben und Begehren in der Kunst seit 1960«, Museum Ludwig, Köln 2008 »Just Different!«, Cobra Museum, Amstelveen 2009 »The End of the Line: Attitudes in Drawing«, MIMA Middlesbrough Institute of Modern Art, Bristol, Liverpool, Middlesbrough 2009 »Compass in Hand: Selections from The Judith Rothschild Foundation Contemporary Drawings Collection«, The Museum of Modern Art, New York 2010 »Wings. Der Flügel in der zeitgenössischen Kunst«, Galerie Thaddaeus Ropac, Salzburg 2010–2011 »Collected«, The Studio Museum in Harlem, New York 2011 »Kompass. Zeichnungen aus dem Museum of Modern Art (MoMA) New York«, Martin Gropius Bau, Berlin 2012 »16th Line«, Rostov am Don, Russland; »Tender Buttons«, Galerie September, Berlin 2013 »Portraitgalerie«, Bayerische Staatsoper, München; »Weltreise / Kunst aus Deutschland unterwegs, Werke aus dem Kunstbestand des ifa 1949 bis heute«, ZKM Museum für neue Kunst, Karlsruhe; »Forever Young. Über den Mythos der Jugend«, Kunsthalle Nürnberg; »Disaster / The End of Days«, Galerie Thaddaeus Ropac, Paris 2014 »10«, Berghain Berlin 2015 »Disegno – Zeichenkunst für das 21. Jahrhundert«, Staatliche Kunstsammlungen Dresden – Kupferstichkabinett Dresden; »Letztes Jahr in Marienbad«, Kunsthalle Bremen, Bremen 2016 »Letztes Jahr in Marienbad«, Galerie Rudolfinum, Prag, Tschechische Republik; »The O.P.E.N.- Singapore International Festival of the Arts«, Singapore; »Linie Line Linea – Contemporary Drawing«, Adam Art Gallery, Wellington, Neuseeland; »Zeichnungsräume«, Hamburger Kunsthalle, Hamburg; »Zeitgeist-Arte da nova Berlin«, CCBB / Goethe-Institut, Rio de Janeiro, Brasilien 2017 »German Encounters / Contemporary Masterworks from the Deutsche Bank collection«, Qatar Museums, Qatar 2017 »Paperfile #13 – oqbo«, Raum für Bild Wort Ton, Berlin 2018 »The world on paper«, Palais Populaire, Berlin 2018 »Black ist the new Black«, Gußglashalle Kreuzberg, Berlin 2018 »Erotica«, Erotica, Berlin 2020 »Figure up«, BcmA, Berlin 2020 »Maximal Radikal«, Brandenburgisches Landesmuseum für moderne Kunst, Frankfurt/Oder 2020 »Studio Berlin«, Berghain, Berlin 2020 »Remember September«, Zwinger Galerie, Berlin 2020 »Ihr«, Kunstraum Potsdam, Potsdam 2021 »Charta #2 identity and narration«, Frontviews, Berlin 2021 »Signature Piece«, Städtische Galerie Wolfsburg, Wolfsburg 2021 »Studio Berlin«, Berghain, Berlin 2022 »Modebilder-Kunstkleider«, Berlinische Galerie, Berlin

Literatur Marc Brandenburg. White Rainbow 2ème édition Zeichnungsbuch. Vol. 20 Erschienen im Maas Media Verlag, 2005, ISBN 978-3-9812127-2-3.

Weblinks Website Christian Schröder: Meschugge geht die Welt zugrunde. In: Der Tagesspiegel, 21. März 2010 Daniel Völzke: Zeichner und Wunder. Die Welt im Negativ: Wie Marc Brandenburg verwirrende Ansichten des Alltags in die U-Bahn hängt. In: Der Tagesspiegel, 16. März 2007 Harald Fricke: Nachtgestalten leuchten besser. In: taz, die Tageszeitung, 19. Oktober 2002, S. 14.

Einzelnachweise

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