Özcan „Ötschi“ Arkoç (* 2. Oktober 1939 in Hayrabolu, Provinz Tekirdağ; † 17. Februar 2021 in Hamburg; in historischen Berichten und Chroniken auch Arkoc Özcan geschrieben) war ein türkischer Fußballtorwart und -trainer.
Er gewann mit Fenerbahçe Istanbul historische Meisterschaften in der Türkei. Er war der erste und jüngste Stammtorwart, der die Süper-Lig-Meisterschaft gewann. Er wechselte nach Stationen bei Beşiktaş Istanbul und FK Austria Wien 1967 zum deutschen Bundesligisten Hamburger SV (HSV). Während seiner acht Jahre als Fußballtorwart in Hamburg wurde Özcan in drei Spielzeiten der Bundesliga vom Kicker-Sportmagazin als „Topspieler“ des HSV bewertet und wurde historisch Premierenpokalsieger des deutschen Ligapokals. Er zählt zu den Torwartlegenden der HSV-Vereinsgeschichte und des türkischen Fußballs. Durch seine Einsätze ging er mehrmals in die Geschichte der deutschen Bundesliga ein, als erster türkischer Fußballtorwart, erster Auswechselspieler, erster etablierter türkischer Fußballer und erster türkischer Fußballtrainer.
Leben Özcan kam 1939 im thrakischen Hayrabolu auf die Welt und wuchs dort auf. Während seiner Jugendzeit begann er mit dem Fußballspielen und besuchte die Mittelschule. Nach seinem Gymnasium-Abschluss erlernte er den Beruf des Schriftsetzers.
Seit 1960 war er mit der türkischen Theater- und Filmschauspielerin Neriman Esen verheiratet. Später war er neben seiner Fußball-Karriere in Hamburg temporär als Korrespondent für die türkische Tageszeitung Milliyet tätig und berichtete über den Fußball in Deutschland für die Türkei. Daraufhin betrieb Özcan in den 1970er-Jahren gemeinsam mit seiner Ehefrau neben der Fußball-Karriere ein Restaurant mit Namen „Bei Özcan“ in der Grenzregion zwischen Hamburg und Schleswig-Holstein, womit er als einer der ersten Hamburger Gastronomen Döner Kebab servierte. Er war ein „sehr gut[er]“ Absolvent der Deutschen Sporthochschule Köln und besaß seit 1980 die deutsche Staatsangehörigkeit. Er lebte in Norderstedt und später eröffnete Özcan einen Kurierdienst in Hamburg und betrieb diesen selbst bis zu seinem 71. Lebensjahr. Özcan verstarb mit 81 Jahren in der Nacht zum Mittwoch, dem 17. Februar 2021.
Spielerkarriere Vereine Sein Fußballname war „Özcan“, seit dieser Vorname zu Beginn seiner Zeit in Österreich durch ein Missverständnis für den Nachnamen gehalten wurde.Özcan Arkoç lieferte im kicker Nr. 31/2014 auf Seite 55 selbst diese Erklärung. Bei den Hamburgern wurde er „Ötschi“ genannt. Sein Spitzname im Fußball in der Türkei lautete „Uçan Manda“ ().
Anfänge in der Türkei Mit 13 Jahren begann er seine Laufbahn als Jugendspieler in Ostthrakien beim Alpullu Şekerspor. 1954 wechselte Özcan in die Nachwuchsmannschaft von Vefa Istanbul. In der Spielzeit 1955/56 gab er als 17-Jähriger sein Profidebüt in der ersten Mannschaft von Vefa in der regionalen Profiliga von Istanbul, somit wurde Özcan damals zum jüngsten Spieler der Istanbuler 1. Profiliga. Des Weiteren wurde Özcan in der gleichen Spielzeit von der türkischen Merkez Hakem Komitesi () zu einem der fairsten Fußballer der Liga gewählt.
Danach spielte er vier Jahre beim Fenerbahçe Istanbul von 1958 bis 1962, wo er drei Meisterschaften gewann. In dieser Zeit stieg Özcan zum türkischen A-Nationalfußballtorwart auf. Mit Fenerbahçe gewann er als Stammtorwart in der Spielzeit 1958/59 historisch die letzte regionale Meisterschaft der İstanbul Profesyonel Ligi und blieben über die ganze Ligasaison unbesiegt und erhielten die wenigsten Gegentore. Damit qualifizierte sich Özcan mit Fenerbahçe historisch für die offizielle erste Spielzeit der Millî Lig, heute Süper Lig, die erste professionelle landesweite türkische Meisterschaft. Als Stammtorwart gewann er mit seiner Mannschaft die Premierenmeisterschaft 1959 der Süper Lig gegen den Erzrivalen Galatasaray Istanbul und er meisterte die Spielzeit mit den wenigsten Gegentoren. Damit wurde er mit 19 Jahren der erste und jüngste Stammtorwart, der Süper-Lig-Meisterschaft gewann und diese Rekorde gelten bis dato. Darüber hinaus qualifizierten sich Özcan und Fenerbahçe historisch erstmals für einen UEFA-Vereinswettbewerb.
Im Europapokal der Landesmeister 1959/60 bezwang Özcan mit Fenerbahçe in der Vorrunde den ungarischen Landesmeister Csepel SC und danach erlangten sie einen Hinspiel-Sieg in der nächsten Runde, offizielle UEFA-Bezeichnung 1. Runde, gegen den französischen Landesmeister OGC Nizza und schieden erst im Entscheidungsspiel aus. Damit war Özcan mit seiner Mannschaft historisch die erste türkische Mannschaft im Europapokal der Landesmeister, die erfolgreich die Vorrunde spielerisch und unbesiegt überstanden und sich einen Spielsieg in der offiziellen 1. Runde erspielten. Damals galt die Türkei noch als fußballerisches Entwicklungsland. In den vier Spielzeiten der türkischen Landesmeisterschaft dominierte er erfolgreich mit Fenerbahçe die türkische Liga, mit zwei Meisterschaften (1959, 1960/61) und zwei Vizemeisterschaften (1959/60, 1961/62). Des Weiteren entschied er sich in dieser Zeit seinen Militärdienst abzuleisten, wofür Özcan zwischen 1961 und 1962 temporär zum dritten Fenerbahçe-Torwart degradiert wurde.
Beşiktaş und Wechsel nach Mitteleuropa Gemäß Özcan wechselte er im Juni 1962 für zwei Jahre zum Rivalen Beşiktaş Istanbul, aufgrund finanziellen Unregelmäßigkeit bei der Vertragsverlängerung mit Fenerbahçe. In seiner ersten Spielzeit für den Beşiktaş beendete er die Finalrunde der türkischen Meisterschaft 1962/63 als Vizemeister und mit den wenigsten Gegentoren der Runde. In seiner letzten Spielzeit in der Türkei 1963/64 wurde Özcan mit seiner Mannschaft erneut Vizemeister, diesmal hinter seinem ehemaligen Verein Fenerbahçe und mit den zweitwenigsten Gegentoren der Ligasaison.
1964 wechselte er wegen der besseren fußballerischen Rahmenbedingungen für drei Jahre nach Österreich zum FK Austria Wien (FAK) in die Staats- bzw. Nationalliga. Davor und während dieser Zeit absolvierte Özcan Probetrainings bei verschiedenen deutschen Erstligisten.siehe Literatur → Tam Saha. In: TFF'in Aylık Futbol Dergisi. Nr. 196. Türkiye Futbol Federasyonu, Türkei März 2021, Özcan Arkoç: Gurbetteki efsanemizdi, S. 102 Beim FK Austria Wien verdrängte Özcan den damaligen Stammtorhüter und österreichischen A-Nationaltorhüter Gernot Fraydl vom Tor-Stammplatz. In seiner letzten Spielzeit 1966/67 für die Wiener bestritt er seine beste Leistung für den FAK. Mit den Wienern erreichte Özcan beim internationalen Fußballturnier Mitrocup das Halbfinale und beendete die österreichische Nationalmeisterschaft mit den wenigsten Gegentoren. Im Juli 1967 verhinderte er über 120 Spielminuten inklusive Verlängerung im österreichischen Pokalfinalrückspiel ein Gegentor zu erhalten und seine Mannschaftskollegen egalisierten mit einem Tor die Hinspiel-Niederlage. Am Ende wurde Özcan mit seiner Mannschaft per Losentscheid zum Pokalsieger 1967 erklärt.
Erste Saison beim Hamburger SV Nach dem österreichischen Pokalfinale 1967 wechselte Özcan für eine Ablösesumme in Höhe von 60.000 DM zum Europapokal-Teilnehmer Hamburger SV (HSV) und wurde so zum ersten türkischen Fußballer der HSV-Fußball-Vereinsgeschichte. Damit war er zugleich der erste türkische Fußballprofi, der in die deutsche Bundesliga transferiert wurde. Nach Aykut Ünyazıcı war Özcan aber der zweite türkische Fußballprofi der deutschen Bundesligageschichte. Dieser Ünyazıcı agierte als fußballerischer Feldspieler und somit war Özcan der erste türkische Fußballprofitorwart der Bundesliga. Von 1967 bis 1974 spielte er dann als etablierter Torwart für den HSV in der deutschen Bundesliga. Aufgrund seiner Trainings- und Testspielleistungen verdrängte Özcan den Stammtorhüter bzw. den verletzten Horst Schnoor auf Anhieb.
Am 1. Spieltag der Saison 1967/68 war Özcan in seinem HSV-Pflichtspieldebüt der erste Auswechselspieler der deutschen Fußball-Bundesliga-Geschichte,siehe Literatur → HSV Live. In: Offizielles Magazin des HSV. Saison 2019/20, Nr. 3, HSV Fußball AG, Hamburg 2. Oktober 2019, »Kaleci* Ötschi« – Eine Eins mit Stern, S. 66 wegen einer Fingerverletzung wurde er in der Nordderby-Begegnung nach 20 Minuten ausgewechselt. Das Auswechselkontingent war erst ab jener Saison erstmals zugelassen.siehe Literatur → HSV Live. In: Offizielles Magazin des HSV. Saison 2017/18, Nr. 1, HSV Fußball AG, Hamburg 18. August 2017, Der Premierenwechsel, S. 63 Im weiteren Saisonverlauf entwickelte sich Özcan zum Leistungsträger der Mannschaft und wurde vom Kicker-Sportmagazin in der Bundesliga vor seinen Mannschaftskollegen Jürgen Kurbjuhn, Werner Krämer, Willi Schulz, Gert Dörfel und Uwe Seeler zum besten Topspieler des Hamburger Sport-Vereins bewertet und erreichte mit den Hamburgern das Finale des Europapokals der Pokalsieger, sie scheiterten im Finale am AC Mailand. Somit war er einer der ersten türkischen Fußballer bzw. der erste türkische Fußballtorwart der in einem UEFA-Wettbewerb-Endspiel stand.
Topspieler des HSV und Spielerkarriereende In den nächsten drei Spielzeiten von 1968/69 bis 1970/71 entwickelte sich Özcan mit dem HSV zu den Top-6-Mannschaften der Bundesliga. In der Spielzeit 1968/69 gehörte Özcan in der Bundesliga zu den Topspielern seiner Mannschaft an und zu den fünftbesten Torhütern der Bundesliga-Spielzeit, indem er in der Kategorie „Weiße Weste“ in 31 Ligaspieleinsätzen neunmal ohne Gegentor verblieb. In den aufeinander folgenden Spielzeiten 1970/71 und 1971/72 wurde Özcan vom Kicker-Sportmagazin zweimal erneut zum besten HSV-Topspieler der Bundesliga bewertet, des Weiteren gehörte er gemäß Kicker-Bewertung in den jeweiligen Spielzeiten zu den 20 bzw. 30 Topspielern der Bundesliga an.
Er war bis 1973 der Stammtorhüter des Vereins und wurde in der Spielzeit 1973/74 von seinem jüngeren Torwartkollegen Rudi Kargus abgelöst, wegen einer erlittenen Achillessehnen-Verletzung. Özcan wurde später vom HSV-Generalmanager Peter Krohn belohnt, weil er mit seinem Nachfolger Kargus unter seiner Ägide gemeinsam trainiert und ihn an die Mannschaft herangeführt und gefördert hatte. Später stieg Kargus temporär zwischen 1975 und 1977 zum deutschen A-Nationaltorhüter auf.siehe Weblinks → 11 Freunde: „Deutscher? Türke? Mir war die Herkunft immer egal!“ vom 18. Februar 2021, abgerufen am 26. März 2021: „… Gestern ist HSV-Legende Özcan Arkoc im Alter von 81 Jahren in Hamburg verstorben …“ 1975 beendete Özcan mit 35 Jahren seine aktive Fußballspielerkarriere. Beim Hamburger SV absolvierte er in acht Jahren insgesamt 207 Pflichtspiele, bestehend aus 159 Bundesliga-, 14 DFB-Pokal-, sechs Ligapokal- und 28 Europapokalspielen. Davon verblieb Özcan in 48 Pflichtspielen ohne Gegentor. Des Weiteren ist er bis dato türkischer Rekordspieler der HSV-Fußball-Vereinsgeschichte.siehe Literatur → HSV Live. In: Offizielles Magazin des HSV. Saison 2019/20, Nr. 3, HSV Fußball AG, Hamburg 2. Oktober 2019, »Kaleci* Ötschi« – Eine Eins mit Stern, S. 65
Auswahlmannschaften Özcan war zwischen 1956 und 1965 insgesamt 28-facher türkischer Fußball-Nationalspieler der Türkischen Fußball Föderation (TFF) für verschiedene Auswahlmannschaften. In diesem Zeitraum absolvierte er auch seine neun A-Länderspiele, wo Özcan in fünf A-Länderspielen ohne Gegentor verblieb. Sein Debüt in der türkischen A-Nationalmannschaft gab er nach seinem 19. Geburtstag am 26. Oktober 1958 beim 1:1-Unentschieden gegen Belgien. Des Weiteren führte Özcan die türkische A-Nationalmannschaft 1962 einmal als Mannschaftskapitän an. Er nahm unter anderem auch an der türkischen Militär-Fußballauswahl der türkischen Streitkräfte teil und gewann mit dieser Auswahl in Ankara die Fußball-Militärweltmeisterschaft 1961.
Trainer- und Beraterkarriere