mini|Älteste Darstellung des seligen Gezelinus von Schlebusch aus dem Pilgerbüchlein von 1729 Gezelinus von Schlebusch (* im Herzogtum BurgundHölzer 1991, S. 28, Z. 1f.; † 12. Jahrhundert, vermutlich in Schlebuschrath, heute ein Ortsteil von Leverkusen-Alkenrath) war der Legende nach ein Laienbruder (Konverse) im Zisterzienserkloster in Altenberg. Für sein bescheidenes Leben als Hirte in Schlebuschrath wurde er zu Lebzeiten bekannt und nach seinem Tode entwickelte sich darum und um seine Legende ein regional bedeutsamer Kult.Vgl. Hölzer 1991, S. 22 ff.

Gezelinus wurde von den Gläubigen vor Ort bereits vor dem Jahr 1524 als „Seliger“ bezeichnet. Eine förmliche Seligsprechung durch einen Kölner Weihbischof ist nicht nachweisbar, von der katholischen Kirche wird Gezelin jedoch als seliggesprochen anerkannt.

Historische Überlieferungen zur Vita mini|Schrein des Seligen Gezelinus mini|Figürliche Darstellung des seligen Gezelinus in der St.-Andreas-Kirche in Leverkusen Über die tatsächliche Lebensgeschichte des Gezelinus ist wenig bekannt: „Schon 1645 beklagte der Kölner Geschichtsschreiber Aegidius Gelenius, der von dem großen Zustrom zum Heiligtum des Eremiten berichtet, daß Aufzeichnungen über ihn nicht vorlägen und solche, falls es sie gegeben, durch die Ungunst der Zeiten verloren gingen…“Vgl. Opladen 1952, S. 82 Als gesichert gilt, dass er in Schlebuschrath gelebt hat. Die Mitgliedschaft im Zisterzienserorden hält Opladen hingegen für unwahrscheinlich, womit auch die Herkunft aus Burgund nicht mehr gesichert ist. Eine Überlieferung bringt Gezelinus jedoch als Bruder von Adolf I. von Berg mit diesem in Verbindung, welcher gegen den Herzog von Burgund gekämpft habe. Dabei habe Gezelinus (hier Eberhard genannt) diesen begleitet und sei während der Schlacht in das Kloster Morimond eingetreten. Diese wiederum entsendeten 1132 Mönche nach Altenberg auf die Burg Adolfs I. Dort habe Adolf I. den Zisterziensern einen Schafstall in Burge, heute als Bürrig ein Stadtteil von Leverkusen, bei Alkenrath geschenkt, auf dem Eberhard gelebt habe.Schilderung der Überlieferung ohne Quelle und Wertung in Opladen 1952, S. 83. Vgl. außerdem

Vinzenz Jakob von Zuccalmaglio äußert hingegen die These, lediglich aufgrund eines bei der Gezelinquelle gefundenen Steines sei im 17. Jahrhundert die Verwechslung entstanden, der Heilige Gezelin habe in Schlebusch gelebt und deswegen sei dort ein Kult initiiert worden. Tatsächlich sei er Schäfer mit Tätigkeiten in Luxemburg und Belgien gewesen, was geschichtlich nachweisbar sei.Vgl. Vinzenz Jakob von Zuccalmaglio: Die Vorzeit der Länder Cleve, Mark, Jülich, Berg und Westphalen. Elberfeld 1870, Bd. I. S. 54. Diese Vermutung ist nach Opladen jedoch nicht haltbar, da bereits im 15. Jahrhundert Gezelinverehrungen überliefert seien. Außerdem habe er den Stein falsch gelesen und daher missinterpretiert.Vgl. Opladen 1952, S. 84 f. und den Abschnitt Gezelinquelle

Auch das Todesjahr des Gezelinus ist unklar; Leonhard KorthVgl. Leonhard Korth: „Die Patrozinien der Kirchen und Kapellen im Erzbistum Köln“, Düsseldorf 1904 datiert sein Sterben auf das Jahr 1137, Opladen hält das für eine Verwechslung mit einem anderen Einsiedler namens Scheletzo von Luxemburg. Auf einer 1,97 Meter langen und 0,67 Meter breiten Grabplatte in Altenberg ist als Datum der 29. Juli ohne Todesjahr angegeben. Dieses Grab fand sich bei Wiederherstellungsarbeiten am Altenberger Dom um 1900. Ehemals lag dieses Grab unter freiem Himmel und ist nicht im Laufe der Jahrhunderte zufällig dorthin geraten, sondern mit Bruchsteinen ummauert. Er zeigt ein Kreuz mit verdickten Enden und ruht auf einem viereckigen Sockelstein. Die Inschrift lautet exakt: „A II K(A)L(ENDAS) AVG(VSTI). O(BIIT) GOZELIN(VS)“, übersetzt: Am 29. Juli starb Gozelin. Zeitlich lässt sich diese Grabplatte wegen ihrer Stilistika in einen Zeitraum von 1150 bis 1180 einordnen. Warum jedoch dieses Grab, das eindeutig einem Angehörigen des Klosters zuzuordnen ist, beim Neubau im Jahre 1255 unberührt gelassen worden ist und auch die Frage, warum einige andere Überlieferungen eindeutig sagen, dem Wunsch des Gezelinus, in Schlebuschrath bestattet zu werden, sei stattgegeben worden, konnten nicht eindeutig geklärt werden. Möglich ist auch, dass Gozelinus eine andere Person, beispielsweise ein Würdenträger (Prior), war; doch ein solcher findet sich nicht im Memorienregister der Abtei. Eine Mitgliedschaft von Gezelin in der Abtei Altenberg lässt sich urkundlich nicht belegen.Vgl. Opladen, S. 86 f.Hans Mosler: Die Cistercienserabtei Altenberg. (= Germania Sacra; Neue Folge 2.) Walter de Gruyter & Co., Berlin 1965. Digitalisat, S. 89. Das Grab, das in Schlebuschrath verehrt wurde, wo er der Legende nach auf sein Bitten hin beerdigt worden ist, wurde durch einen kleinen Anbau eines Seitenchores in den Kirchenraum miteinbezogen. Für die Beerdigung des Gezelinus dort spricht der Fund eines Sarkophags, der als Kultgrab gewertet wird.Helmes in Rheinisches Landesmuseum Bonn 1976, S. 81 und Stadtarchiv (Hg.) 2005, S. 54

Legende Gezelinus von Schlebusch soll der Legende nach im Herzogtum Burgund geboren sein. Aufgrund seines Bestrebens, „allen Reichtum und alle Ehren aus Liebe zu Christus [zu] verlassen“, sei er schon in der Jugend in das Kloster der Zisterzienser als Konverse oder Laienbruder eingetreten, wo er sein Bestreben in die Tat umgesetzt haben soll. Bald sei er nach Altenberg in das Zisterzienserkloster geschickt worden, wo ihm die Aufgabe des Schafhirten zugeteilt worden sei. So sei er auf das Gut Alkenrath nahe der Pfarrkirche zu Schlebuschrath gekommen, wo er seine Aufgabe mit solcher Demut ausgeführt habe, dass er dafür bekannt wurde und durch den Zisterzienservater einen Habit verliehen bekommen haben soll. Wunder seien geschehen und viele Menschen seien zu ihm gekommen, weil sie auf seine mächtige Fürbitte bei Gott vertraut hätten. Zu den Wundern gehört, dass Gezelinus der Legende nach eine Quelle geschaffen haben soll, indem er seinen Hirtenstab in den Boden stieß und ein Gebet sprach, als er von Menschen in einer lang andauernden Dürreperiode darum gebeten wurde. Dieses Wasser habe lindernde und heilende Wirkung gehabt. Vor seinem Tod soll er darum gebeten haben, unter der Dachtraufe der Kirche zu Schlebuschrath beerdigt zu werden, damit das Wasser ihn auch nach seinem Tode noch von seinen Sünden reinigen sollte.Legende nach Hölzer 1991, S. 28 f.

Kult mini|Gezelinkapelle um 1864 Die Legende und der Beginn der Verehrung des durch Legende überlieferten Lebens des Gezelini ist schwer datierbar. Im Dialogus miraculorum von Caesarius von Heisterbach aus dem Jahre 1220 taucht er noch nicht auf, erstmals erwähnt wird eine Form der Gezelinkultförderung in einer nicht urkundlich belegten Überlieferung. Diese besagt, dass es eine Kapelle über der Gezelinquelle gegeben habe, die von Spendenopfern errichtet worden ist.Vgl. Hölzer 1991, S. 24 Diese muss jedoch zerstört worden sein.

Im Jahre 1619 ging Schloss Morsbroich an den Deutschen Orden über, der infolgedessen für rund 200 Jahre Einfluss auf die gesamte Region Schlebusch hatte und dadurch auch den Gezelinkult prägte. Landkomtur Heinrich von Reuschenberg, der von 1662 bis 1671 auf Morsbroich residierte, förderte den Gezelinkult durch den Wiederaufbau der Gezelinkapelle. Es ist in einem Ordensvisitationsprotokoll vom 15. September 1668 überliefert: „…noch eine neue Capel, so der Herr Landcomtur anno 59 erbaut in honorem Sti. Giselini, woselbsten unter dem Altar ein Heylbrunnen entspringet und viele Leuth miraculose sollen durch dieses Wasser curiert worden sein“.Lt. Hölzer 1991, S. 24 zitiert nach Kaltenbach: Heimatkundliche Aufsätze in der Kirchenzeitung für das Erzbistum Köln 1955, Privatsammlung Auch der Pastor Johann Franz Platt zu Schlebuschrath liefert 1664 einen Nachweis für den Gezelinkult und berichtet „daß vor kurzem die Kapelle des h. Gyselin, die wegen der wunderbaren in ihr vorhandenen Heilquelle viel von Pilgern und Bewohnern des bergischen Landes besucht werde, durch die Freigiebigkeit des Provinzial des Deutschen Ordens Heinrich von Reuschenberg wiederhergestellt worden sei.“Hölzer 1991, S. 24 Um 1810 wurde der Gezelinuskult in die Pfarrkirche zu Schlebusch verlegt, weil durch die Ausschreitungen um die Gezelinoktav der religiöse Kult beeinträchtigt wurde.

Die jährlich stattfindende Gezelinoktav, eine achttägige Festwoche mit Wallfahrten und Pilgergottesdiensten sowie weitere Veranstaltungen innerhalb des Pfarrverbandes, beginnen am Sonntag nach Fronleichnam mit einem Festhochamt unter freiem Himmel auf einer Wiese unmittelbar neben der Kapelle. Sie gehen auf eine besonders im 18. Jahrhundert im Bereich der Niederwupper populäre Wallfahrt zurück.

Im 18. Jahrhundert finden sich auch weitere Aufzeichnungen über den Gezelinkult. Pastor Johann Heimbach, der zwischen 1694 und 1746 zu Schlebuschrath tätig war, schreibt in einem Bericht für die Bollandisten, dass sich das Grab des Gezelinus in der Pfarrkirche zu Schlebuschrath befinde, und schreibt von Pilgern, die durch Berührung des Leibes Heilung erfahren hätten. Er stellt außerdem ein Bild Gezelini, das ihn als Zisterziensermönch zeigt, dar und dass dieses durch die Schlebuscher Bürger in hohen Ehren gehalten worden sei. Ferner nennt er einen Altar zu Ehren von Gezelin.Vgl. Opladen 1952, S. 84

Landkomtur Jobst Moritz Freiherr von Droste zu Senden förderte, wie schon seine Vorgänger, die auf Morsbroich residierten, den Kult stark. Er eröffnete einen Jahrmarkt zur Gezelinfeier und gab außerdem 1729 ein Pilgerbüchlein heraus. Es trug den Titel:

und enthält die Gezelinuslegende, Andachten, Passionslieder und ein Lied zu Gezelin.Titel zitiert nach Hölzer 1991, Z. 26; Exemplar des Pilgerbüchleins im Pfarrarchiv der Gemeinde St. Andreas Von Droste lud außerdem auch Pastoren zum Gezelinfeiertag ein, um eine Gezelinus-Andacht zu halten, von denen eine vollständig überliefert ist. Außerdem wird eindeutig berichtet, dass viele Pilger in die Kapelle zur Quelle kamen, sowohl aus der Deutsch-Ordens-Commende in Köln, als auch von benachbarten evangelischen Ortschaften. Damit blühte der Gezelinuskult zu dieser Zeit. Der Gottesdienst in der Kapelle wurde von Kölner Franziskanern gehalten, die währenddessen auf Morsbroich wohnten, was wiederum für eine starke Förderung des Gezelinuskultes durch den Deutschen Orden spricht.Vgl. Hölzer 1991, S. 26 f.

Gezelinquelle Die laut Legende von Gezelinus geschaffene Quelle wird noch heute als Gezelinquelle bezeichnet und gehört zum Leverkusener Stadtteil Alkenrath.