mini|Logo der mairie des 10. Arrondissements mini|hochkant|Rathaus des 10. Arrondissements mini|Plan des 10. Arrondissements mini|Viertel im 10. Arrondissement Das 10. Pariser Arrondissement, das Arrondissement de l’Entrepôt, ist eines von 20 Pariser Arrondissements. Es liegt am nordöstlichen Rand des historischen Zentrums. Seine Struktur wird vor allem von den beiden Bahnhöfen Gare de l’Est und Gare du Nord sowie dem das Arrondissement quer passierenden Canal Saint-Martin bestimmt. Seine Erschließung erfolgte vor allem im 19. Jahrhundert; heute ist es ein stark multikulturell geprägter Bezirk mit Quartieren unterschiedlichen Charakters und Zuschnitts.
Geographische Lage Das 10. Arrondissement liegt auf dem rechten Seineufer. Es grenzt im Südosten an das 11. Arrondissement, im Osten an das 19. Arrondissement im Süden an das 3., im Westen an das 9. und im Norden an das 18. Arrondissement. Im Uhrzeigersinn umfasst wird es – vom Place de la République an seiner südlichen flachen Spitze nach Westen hin ausgehend – von Boulevard Saint-Martin und Boulevard de Bonne Nouvelle, an seiner Westseite von der Rue du Faubourg Poissonnière, an seiner Nordseite vom Boulevard de la Chapelle und an seiner Ostseite vom Boulevard de la Villette. Begrenzung von der Südostecke bis zum Place de la Republique ist die Rue du Faubourg du Temple.Siehe Umriss des Arrondissements bei Google Maps; aufgerufen am 10. Februar 2025
Markante Punkte innerhalb des Bezirks sind vor allem die beiden Bahnhöfe Gare de l’Est und Gare du Nord. Für den Schienenverkehr in Richtung Nord und Nordost zuständig, nehmen sie mit ihren Gleisanlagen das Gros der nördlichen Arrondissementhälfte in Beschlag. Die südöstliche Ecke wird vom Canal Saint-Martin vom Rest des Bezirks abgetrennt. Kommend vom Bassin de la Villette, quert er das Arrondissement als offen darliegender Kanal, bevor er – kurz vor seiner Querung der Rue du Faubourg de Temple – in überbauter Form weiterverläuft. Zentrale Straßen sind die Boulevard de Magenta (in Nord-Süd-Richtung) und die Rue La Fayette (in West-Ost-Richtung).
Eine historisch bedeutsame Rolle im Westteil des Arrondissements hat die Rue du Faubourg Saint-Denis – die nach Norden hin fortgesetzte Rue Saint-Denis. Die von beiden Straßen gebildete Achse verläuft linksseitig parallel zum Boulevard de Sébastopol beziehungsweise dessen zum Gare de l’Est führende Fortsetzung Boulevard de Strasbourg. Auf der rechten Seite werden die beiden Boulevards flankiert von der Achse Rue Saint-Martin und – innerhalb der Arrondissementgrenzen – der Rue du Faubourg Saint-Martin. In letzterer befindet sich auch das Rathaus des Bezirks. Weitere markante Punkte sind die beiden Pforten Porte Saint-Denis und Porte Saint-Martin an der Südflanke des Bezirks sowie die großen Metro-Umsteigestationen Barbès – Rochechouart in der Nordwest- sowie nahe des Bassin de la Villette in der Nordostecke (Stalingrad und Jaurès).
Die Topografie des Bezirks verläuft speziell in seinen nördlichen Bereichen leicht ansteigend – allerdings nicht so deutlich und stetig wie im westlich gelegenen, auf die Höhen von Montmartre hinführenden 9. Arrondissement. Die vier Quartiere weisen eine unterschiedliche Prägung auf. Die Urbanisierung der beiden südlich gelegenen – Quartier de la Porte-Saint-Denis und Quartier de la Porte-Saint-Martin – begann bereits im 18. Jahrhundert. Strukturell sind sie von Altbauten sowie nachbarschaftlich orientierter Dienstleistungswirtschaft geprägt.Wohnen in Paris: Labor für neue Lebensformen, Stefanie von Wietersheim, faz.net, 22. April 2016, aufgerufen am 8. Februar 2025 (Paywall) Mit einer vorwiegend gründerzeitlichen Bebauung warten auch die beiden Quartiere im Norden und Osten auf. Das im Norden gelegene Quartier Saint-Vincent-de-Paul beinhaltet die beiden großen Bahnhöfe, das den Osten des Arrondissements einnehmende Quartier de l’Hôpital Saint-Louis das gleichnamige Krankenhaus.
Geschichte Bis weit ins Mittelalter hinein gehörte Gebiet des heutigen 10. Arrondissements zum ländlichen Umland außerhalb der Stadt, deren Siedlungskern sich damals auf die Île de la Cité sowie deren nähere Umgebung auf dem linken und rechten Seineufer beschränkte.Paris im Mittelalter, leben-im-mittelalter.net, aufgerufen am 10. Februar 2025 Die fruchtbaren Böden und die Nähe zu wichtigen Straßenverbindungen prädestinierten es für landwirtschaftliche Nutzung, die Begründung von Klöstern und später für die ersten Vorstädte (Faubourgs). Auch die Entfernung war überschaubar: Sowohl zum Stadtkern als auch zu dem auf dem Butte Montmartre präsenten Kloster betrug die Luftlinienentfernung rund zwei Kilometer.Gemäß mit Seiten-Tool vorgenommenen Luftlinienmessungen bei Google Maps; aufgerufen am 10. Februar 2025 Ein frühes Monument dieser frühen Besiedlungsphase ist die Kirche Saint-Laurent: In ihrer heutigen Form wurde sie zwar erst im Spätmittelalter errichtet. Zuvor befand sich auf ihren Gebiet jedoch ein Kloster, welches auf die merowingische Zeit zurückgeht und im Zug der Wikingerüberfälle zerstört wurde.Église Saint-Laurent, nachparis.de, aufgerufen am 10. Februar 2025
Mit dem Bau der Stadtmauer von Philipp-August gegen Ende des 12. Jahrhunderts wurde das Zentrum der Stadt klar von den umliegenden Gebieten abgegrenzt. Das heutige 10. Arrondissement blieb größtenteils außerhalb dieser Befestigungslinie und begann eine Funktion als Vorstadt („faubourg“) zu übernehmen.Siehe Grafik des Verlaufs der Stadtmauer von Philipp-August auf Wall of Philip II Augustus Die Faubourgs Saint-Denis und Saint-Martin entstanden als Siedlungen entlang der wichtigen Straßen nach Norden, die durch die beiden gleichnamigen Stadttore führten. Diese Achsen – nach Norden ausgerichtet und von den beiden Verlängerungsstraßen Rue de Faubourg Saint-Denis und Rue du Faubourg Saint-Martin gebildet – entwickelten sich rasch zu wirtschaftlich bedeutenden Handels- und Handwerkszonen.Siehe Ausbreitung der Besiedlung von Paris in den Karten Atlas curieux, Nicolas de Fer (circa 800), Atlas curieux (circa 1300), Sixième plan de la ville de Paris (1589) und Nouveau plan de la ville et faubourgs de Paris (1775)
Ein dritter Vorstadt-Ansiedlungspunkt bildete sich im Spätmittelalter heraus: der im Südosten des heutigen Bezirks gelegene, ins 11. Arrondissement hineinreichende Faubourg du Temple entlang der gleichnamigen Straße. Der Temple-Faubourg war als Exklave der alten Templer-Siedlung (3. Arrondissement) entstanden – einer Kommende des Tempelritter-Ordens, die – aufgrund von Konflikten mit der monarchistischen Zentralgewalt – im 14. Jahrhundert zwangsweise aufgelöst worden war.Die Ritter des Tempels, parismarais.com, aufgerufen am 10. Februar 2025 In seiner Peripherie entstand 1607 das – bis heute als Krankenhaus genutzte – Pestkranken-Sanatorium Hôpital Saint-Louis. Eine ähnlichen Zwecken dienende Einrichtung war das Hôpital Saint-Lazare – eine Leprakranken-Station, die 1632 von dem in der Armenfürsorge tätigen Priester Vincent de Paul gegründet worden war und nach der Französischen Revolution nacheinander als psychiatrische Anstalt, Arbeitshaus sowie Haftanstalt für Frauen fungierte.Frédéric Lavignette: Histoires d’une vengeance – L’Affaire Liabeuf, Fage éditions, Lyon 2011, ISBN 978-2-84975-205-0, S. 95 ff. (französisch)
mini|Hôpital Saint-Louis. Stich von 1608 mini|Métro-Zugunglück 1903. Zeichnung aus L'Actualité mini|Frauengefängnis Saint-Lazare. Foto der Pariser Polizeidirektion, 1911 mini|Porte Saint-Martin bei Nacht Unmittelbarer in das Gefüge von Paris eingegliedert wurden die in seiner nördlich bis nordöstlichen Peripherie gelegenen Vorstädte durch den Bau einer neuen Stadtmauer – den ab Ende des 16. Jahrhunderts in Angriff genommenen Befestigungsanlagen Ludwigs XIII. Die zunehmende Einbeziehung in die Stadt führte zu einer baulichen Ausdifferenzierung innerhalb des heutigen 10. Arrondissements: Während der westliche Teil um die Faubourgs Saint-Denis und Saint-Martin durch ältere, oft kleinteilige Bebauung geprägt blieb sowie die Textilproduktion, die hier einen innerstädtischen Schwerpunkt hatte, erfuhr der östliche Teil im Zuge der Industrialisierung und städtischen Expansion eine andere, oft großflächigere Entwicklung.
Mit dem Bau des Canal Saint-Martin zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde ein bedeutendes Infrastrukturelement geschaffen, welches den Warentransport innerhalb der Stadt auf eine neue Grundlage stellte. Die Errichtung der Bahnhöfe Gare du Nord (1846) und Gare de l’Est (1849) verstärkte die Rolle des heutigen Bezirksgebiets als Verkehrsknotenpunkt sowie wirtschaftliches Zentrum. Die Nähe zu den Bahnhöfen machte das Viertel zu einem Anziehungspunkt für Händler, Handwerker sowie industrielle Betriebe, die sich vor allem entlang des Kanals niederließen.Am Canal Saint-Martin von Paris, Hilke Maunder, meinfrankreich.com, aufgerufen am 10. Februar 2025
Eine deutliche Strukturierung erfuhr das Gebiet auch im Zug der Haussmann’schen Stadterneuerungsmaßnahmen. Zu einer neuen zentralen Achse avancierte der Boulevard de Strasbourg – die Verlängerung des zwischen Rue Saint-Denis / Rue de Faubourg Saint-Denis und Rue Saint-Martin / Rue de Faubourg Saint-Martin gebauten Boulevard de Sébastopol. Eine weitere neue Durchstich-Straße war der Boulevard de Magenta.Und er erschuf Paris, Stefan Ulrich, Süddeutsche Zeitung, 16. Juni 2017, aufgerufen am 10. Februar 2025 Er führte westlich an den beiden Bahnhöfen vorbei und auf den Place de la Republique zu – ein markanter Platz, auf dem früher die Porte du Temple stand und dem 1882 seine heutige Bedeutung zugewiesen wurde.
Der Bau der Thiersschen Stadtbefestigung 1840–44 sowie die neuen Pariser Stadtgrenzen von 1860 brachten den Prozess der Integration ins Stadtgefüge zum Abschluss. Das neugegründete 10. Arrondissement wurde zusammengesetzt aus Teilen des alten Montmartre-Bezirks sowie Teilen der alten Bezirke Porte Saint-Denis und Porte Saint-Martin. Die Südflanke des neuen Bezirks bildete nunmehr der östliche Teil der unter Ludwig XIV. errichteten Grands Boulevards mit den beiden Pforten Saint-Denis und Saint-Martin sowie deren Verlängerung nach Osten, die Rue du Faubourg du Temple. Im Norden grenzte der neue Bezirk an die neugeschaffenen Bezirke Montmartre und La Villette.Siehe Grafik mit alter Arrondissement-Aufteilung bis 1860 Plan des anciens arrondissements de Paris avec leurs quartiers
Industrialisierung und Urbanisierung prägten das optische Erscheinungsbild einiger Straßenzüge stark. Die Verkehrsführung des Boulevard de la Chapelle am nördlichen Bezirksrand wurde durch die – hier als Hochbahn geführte – Linienführung der Métrolinie 2 in zwei Hälften aufgeteilt. Das spektakuläre Métro-Unglück im Bahnhof von Couronnes 1903 mit 84 Toten ereignete sich zwar im benachbarten 11. Arrondissement. Initiierender Vorfall war allerdings ein Kabel-Schwelbrand auf dem Terrain der Station Boulevard Barbès (heute: Barbès – Rochechouart). Die nur wenige Jahre nach Inbetriebnahme der Pariser Metro stattfindende Katastrophe führte in der Folge zu einigen technischen Modifikationen, in deren Zug die Stromversorgung der einzelnen Métro-Züge dezentraler gestaltet wurde.Couronnes Métro Disaster 1903, Soundlandscapes' Blog, 3. November 2012 (englisch) und U-Bahn-Unfall vom 10. August 1903 in Paris, loquis.com; beide aufgerufen am 10. Februar 2025