Das Lesben-Frühlings-Treffen (LFT) ist das größte und bekannteste nichtkommerzielle Treffen von Lesben in Deutschland und Europa. Die Besucherinnen des Treffens kommen überwiegend aus deutschsprachigen Ländern. Die jährlich am Pfingstwochenende stattfindende mehrtägige Veranstaltung wird regelmäßig von mehreren Hundert Lesben besucht, die z. T. sehr verschiedene, durchaus kontrovers diskutierte Ansichten haben. Während des dreitägigen Treffens finden außer vielen Workshops mehrere Plena und verschiedenartige kulturelle Abendveranstaltungen statt. Organisiert wird die Veranstaltung durch lokale Vereine, die vom Verein Lesbenfrühling unterstützt werden.
Geschichte 1972 trafen sich erstmals Lesben und Schwule beim Pfingsttreffen der Homosexuellen Aktion Westberlin (HAW).Gabriele Dennert, Christiane Leidinger, Franziska Rauchut: Lesben in Wut. Lesbenbewegung in der BRD der 70er Jahre. In: Gabriele Dennert, Christiane Leidinger, Franziska Rauchut (Hrsg.): In Bewegung bleiben. 100 Jahre Politik, Kultur und Geschichte von Lesben. Querverlag, Berlin 2007, ISBN 978-3-89656-148-0, S. 241–243. Es nahmen rund 200 Männer in organisierten Gruppen und rund 30 Frauen teil. 1973 richtete zwar noch die HAW das Pfingsttreffen für Schwule und Lesben aus, jedoch waren diese nun zum großen Teil nach Geschlechtern getrennt organisiert. Ab 1974 organisierte die Frauengruppe in der HAW das erste Lesben-Pfingsttreffen. 1975 ging aus der HAW-Frauengruppe das Lesbische Aktionszentrum (LAZ) hervor, das bis 1978 das Lesben-Pfingsttreffen in Berlin organisierte. Seit 1979 wird das Treffen an wechselnden Orten veranstaltet. 1992 in Bremen wurde das Lesben-Pfingsttreffen in Lesben-Frühling – später dann in Lesben-Frühlings-Treffen – umbenannt, da die Bezeichnung Pfingsttreffen nicht-christliche Lesben diskriminierte.Ange Hehsling, Paula Taube: Das „Lesbenfrühlingstreffen“. Von den Anfängen als „internationales Pfingsttreffen“ 1972 zum „Lesbenpfingsttreffen“ bis heute. In: Gabriele Dennert, Christiane Leidinger, Franziska Rauchut (Hrsg.): In Bewegung bleiben. 100 Jahre Politik, Kultur und Geschichte von Lesben. Querverlag, Berlin 2007, ISBN 978-3-89656-148-0, S. 244–245.
Organisation Als autonome Lesben-Veranstaltung wird das Treffen von örtlichen und regionalen Lesbengruppen ausgerichtet, es findet also jedes Jahr an einem anderen Ort statt. Zur Unterstützung der lokalen Organisationsteams, um Erfahrungen weiterzugeben, Hilfe bei der Finanzierung zu bieten und um die Treffen zu dokumentieren wurde im Vorfeld des LFT 2000 in Bochum der Verein Lesbenfrühling e. V. gegründet, der seine Mitfrauenversammlung jeweils beim LFT abhält. Ein Grundsatz des LFT lautet: „Allen interessierten Lesben soll die Teilnahme ermöglicht werden. Explizit ausgeschlossen sind Frauen, die sexuelle Gewalt gegen Mädchen propagieren und Faschistinnen.“
Beim Lesben-Frühlings-Treffen finden Gruppenveranstaltungen, Plenen, eine Demonstration und/oder Kundgebung und ein Abendprogramm mit Festen und Kulturveranstaltungen statt. Außerdem stehen Verpflegungs- und Verkaufsstände sowie Ruheräume zur Verfügung. Die Preise der Dauerkarten sind i. d. R. nach Einkommen gestaffelt.
Für die Vorbereitung und Organisation ist jeweils eine wechselnde Gruppe verantwortlich, die sich an den festgelegten Beschlüssen der vorangegangenen Mitgliedsversammlungen orientiert und sonst freie Gestaltungsmöglichkeiten hat. Dadurch entsteht jedes Jahr eine inhaltlich und Schwerpunktmäßig wechselnd ausgerichtete Veranstaltung. Die jeweiligen Ortsgruppen wählen ein Motto aus, das oft an aktuelle politische Geschehnisse angelehnt ist.
Barrierefreiheit
Auf weitgehende Barrierefreiheit wird bei den Treffen auf der Grundlage eines Plenumsbeschlusses großen Wert gelegt. Im Einzelnen bedeutet dies, dass das ehrenamtliche Organisationsteam eine Arbeitsgruppe einrichtet, welche insbesondere folgende Aspekte bestmöglich sicherstellt: Die Website mit Informationen zum Treffen ist gemäß den WCAG-Kriterien aufgebaut. Die Gebäude sind für Rollstuhlfahrerinnen erreichbar und nutzbar, inklusive der sanitären Anlagen und Übernachtungsmöglichkeiten. Veranstaltungen werden für gehörlose Lesben in Gebärdensprache gedolmetscht. Das vor Ort erhältliche Programmheft ist für Sehgeschädigte lesbar. Mobilität für behinderte Besucherinnen zwischen den Veranstaltungsorten ist realisierbar. Der Assistenzbedarf für behinderte Besucherinnen kann realisiert werden.
Erstmals für das LFT 2012 in Nürnberg wurde der Antrag auf finanzielle Unterstützung für die Gewährleistung von Barrierefreiheit vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) abschlägig beschieden.
Veranstaltungsorte und -themen JahrOrtMotto1973WestberlinDie Unterdrückung der Frau als primäre Gemeinsamkeit. Von der Vereinzelung zur Organisierung1974 WestberlinIst Feminismus die Theorie und Lesbischsein die Praxis?1975 Westberlin 1976 Westberlin 1977 Westberlin 1978 Westberlin 1979 Münster 1980 Spielberg bei Karlsruhe 1981 Westberlin Lesbenwende – Lesbenwände – Lesbenende?1982 ausgefallen 1983 Osnabrück 1984 ausgefallen 1985 Hamburg 1986 München Lust auf München – Lesbenglühn1987 Hamburg Mehr Biß in die Bewegung1988 Münster Power in der Provinz1989 Frankfurt am Main 1990 Tübingen Leidenschaftlich leben1991 Mönchengladbach Lesbisch – na und?1992 Bremen Konsequent un-einig – laute(r) Lesben1993 Freiburg Nieder mit den Mauern – Grenzenlos lesbisch?1994 Heidelberg Lesbisch, eigensinnig, vielfältig1995 Hamburg Coming home – agree to differ1996 MünchenUnd sie bewegt sich doch!1997 StuttgartKommerz & Solidarität1998 FreiburgLesben und Lesben lassen1999 KölnDas ist doch der Gipfel!2000 Bochum-QuerenburgAlles queer oder was?2001 RostockOst-West – (k)ein Thema unter Lesben2002 HannoverTüren öffnen2003 MünchenMach’s Dir lesbisch2004 GießenMittendrin und voll daneben2005 BerlinDenken – Reden – Fühlen – Handeln!2006 LeipzigVielfalt auf großer Flamme2007 MarburgUnendliche Weiten – nichts ohne Widerspruch – willkommen im lesbenswerten Raum2008 DresdenUmarmt von Europa – Lesben überall2009 KölnLesben in R(h)einkultur – alles im Fluß?2010 HamburgLesben Leinen Los2011 RostockRund um die Ostsee2012 NürnbergLesbenrechte sind Menschenrechte sind Lesbenrechte2013 München… zeitlos lesbisch – wie lebst du?2014 BerlinZusammen2015 ausgefallen2016 BremenAnders, aber wie!?2017 KielLesben Ahoi! – anders anlegen2018 GöttingenLesben, hört die Signale!2019 KölnDas L*FT 2019 schaut in die Sterne!2020 HeidelbergCome Out and Kiss (pandemiebedingt abgesagt)2021 BremenLesbenfrühling – rising to the roots (virtuell)2022 ausgefallen2023 ausgefallen2024 Berlin - BrandenburgBewegung
Literatur Ange Hehsling, Paula Taube: Das „Lesbenfrühlingstreffen“. Von den Anfängen als „internationales Pfingsttreffen“ 1972 zum „Lesbenpfingsttreffen“ bis heute. In: Gabriele Dennert, Christiane Leidinger, Franziska Rauchut (Hrsg.): In Bewegung bleiben. 100 Jahre Politik, Kultur und Geschichte von Lesben. Querverlag, Berlin 2007, ISBN 978-3-89656-148-0, S. 241–243.
Dokumentation Vierzig plus zwei. Vierzig Jahre Lesben-Frühlings-Treffen. Dokumentarfilm, Deutschland 2014, 112 Min., Buch, Regie und Produktion: Kathrin Schultz
Weblinks LesbenFrühling e. V. – Website des Dachverbandes Artikel aus Neues Deutschland zum LFT 2001 (unter 'Presse') Website des virtuellen LFT 2021 in Bremen
Einzelnachweise
Kategorie:Tagung Kategorie:LGBT-Veranstaltung in Deutschland