Michael Tschesno-Hell (* 17. Februar 1902 in Wilna, Russisches Kaiserreich; † 24. Februar 1980 in Ost-Berlin) war ein deutscher Drehbuchautor und Kulturfunktionär der DDR.
Leben Michael Tschesno-Hell stammte aus einer verarmten jüdischen Kleinbürgerfamilie in Wilna, der Hauptstadt des russischen Gouvernements Wilna.Michael Tschesno-Hell Kalliope; der Vatersname Nohimovič und der Geburtsort Wilna, sowie die Emigration 1933 weisen auf eine wahrscheinliche jüdische Herkunft, vgl. Archiv von Günter Peter Straschek, mit dieser Namensform Der Vater hieß wahrscheinlich Noah. Die Familie emigrierte nach dem Ersten Weltkrieg nach Deutschland. Schon in der Jugend schloss sich Tschesno-Hell kommunistischen Verbänden an. Später studierte er Jura an den Universitäten in Jena und Leipzig und trat als Werkstudent 1922 der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) bei. Während der Weimarer Republik arbeitete Tschesno-Hell für verschiedene kommunistische Zeitungen, war als Übersetzer sowie als Fabrik- und Landarbeiter tätig.
Das seinem Namen hinzugefügte Pseudonym Tschesno spielte auf das russische Wort tschestno (,ehrlich‘) an. Seit Anfang der 1930er Jahre war er für den sowjetischen Militär-Nachrichtendienst GRU unter den Decknamen Mischa und Swetly (russisch: ,Hell‘) tätig. Er veröffentlichte unter dem Pseudonym Michael Swetly und verwendete außerdem die Namen Mischa Tschesno und Alexander Chesnow.
Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten floh er mit seiner Ehefrau nach Frankreich, wo er im Mai 1940 zusammen mit Peter Gingold und Stephan Hermlin (damals noch Rolf Leder) nach der vorhergegangenen Internierung im Buffalo-Stadion bei Paris ins Internierungslager Camp de la Braconne eingeliefert wurde. Gingold und er wurden Ende Mai/Anfang Juni 1940 als Prestataire dienstverpflichtet und in das Internierungslager Langlade verlegt.Peter Gingold: Paris – Boulevard St. Martin No. 11. Ein jüdischer Antifaschist und Kommunist in der Résistance und der Bundesrepublik, PapyRossa Verlag, Köln 2009, ISBN 978-3-89438-407-4, S. 63–67
Gingold wurde im September 1940 aus dem Lager entlassen, und Tschesno-Hell konnte 1942 zusammen mit seiner Familie in die Schweiz flüchten, wo er bis 1945 lebte. Hier wurde er gemeinsam mit Stephan Hermlin und Hans Mayer Herausgeber der Schrift Über die Grenzen. Zum Kriegsende ging er in die Sowjetische Besatzungszone, wo er 1945 als Vizepräsident der Zentralverwaltung für Umsiedler eingesetzt wurde. 1947 wurde Hell zum Leiter des neu gegründeten Verlag Volk und Welt in Ostberlin berufen, den er selbst mitgegründet hatte. Seit 1950 war Hell, der seit 1946 der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) angehörte, als Schriftsteller und Drehbuchautor tätig und wohnte auch in der sogenannten „Intelligenzsiedlung“ in Berlin-Schönholz, zu der auch die Straße 201 gehört.https://www.max-lingner-stiftung.de/intelligenzsiedlung Grundhaltung der Werke Tschesno-Hells war dabei die Glorifizierung der Sowjetunion und der Roten Armee sowie die Heroisierung der kommunistischen Bewegung und von Funktionären der KPD wie Karl Liebknecht und Ernst Thälmann.
Zwischen 1967 und 1972 war Tschesno-Hell Präsident des Verbandes der Film- und Fernsehschaffenden der DDR. Er gehörte dem Vorstand des Schriftstellerverbandes der DDR an. Tschesno-Hell war Träger zahlreicher hoher staatlicher Auszeichnungen.
Bis etwa 1950 war er mit Rita Tschesno verheiratet. Von 1951 bis 1954 war er mit der Illustratorin Ingeborg Meyer-Rey verheiratet. Mit seiner langjährigen Ehefrau Ursula Tschesno-Hell schrieb er gemeinsam an Drehbüchern, darunter Die Mutter und das Schweigen.
Seine Urne wurde in der Gräberanlage Pergolenweg des Berliner Zentralfriedhofs Friedrichsfelde beigesetzt.
Sein schriftlicher Nachlass befindet sich im Archiv der Akademie der Künste in Berlin.Michael-Teschesno-Hell-Archiv Bestandsübersicht auf den Webseiten der Akademie der Künste in Berlin.
Drehbücher und Szenarios 1954: Ernst Thälmann – Sohn seiner Klasse 1955: Ernst Thälmann – Führer seiner Klasse 1956: Der Hauptmann von Köln 1965: Die Mutter und das Schweigen, mit Ursula Tschesno-Hell 1965: Solange Leben in mir ist 1969: Der Maler mit dem Stern 1972: Trotz alledem!
Auszeichnungen 1954: Nationalpreis der DDR I. Klasse für Ernst Thälmann – Sohn seiner Klasse im Kollektiv 1954: Thälmann-Medaille 1957: Nationalpreis der DDR II. Klasse für Der Hauptmann von Köln im Kollektiv 1958: Medaille für Kämpfer gegen den Faschismus 1933 bis 1945 1959: Vaterländischer Verdienstorden in Bronze 1962: Banner der Arbeit 1965: Ehrennadel der Gesellschaft für Deutsch-Sowjetische Freundschaft in Gold 1966: Nationalpreis der DDR II. Klasse für Die Mutter und das Schweigen mit Erika Dunkelmann 1966: Goldener Lorbeer des Deutschen Fernsehfunks für Die Mutter und das Schweigen, zusammen mit Ursula Tschesno-HellNeues Deutschland vom 5. März 1966, S. 4 Artikelanfang 1966: Nationalpreis der DDR II. Klasse für Solange Leben in mir ist im Kollektiv 1966: Johannes-R.-Becher-Medaille 1969: Vaterländischer Verdienstorden in Gold 1972: Kunstpreis des FDGB für Trotz alledem! mit Jürgen Brauer und Günter Reisch 1972; Stern der Völkerfreundschaft 1977: Karl-Marx-Orden 1979: Goethepreis der Stadt Berlin
Literatur Michael Tschesno-Hell: Russland antwortet. Ein Reisebericht. Tägliche Rundschau/Kultur und Fortschritt, Berlin 1949.
Ralph Hammerthaler: Der Bolschewist. Michael Tschesno-Hell und seine DEFA-Filme, Schriftenreihe der DEFA-Stiftung, Bertz + Fischer Verlag, Berlin 2016. Tschesno-Hell, Michael, in: Werner Röder, Herbert A. Strauss (Hrsg.): Biographisches Handbuch der deutschsprachigen Emigration nach 1933. Band 1: Politik, Wirtschaft, Öffentliches Leben. München : Saur 1980, S. 769 Tschesno-Hell, Michael. In: Ernst Fischer: Verleger, Buchhändler & Antiquare aus Deutschland und Österreich in der Emigration nach 1933: Ein biographisches Handbuch. 2. Auflage. Berlin : De Gruyter, 2020, S. 522f.
Weblinks
Nachlass Bundesarchiv NY 4219 Michael Tschesno-Hell Bundesarchiv, Nachlassdatenbank
Einzelnachweise
Kategorie:Autor Kategorie:Mitglied der Akademie der Künste (DDR) Kategorie:Träger des Vaterländischen Verdienstordens in Gold Kategorie:Träger des Banners der Arbeit Kategorie:Träger des Nationalpreises der DDR I. Klasse für Kunst und Literatur Kategorie:Träger des Karl-Marx-Ordens Kategorie:Träger des Goethepreises der Stadt Berlin Kategorie:Träger des Sterns der Völkerfreundschaft Kategorie:Russischer Emigrant in Deutschland Kategorie:Emigrant aus dem Deutschen Reich zur Zeit des Nationalsozialismus Kategorie:KPD-Mitglied Kategorie:SED-Mitglied Kategorie:DDR-Bürger Kategorie:Pseudonym Kategorie:Verleger (20. Jahrhundert) Kategorie:Person (Glawnoje Raswedywatelnoje Uprawlenije, Sowjetunion) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1902 Kategorie:Gestorben 1980 Kategorie:Mann