mini|Grenzen der Brühler Stadtteile mini|Pfarrkirche Sankt Margareta (2015) Brühl ist eine mittelgroße Stadt im Rhein-Erft-Kreis in Nordrhein-Westfalen. Sie liegt im geografischen Mittelpunkt des Regierungsbezirkes Köln und ist Teil der Metropolregion Rhein-Ruhr. Mit den zum UNESCO-Weltkulturerbe gehörenden Schlössern Augustusburg und Falkenlust, dem Wasserschloss Schallenburg, der Villeseenlandschaft innerhalb des Kottenforsts sowie dem Freizeitpark Phantasialand zählt sie zu den wichtigsten touristischen Zielen im Rheinland. Durch ihre zahlreichen Hochschulen, Museen, Kunstgalerien, Kommunalbehörden und produzierenden Unternehmen stellt die ehemals kurfürstliche Residenz darüber hinaus ein wichtiges regionales Zentrum zwischen Köln und Bonn dar.

Stadtteile mini|Marktplatz in der Innenstadt (2010) mini|Häuserzeile im Stadtteil Kierberg (2025) Die Innenstadt (auf Brühler Wegweisern als Centrum ausgewiesen) entspricht größtenteils der Kernstadt, die in Brühl-Mitte, Brühl-Nord, Brühl-Ost, Brühl-Süd und Brühl-West unterteilt ist. Erhalten hat sich nach Ende des Brühler Bergbaus die westlich gelegene Siedlung Roddergrube. Zum südlich gelegenen Stadtteil Badorf gehören zudem die beiden Ortschaften Eckdorf und Geildorf. Die ursprünglichen Ortschaften oder Siedlungen Bohle, Daberg, Gabjei, Palmersdorf, Schnorrenberg, Vendel und Winterburg haben ihre Bedeutung verloren und sind allenfalls nur noch anhand von Straßennamen erkennbar oder im lokalen Volksmund bekannt. Insgesamt besteht Brühl aus sieben für die statistische Normierung zusammengefassten Stadtteilen: Stadtteil Einwohner (2021)Anzahl der Einwohner der Stadt Brühl unterteilt nach Ortsteilen zum Stichtag 31. Dezember 2021Innenstadt 22.990Badorf 6.301Heide1.404Kierberg 4.227Pingsdorf 4.810Schwadorf 1.666Vochem 4.762Gesamt 46.160

Geographie Geographische Lage

Brühl liegt in der Kölner Bucht, genauer auf der Brühler Lössplatte – einer lössbedeckten Mittelterrassenplatte zwischen dem Nordwesten Bonns und dem Norden HürthsBundesforschungsanstalt für Landeskunde und Raumordnung (Hrsg.); Ewald Glässer (Bearb.): Die naturräumlichen Einheiten auf Blatt 122/123. Selbstverlag, Bonn-Bad Godesberg 1978, ISBN 3-87994-328-1, S. 32. (=Geographische Landesaufnahme 1:200.000. Naturräumliche Gliederung Deutschlands) –, zu Füßen des Vorgebirges und damit am Rand der Ville, die zum Naturpark Rheinland gehört. Die nächstgelegenen Großstädte sind Köln und Bonn. Köln grenzt mit dem Stadtteil Meschenich im Brühler Nordosten an, während im Süden zwischen Brühl und Bonn die Stadt Bornheim liegt. Von Norden im Uhrzeigersinn gesehen grenzen an Brühl: Hürth, Köln, Wesseling, Bornheim, Weilerswist und Erftstadt. Das Stadtgebiet liegt etwa auf ; der höchste Geländepunkt befindet sich mit in der Ville südlich des Birkhofes, der niedrigste mit am Austritt des Palmersdorfer Bachs auf das Wesselinger Stadtgebiet. Der auf einer Anhöhe südwestlich des Brühler Stadtzentrums auf gut gelegene Wasserturm Gabjeiturm erreicht eine Höhe von .Jahresstatistik der Stadt Brühl 2014/2015 (PDF; 1,4 MB), S. 4. Von Westen nach Osten existiert so ein natürliches Gefälle, dem die drei auf dem Stadtgebiet liegenden Bäche folgen: der Mühlen-, Donner- und Pingsdorfer Bach. Sie vereinigen sich östlich des Stadtzentrums in den Schlossteichen und speisen den Palmersdorfer Bach.Dietmar Klewitz: Brühl – Stadt, Landschaft und Wasser, veröffentlicht in: Brühler Heimatbund (Hrsg.): Brühler Heimatblätter, Ausgabe Nr. 4, Oktober 1979, S. 8. Dieser ist im Jahr 2023 teilweise verrohrt und entwässert bei Wesseling in den Rhein. Im Süden des Stadtgebietes befindet sich weiterhin der Dickopsbach, der vom Holzbach, Mühlenbach und einem weiteren, unbenannten Zufluss gespeist wird und westlich von Wesseling ebenfalls in den Rhein mündet. Gänzlich verrohrt ist der Ippenbach, der an der Kempishofstraße aus dem Mühlenbach abgeleitet wird und die Stadt durchfließt.

Klima und Boden In Brühl herrscht das milde Klima der Kölner Bucht. Diese liegt in der Übergangszone vom gemäßigten Seeklima zum Kontinentalklima mit milden Wintern (Januarmittel um 2 bis 3 °C) und mäßig warmen Sommern (Julimittel um 18 bis 19 °C). Das gesamte Stadtgebiet liegt durch den Schutz der Eifelbarriere im Lee der Westwinde und ist damit klimatisch begünstigt. Gelegentlich können sich auch Föhnwetterlagen entwickeln. Für die vergleichsweise geringen Niederschläge von 681 Millimetern im Jahr ist hauptsächlich Steigungsregen verantwortlich.Für Angaben zum Jahresniederschlag vgl. Klimadiagramme von Nordrhein-Westfalen in Wikimedia Commons. Neben dem Klima begünstigte insbesondere der tiefgründige Lössboden die Entstehung großer Obst- und Gemüseanbauflächen um Brühl herum.

Geschichte Prähistorische Spuren Innerhalb des heutigen Stadtgebietes lebten vermutlich schon in der Jungsteinzeit Menschen. Funde von Pfostengruben und Wandgräben auf Höhe der Bonnstraße 200 sowie Gruben mit Siedlungsabfällen und Wasserschöpfgruben, die Ähnlichkeiten mit dem bandkeramischen Siedlungsplatz in Arnoldsweiler aufweisen, zeugen davon. Westlich und südwestlich des Stadtkerns konnten bei archäologischen Ausgrabungen etwa 80 Hügelgräber sichergestellt werden, die sich auf einer Länge von 4,5 km in Nord-Süd-Richtung erstreckten. Östlich des Bahnhofs Brühl zwischen der Rheinstraße und dem Schlosspark wurde eine Siedlung mit Bandkeramik gefunden.Wilfried Hansmann: Die Bau- und Kunstdenkmäler des Erftkreises: Stadt Brühl (= Die Bau- und Kunstdenkmäler von Nordrhein-Westfalen. I. Rheinland, Band 7.3). Hrsg. vom Kultusminister des Landes Nordrhein-Westfalen in Verbindung mit dem Landschaftsverband Rheinland. Gebr. Mann Verlag, Berlin 1977, ISBN 3-7861-3000-0, S. 2 und 3.

Drei Kreisgräber in der Nähe des Jungzeitlichen Siedlungsplatzes sowie ein in Scherben zerfallenes Gefäß weisen auf Besiedlung in der Bronzezeit hin. Des Weiteren deuten Pfostengruben für Gebäuden mit sechs oder acht Pfosten an der vorgenannten Stelle sowie Keramikscherben auf eine Besiedlung in der Eisenzeit hin.

Römische Spuren in Brühl mini|Das mangels eigener Relikte der Wasserleitung aus Breitenbenden erworbene Teilstück hat eine Länge von etwa 2,5 Metern. (2015) Durch das heutige Stadtgebiet führten im Altertum römische Staatsstraßen. Diese verbanden die in die Mitte des 1. Jahrhunderts datierten ersten Gutshöfe der Römer in Brühl mit dem nahen Colonia und dem ebenfalls nicht weit entfernten Bonna. Hinzu kam etwas später der Bau der Eifelwasserleitung, eines römischen Aquädukts zur Versorgung der Stadt Köln mit Trinkwasser. Die unweit vorbeiführende Fernstraße von Köln nach Trier und die heutige Bonnstraße waren Römerstraßen. Beigaben aus römischen Gräbern und andere Artefakte sowie im Stadtgebiet ausgegrabene antike Relikte werden im Rheinischen Landesmuseum in Bonn aufbewahrt. Eine Besiedlung der Brühler Region in römischer Zeit ist daher unumstritten, zumal auch in den Ortsteilen Kierberg, Heide, Badorf und Pingsdorf zum Teil ausgedehnte römische Siedlungsstellen nachgewiesen werden konnten.

Die Trasse des Römerkanals verlief etwa ab dem heutigen und zum benachbarten Bornheim gehörenden Stadtteil Waldorf mit wenig Gefälle in der Ebene des Villerückens und dann durch den Stadtteil Walberberg über den Osthang des Vorgebirges durch das heutige Stadtgebiet Brühls. Entlang der Strecke sind keine Spuren der originären römischen Eifelwasserleitung mehr erhalten geblieben. Im Brühler Stadtteil Badorf sollen am ehemaligen Steinweg, dem Vorläufer der späteren Köln-Bonner Straße, neben römischen Mauerresten auch gut erhaltene Teile der Eifelwasserleitung aufgedeckt worden sein, deren Verbleib jedoch unbekannt ist.Paul Clemen: Die Kunstdenkmäler der Rheinprovinz, der Landkreis Köln S. 13 f., unter Verweis auf: Annalen des historischen Vereins für den Niederrhein, XXXVII S. 63.

In der Brühler Innenstadt selbst finden sich keine Spuren aus der Römerzeit, da das Gebiet zwischen der heutigen Bahntrasse im Osten und der Römerstraße im Westen ursprünglich eine unwirtliche Wald- und Sumpflandschaft war. Vermutlich nutzten jedoch Landwirte aus der Umgebung das Areal für die Tierzucht und umzäunten es nach und nach zu einem Pferch, dem sogenannten Brogilo. Aus diesem galloromanischen Begriff wurde im Laufe der Zeit der Ortsname Brolium, der sich über Broil und Brule schließlich zu Brühl entwickelte.

Die Brühler Wohnsiedlung Römerhof hat keinen Bezug zu einem vormaligen römischen Vicus, wie es bei dem Römerhof Brenig der Fall ist. Das im Westen der Brühler Innenstadt entstandene städtische Bauprojekt der 1920er Jahre erinnert nur an das ehemals unterhalb der Siedlung verlaufende Bauwerk der Eifelleitung. Ebenso ist die der Stadt vorgelagerte, nach Süden führende Köln-Bonner Landstraße (sie gilt als Alte Heer- und Römerstraße) in Brühl offiziell die Römerstraße. In den 1950er Jahren entstand an der Römerstraße ein weiteres Wohnviertel. Es liegt kurz vor der Straße nach Pingsdorf, und die in sie führende Straße erhielt den Namen „Am Römerkanal“. Da die Stadt über kein eigenes Ausstellungsstück der antiken Wasserleitung verfügte, erwarb sie ein 1979 in Breitenbenden freigelegtes Teilstück des Römerkanals und stellte es in der neuen Siedlung am Straßenrand auf.Wolfgang Drösser: Brühl. Geschichte, Bilder, Fakten, Zusammenhänge. S. 14. Relikte des Römerkanals sind bisher jedoch nicht aufgefunden worden, da die gemauerte Leitung vielfach als sonst in der Nähe nicht verfügbares Mauerwerk ausgebrochen und wiederverwendet wurde, so zum Beispiel in den Grundmauern des Schlosses.

In der Römerstraße in Vochem wurden 1959 zwei nebeneinanderliegende Särge freigelegt. Die Sarkophage, darunter ein Bleisarg, konnten durch den Archäologen Waldemar Haberey in das späte 3. Jahrhundert datiert werden. Der Steinsarg bestand aus wiederverwendeten Teilen, die ursprünglich als Basis einer Statue des späteren Kaisers Pertinax gedient hatten. Später, im Mai 1972 wurden bei Baumaßnahmen an der Turnhalle in der Sankt-Albert-Straße ein Teil eines römischen Gräberfeldes freigelegt.Fundvorlage der beiden Gräber aus der Römerstraße von Waldemar Haberey, Bonner Jahrbücher 162, 1962, S. 397–406. Vgl. Wolfgang Drösser: Brühl. Geschichte, Bilder, Fakten, Zusammenhänge. S. 15. In der Sankt-Albert-Straße fanden sich sechs Bestattungen mit Beigaben des späten 3. und der ersten Hälfte des 4. Jahrhunderts. Brandgrab 3 befindet sich in einer Aschenkiste, ein weiteres Brandgrab (Grab 4) war mit Ziegelplatten umstellt. Von den vier Körperbestattungen ist Grab 5 ein Tuffsteinsarg mit Skelettresten einer Frau, die ein Alter von über 70 Jahren erreicht hat. Grab 1 und vermutlich auch Grab 5 sind Bleisärge, bei Grab 2 handelt es sich um einen Holzsarg.Zu den Gräbern in der Sankt-Albert-Straße vgl. Raymund Gottschalk: Spätrömische Gräber im Umland von Köln. Rheinische Ausgrabungen 71. Darmstadt 2015. bes. S. 293–296 mit Tafel 20–23.

Mittelalter mini|hochkant|Haus zum Stern am Markt, erbaut zwischen 1530 und 1531 (2008) In Vochem fanden Experten 1913 in einem fränkischen Gräberfeld einen Grabstein mit einer christlichen Inschrift, die an ein fränkisches Mädchen mit dem Namen Rignetrudis aus dem 6. Jahrhundert erinnerte. Im Jahr 1937 konnte in südöstlichen Winkel der Rheinstraße und dem zum Palmersdorfer Hof führenden Weges ein fränkisches Plattengrab sichergestellt werden.

Erste urkundliche Erwähnungen von Höfen im heutigen Stadtgebiet gibt es um das Jahr 650. In der Zeit der Karolinger wurde in Badorf und Pingsdorf in großem Umfang Keramik hergestellt: Badorfer und Pingsdorfer Keramikgefäße aus dem frühen Mittelalter gehören zu den bedeutenden rheinischen Kulturgütern, die vom Donauraum bis nach England ausgeführt wurden. Der Palmersdorfer Hof wird in einer Schenkungsurkunde des Kölner Erzbischofs Brun für das Stift Sankt Cäcilien in Köln aus dem Jahr 961 erwähnt.Robert W. Rosellen: Geschichte der Pfarreien des Dekanates Brühl. Köln 1887, S. 82.