mini|Wappen derer von Bassewitz Bassewitz ist der Name eines alten mecklenburgischen Adelsgeschlechts, das nach dem westlich von Gnoien gelegenen Basse (heute Ortsteil von Lühburg) benannt ist.

Ursprung des Familiennamens Es handelt sich mit großer Wahrscheinlichkeit um einen Herkunftsnamen,Vgl. den Artikel Basse in: Duden. Familiennamen. Herkunft und Bedeutung von 20 000 Nachnamen. Bearbeitet von Rosa und Volker Kohlheim. Dudenverlag, Berlin 2005, S. 111, der als „Herkunftsname zu den Ortsnamen Bass (Nordrhein-Westfalen), Basse (Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern), Bassen (Niedersachsen)“ erklärt wird. gebildet zu dem heute zur mecklenburgischen Gemeinde Lühburg gehörenden Ort Basse(witz) wendischen Ursprungs. Dieser Ort ist als ältester Stammsitz der Familie seit dem 14. Jahrhundert urkundlich bezeugt und war bis 1945 ein Familiengut.

Die slawischstämmige Namensendung -witz hatte ursprünglich eine patronymische Funktion, bezeichnete also die Abstammung. Es ist nicht bekannt, ob die Familie zu den seit dem 12. Jahrhundert im Zuge der deutschen Ostkolonisation eingewanderten Familien gehört oder zu den seit dem 7. Jahrhundert dort ansässigen westslawischen Abodriten, denn eingewanderte deutsche Familien nahmen zu dieser Zeit durchaus den Namen des Orts, an dem sie sich niederließen, als ihren Familiennamen an. Zugleich begannen ursprünglich wendische Familien nun, deutsche Taufnamen anzunehmen. Da die Familie von Bassewitz bereits Anfang des 14. Jahrhunderts im Besitz mehrerer Güter in Mecklenburg urkundlich nachgewiesen ist, erscheint es wahrscheinlicher, dass die Familie wendischen Ursprungs ist.

Der im Wappen vorkommende Keiler – niederdeutsch Bass, Bassen – geht dagegen auf eine volksetymologische Erklärung des ursprünglich slawischen Namens Bassewitz zurück. Darüber hinaus war der Keiler bei vielen Adelsgeschlechtern ein beliebtes heraldisches Symbol. Denn es gilt als wehrhaftes Tier der heimischen Wälder und sollte auf der ritterlichen Rüstung ein Symbol für Mut und Stärke sein.Théodore de Resnesse zählt in seinem Dictionnaire des Figures Héraldiques II, Brüssel 1895, hunderte von Adelsfamilien auf, die den ganzen Keiler oder einen Keilerkopf im Wappen tragen.Otto Höfler behandelt in seinem Beitrag Zur Herkunft der Heraldik in der Festschrift für Hans Sedlmayr, C. H. Beck Verlag, München 1962, insbesondere den Keiler als Wappensymbol und beschreibt, dass dieses schon in vorheraldischer Zeit Verwendung fand, wie etwa die Ausgrabung eines Helm aus dem 7. Jahrhundert mit einer Keilerfigur in Schweden beweist. Einen ähnlichen Fund aus derselben Zeit gab es auch im englischen Derbyshire. Er nennt insgesamt 913 europäische Adelsfamilien mit entsprechenden Wappen, auch Wildschweinhauer allein kommen vor.

Geschichte mini|hochkant|Grabplatte von Johann Bassewitz Erste Nennungen Nach einer heute nicht nachweisbaren Urkunde, deren Existenz und Inhalt allerdings im Jahr 1900 vom Gotha noch beglaubigt wurde, erscheint die Familie erstmals mit Bernhardus de Bassewicze, der 1254 bezeugt haben soll, wie Bischof Friedrich von Ratzeburg der Heiligen-Geist-Kirche in Wismar verschiedene Freiheiten erteilte. Die Existenz der Urkunde ist wissenschaftlich nicht anerkannt. 1308 soll – ebenfalls nicht gesichert nachweisbar – ein Heinrich von Bassewitz gelebt haben. Gesichert ist das Auftreten der Familie erst durch eine Urkunde vom 3. Oktober 1341beschädigtes Original im Staatsarchiv Schwerin, die einen Gherardus Basseuitze benennt.

Ab der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts sind mehrere Angehörige der Familie urkundlich belegt. Die vorhandenen Urkunden beziehen sich zumeist auf Rechtsgeschäfte wie Belehnung, Kauf, Pacht, Erbteilung oder Verpfändung von Gütern. Zu den ersten Gütern, die sich seit dem späten Mittelalter im Besitz der Familie befanden und von ihr als Stammhäuser betrachtet wurden, gehören Basse, Dalwitz, Hohen Luckow, Prebberede, Levetzow und Lühburg. Diese Güter liegen teils im Umkreis von Wismar, teils in der Region zwischen Rostock und der Mecklenburgischen Schweiz.

Im Einschreibebuch des Klosters Dobbertin befinden sich 65 Eintragungen von Töchtern der Familien von Bassewitz von 1696 bis 1906 aus Lühburg, Hohen Luckow, Prebberede, Walmstorf, Schönhoff und Schimm, Dalwitz, Schwiesel, Mummendorf, Raguth, Perlin, Lützow, Bristow und Schwerin zur Aufnahme in das dortige adlige Damenstift.LHAS 3.2-3/1 Landeskloster/Klosteramt Dobbertin. Einschreibungen, Klosterlisten, Ahnennachweise.

Teilung der Familie Die Familie teilte sich um 1355 in zwei Linien: die Mecklenburgische Linie mit Besitztümern im Gebiet des eigentlichen Herzogtums Mecklenburg und die Wendische Linie im Gebiet des weiter östlich um Güstrow und Waren gelegenen wendischen Fürstentums, zu deren Besitz bereits im 14. Jahrhundert Lühburg mit Basse sowie Dalwitz (heute Ortsteil von Walkendorf) und Prebberede zählten. Als Stammvater beider Familienstämme gilt Hans von Bassewitz († 1397), Gutsherr auf Hohenluckow. Über die Teilung der Familie schrieb Bernhardus Latomus rund 250 Jahre später: Die Bassewitzen haben über dreyhundert Jahr zum Theil im Mecklenburgischen, zum Theil auch im Wendischen Kreiß Ihr Lehn-Güter und Rittersitz gehabt. Und obwohl etliche im Herzogthumb Mecklenburg, etliche aber im Fürstenthumb Wenden gewohnet haben, und noch wohnen, So sind sie dennoch Schildvettern und einer gesambten Hand.Bernhardus Latomus (eigentlich Steinmetz): Genealochronicon Mecklenburgicum. Alten Stettin 1619. Abgedruckt auch in: Ernst Joachim von Westphalen: Monumenta inedita rerum Germanicarum praecipue Cimbricarum et Megapolensium. Band 3, Leipzig 1743, Sp. 1921 ff.

In diese Zeit fällt auch die Belagerung des brandenburgischen Städtchens Kyritz durch den Ritter Kurt (oder Gerd, ein damals oft in der Familie vergebener Name) von Bassewitz. Seine Bezwingung durch die Bürger von Kyritz wird dort heute alle zwei Jahre mit dem Bassewitzfest gefeiert.

1506 stellte die Familie mit fünf urkundlich belegten Angehörigen zwanzig Rösser und Reisige zu einer Fehde Mecklenburgs gegen die Stadt Lübeck auf.

Beteiligung an der Verfassungsgebung in Mecklenburg Von historischer Bedeutung ist die Unterzeichnung der Landes-Union am 1. August 1523, zu der sich die mecklenburgischen Landstände, nämlich adlige Ritterschaft‚ Städte und Geistlichkeit, zur Wahrung ihrer verfassungsmäßigen oder herkömmlichen Rechte zusammenschlossen. Hieran beteiligten sich acht Familienangehörige. Ein außerordentlicher Landtag am 20. Juni 1549 beschloss in Sternberg die Einführung der Reformation in Mecklenburg. Auch hieran waren Familienangehörige beteiligt.Ein Fresko von Prof. Fritz Greve in der Sternberger Stadtkirche zeigt den Landtag an der Sagsdorfer Brücke bei Sternberg. In der Krone einer Eiche über dem Fürstenzelt, in einer gotischen Bogennische, zeigt das Gemälde die Wappenschilde der mecklenburgischen landeingesessenen Familien, u. a. auch das der Familie von Bassewitz. Um jene Zeit gab es in Mecklenburg etwas über 130 Adelsgeschlechter, die fortan als alteingeboren bezeichnet wurden. Sie genossen gewisse Vorrechte gegenüber den später ins Land gekommenen adligen Familien, eine Unterscheidung, die bis ins 19. Jahrhundert, wenn auch abgeschwächt, fortbestand. Eine weitere wichtige mecklenburgische Verfassungsurkunde, die bis 1918 galt, war der Landesgrundgesetzliche Erbvergleich (LGGEV). Ihn unterzeichneten am 18. April 1755 in Rostock neun Familienangehörige. Als diese landständische Verfassung zustande kam, gab es in Mecklenburg noch 80 alteingeborene Familien, die begütert waren und damit zur Ritterschaft gehörten.

In fremden Diensten Der Dreißigjährige Krieg sowie die Nordischen Kriege und die damit verbundenen Durchzüge fremder Truppen belasteten Mecklenburg wirtschaftlich schwer. Die Landwirtschaft war damals wenig einträglich und viele Güter aufgrund zu leistender Kriegskontributionen verschuldet. Zudem bot Mecklenburg nur ein dürftiges Hofleben, hatte kein stehendes Heer und war zeitweilig in verschiedene Herrschaften zerspalten. In der Folge orientierten sich viele heimische Adlige ab der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts über die Grenzen Mecklenburgs hinaus und traten vermehrt in den Dienst bei verschiedenen Landesfürsten.

Mehrere Angehörige der Familie von Bassewitz traten in schwedische Staats- und Militärdienste und wurden dort teils hoch dekoriert. Dies betrifft die Mecklenburgische Linie, die vor allem im Umkreis von Wismar begütert war. Diese Region von Mecklenburg gehörte noch bis 1803 zum schwedischen Wirkungskreis.

Etwa zeitgleich mit den Diensten für das schwedische Königshaus, von etwa 1690 bis 1760, begaben sich viele Familienangehörige nach Bayreuth in die Dienste der Markgrafen von Brandenburg-Kulmbach-Ansbach-Bayreuth. Dieses Hohenzollernsche Fürstenhaus bildete einen glanzvollen evangelischen Hof, dessen Anziehungskraft weithin wirkte und wo mehrere Angehörige der Familie von Bassewitz fanden, was sie daheim vermissten. Sie erwarben dort aber keinen Grundbesitz, sondern kehrten – teils nach sehr vielen Jahren – in ihre mecklenburgische Heimat zurück, nachdem sie im Hof-, Staats- und Militärdienst oft hohe Stellungen eingenommen hatten.

Regierungsämter Der Wendischen Linie entstammte Henning Friedrich Graf von Bassewitz (1680–1749), der in Diensten des Herzogs Karl Friedrich von Schleswig-Holstein-Gottorf stand, für seine diplomatischen Verdienste 1726 in den Reichsgrafenstand erhoben und mit Grundbesitz in Estland, Lettland und Holstein belehnt wurde.Genealogisches Handbuch der baltischen Ritterschaften, Teil 2, Band 3: Estland. Görlitz 1930, S. 288. Vier seiner Nachfahren bekleideten als Geheimratspräsidenten oder Ministerpräsidenten höchste Ämter im Land Mecklenburg: Carl Friedrich Graf von Bassewitz (1720–1783), Bernhard Friedrich Graf von Bassewitz (1756–1816) und Henning Karl Friedrich Graf von Bassewitz (1814–1885) waren mecklenburgische Geheimratspräsidenten, Carl Graf von Bassewitz-Levetzow (1855–1921)Margarete von Bassewitz-Levetzow: Lebensbild des Staatsministers Carl Graf Bassewitz-Lewetzow auf Bristow. o. O. Verlag Decker, Teterow 1924. war von 1901 bis 1914 mecklenburgischer Ministerpräsident. Stammvater aller heute lebenden Grafen von Bassewitz ist Adolph Christian Ulrich Graf von Bassewitz.Genealogisches Handbuch des Adels, Gräfliche Häuser, A, Band VII, Band 56 der Gesamtreihe GHdA, C. A. Starke, Limburg an der Lahn 1973.

Auch Angehörige der Mecklenburgischen Linie bekleideten hohe Staatsämter. Hierzu gehört Friedrich Magnus von Bassewitz (1773–1858), Regierungspräsident in Potsdam und Oberpräsident der Provinz Brandenburg, Ehrenbürger der Städte Berlin und Potsdam. Ebenso zu nennen ist sein Großneffe Hans Barthold von Bassewitz (1867–1949), Staatsminister im Herzogtum Sachsen-Coburg und Gotha.

Wappen Das Stammwappen zeigt in Silber einen springenden schwarzen Keiler (Basse). Auf dem Helm mit schwarz-silbernen Decken ein wachsender schwarzer Keiler zwischen zwei zugekehrten silbernen Hauern. Otto Titan von Hefner: Siebmachers Wappenbuch. III. Band, 6. Abt. Mecklenburger Adel, Bauer & Raspe, Nürnberg 1858.Gottlieb Matthias Carl Masch: Mecklenburgisches Wappenbuch. Johann Gottfried Tiedemann. Lithographische Anstalt, Rostock.Der Adel Mecklenburgs. Lehsten, J. G. Tiedemann, Rostock 1864.Münchner Kalender. Otto Hupp‚ Selbstverlag des Central-Vereins für Kirchenbau, München 1918. Damit führt die Familie ein sogenanntes sprechendes Wappen.Das aus dem Dänischen ins Niederdeutsche entlehnte Wort Basse bezeichnet in der Jägersprache einen Keiler, d. h. ein männliches Wildschwein. Vgl. auch Mecklenburgisches Wörterbuch, Band 1, S. 649, Lemma Bass5.