Warcino [] (deutsch Varzin) ist ein Dorf im Powiat Słupski der polnischen Woiwodschaft Pommern. Das Dorf hat ca. 450 Einwohner und ist Teil der Landgemeinde Kępice.
Geographische Lage Der Ort liegt in Hinterpommern, links der Wipper (Wieprza), etwa 19 Kilometer südöstlich von Sławno (Schlawe) und 43 Kilometer östlich von Koszalin (Köslin).
Geschichte mini|Schloss Varzin, 2010 mini|Luftbild von Varzin, 1933 Der hinterpommersche Ort Varzin (auch: Vartzin) wird in einem Lehnsbrief von 1485 zum ersten Mal urkundlich erwähnt, ist aber – und dafür spricht seine Hufenverfassung – slawischen Ursprungs. Damals war das Dorf im Besitz derer von Zitzewitz. Im Kirchenmatrikel von 1590 werden bei 12½ Hufen 25 Bauern und 1 Kossät genannt. Im Jahr 1628 werden 16½ Hufen und 6 Kossäten versteuert. Nach den Verwüstungen des Dreißigjährigen Krieges wurde der größte Teil wieder aufgebaut. 1717 hatte Varzin wieder 15 Bauern und 2 Kossäten, Ende des 18. Jahrhunderts 16 Bauern, und 1813 bestanden nur noch neun Höfe, deren Zahl sich auf sechs im Jahre 1823 verringerte.
Im Gutsbezirk wurden im Laufe des 19. Jahrhunderts eine Glashütte im Vorwerk Chomnitz, der Eisenhammer und der Seekaten angelegt. Die Glashütte ging später wieder ein. An der Wipper wurden die Fuchs- und Kampmühle, im Forst eine Dampfschneidemühle (Sägewerk) errichtet. 1871 entstand der Ausbau Luschken, und 1873 wurde die große Papierfabrik in Betrieb genommen, die von Otto von Bismarck initiiert worden war und sich später unter dem Namen „Varziner Papierfabrik AG“ zum größten Betrieb Hinterpommerns entwickelte.
Erster namentlich nachweisbarer Besitzer von Varzin war Heinrich von Zitzewitz. Durch Vererbung zersplitterte sich der Besitz in den drei Ortschaften Beßwitz, Jannewitz und Varzin. 1692 kam Varzin an den späteren (ab 1723) Oberpräsidenten von Pommern Kaspar Otto von Massow, damals Hofgerichtsrat in Stargard in Pommern.
Kaspar Otto von Massow verkaufte es 1727 an den Grafen Adam Joachim von Podewils. Die spätere Erbtochter Auguste Friederike von Podewils heiratete 1809 den Hauptmann Konstantin Werner von Blumenthal, der es 1844 seinem zweiten Sohn Werner Ewald vermachte. Am 7. Juni 1867 erwarb der damalige preußische Ministerpräsident Otto von Bismarck Varzin von Werner Ewald von Blumenthal, das bis 1945 im Besitz der Familie von Bismarck blieb. Die am 16. und 23. September 1894 veranstalteten Huldigungsfahrten nach Varzin waren politische Kundgebungen deutschnationaler Verehrer Bismarcks.
Im Jahr 1910 hatte Varzin ein Schloss, eine Spar- und Darlehnskasse, eine Holzstoff-Fabrik, eine Papierfabrik, ein Sägewerk und eine Molkerei. Am 1. Dezember 1913 wurden auf der 290 Hektar großen Gemarkungsfläche der Landgemeinde Varzin 95 viehhaltende Haushaltungen gezählt und auf dem 2338 Hektar umfassenden Gutsbezirk Varzin 160 viehhaltende Haushaltungen.Königlich Preußisches Statistisches Landesamt: Gemeindelexikon über den Viehstand und den Obstbau für den Preußischen Staat, Heft 4: Provinz Pommern, Berlin 1915, 2. Regierungsbezirk Köslin, 23. Kreis Rummelsburg, S. 114–115, Ziffer 54 (Google Books), und S. 116–117, Ziffer 117 (Google Books).
Am 1. April 1927 hatte das Gut Varzin eine Flächengröße von 2339 Hektar, und am 16. Juni 1925 hatte der Gutsbezirk 1884 Einwohner.Kurt Albrecht: Die preußischen Gutsbezirke, in: Zeitschrift des Preussischen Statistischen Landesamts, 67. Jahrgang, Berlin 1927, S. 344–477, insbesondere S. 399, Ziffer 57 (Google Books). Am 30. September 1928 wurde der Gutsbezirk Varzin zum Teil in die Landgemeinde Varzin eingegliedert.Amtsbezirk Varzin. In: (Territorial.de)
Anfang der 1930er Jahre hatte die Landgemeinde Varzin seine Flächengröße von 23,9 km². Innerhalb der Gemeindegrenzen standen zusammen 64 bewohnte Wohnhäuser an fünf verschiedenen Wohnplätzen:Die Gemeinde Varzin im ehemaligen Kreis Rummelsburg in Pommern (Gunthard Stübs und Pommersche Forschungsgemeinschaft, 2011).
Um 1935 hatte Varzin u. a. einen Gasthof, zwei Baugeschäfte, eine Branntweinbrennerei, die von der Gräflich von Bismarckschen Gutsverwaltung betrieben wurde, ein Fahrradgeschäft, eine Metzgerei, zwei Gemischtwarenläden, eine Papierfabrik, einen Sattler, eine Schmiede, sechs Schuhmachereien, drei Schuhwarenhandlungen, eine Tischlerei und einen Uhrmacher.Klockhaus' kaufmännisches Handels- und Gewerbe-Adressbuch des Deutschen Reichs, Band 1 A, Berlin 1935, S. 1173–1174 (Google Books). Am 17. Mai 1939 hatte Varzin 746 Einwohner.
Im Jahr 1945 gehörte das Dorf zum Landkreis Rummelsburg der preußischen Provinz Pommern des Deutschen Reichs, nachdem es bis 1882 dem Landkreis Schlawe zugehörig gewesen war, und war Sitz des Amtsbezirks Varzin. Das Standesamt war in Wussow.
Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Varzin im März 1945 von der Roten Armee besetzt. Bald darauf wurde das Dorf unter dem Namen Warcino Teil Polens.
Demographie + Bevölkerungsentwicklung Jahr Einwohner Anmerkungen 1818 157 Dorf und Ziegelei, adlige Besitzung, zum Kirchspiel Wussow gehörigAlexander August Mützell und Leopold Krug: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preußischen Staats, Band 5: T–Z, Halle 1823, S. 65, Ziffer 75 (Digitalisat). 1825 166 Varzin mit dem Vorwerk ChomitzFriedrich von Restorff: Topographische Beschreibung der Provinz Pommern mit einer statistischen Uebersicht, Nicolaische Buchhandlung, Berlin und Stettin 1827, S. 266, Ziffer 67 (Digitalisat). 1852 497 RittergutTopographisch-statistisches Handbuch des Preußischen Staats (Kraatz, Hrsg.). Berlin 1856, S. 644 (Digitalisat).1864 633 am 3. Dezember, Gemeindebezirk mit einem Flächeninhalt von 1139,80 Morgen und Gutsbezirk mit einem Flächeninhalt von 9330,03 MorgenKönigliches Finanzministerium: Die Ergebnisse der Grund- und Gebäudesteuerveranlagung im Regierungsbezirk Köslin, 9. Kreis Schlawe, Berlin 1966, S. 34–41, Ziffer 205–206 (Google Books). 1867 627 am 3. Dezember, davon 261 in der Landgemeinde und 367 im Gutsbezirk 1871 707 am 1. Dezember, davon 262 (sämtlich Evangelische) in der Landgemeinde und 445 (440 Evangelische, fünf Juden) im GutsbezirkKönigl. Statistisches Bureau (Hrsg.): Die Gemeinden und Gutsbezirke der Provinz Pommern und ihre Bevölkerung. Nach den Urmaterialien der allgemeinen Volkszählung vom 1. December 1871 bearbeitet und zusammengestellt. Berlin 1874, Regierungsbezirk Köslin, VIII. Kreis Schlawe, S. 136–137, Ziffer 124 (Digitalisat), und S. 140–141, Ziffer 229 (Digitalisat). 1885 1121 am 1. Dezember, davon 418 (sämtlich Evangelische) im Gemeindebezirk mit einem Flächeninhalt von 291 Hektar sowie 703 (685 Evangelische, vier Katholiken und 14 Juden) im Gutsbezirk mit einem Flächeninhalt von 2406 Hektar.Königliches statistisches Bureau: Gemeindelexikon für das Königreich Preußen. Auf Grund der Materialien der Volkszählung vom 1. Dezember 1885 und anderer amtlicher Quellen, IV. Provinz Pommern, Berlin 1888, Regierungsbezirk Köslin, 22. Kreis Rummelsburg, S. 158–159, Ziffer 47 (Google Books), und S. 162–163, Ziffer 123 (Digitalisat). 1895 1270 am 2. Dezember, davon 412 (411 Evangelische, ein Katholik) im Gemeindebezirk mit einem Flächeninhalt von 290,9 Hektar und 858 (845 Evangelische, sechs Katholiken und sieben Juden) im Gutsbezirk mit einem Flächeninhalt von 2338,7 HektarKönigliches Statistisches Bureau (Hrsg.): Gemeindelexikon für das Königreich Preußen. Auf Grund der Materialien der Volkszählung vom 2. Dezember 1895 und anderer amtlicher Quellen. Band IV: Provinz Pommern, Berlin 1898, 2. Regierungsbezirk Köslin, 22. Kreis Rummelsburg, S. 162–163, Ziffer 45 (Google Books), und S. 166–167, Ziffer 118 (Google Books). 1910 1830 davon 537 im Dorf und 1293 auf dem Gutsbezirk;Varzin, Dorf und Rittergut, links der Wipper, Kreis Rummelsburg, Regierungsbezirk Köslin, Provinz Pommern. In: Meyers Gazetteer, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Varzin (meyersgaz.org). nach anderen Angaben 730 Einwohner, dovon 204 im Dorf und 526 auf dem Gutsbezirk 1925 835 darunter 829 Evangelische und drei KatholikenGunthard Stübs und Pommersche Forschungsgemeinschaft: Die Gemeinde Varzin im ehemaligen Kreis Rummelsburg in Pommern. gemeinde.varzin.kreis-rummelsburg.de, 2011. 1933 832 1939 746 2011 680 31. März 2011GUS 2011: Ludność w miejscowościach statystycznych według ekonomicznych grup wieku (polnisch), 31. März 2011, Abruf 19. Februar 2018.
Kirche Kirchspiel bis 1945 Varzin hatte weder eine eigene Kirche noch einen Friedhof. Das Dorf gehörte vielmehr mit allen zum Gutsbezirk gehörigen Ortschaften zum Kirchspiel Wussow. Wussow war Kirchort, das Kirchenpatronat allerdings hatte die Familie von Bismarck auf Varzin inne und war alleine wahlberechtigt, unterstützt lediglich durch das Mitpatronat der Familie von Zitzewitz auf Püstow.
Das Kirchspiel Wussow gehörte bis 1945 zum Kirchenkreis Schlawe in der Kirchenprovinz Pommern der evangelischen Kirche der Altpreußischen Union.
Das katholische Kirchspiel war in Rummelsburg i. Pom.
Kirchspiel seit 1946 Die seit 1945 hier lebende Bevölkerung ist größtenteils römisch-katholischer Konfession.
Die wenigen hier lebenden evangelischen Kirchenglieder gehören zur polnischen Parochie der Kreuzkirche in Słupsk (Stolp) der polnischen Kirche Augsburgischen, d. h. lutherischen, Bekenntnisses.
Am 17. August 2012Margrit Schlegel: Bericht. In: Die Pommersche Zeitung, Folge 36, 8. September 2012, S. 3. wurde in Warcino die restaurierte und aus Ciecholub (Techlipp) stammende evangelische FachwerkkircheDie alte Fachwerkkirche Techlipp, Kreis Rummelsburg. Eine Rettungsaktion. rummelsburg.de feierlich eingeweiht. Zwar hatte sie noch keine Innenausstattung, doch soll sie ein Ort der Begegnung für Christen verschiedener Konfessionen und Nationen werden. An den Einweihungsfeierlichkeiten beteiligten sich Geistliche der evangelischen, katholischen und orthodoxen Kirche, unter ihnen Bischof Marcin Hintz von der Diözese Pommern-Großpolen der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen.
Der Einweihungsfeier waren jahrelange zähe Verhandlungen und mühsame Restaurierungsarbeiten vorausgegangen. Auf dem Gelände der Forstschule in Warcino wurden 2011 die Restaurierungsmaßnahmen vorgenommen. Hier fand die Kirche auch ihren neuen Platz.
Schule Schulgebäude Bereits im Jahr 1780 wird in Varzin ein Schulmeister genannt. Über ein Schulgebäude mit Grundstück wird erstmals in einem Gesetz vom 30. November 1814 gesprochen. Der Gutsherr war berechtigt, den Schulleiter zu wählen. Mit dem Anstieg der Schülerzahl nach dem Bau der Varziner Papierfabrik war ein Schulneubau erforderlich. Er erfolgte 1924 an der Straße nach Luschken. Er enthielt zwei Klassenräume und zwei Lehrerwohnungen. Im Jahr 1937 wurden 137 Kinder von drei Lehrern unterrichtet.
Lehrer bis 1945 Fett, 1789–1812 Christian Friedrich Probandt, bis 1828 Rattunde, 1828–1846 Karl Heinrich Probandt, 1846–1871 Julius Probandt (Sohn von 4.), 1871–1910
Später waren bis 1945 noch tätig: Hugo Schuck, Emil Störmer, Martha Krause und Traute Zedler. mini|Grabkapelle der Fürstin Bismarck in Varzin Die Bismarcks in Varzin Otto von Bismarck, der sich selbst später gerne als „pommerscher Junker“ bezeichnete, obgleich er aus dem altmärkischen Schönhausen stammte, war gleichwohl seit seiner Kindheit auch mit Hinterpommern verbunden. Als Jugendlicher fuhr er gerne und oft nach Kniephof im Kreis Naugard in Pommern auf das Gut, das sein Vater von einem Vetter geerbt hatte. Hier verbrachte er Freizeit und Ferien, ab 1839 bewirtschaftete er es auch selbst.