Die Geschichte der Stadt Coburg umfasst die Entwicklungen auf dem heutigen Gebiet der Stadt Coburg von der ersten Besiedlung bis zur Gegenwart. Sie ist seit dem Jahr 1056 dokumentiert.
Mittelalter Erstmals urkundlich erwähnt wurde „Koburk“ 1056 in einer Schenkungsurkunde, mit der die exilierte Polenkönigin Richeza dem Erzbischof Anno von Köln ein Gut schenkte. Die Besitzungen lagen auf dem Festungsberg oder dem benachbarten Fürwitz. Anno von Köln gründete 1074 auf dem Festungsberg als Nebenkloster der Abtei zu Saalfeld das Kloster Sankt Peter und Paul mit einer Propstei.
Coburg war vermutlich neben der älteren Talsiedlung „Trufalistat“ eine Neugründung (zentraler Markt, kreuzförmig mündende Durchgangsstraßen).Chronik der Stadt und der Veste Coburg, der Herren und Herrscher über Coburg und das Coburger Land ISBN 3-923434-08-1 Die Erwähnung von Coburg als Stadt folgte in einer Urkunde vom 24. Mai 1217, von der eine spätmittelalterliche Kopie vorliegt. Darin wurden die Pfarrrechte festgelegt und in der es aus dem Lateinischen übersetzt unter anderem heißt: „an der Kirche und der gesamten Stadt Coburg, die früher Trufalistat genannt wurde“. Eine eindeutige Namensherkunft ist nicht feststellbar. Habel leitet den Namen vom altslawischen chov für Sicherung ab und deutet somit Coburg als Sicherungsburg. Für Graßmuck war der Name von Anfang an ebenfalls ein militärischer Terminus.Horst Graßmuck: Die Ortsnamen des Landkreises Coburg. Inaugural-Dissertation der Universität Erlangen 1955, S. 15
Im 11. Jahrhundert wurde der klösterliche Wirtschaftshof vom Festungsberg ins Tal zur heutigen Morizkirche verlegt und es entstand eine erste Kirche.
Spätmittelalter Über den Ausbau und die Veränderungen der Stadt im späten Mittelalter gibt es nur wenige Dokumente. Um 1250 wurde ein Franziskanerkloster an der Stelle der heutigen Ehrenburg gegründet. Die ersten Herrscher von Coburg waren die Meranier, 1265 wurden sie von den Hennebergern abgelöst. Das erste Stadtwappen trug folglich die Henne auf dem Berg. 1331 verlieh Kaiser Ludwig der Baier Coburg das Schweinfurter Stadtrecht.Stefan Nöth: Zur Einführung: Coburg 1056. In: Stefan Nöth (Hrsg.): Coburg 1056–2006. Ein Streifzug durch 950 Jahre Geschichte von Stadt und Land. ISBN 3-86652-082-4, S. 11 1330 bis ins 15. Jahrhundert wurde an St. Moriz, der Hauptkirche der Stadt, gebaut. 1353 erbte Markgraf Friedrich III. von Meißen und somit das Haus Wettin von dem Henneberger Grafen Heinrich die Herrschaft Coburg (Pflege Coburg); Stadtwappen wurde der Meißener Löwe. Seit 1430 ist der Heilige Mauritius Stadtwappen. 1444 fand in der Stadt erstmals ein urkundlich erwähntes Vogelschießen (heute Schützenfest) statt. In Coburg ist seit 1336 ein mittelalterliches Leprosorium nachweisbar, das als Siechenhaus bezeichnet wurde. Es befand sich „vor dem Ketschentor“, die dazugehörige Kapelle war St. Nikolaus geweiht.
16. bis 18. Jahrhundert mini|links|Coburg im 17. Jahrhundert 1485 wurde Coburg nach der Leipziger Teilung Land der Ernestiner. Da die sächsischen Kurfürsten die Reformation unterstützten, konnte diese schon bis 1524 durch den Pfarrer Balthasar Düring in Coburg eingeführt werden. 1528 fand die letzte katholische Messe in der Siechenkapelle statt. Im Jahr 1530 weilte Martin Luther ein halbes Jahr auf der Veste Coburg, weil er am Reichstag zu Augsburg wegen der über ihn verhängten Reichsacht nicht teilnehmen konnte. Coburg war der nächstgelegene sichere Ort zu Augsburg.
Unter Herzog Johann Ernst wurde Coburg 1542 erstmals Residenzstadt. Bis 1547 ließ er das aufgelöste Barfüßerkloster zum herzoglichen Stadtschloss Ehrenburg umbauen. Mit dem Tod des kinderlosen Johann Ernst 1553 endete Coburgs erste Dekade als Residenzstadt. 1577 bis 1580 erfolgte der Erweiterungsbau des Rathauses von 1438.
mini|Herzog Casimir Zwischen 1586 und 1633 war Coburg Residenz eines eigenstaatlichen Fürstentums Sachsen-Coburg. In dieser Periode gab es unter Herzog Johann Casimir in Coburg eine rege Bautätigkeit. Er ließ zwischen 1597 und 1601 für die herzogliche Behörde das Regierungshaus (ab 1957 Stadthaus) am Marktplatz errichten, legte den Grundstein zum 1605 eingeweihten Gymnasium Casimirianum und erbaute von 1616 bis 1621 das Zeughaus in der Herrengasse. Zusätzlich wurde die Veste Coburg zur Festung ausgebaut.
Während der Regierungszeit von Herzog Johann Casimir (1586–1633) fanden die meisten Hexenprozesse statt, ca. 178 sind bisher nachweisbar. Ab 1532 war es in Coburg und Heldburg zu einzelnen Prozessen gegen vermeintliche Hexen gekommen. Die intensiven Verfolgungswellen fanden 1612 bis 1619 und 1628 bis 1632 statt. Die Prozesse wurden nicht nur in Coburg, sondern auch in Heldburg und Hildburghausen durchgeführt. Als sich im September 1632 die Wallensteinschen Truppen der Stadt näherten, hörten die Prozesse für einige Jahre auf. Ab etwa 1640 wurden ca. 50 weitere Personen wegen Verdacht auf Hexerei verhaftet. Insgesamt gab es in Coburg und Umgebung im 16. und 17. Jahrhundert mindestens 228 Hexenprozesse. Nicht in allen Fällen kam es zu einer Hinrichtung der Angeklagten.Traudl Kleefeld: Wider das Vergessen. Hexenverfolgung in Franken – Stätten des Gedenkens. J. H. Röll, Dettelbach 2016. S. 26 ff.
Im Dreißigjährigen Krieg besetzten kaiserliche und bayerische Truppen unter Wallenstein 1632 die Stadt und belagerten ohne Erfolg die Veste Coburg. General Georg Christoph von Taupadel verteidigte die Stadt. Zwei Jahre später zogen kaiserliche Truppen unter General Graf Lamboy erneut in die Stadt ein und eroberten diesmal auch die Veste durch eine List. Zum Ende des Kriegs war etwa die Hälfte der Häuser zerstört und die Einwohnerzahl auf die Hälfte gesunken. mini|Coburger Kupferheller, Jahr 1683 Ab 1680 wurde Coburg wieder Residenz, diesmal von Herzog Albrecht, der allerdings 1699 kinderlos starb. Dieser baute das 1690 niedergebrannte Schloss Ehrenburg als Barockschloss wieder auf. 1714 entstand auf dem Anger ein größeres Schützenhaus. Mit Beendigung der Erbstreitigkeiten unter den Ernestinern und der Schaffung des neuen Fürstentums Sachsen-Coburg-Saalfeld wurde 1735 Coburg erneut Residenzstadt eines regierenden Herzogs und blieb es nunmehr bis zum Ende der Monarchie 1918.
19. Jahrhundert Katholiken zogen spätestens im 18. Jahrhundert wieder in die Stadt, die am 25. März 1802 den ersten Gottesdienst in einem Zimmer in der Ketschengasse 1 feierten. 1806 überließ Herzog Ernst I. von Sachsen-Coburg und Gotha der kleinen römisch-katholischen Gemeinde die Nikolauskapelle zur Nutzung.Katholische Kirchenstiftung St. Augustin (Hrsg.): Festschrift zum 150-jährigen Bestehen der Pfarrkirche St. Augustin in Coburg. Im Sommer 1806 wurde der erste Schutzbrief seit dem 15. Jahrhundert an eine jüdische Familie gegen hohe Geldzahlungen vergeben und ihr damit das Niederlassungsrecht in Coburg erteilt.Rainer Axmann: Im Schatten des „Schutzbriefes“ von 1806. In: Gerhard Amend, Christian Boseckert, Gert Melville (Hrsg.): Im Fokus: Juden und Coburg. Rückkehr, Ausgrenzung und Integration im 19. Jahrhundert. Schriftenreihe der historischen Gesellschaft Coburg e.V. Band 31, Coburg 2021, ISBN 978-3-9819391-3-2, S. 50.
Von 1803 bis 1804 lebte der Dichter Jean Paul als herzoglicher Legationsrat in der Stadt. 1806 bekam Coburg seine erste Straßenbeleuchtung. 1806 und 1807 wurde die Stadt zweimal durch französische Truppen besetzt und bis zum Frieden von Tilsit verwaltet.
Im Jahr 1824 wurden in der Stadt 40 Gewerbe ausgeübt, unter denen die Leinenweberei, die Tucherzeugung und die Gerberei dominierten.Heinrich Becker: Gewerbefleiß und Bürgersinn, Anmerkungen zur Geschichte des Kunst- und Gewerbevereins Coburg (1924–1999). In: 175 Jahre Kunst- und Gewerbeverein Coburg 1824–1999. Kunstverein Coburg e. V., 1999, S. 6
Nach dem Tod des Herzogs Friedrich IV. im Jahre 1825 endete das Herzogtum Sachsen-Gotha-Altenburg. Dies wurde gemäß dem Teilungsvertrag zu Hildburghausen unter Sachsen-Meiningen, Sachsen-Hildburghausen und Sachsen-Coburg-Saalfeld aufgeteilt. Im Jahr 1826 erhielt Herzog Ernst I., im Tausch für Sachsen-Saalfeld, unter anderem das Herzogtum Sachsen-Gotha. Das neue Staatsgebilde Sachsen-Coburg und Gotha stellte zunächst ein in Personalunion regiertes Doppelherzogtum dar. Für Coburg bedeutete dies, dass es nicht mehr alleinige Residenzstadt war, der Hof wechselte bis zum Ende der Monarchie regelmäßig zwischen Coburg und Gotha. Allerdings behielt Coburg wie Gotha seinen eigenen Landtag und die eigenständige Landesverwaltung.
Die Coburger Bevölkerung befürchtete die dauerhafte Verlegung des Hofes nach Gotha, das in zunehmendem Maße die volkreichere und repräsentativere Stadt mit wichtigem Gewerbe, Versicherungen und wachsender Industrie wurde.Peter Morsbach, Otto Titz: Stadt Coburg. Ensembles-Baudenkmäler-Archäologische Denkmäler. Denkmäler in Bayern. Band IV.48. Karl M. Lipp Verlag, München 2006, ISBN 3-87490-590-X, S. XCIII.
In die Regierungszeit von Herzog Ernst I. fiel die Neugestaltung der beiden Nordflügel des Residenzschlosses Ehrenburg ab 1816 sowie des Schlossplatzes mit der Schaffung der Arkaden und des heutigen Hofgartens. Zusätzlich wurde von 1837 bis 1840 das Hoftheater (heutiges Landestheater) gebaut. Mit dem herzoglichen Kunst- und Naturalienkabinett (heutiges Naturkunde-Museum) erhielt die Bevölkerung 1844 einen ersten Zugang zu den Kunstschätzen der Herzöge von Sachsen-Coburg. 1852 wurde in Coburg die herzogliche Baugewerkschule als Vorläuferin der späteren Hochschule Coburg gegründet.
1854 entstand die erste Gasfabrik und 1858 erhielt Coburg durch die Werrabahn am Coburger Bahnhof den ersten Eisenbahnanschluss. Diese Eisenbahnverbindung führte unter anderem dazu, dass in den folgenden 60 Jahren Kaiser, Zaren, Könige und Fürsten oft zum Besuch ihrer Verwandtschaft nach Coburg kamen. mini|Reiterdenkmal Herzog Ernsts II. im Coburger Hofgarten Unter der Regentschaft und dem Patronat des liberalen Nachfolgers von Herzog Ernst II. wurde Coburg Zentrum der in Vereinen organisierten deutschen Nationalbewegung. Der 1859 gegründete Deutsche Nationalverein hatte seinen Sitz in Coburg. In der herzoglichen Reithalle am Schlossplatz wurde im Juli 1860 das Erste Deutsche Turn- und Jugendfest sowie im September die erste Generalversammlung des Deutschen Nationalvereins veranstaltet. Zwei Jahre später im Jahr 1862 erfolgte die Gründung des Deutschen Sängerbundes. 1872 wurde die Stadt außerdem ständiger Tagungsort des Coburger Landsmannschafter-Verbandes (LC). Bei den genannten Veranstaltungen besuchten meist einige tausend Teilnehmer und Gäste die Stadt.
Als 49. deutsche Stadt bekam Coburg 1853 ein Gaswerk. Schon 1860 baute man das erste Wasserklosett britischer Herstellung in Schloss Ehrenburg für die Königin Victoria von Großbritannien ein. Die ersten hölzernen Trinkwasserleitungen wurden 1870 von den Quellen des Kürengrunds und Pilgramsroths in die Stadt geführt. Ab 1891 errichtete man zur Wasserversorgung ein Netz, das von 13 Kilometer entfernt liegenden Quellen bei Fischbach im Froschgrund gespeist wurde. Um 1880 wurde der Schlachthof eröffnet.
Der Walzerkönig Johann Strauss kam 1886 von Wien in die Stadt, um Coburger Bürger zu werden, damit er sich scheiden lassen konnte. 1894 waren anlässlich der Fürstenhochzeit des Großherzogs Ernst Ludwig von Hessen und bei Rhein mit der Tochter von Herzog Alfred, Victoria Melita von Sachsen-Coburg und Gotha, deren gemeinsame Großmutter die Königin Victoria von Großbritannien, der deutsche Kaiser Wilhelm II., der spätere Zar Nikolaus II. von Russland und weitere hocharistokratische Verwandtschaft zu Besuch in Coburg.
Der Schlosser, Unternehmer und Erfinder Andreas Flocken, der seit 1883 in der Callenberger Straße eine Maschinenfabrik für die Landwirtschaft betrieb, entwickelte dort 1888 den Flocken-Elektrowagen, der als das erste vierrädrige Elektroauto der Welt gilt.
20. und 21. Jahrhundert mini|Hochwasser in der Lossaustraße, Februar 1909