Oceanospirillales sind eine Ordnung der Gammaproteobacteria in der Klasse Pseudomonadota (Proteobakterien). Wie alle Proteobacterien sind die dazugehörigen Arten gramnegativ. Der Stoffwechsel ist chemoorganotroph, das heißt für die Energiegewinnung werden organische Stoffe abgebaut, wie es auch bei allen Tieren und dem Menschen der Fall ist. Einige Arten sind in der Lage, Erdöl abzubauen, was sie für den Abbau von Ölverschmutzungen interessant macht.
Erscheinungsbild Die Bakterien sind meist durch Büschel von Flagellen oder einzelne Flagellen beweglich (motil). So besitzen Arten von Oceanospirillum in der Regel an beiden Zellenden Geißelbüschel, sie sind polytrich-bipolar (amphitrich) begeißelt. Die Art Balneatrix alpica (Balneatricaceae) ist mit ein bis zwei Geißeln polar begeißelt. Zu den Mitgliedern, die keine Geißeln tragen, gehört zum Beispiel Carnimonas (Halomonadaceae). Die Mehrzahl der Arten sind stäbchenförmig, die Zellform von Oceanospirillum ist jedoch spiralförmig (helikal).
Ökologie Einige Arten tolerieren einen Mangel bis vollkommenen Ausschluss von Sauerstoff; sie sind fakultativ aerob. Die meisten sind aber auf Sauerstoff angewiesen (obligat aerob); allerdings gibt es auch auf geringe Sauerstoffkonzentrationen spezialisierte Arten (mikroaerobe Arten). Zu letzteren zählt z. B. die marine Art Marinospirillum megaterium der Familie Oceanospirillacae. Viele Arten der Ordnung sind halotolerant bis halophil, sie können also in Umgebungen mit hohen Salzkonzentrationen leben (halotolerant) oder sind gar auf hohe Konzentrationen angewiesen (halophil).
Das stäbchenförmige Bakterium Alcanivorax borkumensis ist in der Lage, langkettige Alkanverbindungen abzubauen, wie sie z. B. im Erdöl vorkommen. Dementsprechend kommt es verstärkt in mit Öl verschmutzter Umwelt vor. Es zählt somit zu den hydrocarbonoklastischen Bakterien und ist von Bedeutung für biotechnologischen Abbau von Ölverschmutzungen. Es wurde im Jahr 1998 erstbeschrieben und wird nun der Familie der Alcanivoracaceae zugeordnet. Die Art Oleibacter marinus ist ebenfalls zum Abbau von Alkanketten fähig, was das Bakterium für die Beseitigung von Erdölverschmutzungen im tropischen Meer interessant macht. Oleibacter zählt zu der Familie der Oceanospirillaceae. Die kälteliebende Art Oleispira antarctica sowie die Art Thalassolituus oleivorans können ebenfalls langkettige Alkane nutzen. Oleispira und Thalassolituus werden den Oceanospirillaceae zugeordnet.
Systematik Es folgt eine Liste der Familien mit einigen Beispielen von Gattungen (und Arten) gemäß der LPSN (Stand 4. September 2026):LPSN. Order Oceanospirillales Garrity et al. 2005.
Oceanospirillales et al. 2005
Aestuariirhabdaceae et al. 2020 Aestuariirhabdus et al. 2020
Alcanivoracaceae corrig. et al. 2005 Alcanivorax et al. 1998 Alcanivorax borkumensis
Balneatricaceae corrig. et al. 2019 Balneatrix et al. 1993 Balneatrix alpica Pokkaliibacter et al. 2019
Endozoicomonadaceae et al. 2018 Endozoicomonas 2007
Gynuellaceae et al. 2020 Gynuella et al. 2015
Hahellaceae et al. 2005 Hahella et al. 2001 Halospina et al. 2006
Halomonadaceae et al. 1989 Carnimonas et al. 1998 Carnimonas nigrificans Halomonas et al. 1980 Halomonas titanicae
Kangiellaceae et al. 2015 Kangiella et al. 2004
Litorivicinaceae 2023 Litorivicinus 2023
Natronospirillaceae et al. 2020 Natronospirillum et al. 2020
Oceanospirillaceae et al. 2005 Amphritea et al. 2023 Marinomonas 1984 Marinospirillum et al. 1998 Oceanospirillum et al. 1973 (Approved Lists 1980) – Typusgattung
Oleiphilaceae et al. 2002 Oleiphilus et al. 2002 Oleiphilus messinensis
Saccharospirillaceae et al. 2020 Saccharospirillum et al. 2003
„Zooshikellaceae“ et al. 2020 Zooshikella et al. 2003
Familie nicht zugewiesen: Marinicellulosiphila et al. 2025 – in der GTDB zu Natronospirillaceae Salicola et al. 2006 Salicola marasensis Salicola sp. Rm-C-2C1-2 – in der GTDB Halospina sp040196175 (Hahellaceae) Spongiispira et al. 2008 Spongiispira norvegica
Literatur George M. Garrity (Hrsg.): Bergey’s Manual of Systematic Bacteriology. 2. Auflage, Band 2: The Proteobacteria. Part B: The Gammaproteobacteria. Springer, New York 2005, ISBN 0-387-95040-0, S. 269–323, "Order VIII. Oceanospirillales ord. nov"
Weblinks
Einzelnachweise J. P. Euzéby: List of Prokaryotic Names with Standing in Nomenclature. – Alcanivorax (Stand: 20. Oktober 2022).