mini|Jugoslawischer Kavallerist auf Parade in Belgrad, 1930 Die Jugoslawische Armee (), bis Oktober 1929 Armee des Königreichs der Serben, Kroaten und Slowenen (), stellte die Landstreitkräfte des Königreichs der Serben, Kroaten und Slowenen (1918–1929) sowie des Königreichs Jugoslawien (1929–1941) dar.
Als Ergebnis des Balkanfeldzugs kapitulierte die Jugoslawische Armee am 17. April 1941. Ab Juni 1941 wurde eine Exilarmee in Ägypten aufgestellt. Außerdem nahmen viele Veteranen der Jugoslawischen Armee als Teil der kommunistischen Volksbefreiungsarmee, der serbisch-nationalistischen Tschetnik-Bewegung, der Kroatischen Heimwehr, der Slowenischen Heimwehr oder anderer Fraktionen auf verschiedenen Seiten am Partisanenkrieg in Jugoslawien teil.
Organisationsgeschichte
Gründung mini|Vereidigung von jugoslawischen Wehrpflichtigen, 1921 Die Jugoslawische Armee ging im Dezember 1918 hauptsächlich aus dem Serbischen Heer hervor. Die neue Streitmacht stellte hierbei eine Fusion aus den serbischen Streitkräften, die 1918 insgesamt 145.225 Soldaten aller Dienstgrade umfassten, und den Truppen des im zusammenbrechenden Habsburgerreich entstandenen Nationalrats der Slowenen, Kroaten und Serben dar, dem ~15.000 Soldaten die Treue hielten, dar. Das serbische Heer hatte im November 1918 aus sechs Infanterie- und einer Kavalleriedivision bestanden und war als Teil der Entente-Streitmächte an der Salonikifront.
Nicht alle Soldaten der späteren königlichen Armee waren mit der Proklamation eines Königreichs der Serben, Kroaten und Slowenen am 1. Dezember 1918 einverstanden. In Zagreb rebellierten Soldaten des 25. Heimwehrregiments und des 53. Infanterieregiments des ehemaligen Habsburgerheeres, die als politische Staatsform für einen südslawischen Staat eine Republik forderten. Diesen Rebellen traten kroatische Seeleute sowie kroatische Ableger der Sokol-Bewegung entgegen. Als Resultat der Rebellion wurden alle Regimenter des ehemaligen Habsburgerreiches, die intakt zur jugoslawischen Armee übergelaufen waren, bis zum Jahreswechsel 1918/1919 restlos aufgelöst. mini|Königlich-jugoslawische Gebirgsartillerie Mit der Aufstellung der Regierung des neuen Königreichs am 20. Dezember 1918 wurde auch gemeinsames Ministerium der Armee und der Flotte geschaffen. Das vormalige Oberkommando der serbischen Armee wurde zum neuen Oberkommando der königlichen Armee. Das Ministerium begann Mitte Januar 1919, eine neue Heeresstruktur auszuarbeiten. Bis Ende 1921 wurde die Armee umgruppiert, sodass sie fortan aus sechzehn Infanteriedivisionen in vier nummerierten Armeen mit Hauptquartieren in Novi Sad (1. Armee), Sarajevo (2. Armee), Skopje (3. Armee) und Zagreb (4. Armee) bestand. Jede Armee erhielt ein schweres Artillerieregiment und ein Haubitzenregiment, jede Infanteriedivision bekam ein Feldartillerieregiment zugewiesen. Als Rekrutierungsmaßnahme hatte das Königreich ein System der Wehrpflicht, um die Friedensstärke von 140.000 Mann zu erhalten. Nachdem sich die heftige Rivalität der unmittelbaren Nachkriegszeit mit dem Königreich Italien im Jahr 1922 beruhigte, wurde die Friedensstärke auf 100.000 Mann abgesenkt.
Im März 1919 wurde die jugoslawische Luftwaffe gegründet, die zunächst aus einem Luftwaffenoberkommando, einer Pilotenschule, einem Arsenal und vier Fliegerstaffeln bestand, wobei jede Armee eine Staffel zugewiesen bekam. Die Heimatflugplätze der Staffeln wurden an den Städten der jeweiligen Armeekommandos errichtet. Den Befehl der Luftwaffe übernahm der ehemalige Luftwaffenchef des Habsburgerreiches Emil Uzelac.
Auch eine kleine königliche Marine wurde Mitte des Jahres 1919 gegründet, verfügte jedoch zunächst über keine Schiffe. Erst in der Form von Kriegsreparationen (Vertrag von Saint-Germain) erhielt die jugoslawische Flotte vier Monitore und 12 Torpedoboote. Konflikte der Gründungszeit Die Aufgabe der jugoslawischen Streitkräfte unmittelbar nach dem Waffenstillstand von Villa Giusti war es, die jugoslawischen Grenzansprüche gegenüber Österreich und Ungarn durchzusetzen, die Grenzen zu Albanien und Bulgarien zu stabilisieren und Grenzrevisionen durch die vorrückenden italienischen und rumänischen Armeen zu verhindern. Vom Waffenstillstand bis zum 10. September 1919 waren die königlichen Truppen in den Kärntner Abwehrkampf entlang der österreichischen Grenze verwickelt. Außerdem marschierten jugoslawische Verbände im Jahr 1921 an der Grenze zu Ungarn auf, um die Restauration von Karl von Habsburg als König Ungarns zu verhindern. Außerdem waren jugoslawische Truppen in kleinere Grenzzwischenfälle entlang den Grenzen mit Albanien und Bulgarien verwickelt.
Heeres- und Flottengesetz von 1923 Mit einem neuen Gesetz des Heeres und der Flotte im Jahr 1923 wurden alle Staatsbürger zwischen 21 und 50 Jahren für wehrdienstpflichtig erklärt, wobei die 21- bis 40-jährigen in der regulären Armee und die 40- bis 50-jährigen in einer Reservekomponente Dienst tun sollten. Die Dienstzeit eines Wehrpflichtigen wurde auf 18 Monate festgesetzt. Der bisher alleinstehende Generalsrang wurde auf drei abgestufte Generalsdienstgrade diversifiziert. Erstmals wurde der Chef des jugoslawischen Generalstabs explizit dem Armeeministerium unterstellt, über dessen Wünsche er sich zuvor hatte hinwegsetzen können.
Situation zu Kriegsausbruch 1941
Zum Zeitpunkt des Angriffs der Achsenmächte auf Jugoslawien war das Königreich in acht Heeresdistrikte eingeteilt. Innerhalb von drei verschiedenen Heeresgruppen waren fünf Armeen sowie die 3. Territorialarmee verteilt. Darüber hinaus gab es eine 5. Armee, eine 6. Armee und eine Küstenarmee, die keiner der Heeresgruppen unterstellt waren. Die Heeresgruppe 1 unter Armeegeneral Milorad Petrović verteidigte den Nordteil des Landes mit der 7. Armee in Slowenien und der 4. Armee in Kroatien-Slawonien. Die Heeresgruppe 2 unter Armeegeneral Milutin Nedić war im Osten des Landes disloziert und verfügte über die 2. Armee in Ostkroatien sowie die 1. Armee in der Vojvodina und in Zentralserbien. Die Heeresgruppe 3 unter Milan Nedić war im Süden und Südosten des Landes aufgestellt und verfügte über die 3. Armee entlang der albanischen Grenze sowie die 3. Territorialarmee in Nordmazedonien. Die 5. und 6. Armee waren in Serbien aufgestellt.mini|Truppenverteilungen zu Beginn des Balkanfeldzugs, 6. April 1941Die Jugoslawische Armee verfügte zum Zeitpunkt des Kriegsausbruchs über 28 Infanteriedivisionen, die aus 16 Friedensdivisionen und 12 Mobilisierungsdivisionen bestand. Die Friedensdivisionen waren die 3., 5., 7., 9., 10., 12., 15., 17., 20., 25., 27., 30., 31., 38., 46., und 50. Division, die Mobilisierungsdivisionen waren die 1., 8., 13., 22., 32., 33., 34., 40., 42., 44., 47. und 49. Division. Jeder der Divisionen trug außer ihrer Ordinalzahl noch eine Bezeichnung, die sich üblicherweise aus einer nahegelegenen Ortschaft oder geographischen Region ableitete. Jede Infanteriedivision bestand aus drei Infanterieregimentern, einem Artillerieregiment und einem Kavalleriebataillon. Jedes der Infanterieregimenter bestand aus drei Bataillonen zu jeweils vier Kompanien.
Außer den 28 Infanteriedivisionen gab es noch drei Kavalleriedivisionen, die von 1 bis 3 durchnummeriert waren und aus jeweils zwei Kavalleriebrigaden zu je zwei Regimentern bestanden, die durch verschiedene Divisionstruppen unterstützt wurden.
Kriegsgliederung der jugoslawischen Armee, 6. April 1941 + Kriegsgliederung der jugoslawischen Armee, 6. April 1941 Heeresgruppe Armee Divisionen und AbteilungenReservekommando(Belgrad) Strategische Reserve 1. Division „Cerska“, 33. Division „Lička“, 44. Division „Unska“ (Bihać), 47. Division „Dinarska“ Küstenarmee (Kotor) 12. Division „Jadranska“ (Mostar), Festungskommando Šibenik, Festungskommando Boka Kotor, Abteilung „Čaplinski“, Abteilung „Trebinje“Heeresgruppe 1(Zagreb) 4. Armee (Zagreb) 27. Division „Savska“ (Zagreb), 40. Division „Slavonska“ (Slavonski Brod), 42. Division „Murska“ (Varaždin), Abteilung „Ormoski“ 7. Armee (Ljubljana) 32. Division „Triglavska“ (Celje), 38. Division „Dravska“ (Ljubljana), 1. Kavalleriedivision, Abteilung Lička (Planina), Gebirgsabteilung Risnjački (Ribnica), Gebirgsabteilung Triglavski (Bistrica)Heeresgruppe 2(Sremska Mitrovica) 1. Armee (Novi Sad) 7. Division „Potiska“ (Subotica), 3. Kavalleriedivision, Abteilung „Secanski“, Abteilung „Somborski“, Abteilung „Žabalski“ 2. Armee (Sarajevo) 10. Division „Bosanska“ (Sarajevo), 17. Division „Vrbaska“ (Banja Luka), 30. Division „Osijek“ (Osijek)Heeresgruppe 3(Skopje) Heeresgruppenreserve 22. Division „Ibar“ 3. Armee 13. Division „Hercegovačka“, 15. Division „Zetska“ (Cetinje), 25. Division „Vardarska“ (Podgorica), 31. Division „Kosovska“ (Pristina), Kavallerieabteilung „Komski“ 3. Territorialarmee 5. Division „Šumadiska“, 20. Division „Bregalnica“, 46. Division „Moravska“, Abteilung „Strumički“direkt unter Oberkommando 5. Armee 8. Division „Krajina“, 9. Division „Timočka“ (Zaječar), 34. Division „Toplička“, 50. Division „Drinska“, 2. Kavalleriedivision, Abteilung „Kalinski“, Abteilung „Vlasinski“ 6. Armee (Belgrad) 3. Division „Dunavska“ (Belgrad), 49. Division „Sremska“ (Sremska Mitrovica), Abteilung „Braničevski“, Abteilung „Požarevačka“, Abteilung „Smederevski“, Abteilung „Banatski“, Abteilung „Savski“
Balkanfeldzug mini|Kolonne jugoslawischer Kriegsgefangener in Maribor Ab dem 6. April begann der Balkanfeldzug der Achsenmächte. An der Nordfront durchschlugen die Deutschen am zweiten Gefechtstag die Abwehrstellungen der Rupnik-Linie und zerschlugen die 38. Division Dravska. Bereits am dritten Tag des Feldzugs war der Großteil Sloweniens in deutscher Hand, weshalb die slowenische 32. Division „Triglavska“ sowie die in kroatischen Divisionen 27 „Savska“ und 40 „Slavonska“ bereits massive Auflösungserscheinungen zeigten. Am 9. April drangen die Deutschen in Kroatien ein und bereiteten den Einmarsch in Zagreb vor, wobei die 40. Division „Slavonska“ praktisch zerschlagen wurde. Am 10. April begann der Einmarsch der Achsenmächte aus Ungarn, wobei Varaždin besetzt wurde. Am 11. April nahmen deutsche Truppen die Städte Celje, Karlovac und Osijek in Slowenien und Kroatien ein, während die Italiener Ljubljana besetzten. Am 13. April war die italienische Besetzung der Halbinsel Istrien abgeschlossen. Am 14. April nahmen die Deutschen Valjevo und Kraljevo ein, während die Italiener bei Knin der 12. Division „Jadranska“ eine schwere Niederlage zufügten. Am gleichen Tag besetzten ungarische Truppen den Großteil der Vojvodina. Am 16. April folgte die italienische Besatzung der Städte Metković, Sarajevo und Mostar sowie am 17. April der Einmarsch der Italiener in Trebinje und Dubrovnik.
Entlang der Westküste ging die jugoslawische 12. Division „Jadranska“ am 9. April in die Offensive gegen die italienische Exklave Zara an der kroatischen Küste. Die Belagerung der 12. Division wurde jedoch am 13. April von den Italienern gebrochen. Am 15. April besetzten die Italiener die kroatischen Küstenstädte Split und Šibenik.
Im Osten rückten deutsche Truppen am 11. April in Kragujevac und Pancevo ein, während die Ungarn ihren Angriff auf Baranja und Batschka eröffneten. Am 12. April eroberten die Deutschen Belgrad und die Ungarn Novi Sad. mini|Jugoslawische Offiziere in deutschem Gewahrsam