Die Krebsbachtalbahn ist eine normalspurige Nebenbahn im Norden Baden-Württembergs. Die Stichbahn zweigt im Bahnhof Neckarbischofsheim Nord von der Bahnstrecke Meckesheim–Neckarelz ab und verläuft entlang des namensgebenden Krebsbachs nach Hüffenhardt. Die 16,9 Kilometer lange Strecke wurde am 16. Oktober 1902 dem Betrieb übergeben. Seit 2024 ist die Albtal-Verkehrs-Gesellschaft (AVG) das Eisenbahninfrastrukturunternehmen der Strecke.
Die Südwestdeutsche Verkehrs-Aktiengesellschaft (SWEG) stellte den regulären Schienenpersonenverkehr auf der Strecke zum 1. August 2009 ein. Seitdem gibt es auf der Strecke nur noch einen eingeschränkten Ausflugsverkehr, der vom Förderverein Krebsbachtalbahn e. V. und der DB Regio durchgeführt wird. Die Krebsbachtalbahn ist dabei in den Verkehrsverbund Rhein-Neckar (VRN) integriert, was auch die Freifahrt für Behinderte umfasst.https://www.oepnv-info.de/freifahrt/informationen/baden-wuerttemberg/sonstige-bahnen-baden-wuerttemberg/krebsbachtalbahn#more-3353 Es ist die letzte noch original erhaltene Nebenbahn im nördlichen Baden-Württemberg.Broschüre Krebsbachtalbahn des Fördervereins
Die Krebsbachtalbahn soll zwischen Neckarbischofsheim Nord und Bad Rappenau-Obergimpern für den regelmäßigen Personennahverkehr reaktiviert und elektrifiziert werden und über eine Neubauverbindungsstrecke mit der Elsenztalbahn verbunden und von der Stadtbahn Heilbronn bedient werden.
Geografie Die Krebsbachtalbahn erschließt den äußersten Nordosten des Kraichgaus. Ihren Namen erhielt sie vom Krebsbach, einem Nebenfluss des Schwarzbachs, dem sie von Neckarbischofsheim bis Obergimpern folgt. Von Neckarbischofsheim Nord bis Untergimpern befindet sich die Bahnlinie innerhalb des Rhein-Neckar-Kreises, Obergimpern und Siegelsbach sind Teil des Landkreises Heilbronn, die Endstation Hüffenhardt liegt im Neckar-Odenwald-Kreis.
Der Ausgangsbahnhof Neckarbischofsheim Nord liegt dabei drei Kilometer von der Stadt Neckarbischofsheim entfernt auf der Gemarkung von Waibstadt, er erschließt deren Stadtteil Bernau.
Somit führt die Strecke auf 17 Kilometern durch fünf Gemeinden und drei Landkreise.
Geschichte mini|Bahnhof Neckarbischofsheim Stadt um 1905
Planung und Bau Im Zuge des Baus der Badischen Odenwaldbahn war die Stadt Neckarbischofsheim außer Acht geblieben; denn die Bahn führte drei Kilometer an ihr vorbei. Zwar war die Stadt in der Folgezeit bemüht, wenigstens einen Bahnhaltepunkt zu bekommen, was jedoch am Widerstand der Großherzoglich Badischen Staatseisenbahnen (BadStB) scheiterte, die auf die geringe Nutzung der nächstgelegenen Stationen Waibstadt und Helmstadt verwiesen.
Erst 1887 erhielt Neckarbischofsheim einen Bahnhof an der ehemaligen Odenwaldbahn-Teilstrecke Meckesheim–Neckarelz, dessen Ausführung allerdings eher bescheiden blieb. So verzichtete die BadStB aufgrund wirtschaftlicher Überlegungen auf Güterladegleise. In Folge setzte sich die Stadt Neckarbischofsheim für den Bau einer Nebenbahn ein. Aber auch die Kalkbrüche zwischen Helmhof und Obergimpern favorisierten einen Bahnanschluss. Daher gründete sich in den neunziger Jahren des 19. Jahrhunderts ein entsprechendes Bahnkomitee, das sich für eine Nebenbahn von Neckarbischofsheim über Obergimpern und Siegelsbach bis nach Hüffenhardt einsetzte. Dieses richtete sich an die Firma Lenz & Co., die daraufhin eine Projektstudie durchführte. Die Realisierung des Projektes erfolgte als Privatbahn durch die Badischen Lokal-Eisenbahnen (B.L.E.A.G.), einer Tochter von Lenz.
War ursprünglich Waibstadt als Ausgangspunkt der Nebenbahn vorgesehen, wobei die Nebenbahn bis zur Station Neckarbischofsheim der Staatsbahnstrecke folgen sollte, so scheiterte dies am Widerstand der Waibstädter Bevölkerung, die durch dort stationierte Lokomotiven eine Ruß- und Rauchbelästigung befürchtete. Am 6. Februar 1900 legte die badische Regierung ein Gesetz vor, das den Bau dieser Nebenbahn beinhaltete. Da sich in Obergimpern der Grunderwerb für den Bahnbau schwierig gestaltete, konnte die Strecke erst ab März 1902 gebaut werden. Trotzdem verlief die Errichtung der Bahnlinie sehr schnell.
Weitere Entwicklung mini|Fahrplan aus dem Jahr 1909
Die Strecke wurde am 15. Oktober 1902 eröffnet; einen Tag später begann der planmäßige Verkehr. In der Folgezeit stellte sich jedoch heraus, dass das Verkehrsaufkommen hinter den Erwartungen zurückblieb. Dies hatte zur Konsequenz, dass die B.L.E.A.G. 1927 bei der badischen Regierung die Stilllegung der Bahn beantragte. Um das zu verhindern, wurde ein staatlicher Ausgleich der Defizite vereinbart.
Im Jahr 1931 wechselte die Strecke zur Deutschen Eisenbahn-Betriebsgesellschaft (DEBG), nachdem die B.L.E.A.G. infolge der Weltwirtschaftskrise Konkurs anmelden musste. Das änderte jedoch nichts an den Defiziten der Bahnlinie.
1940 wurde ein Gleisanschluss zur 1939 eröffneten Munitionsanstalt Siegelsbach gebaut und die Gleisanlagen im Siegelsbacher Bahnhof erweitert. In der Munitionsanstalt wurden Artilleriegranaten endmontiert und später auch V2-Raketen zwischengelagert. Mindestens ein Zug mit fertigen Granaten verließ die Anlage in ihrer Hochphase täglich, mit der Anlieferung von Pulver und Granatkartuschen sowie mit dem An- und Abtransport der V2-Raketen mit Tarnzügen wurde damit von der Munitionsanstalt wohl ein Transportvolumen von mehreren Zügen pro Tag erreicht.Rudolf Petzold: Militärstandort Siegelsbach, in: Kraichgau. Beiträge zur Landschafts- und Heimatforschung, Folge 18, 2003, S. 299–335.
mini|MAN-Schienenbus in Untergimpern (Juli 2009) mini|MAN-Schienenbus am Ausgangspunkt in Neckarbischofsheim Nord (Juli 2009)
Während sich der Güterverkehr auf der Krebsbachtalbahn nach dem Zweiten Weltkrieg positiv entwickelte, stagnierten die Beförderungszahlen im Personenverkehr. Deshalb übernahm 1963 SWEG die Strecke, die sie unter dem Namen „NH“ (Neckarbischofsheim–Hüffenhardt) führte. Mitte der sechziger Jahre wurde der Betrieb mit Dampflokomotiven zugunsten von Dieseltriebwagen aufgegeben.
Nachdem die Zulaufstrecke Meckesheim–Neckarelz 1945 durch die Sprengung der Neckarbrücke zwischen Obrigheim und Neckarelz unterbrochen und 1971 der Abschnitt Aglasterhausen–Obrigheim stillgelegt worden war, liebäugelte die Deutsche Bundesbahn (DB) damit, den Betrieb auf der Reststrecke ebenfalls einzustellen. Da dies jedoch ebenso für die Krebsbachtalbahn das Aus bedeutet hätte, entschloss sich die SWEG, zum 1. Januar 1982 den Streckenabschnitt Meckesheim–Aglasterhausen von der Deutschen Bundesbahn zu übernehmen.
Ende des regulären Verkehrs Im August 2009 begannen die Bauarbeiten für die Elektrifizierung und den Umbau der Bahnstrecke Meckesheim–Neckarelz für die S-Bahn RheinNeckar. Ohne einen SWEG-Betrieb zwischen Meckesheim und Aglasterhausen wäre die Krebsbachtalbahn zu einem verkehrsschwachen Inselbetrieb geworden. Sowohl SWEG als auch die baden-württembergische Landesregierung machten daher 2006 deutlich, dass der Betrieb zwischen Neckarbischofsheim und Hüffenhardt spätestens zum Sommer 2009 enden wird. Da die SWEG für die Krebsbachtalbahn kein Betreiberentgelt durch die NVBW erhielt, war die Strecke ohnehin kaum rentabel. Begleitet von der Bevölkerung und zahlreichen Eisenbahnfreunden verkehrte am 31. Juli 2009 als letzter regulärer Personenzug ein MAN-Schienenbus in Dreifachtraktion ohne offizielle Abschiedszeremonien.
Trotz des Rückzugs aus dem Schienenverkehr auf beiden Strecken führte die SWEG in ihrer Werkstatt in Neckarbischofsheim Nord weiterhin Hauptuntersuchungen ihrer Triebfahrzeuge durch. Zusätzlich vermietete die SWEG Anfang 2008 Teile der Werkstätten an den Mosbacher Lokomotivhersteller Gmeinder, der die Endmontage seiner Lokomotiven von Mosbach in sein neues „Werk II“ verlagerte. Im Juni 2008 konnte der erste Rollout einer in Bernau modernisierten Lok gefeiert werden. In Mosbach stand Gmeinder nur ein rund 300 m langer Gleisanschluss für Probefahrten zur Verfügung. Sowohl SWEG als auch Gmeinder verwendeten die in gutem Zustand befindliche Krebsbachtalbahn auch nach Einstellung des regulären Verkehrs als Teststrecke, womit ihr Erhalt vorerst gesichert war.der schienenbus 3/2008, S. 79 Ein von den Anliegergemeinden vorgeschlagener touristischer Draisinenverkehr war damit jedoch nicht möglich. Der ebenfalls vorgeschlagene Museumsbetrieb, beispielsweise durch die Unterländer Eisenbahnfreunde, wäre zwar technisch möglich gewesen, erwies sich aber als finanziell nicht realisierbar.
Freizeitverkehr Durch Initiative des Verkehrsverbundes Rhein-Neckar (VRN), der Landkreise, der NVBW und der Kommunen gibt es seit 2010 an Sonn- und Feiertagen einen Freizeitverkehr überwiegend mit Uerdinger Schienenbussen. Der schlechte Oberbau – besonders zwischen Unter- und Obergimpern – schloss den Betrieb mit Dampfzügen anfangs aus. Mittels vier bis sechs Fahrten je Richtung werden alle bisherigen Unterwegshalte überwiegend im Zweistundentakt bedient. Als Fahrschein gelten die regulären Verbundfahrscheine des VRN, aber auch entsprechend gültige Fahrscheine von bwtarif, DB und HNV sowie das Deutschland-Ticket. Im ersten Betriebsjahr des Freizeitverkehrs, Juni bis Oktober 2010, kam ein Uerdinger Schienenbus zum Einsatz. (PDF-Datei; 2,44 MB) Nach diesem erfolgreichen Jahr mit 4500 Fahrgästen an 19 Betriebstagen, bzw. durchschnittlich 27 Fahrgästen pro Zug, wurden die Fahrten 2011 bereits ab Mai angeboten. Als Fahrzeug sollte als angestammter Typ ein Esslinger Triebwagen zum Einsatz kommen, was aber nur 2014 der Fall war. (PDF-Datei; 4,68 MB).
In den Folgejahren fanden von Mai bis Oktober an Sonn- und Feiertagen und an einem bis zwei Mittwochen bzw. 2022 einem Samstag pro Monat Ausflugsfahrten statt. 2023 fährt der „Krebsbachtäler“ genannte Freizeitexpress sonn- und feiertags von Mai bis Oktober.www.bwegt.de Von Dezember 2014 bis Sommer 2016 verkehrten im Advent und zu Ostern Dampfzüge mit Fahrzeugen des Süddeutschen Eisenbahnmuseums Heilbronn.
Die Ausflugszüge im Sommer 2016 wurden von etwa 4000 Fahrgästen genutzt. Diese Fahrten kosten den Rhein-Neckar-Kreis und die Gemeinden Neckarbischofsheim und Waibstadt jährlich 70.000 Euro.
Übernahme durch die Erms-Neckar-Bahn Ende Juli 2013 lief die Betriebskonzession des damaligen Eisenbahninfrastrukturunternehmens SWEG aus,Nur eine Galgenfrist für Krebsbachtalbahn. Rhein-Neckar-Zeitung, 18. Juli 2013, abgerufen am 2. Oktober 2018. wurde dann aber kurzfristig bis Ende September des Jahres verlängert.Krebsbachtalbahn: Gemeinsam oder gar nicht. Rhein-Neckar-Zeitung, 10. August 2013, abgerufen am 1. Oktober 2018 Die geplante Übernahme durch das neue EIU Erms-Neckar-Bahn AG (ENAG) scheiterte zunächst daran, dass dem Vertrag zur Übernahme des aus der Vorhaltung der Infrastruktur entstehenden Defizits zwar alle Landkreise, von den betroffenen Gemeinden aber eine nicht zugestimmt hatte: die Gemeinde Siegelsbach forderte, dass sie bereits 2016 und nicht erst, wie im Entwurf vorgeschlagen, 2018 aus dem Vertrag aussteigen könne. Sie machte ihre Zustimmung daran fest, dass bis 2016 Maßnahmen ergriffen werden, um auch den Schülerverkehr wieder auf die Schiene zu bringen. Konkret ging es bei der Gemeinde um einen zu leistenden Beitrag von jährlich 5870 Euro.Krebsbachtal: Förderverein befürchtet Aus. Heilbronner Stimme, 12. August 2013, abgerufen am 17. September 2013
Nachdem der Vertragsentwurf um Bestimmungen ergänzt wurde, wonach in den ersten drei Jahren zunächst keine Bahnübergänge saniert werden und, für den Fall einer endgültigen Stilllegung, die Rückbaukosten nicht zu Lasten der anliegenden Gemeinden gingen, stimmte der Gemeinderat von Siegelsbach am 17. September einer Vertragsunterzeichnung zu.Armin Guzy: Die Krebsbachtalbahn ist vorläufig gerettet. Rhein-Neckar-Zeitung, 19. September 2013, abgerufen am 2. Oktober 2018 Somit stand einer Übernahme der Strecke durch die Erms-Neckar-Bahn nichts entgegen.