Hier wird die Geschichte der Stadt Wiehl in Nordrhein-Westfalen behandelt, die bis auf das 12. Jahrhundert zurückreicht.

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Mittelalter Wiehl wurde erstmals 1131 in der Päpstlichen Besitzbestätigung für das Bonner Sankt Cassius Stift, das in Wila einen Hof und den Kirchenzehnten besaß, urkundlich erwähnt. Die Schreibweise der Erstnennung war Wila. Im Jahre 1250 trug der Ritter (oder Graf) Adolf von Wyle dem Grafen von Berg seine Herrschaft von Bieberstein bis zur Wiehlmündung zum Lehen an und wurde dessen Erztruchsess (Haushofmeister) und erster Bergischer Vogt zu Windeck. Bereits im 11. Jahrhundert wurden Ritter zu Wyle genannt.

1385 bemühten sich die Grafen von Sayn beziehungsweise von Sayn-Wittgenstein durch Zukauf der Vogtei Wiehl um den Ausbau ihrer kleinen Reichsherrschaft Homburg. Ein Vogteigericht in Wiehl hatte schon seit dem hohen Mittelalter Bedeutung. Das in der Neuzeit daraus hervorgegangene Amtsgericht bestand bis zur kommunalen Gebietsreform 1969.

Neuzeit Für das Jahr 1528 existiert ein Hinweis auf die frühe Eisenverarbeitung mit wassergetriebenem Hammer, wahrscheinlich am Ohlerhammer, dem heutigen Standort der Bergischen Achsenfabrik: Hermann im Seiffen und der Ferber vom Ol (Siefen und Ohl sind alte Wiehler Ortsteile) haben ohne vorwissen und zulassung der herren zu Homburg einen hammerdeich in die Wiel gebaut, den der saynische Amtmann hat wegreißen lassen. 1531 beklagte sich der Kaplan zu Wiehl Bertram Hase bei der Homburger Herrschaft, dass ihn die Leute des gräflichen Amtmanns Quad zu Isengarten drangsaliert und kujoniert, sogar sein Pferd nach Homburg verschleppt hätten. Bei dieser Beschwerde handelt es sich um das erste schriftliche Zeugnis von einem Geistlichen in Wiehl. 1540 wurde Mathias Lindenstock vom Cassiusstift zu Bonn zum Pfarrer bestellt, offenkundig also ein katholischer Geistlicher, der auch nach Einführung der Reformation durch den Homburger Herren die Annahme der neuen Lehre verweigerte.

1537 verurteilte der bergische Amtmann von Windeck einen Untertanen wegen Ehebruchs und ließ ihm durch den Schultheiß Aiff (Adolf) an der Wiell den Schandtstein um den Halß hangen, den der Missetäter um den Kirchhof tragen musste (dies war eine so genannte Ehrenstrafe). 1577 ließ sich der bergische Schultheiß Johann Dick von den Ältesten berichten, was von Bergischen und anderer Herren Leute sich an Toitschlegen, Diberej und anderen derglichen Mißthaten und pinlichen (peinlichen) Halßstraflichen Sachen zugedraigen habe. Von Verfolgungen und Bestrafungen der Täufer ist aus dem Bergischen und Homburgischen einiges überliefert, für Wiehl selbst sind Dokumente nicht festgestellt.

1553 und in den folgenden Jahrzehnten berichteten die bergischen Schultheissen über eine rege Bergbautätigkeit und die Erträgnisse der Eisen- und Bleierzgruben im Bereich der dreiherrigen Vogtei Wiehl wie im Homburgischen Umland. Sie vermeldeten Ungereimtheiten bei der Abführung und Aufteilung des Zollsteins (Bergzehnt), der dem Herzog von Berg einesteils, zum anderen den beiden Herren über Homburg, denen von Sayn bzw. von Wittgenstein jeweils zu einem Drittel zukommen musste.

Erster evangelischer Pfarrer zu Wiehl wurde 1560 Wymar Fischer. Nach Teilung in zwei Pfarrbezirke im Jahr 1568 wurde Georg Hollmann vom Homburger Landesherren als Pfarrer nach Wiehl berufen. Zuvor war der in Wiehl geborene Hollmann an seinem Wohnort Bergneustadt trotz Widerstands der Bürgerschaft vom (altgläubigen) bergischen Amtmann aus dem Vikariat entfernt worden, weil er sich ganz und gar sektiarisch und widerwärtig zeige. Auch in Gummersbach wurde aus gleichem Grund seine Anstellung als Vikar unterbunden. Pfarrer Hollmann mit Familie ernährten sich – wie die Vorgänger und Nachfolger – von den Erträgnissen des Kirchengutes Pfaffenberg. 1563 wurde zunächst eine lutherische, 1605 dann die reformierte Kirchenordnung eingeführt.

1580 wurden in den Futterhaferzetteln der Herrschaft Homburg für das Dorff Wiel zusammen mit heute einbezogenen Ortsteilen wie Zirre, Zaun, Bruch, Ohl, Puhl, Wülfringhausen insgesamt 41 abgabepflichtige Haushaltungen (Feuerstätten) gezählt, darunter 21 Saynische und je 10 Wittgensteinische und Bergische Untertanen.

Die wohl älteste „Sportnachricht“ aus dem Oberbergischen wurde 1595 aus Wiehl überliefert: Es sey ein spielplatz daselbs, uf welchem etliche under der Predigt ball schlagen und sonst spielen. Während des Gottesdienstes wurde also eine Art Schlagball gespielt, worüber der Senior (Kirchenälteste) Joh. Schmidt bei einigen auf Schloss Homburg versammelten Pastoren Klage führte. Folge war ein ernstlicher Tadel mit der Mahnung an die Wiehler zu pflichtgemäßem Kirchenbesuch. (Ein Bericht dazu findet sich im Fürstlichen Archiv Berleburg. H 57.) Durch den Siegburger Vergleich fanden 1604 die Scharmützel um die Herrschaft Homburgs ein Ende. Der Zwergstaat Homburg, der im Wesentlichen die Kirchspiele Wiehl und Nümbrecht umfasste, wurde in seinem Bestand gesichert.

1618 begann der Dreißigjährige Krieg und auch die Bevölkerung im Kirspel Wiell (Kirchspiel Wiehl) mit seinen Orten war den Grausamkeiten und Gewalttaten des kaiserlich-katholischen Kriegsvolks wehrlos ausgesetzt. Aus dem Jahr 1628 sind die Bruchten zue Wiel überliefert. Das Wort „Brüchten“ gehört zum Zeitwort brechen, das Recht brechen. Im landesherrlichen Brüchtenverhör wurden bis ins 18. Jahrhundert hinein durchweg geringe Vergehen geahndet. Besonders häufige Fälle waren: Kartenspielen an Sonn- und Feiertagen, Beleidigungen, Zank- und Schimpf, Schlägereien, Körperverletzungen, Ungehorsam auf der Wache, beim Verhör, vorehelicher und unehelicher Geschlechtsverkehr, Fischen und Verkauf von Waren während des Gottesdienstes, Heiraten „außerhalb Landes“, d. h. in einen benachbarten Kleinstaat ohne landesherrliche Genehmigung, Diebstahl von Holz, Früchten, Heu, polizeiwidrige Kindtaufsfeiern (Kindbetten) und Hochzeiten (Gebehochzeiten). Außer Geldstrafen gab es noch den „Stock“, d. h. Fesselung vom Armen und Beinen im Klotz, Block sowie Einsperren in den Turm. Mit dem Tode bedrohte schwere Verbrechen wie Mord, Totschlag, aber auch Ehebruch und Landflucht (!) wurden von Gerichten höherer Ordnung geahndet. (Urschrift der Bruchten im Archiv des Fürstl. Hauses zu Berleburg)

1650 wurde die Mühlenbrücke über die Wiehl erbaut. 1696 kam es zur Gründung einer Lateinschule (schola latinitatis ) auf Anordnung des Homburger Grafen Wilhelm Friedrich. Wie lange diese höhere Schulabteilung Bestand hatte, lässt sich nicht sagen. Die über Jahrhunderte verschollene Steintafel mit dem lateinischen Gründungstext befindet sich heute im Gymnasium. Ein von dem Richter und damaligen gräflichen Rat aus Wiehl Henrich Büttinghausen angeführter Aufstand der Bauern gegen die herrschaftliche Bedrückung durch Abgaben und Frondienste wurde 1699 militärisch niedergeschlagen.

Die Wälder um Wiehl herum boten im 18. Jahrhundert ein trostloses Bild. Sie waren bis auf die Höhenkämme zurückgedrängt, ausgebeutet und abgeholzt für Hausbrand, Lohschälen (für die Gerberei) und den enorm gestiegenen Holzkohlebedarf zur Eisengewinnung. Erst nach Einsatz von Steinkohle in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts verlor die Holzkohlemeilerei an Bedeutung. Gemessen am heutigen Waldreichtum der Gegend belegen alte Fotos aus dem vergangenen Jahrhundert mancherorts die einst durch Raubbau verursachte Armut an bewaldeten Flächen.

Das Gebiet der Herrschaft Homburg fiel 1806 an den französischen Satellitenstaat Großherzogtum Berg. Dort wurden bei der Einführung von Verwaltungsstrukturen nach französischem Vorbild im Kanton Homburg des Arrondissements Siegen im Département Sieg auch die Mairien (Bürgermeisterei) Drabenderhöhe und Wiehl etwa in den Abmessungen der jeweiligen Kirchspiele eingerichtet.

1813 war Wiehl Schauplatz einer Rebellion gegen die napoleonische Herrschaft, die das ganze Bergische Land erfasste. Dieser sogenannte Aufstand der Speckrussen wurde von den Franzosen rasch niedergeworfen. Prinz Carl, ein gewisser Carl Schmidt aus Kehlinghausen war Anführer der Marodeure gewesen; ihren Namen erhielten sie im Volksmund, weil sie es hauptsächlich auf Würste, Schinken und Speck abgesehen hatten.

Durch den Wiener Kongress wurde die Herrschaft Homburg und damit auch Wiehl 1815 dem Königreich Preußen zugeordnet. Aus den Mairien Drabenderhöhe und Wiehl wurden preußische Bürgermeistereien, die seit 1816 zunächst zum neuen Kreis Homburg gehörten, 1825 zum Kreis Gummersbach kamen und jeweils nur aus der gleichnamigen Landgemeinde bestanden.Gemeindeverzeichnis Rheinprovinz 1871

Zur Neugründung einer höheren Schule als privat finanzierte und in Privaträumen untergebrachte Rektoratschule gibt es u. a. für das Jahr 1850 zahlreiche schriftliche Zeugnisse. Nach Unterbrechungen und neuerlichen Bemühungen ging diese Privatschule wegen fehlender Mittel und aus Mangel an Lehrkräften und Schülern schließlich in den 1870er Jahren wieder ein. In den Jahren nach 1850 wurde die Wiehltalstraße ausgebaut, die erste leistungsfähige Verkehrsanbindung in das Umland. 1860 wurden am Ohler Hammer Achsen und etwas später Patentachsen geschmiedet. Um 1870 suchten viele Männer Broterwerb durch saisonale Wanderarbeit als Maurer und Pflasterer in den Städten, bevorzugt im Wuppertal und in den sächsischen Industriegebieten (so genannte Sachsengängerei). 1879 schrieb der Bürgermeister im Vierteljahresbericht: „Öffentliche Stimmung im allgemeinen und mit Bezug auf die kirchlichen und kirchen-politischen Angelegenheiten: Die öffentliche Stimmung ist recht patriotisch, nur erscheint sie gedrückt in Bezug auf die hohen Steuern, die aufgebracht werden müssen. Der Culturkampf ist hier bedeutungslos. Polizeiverhältnisse: Auch hierüber ist nichts Besonderes zu berichten. Die herumziehenden Handwerksburschen haben sich auf ein Minimum reducirt.“ Um 1895 wurde an der Mühle (Müller Soest) Elektrizität erzeugt, womit auch einige benachbarte Gemeindeorte (Wülfringhausen, Alpe, Morkepütz) versorgt werden konnten.

Der Anschluss an das Eisenbahnnetz (Oberberg) 1897 gab Impulse für die wirtschaftliche Entwicklung im gesamten Wiehltal. 1898 war das Gründungsjahr der bis heute im Familienbesitz befindlichen Bergischen Patentachsenfabrik Wiehl (BPW), dem größten Industriewerk und Arbeitgeber im Wiehltal. Es ist das führende Unternehmen für die Herstellung gezogener (nicht angetriebener) Achsen und besitzt zahlreiche Niederlassungen weltweit. 1901 kam es hauptsächlich auf Betreiben des Bielsteiner Bürgermeisters Heinrich Brindöpke zur Gründung der Vereinigten Sparkasse der Homburgischen Gemeinden (Wiehl, Bielstein, Nümbrecht, Marienberghausen) mit Sitz in Wiehl. Anfang des 20. Jahrhunderts hatte man in Wiehl Schwierigkeiten, Lehrer für die Schulen zu finden. Der Bürgermeister schrieb dazu 1904: „Der Schulbesuch war ein ziemlich regelmäßiger. Infolge Lehrermangel mußte an den Schulen Büttinghausen, Oberwiehl, Marienhagen, Neudieringhausen u. an der 2. Klasse Wiehl halbtags unterrichtet werden“. Und weiter: „Der Gemeinderat hat beschlossen, die Gehälter der Lehrer folgendermaßen aufzubessern: Definitiv angestellte Lehrer erhalten 1.350 M; dto. Lehrerinnen 1.050 M. Die Alterszulagen werden für die Lehrer auf 150 M und für die Lehrerinnen auf 100 M erhöht.“