400px|mini|Kugel (oben), ,Rotationsellipsoid (unten links), ,triaxiales Ellipsoid (unten rechts), Das Ellipsoid ist die dreidimensionale Entsprechung einer Ellipse. So wie sich eine Ellipse als affines Bild des Einheitskreises auffassen lässt, gilt: Ein Ellipsoid (als Fläche) ist ein affines Bild der Einheitskugel Die einfachsten affinen Abbildungen sind die Skalierungen der kartesischen Koordinaten. Sie liefern Ellipsoide mit Gleichungen
So ein Ellipsoid ist punktsymmetrisch zum Punkt , dem Mittelpunkt des Ellipsoids. Die Zahlen sind analog zu einer Ellipse die Halbachsen des Ellipsoids und die Punkte seine 6 Scheitelpunkte. Falls ist, ist das Ellipsoid eine Kugel. Falls genau zwei Halbachsen übereinstimmen, ist das Ellipsoid ein prolates oder oblates Rotationsellipsoid. Falls die 3 Halbachsen alle verschieden sind, heißt das Ellipsoid triaxial oder dreiachsig. Alle Ellipsoide sind symmetrisch zu jeder der drei Koordinatenebenen. Beim Rotationsellipsoid kommt noch die Rotationssymmetrie bezüglich der Rotationsachse hinzu. Eine Kugel ist zu jeder Ebene durch den Mittelpunkt symmetrisch.
mini|Jupiters Durchmesser von Pol zu Pol ist deutlich kleiner als am Äquator (zum Vergleich roter Kreis). Angenäherte Beispiele für Rotationsellipsoide sind der Rugbyball und abgeplattete rotierende Himmelskörper, etwa die Erde oder andere Planeten (Jupiter), Sonnen oder Galaxien. Elliptische Galaxien und Zwergplaneten (z. B. (136108) Haumea) können auch triaxial sein.
In der Linearen Optimierung werden Ellipsoide in der Ellipsoid-Methode verwendet.
Parameterdarstellung
300px|mini|Kugelkoordinaten eines Punktes und kartesisches Koordinatensystem
Die Punkte auf der Einheitskugel können wie folgt parametrisiert werden (siehe Kugelkoordinaten):
Für den Winkel (von der z-Achse aus gemessen) gilt . Für den Winkel (von der x-Achse aus gemessen) gilt .
Skaliert man die einzelnen Koordinaten mit den Faktoren , so ergibt sich eine Parameterdarstellung des Ellipsoids :
mit und
Volumen Das Volumen des Ellipsoids ist
Eine Kugel mit Radius hat das Volumen
Herleitung Der Schnitt des Ellipsoids mit einer Ebene in der Höhe ist die Ellipse mit den Halbachsen .
Der Flächeninhalt dieser Ellipse ist . Das Volumen ergibt sich dann aus
Oberfläche Oberfläche eines Rotationsellipsoids
Die Oberfläche eines abgeplatteten Rotationsellipsoids mit ist
die des verlängerten Ellipsoids ()
Eine Kugel mit Radius hat die Oberfläche .
Oberfläche eines triaxialen Ellipsoids Die Oberfläche eines triaxialen Ellipsoids lässt sich nicht mit Hilfe von Funktionen ausdrücken, die man als elementar ansieht, wie z. B. oder oben beim Rotationsellipsoid. Die Flächenberechnung gelang Adrien-Marie Legendre mit Hilfe der elliptischen Integrale. Sei . Schreibt man und so lauten die Integrale und
Die Oberfläche hat mit und nach LegendreAdrien-Marie Legendre: Traite des fonctions elliptiques et des intégrales Euleriennes, Bd. 1. Hugard-Courier, Paris 1825, S. 357. den Wert
Werden die Ausdrücke für und sowie die Substitutionen
in die Gleichung für eingesetzt, so ergibt sich die Schreibweise
Von Knud Thomsen stammt die integralfreie NäherungsformelSuzanne M. Kresta, Arthur W. Etchells III, David S. Dickey, Victor A. Atiemo-Obeng (Hrsg.): Advances in Industrial Mixing: A Companion to the Handbook of Industrial Mixing. John Wiley & Sons, 11. März 2016, ISBN 978-0-470-52382-7, .
Die maximale Abweichung vom exakten Resultat beträgt weniger als 1,2 %.
Im Grenzfall eines vollständig plattgedrückten Ellipsoids streben alle drei angegebenen Formeln für gegen den doppelten Wert des Flächeninhalts einer Ellipse mit den Halbachsen und .
Anwendungsbeispiel zu den Formeln Der Planet Jupiter ist wegen der durch die schnelle Rotation wirkenden Zentrifugalkräfte an den Polen deutlich flacher als am Äquator und hat annähernd die Form eines Rotationsellipsoids.
Der Jupiter hat den Äquatordurchmesser 142984 km und den Poldurchmesser 133708 km. Also gilt für die Halbachsen und . Die Masse des Jupiter beträgt etwa . Daraus ergibt sich mithilfe der oben genannten Formeln für das Volumen, die mittlere Dichte und die Oberfläche: Volumen: Das ist etwa 1321-mal so viel wie das Volumen der Erde. Mittlere Dichte: Der Jupiter hat also insgesamt eine etwas höhere Dichte als Wasser unter Standardbedingungen. Oberfläche: Das ist etwa 121-mal so viel wie die Oberfläche der Erde.
Ebene Schnitte Eigenschaften mini|hochkant=1.5|Ebener Schnitt eines Ellipsoids Der Schnitt eines Ellipsoids mit einer Ebene ist eine Ellipse, falls er wenigstens zwei Punkte enthält, ein Punkt, falls die Ebene eine Tangentialebene ist, andernfalls leer. Der erste Fall folgt aus der Tatsache, dass eine Ebene eine Kugel in einem Kreis schneidet und ein Kreis bei einer affinen Abbildung in eine Ellipse übergeht. Dass einige der Schnittellipsen Kreise sind, ist bei einem Rotationsellipsoid offensichtlich: Alle ebenen Schnitte, die wenigstens 2 Punkte enthalten und deren Ebenen senkrecht zur Rotationsachse sind, sind Kreise. Dass aber auch jedes 3-achsige Ellipsoid Kreise enthält, ist nicht offensichtlich und wird im Artikel Kreisschnittebene erklärt.
Der wahre Umriss eines beliebigen Ellipsoids ist sowohl bei Parallelprojektion als auch bei Zentralprojektion ein ebener Schnitt, also eine Ellipse (siehe Bilder).
Bestimmung einer Schnittellipse mini|Ebener Schnitt eines Ellipsoids Gegeben: Ellipsoid und eine Ebene mit der Gleichung die das Ellipsoid in einer Ellipse schneidet.Gesucht: Drei Vektoren (Mittelpunkt) und (konjugierte Vektoren) so, dass die Schnittellipse durch die Parameterdarstellung
beschrieben werden kann (siehe Ellipse). 300px|mini|Ebener Schnitt der Einheitskugel
Lösung: Die Skalierung führt das Ellipsoid in die Einheitskugel und die gegebene Ebene in die Ebene mit der Gleichung über. Die Hesse-Normalform der neuen Ebene sei mit dem Normaleneinheitsvektor Dann istder Mittelpunkt des Schnittkreises und dessen Radius Falls ist, sei (Die Ebene ist horizontal!)Falls ist, sei Die Vektoren sind in jedem Fall zwei in der Schnittebene liegende orthogonale Vektoren der Länge (Kreisradius), d. h., der Schnittkreis wird durch die Parameterdarstellung beschrieben.
Macht man nun die obige Skalierung (affine Abbildung) rückgängig, so wird die Einheitskugel wieder zum gegebenen Ellipsoid und man erhält aus den Vektoren die gesuchten Vektoren , mit denen man die Schnittellipse beschreiben kann. Wie man daraus die Scheitelpunkte der Ellipse und damit ihre Halbachsen bestimmt, wird unter Ellipse erklärt.
Beispiel: Die Bilder gehören zu dem Beispiel mit und der Schnittebene Das Bild des Ellipsoidschnittes ist eine senkrechte Parallelprojektion auf eine Ebene parallel zur Schnittebene, d. h., die Ellipse erscheint bis auf eine uniforme Skalierung in wahrer Gestalt. Man beachte, dass hier im Gegensatz zu nicht auf der Schnittebene senkrecht steht. Die Vektoren sind hier im Gegensatz zu nicht orthogonal.
Fadenkonstruktion hochkant=1|mini|Fadenkonstruktion einer Ellipse Länge des Fadens (rot) mini|hochkant=1.2|Fadenkonstruktion eines Ellipsoids mini|hochkant=1.2|Fadenkonstruktion: Bestimmung der Halbachsen Die Fadenkonstruktion eines Ellipsoids ist eine Übertragung der Idee der Gärtnerkonstruktion einer Ellipse (siehe Abbildung). Eine Fadenkonstruktion eines Rotationsellipsoids ergibt sich durch Konstruktion der Meridian-Ellipsen mit Hilfe eines Fadens.
Punkte eines 3-achsigen Ellipsoids mit Hilfe eines gespannten Fadens zu konstruieren ist etwas komplizierter. Wolfgang Boehm schreibt in dem Artikel Die Fadenkonstruktion der Flächen zweiter OrdnungW. Böhm: Die Fadenkonstruktion der Flächen zweiter Ordnung, Mathemat. Nachrichten 13, 1955, S. 151. die Grundidee der Fadenkonstruktion eines Ellipsoids dem schottischen Physiker James Clerk Maxwell (1868) zu. Otto Staude hat in Arbeiten 1882, 1886, 1898O. Staude: Ueber Fadenconstructionen des Ellipsoides. Math. Ann. 20, 147–184 (1882).O. Staude: Ueber neue Focaleigenschaften der Flächen 2. Grades. Math. Ann. 27, 253–271 (1886).O. Staude: Die algebraischen Grundlagen der Focaleigenschaften der Flächen 2. Ordnung. Math. Ann. 50, 398–428 (1898). die Fadenkonstruktion dann auf Quadriken verallgemeinert. Die Fadenkonstruktion für Ellipsoide und Hyperboloide wird auch in dem Buch Anschauliche GeometrieD. Hilbert, S. Cohn-Vossen: Anschauliche Geometrie. Springer-Verlag, 2013, ISBN 3662366851, S. 18. von David Hilbert und Stefan Cohn-Vossen beschrieben. Auch Sebastian Finsterwalder beschäftigte sich 1886 mit diesem Thema.S. Finsterwalder: Über die Fadenconstruction des Ellipsoides. Mathematische Annalen Bd. 26, 1886, S. 546–556.
Konstruktionsschritte (1) Man wähle eine Ellipse und eine Hyperbel, die ein Paar von Fokalkegelschnitten bilden: Ellipse: und Hyperbel: mit den Scheitelpunkten und Brennpunkten der Ellipse
und einen Faden (in der Abbildung Bild rot) der Länge . (2) Man befestige das eine Ende des Fadens im Scheitelpunkt und das andere Ende im Brennpunkt . Der Faden wird in einem Punkt so gespannt gehalten, dass der Faden von hinten auf der Hyperbel und von vorn auf der Ellipse gleiten kann (siehe Abbildung). Der Faden geht über denjenigen Hyperbelpunkt, mit dem die Entfernung von nach über einen Hyperbelpunkt minimal wird. Analoges gilt für den Fadenteil von nach über einen Ellipsenpunkt. (3) Wählt man den Punkt so, dass er positive y- und z-Koordinaten hat, so ist ein Punkt des Ellipsoids mit der Gleichung und
(4) Die restlichen Punkte des Ellipsoids erhält man durch geeignetes Umspannen des Fadens an den Fokalkegelschnitten.
Die Gleichungen für die Halbachsen des erzeugten Ellipsoids ergeben sich, wenn man den Punkt in die beiden Scheitelpunkte fallen lässt:
Aus der unteren Zeichnung erkennt man, dass auch die Brennpunkte der Äquatorellipse sind. D. h.: Die Äquatorellipse ist konfokal zur gegebenen Fokalellipse. Also ist , woraus sich ergibt. Ferner erkennt man, dass ist.Aus der oberen Zeichnung ergibt sich: sind die Brennpunkte der Ellipse in der x-z-Ebene und es gilt .
Umkehrung:Möchte man ein durch seine Gleichung gegebenes 3-achsiges Ellipsoid mit den Halbachsen konstruieren, so lassen sich aus den Gleichungen im Schritt (3) die für die Fadenkonstruktion nötigen Parameter berechnen. Für die folgenden Überlegungen wichtig sind die Gleichungen (5)
Konfokale Ellipsoide:Ist ein zu konfokales Ellipsoid mit den Quadraten der Halbachsen (6) so erkennt man aus den vorigen Gleichungen, dass die zu gehörigen Fokalkegelschnitte für die Fadenerzeugung dieselben Halbachsen wie die von besitzen. Deshalb fasst man – analog der Rolle der Brennpunkte bei der Fadenerzeugung einer Ellipse – die Fokalkegelschnitte eines 3-achsigen Ellipsoids als deren unendlich viele Brennpunkte auf und nennt sie Fokalkurven des Ellipsoids.O. Hesse: Analytische Geometrie des Raumes. Teubner, Leipzig 1861, S. 287.
Auch die Umkehrung ist richtig: Wählt man einen zweiten Faden der Länge und setzt , so gilt D. h.: Die beiden Ellipsoide sind konfokal.
Grenzfall Rotationsellipsoid:Im Fall ist , d. h., die Fokalellipse artet in eine Strecke und die Hyperbel in zwei Strahlen auf der x-Achse aus. Das Ellipsoid ist dann ein Rotationsellipsoid mit der x-Achse als Rotationsachse. Es ist . mini|hochkant=1.5|Unten: Parallelprojektion und Zentralprojektion eines 3-achsigen Ellipsoids, wo der scheinbare Umriss ein Kreis ist