mini|Schwimmteich Ein Schwimm- oder Badeteich ist ein meist künstlich angelegtes Stillgewässer, häufig als Folienteich, das gut zum Schwimmen oder Baden geeignet ist und dessen Wasser biologisch vor allem durch Plankton gereinigt wird. Daneben werden die Begriffe Schwimmteich, Badeteich, Bioteich, biologischer Pool, Naturpool und sonstige eingetragene Markenzeichen verwendet. Neuere Regelwerke benutzen die Bezeichnung Freibad mit biologischer Wasseraufbereitung. Dieser Aspekt unterscheidet Schwimmteiche von anderen künstlichen Badeanlagen.

Unterschieden werden muss dabei in Schwimmteich für öffentliche Nutzung und biologischer Pool für private Nutzung. Schwimmteiche ohne Pumpwerke verhalten sich wie stehende Gewässer (mit angepasster Biozönose), Schwimmteiche mit Wasserumlauf zu Filtern ähneln in der Biozönose einem Fließgewässer (siehe dazu Fließgewässertypen).

Für Freibäder mit biologischer Wasseraufbereitung gelten in Deutschland alle bäderrelevanten Sicherheitsanforderungen wie DIN-Normen und DGfdB-Richtlinien. Sie sind daher keine Badegewässer oder Naturbäder im Sinne der einschlägigen Regeln, für die geringere Anforderungen an die Verkehrssicherungspflicht gelten.

Geschichte Teiche wurden seit langer Zeit künstlich angelegt. Der (mittlerweile unternehmerisch nicht mehr aktiveDie Firma von Richard Weixler ist eingestellt!; bei weixler.at) Schwimmteichbauer, Biologie­lehrer und mehrfache Fachbuchautor Richard Weixler errichtete 1975 zusammen mit Werner Gamerith in Waldhausen im Strudengau (Oberösterreich) den ersten sogenannten „Schwimmteich“ (mit der Hauptfunktion „zum Schwimmen“ in Gegensatz etwa zu Fischteichen oder Löschwasserteichen). Er wurde in der Folge Unternehmer und „Schwimmteichpionier“ und schrieb vier Bücher darüber. Er wurde zum Präsidenten des Österreichischen und Internationalen Schwimmteich-Fachverbands gewählt und war Gerichtssachverständiger für SchwimmteicheMothering; PDF-Datei; Publikation von sos-regenwald.at; 2011Richard Weixler: Garten- und Schwimmteiche: Bau - Bepflanzung - Pflege; Stocker Verlag, 2008.

Die ersten Schwimmteiche waren stehende Gewässer mit etwa 50 % Regenerationsfläche. Mit der Weiterverbreitung und Weiterentwicklung der Idee in der aufstrebenden Branche wurden poolähnliche Systeme entwickelt, die anstelle von Wasser- und Sumpfpflanzen nur Filter zur Wasserreinigung verwenden. Die Entwicklung ging von sehr natürlich anmutenden Weihern zu formstrengen Schwimmteichanlagen mit sehr kleinen Aufbereitungszonen bis zu reinen Poolanlagen. Einem Pool ist eine Reinigungszone angegliedert, diese kann direkt am Pool oder auch durch Rohrleitungen verbunden an einem anderen Ort im Garten liegen. Wird die Regenerationszone an den Pool direkt angeschlossen, entsteht ein leichter Schwimmteichcharakter. Seit 2000 wurden die ersten Schwimmteiche mit starkem Poolcharakter gebaut und nach einem passenden Namen für diese „modernen Schwimmteiche“ gesucht. Damals wurde der Begriff Naturpool gefunden. In der Schweiz entstand die erste Anlage dieser Art im Jahr 2000 mit dem Schwimmbad Biberstein. Der zurzeit größte Naturpool der Schweiz befindet sich im Schwimmbad Geiselweid.

Funktionsprinzip Der Teich wird immer in zwei Zonen aufgeteilt: Die Schwimmzone bzw. der Nutzungsbereich dient dem Schwimm- und Badebetrieb. Die Filter-, Aufbereitungs- oder Regenerationszone ist mit Sumpf- oder Wasserpflanzen bepflanzt und dient der Reinigung des Wassers. Zwischen beiden Bereichen muss ein Wasseraustausch möglich sein oder durch Wasserpumpentechnik künstlich herbeigeführt werden.

Die Mindestgröße für eine Schwimmteichanlage ist abhängig von der gewählten Bauform, derartige Naturbäder sind „ab acht Quadratmeter“ Wasserflächen möglich. Das deutsche Regelwerk der Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau (FLL) für Hersteller solcher Anlagen aus dem Jahre 2006 unterscheidet fünf Schwimmteichtypen: Teichtyp I “Natur pur” Schwimmteich ohne TechnikTypen von Schwimmteichen samt genauer Beschreibung und ihrer Kennzeichen; bei dgfnb.de Teichtyp II “Naturnaher” Schwimmteich mit Oberflächenreinigung Teichtyp III Schwimmteich mit langsam durchströmtem Substratfilter Teichtyp IV “Naturpool” mit schnell durchströmtem Substratfilter Teichtyp V “Naturpool” mit durchströmter technischer Einheit Das „FLL Regelwerk für private Schwimm- und Badeteichanlagen“ sind RichtlinienFLL – 10 gute Gründe sichern Qualität für die Grüne Branche; bei dgfnb.de für die Errichtung öffentlicher, gewerblicher und nicht ausschließlich privat genutzte Bäder, sie gelten nicht für Freibäder, die mit Meer- oder Solewasser betrieben werden, nicht für Freibäder, deren Wasser nach DIN 19643 „Aufbereitung von Schwimm- und Badebeckenwasser“ aufbereitet wird und nicht für Naturbäder (z. B. Fluss- oder Binnenseebäder)Tanja Büttner: Die neuen FLL-„Richtlinien für Planung, Bau, Instandhaltung und Betrieb von Freibädern mit biologischer Wasseraufbereitung (Schwimm- und Badeteiche)“ liegen als Weißdruck vor., bei fll.de. Die Richtlinien haben keinen Gesetz­escharakter, könnten aber bei Schadensfällen als Standard herangezogen werden. Die Mindesttiefe ist ebenfalls von der Bauart abhängig.

Generell gilt, Sumpf- und Wasserpflanzen, Algen, Bakterien und Zooplankton erledigen die Wasserreinigung, je weniger Platz diesem Reinigungssystem zugestanden wird, umso mehr Filter, Technik und Energieaufwand sind dafür notwendig. Es gibt auch Schwimmteiche, die gänzlich ohne höhere Pflanzen auskommen.

Nährstoffeinträge kommen auf vielerlei Arten zustande: Belastung durch Badegäste (beispielsweise Kot­reste, Urin­reste, Schweiß, Hautschuppen, Haare, Speichel, Nasensekrete, Speisereste, Schmutz an den Füßen etc.) aber auch durch Pollen, Sporen, Stäube, Teile abgeblühter Blüten, Früchte und Samen, abgeworfene Blätter, Vogelkot-Eintrag (siehe Exkremente), Einschwemmungen von Niederschlagswässern und nachgefülltes Trinkwasser. Die Keimreduktion, der Keimabbau (man spricht in einem biologischen System nicht von Desinfektion, da keine Desinfektionsmittel wie Chlor oder Ozon zugesetzt werden) funktioniert biologisch durch Stoffwechsel­vorgänge von Bakterien, die sich im Wurzelwerk der Pflanzen und in Biofilmen auf allen wasserbedeckten Oberflächen (Steine, Folie, Pflanzenteile) ansiedeln, sowie durch In-situ-Entkeimung im freien Wasser. Vereinfacht ausgedrückt, „gute“ Mikroorganismen fressen „schlechte“ Mikroorganismen. Entscheidend ist ein stabiles Gleichgewicht verschiedener Bakterienarten, in Abhängigkeit von Wassertemperatur, Sonneneinstrahlung, pH-Wert, Pflanzenwachstum. Durch mechanische Filter kann die biologische Reinigung ergänzt werden. Trotz der laufenden Reinigung kann das Wasser zu jedem Zeitpunkt durch unerwünschte Keime in zu hoher Konzentration belastet sein (das Wasser wird ja nicht steril).

Damit es nach Nährstoffeinträgen zu keiner Aufkonzentrierung von Nährstoffen kommt, sollten diese aus dem Ökosystem Teich entfernt werden. Dies geschieht meist durch Abfischen oder Abfiltern von fädigen Algenwatten, Schwebalgen und abgesunkenem Mulm oder „Ernten“ von höheren Pflanzen. Da Algen generell und auch bei niedrigen Temperaturen besseres Wachstum und eine höhere Vermehrungsrate als Gefäßpflanzen aufweisen, kann mit Algen und anschließendem Entfernen der Algen das Wasser am schnellsten und effizientesten und früher (also vor der Badesaison, wenn Großpflanzen erst gut zu wachsen anfangen) gesäubert werden.

Um das Versickern des Wassers im Boden zu verhindern, ist in der Regel wie bei einem Gartenteich eine Abdichtung zum Untergrund erforderlich. Als Baumaterialien werden üblicherweise spezielle Teichfolien (aus PVC, PE, PP, EPDM oder bentonithältige Folien) und (bentonithältige) Vliesstoffe), GFK, aufgesprühtes „Polyurea“ (Polyurethan, „flüssige Folie“), Beton, Ton oder Kombinationen verwendet werden. Aufgrund der Kosten und der einfachen Verarbeitung wird am häufigsten Folie eingesetzt.

Wasseraufbereitung Die Badewasseraufbereitung findet in situ durch biologisch-mechanische Prozesse statt. Alle Wasserflächen sind in einem geschlossenen Kreislauf miteinander verbunden. Wasserpflanzen (Phyto- und Zooplankton), eine Umwälzung des Wassers über Pflanzenfilterbecken (Regenerationsflächen) und regelmäßige Pflegemaßnahmen sorgen für die Sicherstellung der Wasserqualität.

Verglichen mit einer Kläranlage wirkt der gesamte sauerstoffführende Wasserkörper als Belebungsbecken, die Beckenböden und die Oberflächen von Kieseinschüttungen fungieren einerseits als Aufsitzflächen für Biofilme und andrerseits als Absetzflächen wie in einem Absetzbecken, wo sich Mulm absetzen kann, und das „Innere“ von nicht durchströmten Kiesschüttungen (mit Biofilmen an den Oberflächen der Steine und Pflanzenwurzeln) kann als anaerober Denitrifikationsfilter und Reservoir für Zooplankton und Sporen fungieren. Durchfluss-Kiesfilter mit Biofilmen anderer aerober Mikroben, können auch der aeroben Nitrifikation dienen, sofern sie ständig mit sauerstoffreichem Wasser versorgt werden. Durch Aufwirbelung (durch gehen, stehen und schwimmen im seichten Wasser oder durch Druckwasserspülungen) kann Mulm im Teichwasser resuspendiert werden.

Stehen beispielsweise 20 % der gesamten Wasserfläche in Form von Kiesschüttungen, Tiefwasser oder einem Filtergraben als Absetzraum zur Verfügung, so können sich dort, sofern das getrübte Wasser hingelangt, 20 % der absetzbaren Schwebstoffe ablagern ohne wieder aufgewirbelt zu werden (im „Schwimmraum“ schwimmen oder versinken somit 80 %). Beim nächsten Aufwirbeln in der Schwimmzone wird von den verbliebenen 80 % wiederum ein Fünftel im Absetzraum abgeschieden, und so fort. In tiefen Teichen dient oft die Schwimmfläche als Absetzbecken, weil abgelagerter Mulm nicht mehr durch Herumwaten aufgewirbelt wird oder dort abgesaugt wird. Falls beim Konzept des Tiefteichs eine Pflanzenzone vorhanden ist (weil die Nährstoffe üblicherweise mit dem Mulm herausgeholt werden und nicht durch Pflanzen, die im abgemagerten Wasser schlecht gedeihen), kann der im Pflanzenbereich abgelagerte unschöne Mulm aufgewirbelt werden und so ins Absetzbecken verfrachtet werden. Die Aufwirbelung erfolgt dabei mit Teichwasser, um nicht mit Frischwasser neue Nährstoffe in das System einzubringen. Mit diesen Methoden tritt nach und nach eine Verarmung an gebundenen Nährstoffen im Aufwirbelungsbereich ein und eine Anreicherung im Absetzbereich.