mini|hochkant|Bodo Ebhardt, Porträtfotografie von Rudolf Dührkoop, 1912 Bodo Ebhardt (* 5. Januar 1865 in Bremen; † 13. Februar 1945 auf der Marksburg in Braubach; vollständiger Name: Bodo Heinrich Justus Ebhardt) war ein deutscher Architekt, Architekturhistoriker, Burgenforscher, Gründer und langjähriger Präsident der Deutschen Burgenvereinigung.

Biografie mini|KPM Vase von 1908 mit Veduten der Hohkönigsburg und verso der Burg Hohenzollern Ebhardt war der Sohn des Bremer Möbelfabrikanten und Kaufmanns Carl Ebhardt (1836–1905) und dessen Ehefrau Agnes geb. Krollmann (1838-nach 1908). Er besuchte die Schule in Sankt Goarshausen, wo er sich für Burgen begeisterte. Nach dem Schulabschluss mit der Obersekundareife machte er ab 1880 eine kaufmännische Lehre in Magdeburg und Bremen, gab diesen Beruf gegen den Wunsch seiner Eltern aber bald auf, um sich autodidaktisch weiterzubilden und besuchte Vorlesungen in Berlin. 1890 eröffnete er sein eigenes Architekturatelier in Berlin. Als Burgenforscher und -restaurator gewann er die Freundschaft Kaiser Wilhelms II., der ihn mit dem Wiederaufbau der Hohkönigsburg im Elsass beauftragte und Ebhardt nach erfolgter Restaurierung dieser historischen Wohnwehrbauanlage 1908 auch eine große KPM-Vase mit je einer Veduten der Hohkönigsburg und der Burg Hohenzollern schenkte. Bekannt wurde Ebhardt durch die Rekonstruktion zahlreicher Burgen im Stil der späten Burgenromantik. So betreute er mitunter zeitgleich 25 Rekonstruktionen von Burgen – so z. B. auch der Veste Coburg, Schloss Neuenstein, den Wiederaufbau nach Brand der Gröditzburg, Schloss Sallgast und die Marksburg als Sitz der Deutschen Burgenvereinigung. Er strebte Stilechtheit und historische Genauigkeit an, war jedoch mit seinen Methoden in seiner Zeit nicht unumstritten – da er auch historisch anmutende Formen erfand, was den seinerzeit geltenden denkmalpflegerischen Grundsätzen widersprach. In Thüringen und Sachsen wirkte er z. B. auf der Wartburg, der Veste Wachsenburg, im Altenburger Schloss, auf Schloss Eichicht, beim Wiederaufbau nach Brand von Burg Scharfenstein und beim Neubau von Haus Mühlberg in Ohrdruf. Biografie von Bodo Ebhardt

1890 heiratete er die 1870 geborene Elfriede Krebs. Sein Sohn Fritz (1894–1958) übernahm 1931 sein Architekturbüro Biografie von Bodo Ebhardt.

1899 gründete er die Deutsche Burgenvereinigung und ab 1909 lebte er auf der Marksburg in Braubach. Von 1920 bis 1945 war er Präsident der Deutschen Burgenvereinigung. Ebhardt war Professor und Hofbaurat, wurde 1909 Ehrenbürger von Braubach und war 1928 Gründungsmitglied des Vereins Freunde der Plassenburg. Zudem war er Mitglied der Berliner Freimaurerloge Zum Pegasus. Im Jahr 1945 gab er das Amt des Präsidenten der Deutschen Burgenvereinigung an seinen Sohn Fritz Ebhardt weiter.

Werk Bauten und Entwürfe mini|hochkant|Braubach am RheinKriegerdenkmal 1870/71,nachgewidmet für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges mini|hochkant|Wiederherstellungsentwurf der Marksburg mini|Verwaltungsbau für die Allianz-Versicherung in Berlin (1913–1916) mini|hochkant|Villa Mühlberg in Ohrdruf

Schriften Deutsche Burgen. Wasmuth, Berlin 1898 (Digitalisat).

Steinerne Zeugen. Wehrbauten Veronas. Burgverlag, Berlin-Grunewald 1911. Der Schloßbau. Burgverlag, Berlin-Grunewald 1914. Krieg und Baukunst in Frankreich und Belgien. Berlin 1915 (Digitalisat). Die zehn Bücher der Architektur des Vitruv und ihre Herausgeber seit 1484. Burgverlag, Berlin-Grunewald 1919. Deutsche Burgen als Zeugen deutscher Geschichte. F. Zillessen, Berlin 1925. Schloß Arienfels bei Hönningen am Rhein. Der Bau und seine Geschichte. Burgverlag, Marksburg 1932. Spanische Burgenfahrt 1930. Ein Reisebericht. Burgverlag, Marksburg 1934. Burg Trifels. Untersuchungen zur Baugeschichte. Burgverlag, Marksburg 1938. Der Wehrbau Europas im Mittelalter. Bd. 1, Deutsche Verlagsgesellschaft, Berlin 1939; Bd. 2/I und 2/II, H. Rauschenbusch, Stollhamm (Oldenburg) 1958. Reprints von verschiedenen Verlagen.

Ein umfangreiches, durch Ludger Fischer kritisch annotiertes Verzeichnis der Schriften, findet sich in der Publikation Burgenromantik und Burgenrestaurierung um 1900 (s. u.).

Auszeichnungen Goethe-Medaille für Kunst und Wissenschaft (1935) Hessischer Verdienstorden Philipps des Großmütigen, Ritter 1. KlasseDeutscher Ordens-Almanach. Jahrgang 1908/9. Verlag „Deutscher-Ordens-Almanach“, Berlin 1908, S. 312 Preußischer Roter Adlerorden IV. Klasse Herzoglich Sachsen-Ernestinischer Hausorden, Ritter 1. Klasse Plassenburg-Medaille in Gold (1935)

Literatur Andreas Bekiers: Bodo Ebhardt. Architekt, Burgenforscher, Restaurator 1865–1945. Leben und Frühwerk bis 1900. Frölich & Kaufmann, Berlin 1984, ISBN 3-928589-12-1. Oskar Doering: Bodo Ebhardt – Ein deutscher Baumeister. Burgverlag, Berlin 1925.

Ludger Fischer: Zum 150. Geburtstag von Bodo Ebhardt. In: Burgen und Schlösser. 2015/2, S. 104–109. Ludger Fischer: Bodo Ebhardts Korrekturen der Geschichte. In: Burgen und Schlösser. 2004/I, S. 52–56. Ludger Fischer: Das Herrenhaus von der Marwitz in Friedersdorf/Brandenburg. Bodo Ebhardts nicht ausgeführte Planungen zur Umgestaltung und Erweiterung des zuvor von Schinkel umgebauten Herrenhauses. In: Burgen und Schlösser. 2000/II, S. 83–87. Ludger Fischer: Die Toranlage von Schloß Kranichfeld. Ein Bodo Ebhardt-Bau am falschen Platz. In: Burgen und Schlösser. 1996/III, S. 126–129. Ludger Fischer: Burg Heimhof in der Oberpfalz. Bodo Ebhardts gescheiterte Wohnidee. In: Burgen und Schlösser. 1996/II, S. 80–85. Ludger Fischer: Bodo Ebhardt – Versuche baukünstlerischer Denkmalpflege. Restaurierungen, Rekonstruktionen und Neubauten von Burgen, Schlössern und Herrenhäusern von 1899 bis 1935. (Veröffentlichungen der Deutschen Burgenvereinigung/hrsg. vom Europäischen Burgeninstitut in der Deutschen Burgenvereinigung e. V. Reihe A, Forschungen, Band 13), Deutsche Burgenvereinigung e. V., Braubach 2010, ISBN 978-3-927558-27-4. Angelika Gause, Martina Holdorf (Bearb.): Burgenromantik und Burgenrestaurierung um 1900. Der Architekt und Burgenforscher Bodo Ebhardt in seiner Zeit. (Ausstellungskatalog/Veröffentlichungen der Deutschen Burgenvereinigung, hrsg. vom Europäischen Burgeninstitut in der Deutschen Burgenvereinigung e. V. Reihe B, Schriften, Band 7), Deutsche Burgenvereinigung, Braubach 1999, ISBN 3-927558-13-3.

Rudolf Stein: Ebhardt, Bodo Heinrich Justus. In: Historische Gesellschaft Bremen, Staatsarchiv Bremen (Hrsg.): Bremische Biographie 1912–1962. Hauschild, Bremen 1969, S. 128 (Sp. 1) bis S. 130 (Sp. 1).

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Architekt (Berlin) Kategorie:Architekt (Rheinland-Pfalz) Kategorie:Burgenforscher Kategorie:Denkmalpfleger (Deutschland) Kategorie:Träger des Verdienstordens Philipps des Großmütigen (Ritter I. Klasse) Kategorie:Träger des Roten Adlerordens 4. Klasse Kategorie:Träger des Herzoglich Sachsen-Ernestinischen Hausordens (Ritter/Ritter I. Klasse) Kategorie:Freimaurer (19. Jahrhundert) Kategorie:Freimaurer (20. Jahrhundert) Kategorie:Freimaurer (Deutschland) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1865 Kategorie:Gestorben 1945 Kategorie:Mann