Der Artikel Sprachfamilien der Welt bietet eine Übersicht über Sprachfamilien sowie isolierte Sprachen weltweit und anschließend nach Stammkontinenten. Isolierte Sprachen sind mit aufgeführt, da man sie als Sprachfamilie mit nur einem Mitglied auffassen kann. Makrofamilien und Sprachbünde werden nicht aufgeführt.
Die meisten Sprachen gehören zu einer Sprachfamilie, das heißt zu einer Gruppe genetisch verwandter Sprachen, die von einer gemeinsamen Vorgängersprache (Ursprache oder Protosprache) abstammen. Wenn es zu einer Sprache keine genetisch verwandte Sprache gibt, ist sie isoliert. Heute sind etwa 6500 Sprachen bekannt (davon rund 5600 lebende und rund 900 ausgestorbene). Sie lassen sich in fast 300 genetische Einheiten einteilen. Davon sind 180 eigentliche Sprachfamilien mit mehr als einer Sprache, 120 sind isolierte Sprachen.
Hinweise zur Zählung und Gliederung Aktualität Quelle der Zahlenangaben (Zahl der Sprachen, Zahl der Sprecher) ist eine Publikation von Ernst Kausen aus dem Jahr 2009,Ernst Kausen: Die Sprachfamilien der Welt, 2009 (Word-Dokument). die auf teilweise noch älterer Literatur beruht. Insbesondere die Angaben zur Zahl der Sprecher sind daher nicht aktuell.
Zahlreiche Sprachen sind vom Aussterben bedroht. Möglicherweise sind einige der hier noch als „fast ausgestorben“ eingestuften Sprachen und Sprachfamilien inzwischen ausgestorben.
Probleme der Sprachenzählung Eine präzise Ermittlung der Zahl der Sprachen einer Sprachfamilie ist in vielen Fällen nicht möglich: So werden z. B. von manchen Forschern die hier angegebenen 39 Quechua-Sprachen als eine einzige Sprache mit 39 – teilweise sehr unterschiedlichen – Dialekten betrachtet (Problem „Sprache oder Dialekt“). Ein weiteres Problem sind große Dialektcluster, bei denen benachbarte Dialekte zwar untereinander verständlich sind, die Randdialekte aber so unterschiedlich ausfallen, dass eine wechselseitige Verständigung nicht mehr möglich ist. Ob es sich dabei um eine Sprache mit abweichenden Dialekten handelt oder um mehrere Sprachen, wird von verschiedenen Autoren unterschiedlich gesehen. Die eindeutige Identifikation von Sprachen wird zudem durch die Existenz von Übergangsdialekten erschwert. Zum Beispiel stellen die neuindoarischen Sprachen Nordindiens ein durchgehendes Sprachen- oder Dialektkontinuum dar, die Ausdifferenzierung von Einzelsprachen ist damit sehr schwierig. Sie folgt eher politischen, kulturellen und literarischen Traditionen als linguistischen Kriterien. Häufig werden Sprachen auch „politisch definiert“: Dadurch werden z. B. das Serbische, Kroatische, Montenegrinische und Bosnische als separate Sprachen gewertet, obwohl sie nach linguistischen Kriterien eindeutig nur eine Sprache – Serbokroatisch – darstellen. Ein Versuch, die Identifikation von Sprachen auf eine wissenschaftliche Grundlage zu stellen, sind die Begriffe „Abstandsprache“ und „Ausbausprache“ (siehe den Artikel Abstand und Ausbau). Aber auch diese Begriffe sind subjektiv interpretierbar und führen nicht immer zu eindeutigen, allgemein anerkannten Lösungen.
Die scheinbar präzisen Zahlenangaben sind deshalb zu relativieren. Aussagen der Art „Die Sprachfamilie X besteht aus n Sprachen“ hängen davon ab, welches Klassifikationsmodell und welche Abstandsdefinitionen für Sprachvarianten verwendet werden. Bei den Zahlenangaben in diesem Artikel wurde die von der Mehrheit der Forscher bevorzugte Variante der Klassifikation und der Sprachidentifikation zugrunde gelegt. Daneben kann es andere Forscher geben, die zu abweichenden Ergebnissen kommen.
Einteilung in Stammkontinente Die Ausbreitung der europäischen Sprachen in andere Kontinente durch die neuzeitliche Kolonisierung (etwa seit 1500 n. Chr.) wird bei der Zuordnung der Sprachfamilien zu den geografischen Großräumen (Stammkontinenten) üblicherweise nicht berücksichtigt. Insbesondere werden also z. B. die indogermanischen Sprachen Englisch, Spanisch, Portugiesisch und Französisch zum Stammkontinent „Eurasien“ gezählt, obwohl sie heute weltweit verbreitet sind. Jedem Stammkontinent werden nur dessen indigene Sprachfamilien, Sprachen und deren Sprecher zugeordnet.
Zu einzelnen Stammkontinenten: Eurasien als Stammkontinent umfasst hier Europa und das asiatische Festland. Eine Aufteilung in „europäische“ und „asiatische“ Sprachen ist wegen der vielen übergreifenden Einheiten – z. B. Indogermanisch, Uralisch, kaukasische Sprachen – nicht sinnvoll. Die künstliche geographische Grenze zwischen Europa und Asien hatte nie eine linguistische Bedeutung. Die Inselwelt Südostasiens (Philippinen, Indonesien, Neuguinea), die Malaiische Halbinsel und die Inseln des Pazifiks werden zum Großraum Indo-Pazifik zusammengefasst, der damit vor allem die austronesischen und die sog. Papua-Sprachen umfasst. Australische Sprachen sind nur die Sprachen der australischen Ureinwohner („Aborigines“). Die afrikanischen Sprachen umfassen wie üblich die gesamte afroasiatische Sprachfamilie, also auch die semitischen Sprachen Südwestasiens. Amerikanische Sprachen sind die Sprachen der indigenen amerikanischen Völker.
Übersicht weltweit Karte mini|hochkant=4.5|zentriert|Sprachfamilien der Welt
Sprachfamilien mit mindestens einer Million Sprechern Es gibt weltweit 25 Sprachfamilien mit mindestens einer Million Sprechern. Über 99,5 % der Menschheit sprechen eine Sprache, die zu einer dieser 25 sprecherreichsten Spracheinheiten gehört.
Rang Sprachfamilie Sprachen Sprecher-zahl Verbreitungsgebietbekanntlebend1Indogermanisch2802203.000 Mio.Europa, Südwest- und Südasien; heute weltweit2Sinotibetisch3433351.288 Mio.China, Himalaya-Region, Südostasien3Niger-Kongo13861364354 Mio.West-, Zentral- und Südliches Afrika4Afroasiatisch354311347 Mio.Nordafrika, Südwestasien5Austronesisch11441119296 Mio.Taiwan, Philippinen, Indonesien, Madagaskar, Pazifischer Ozean6Dravidisch2727220 Mio.Süd- und Zentral-Indien, Nord-Indien, Pakistan7Turkisch4137160 Mio.Südwest- und Zentralasien, Osteuropa, Nordost-Sibirien8Japanisch-Ryūkyū4 4126 Mio.Japan, Okinawa9Austroasiatisch15715695 Mio.Nordost-Indien, Südostasien10Tai-Kadai696883 Mio.Süd-China, Südostasien11Koreanisch 42 78 Mio.Korea, Nordostchina12Nilosaharanisch19618834 Mio.Afrika: Süd-Sahara-Zone, Sudan13Uralisch3128 24 Mio.Nord- und Nordosteuropa, Ungarn, Ural-Gebiet, Westsibirien14Quechua393810 Mio.Peru, Ecuador, Kolumbien, Bolivien, Argentinien15Mongolisch1414 7,5 Mio.Mongolei, Nord-China; Burjatien, Kalmückien16Hmong-Mien (Miao-Yao)2121 6,3 Mio.Südchina, nördliches Südostasien17Tupí74605,3 Mio.Paraguay, Bolivien, Brasilien18Kartwelisch44 5,0 Mio.Georgien; auch Türkei19Maya33314,2 Mio.Mexiko, Guatemala, auch Belize20Trans-Neuguinea5335303,2 Mio.Neuguinea; Timor, Alor, Pantar21Nachisch-Dagestanisch29293,0 Mio.Russland: Tschetschenien, Inguschetien, Dagestan22Aymara (Aru)332,2 Mio.Bolivien, Peru, Chile, Argentinien23Oto-Mangue 21192,0 Mio.Mexiko, auch Nicaragua, Costa Rica24Uto-Aztekisch32 221,6 Mio.West-USA, Nordwest- und Zentral-Mexiko25Abchasisch-Adygisch541,1 Mio.Georgien: Abchasien, Russland: Adygeja, Kabardien
Statistik: Sprachen und genetische Einheiten Die Tabelle gibt einen statistischen Überblick über alle bekannten lebenden und ausgestorbenen Sprachen und genetischen Einheiten. Eine genetische Einheit ist eine Sprachfamilie oder eine isolierte Sprache. Etwa 300 genetische Einheiten sind bekannt, davon rund 200 mit lebenden Sprachen und rund 100 ausgestorbene Einheiten.
Kreol- und Pidgin-Sprachen sowie unklassifizierte Sprachen lassen sich keiner Spracheinheit zuordnen. Sie sind hier zur Vervollständigung mit aufgeführt.
Stamm-Kontinent Sprachen Sprecherin Mio. Genetische Einheiten Isolierte Sprachen bekannt ausge-storben lebend bekannt ausge-storben lebend bekannt ausge-storben lebendWELT6.5028955.6075.879294981961225964Eurasien1.0631069574.771295241147Indopazifik1.965401.92530019019505Australien253174790,045123281055Afrika1.974791.895735918312Amerika9823716112918669117944945Nordamerika2711251460,556272927198Mittelamerika11934858,617512734Südamerika59221238019,41133776602733Kreol-Pidgin1381911927......Unklassifiziert127106210,003......
Hinweise zu den Zahlenwerten
Die Zahl der ausgestorbenen Sprachen ist die Zahl jener Sprachen, die ausgestorben, aber durch Überlieferung bekannt geworden sind. Die Zahl der Sprecher ist die Zahl der muttersprachlichen Sprecher von lebenden Sprachen. Alle Zahlenangaben sind nicht aktuell und grundsätzlich mit Unsicherheiten verbunden (siehe dazu die Hinweise oben). Die Zahlenangaben entsprechen der statistischen Situation etwa im Jahr 2000. Die hier angegebene Gesamtzahl aller Sprecher beträgt knapp 5,9 Milliarden. Die Weltbevölkerung erreichte Mitte 2024 die Zahl 8,2 Milliarden. Die hier erfasste Gesamtzahl von rund 6500 Sprachen weltweit wird von vielen Forschern als Anhaltswert genannt. In der Literatur werden Gesamtzahlen zwischen 5000 und 7500 genannt.
Eurasien Der Stammkontinent Eurasien ist hier als „Europa und asiatisches Festland“ definiert. Zu diesem Stammkontinent gehören etwa 1000 Sprachen, die von rund 4,8 Milliarden Menschen weltweit gesprochen werden. Insbesondere die indogermanischen Kolonialsprachen Englisch, Spanisch, Portugiesisch und Französisch haben sich weit über ihren Stammkontinent hinaus verbreitet.
Insgesamt gibt es 29 eurasische genetische Einheiten, davon sind fünf ausgestorben. Elf dieser Einheiten sind isolierte Sprachen, davon sind wiederum vier ausgestorben.
Sprachfamilien und isolierte Sprachen Eurasiens Sprachfamilie/isolierte SpracheSprachenbekanntSprachenlebendSprecher-zahlVerbreitungsgebietIndogermanisch280220 2.675 Mio.Europa, Südwest- und Südasien; heute weltweitSinotibetisch343335 1.288 Mio.China, Himalaya-Region, SüdostasienDravidisch2727 220 Mio.Süd- und Zentral-Indien; Nord-Indien; PakistanTurkisch4137 160 Mio.Südwest- und Zentralasien, Osteuropa, Nordost-SibirienJapanisch-Ryūkyū4 4 126 Mio.Japan, OkinawaAustroasiatisch157156 95 Mio.Nordost-Indien, SüdostasienTai-Kadai6968 83 Mio.Süd-China, SüdostasienKoreanisch 42 78 Mio.Korea, Nordostchina Uralisch3128 24 Mio.Nord- und Nordosteuropa, Ungarn, Ural-Gebiet, WestsibirienMongolisch1414 7,5 Mio.Mongolei, Nord-China; Burjatien, KalmückienHmong-Mien (Miao-Yao)2121 6,3 Mio.Süd-China, nördl. SüdostasienKartwelisch44 4,5 Mio.Georgien; auch TürkeiNachisch-Dagestanisch2929 3,0 Mio.Russland: Tschetschenien, Inguschetien, DagestanAbchasisch-Adygisch54 1,1 Mio.Nordwest-Kaukasus: Abchasien, Adygeja, KabardienBaskisch11800.000Baskenland: NO-Spanien, SW-Frankreich (Pyrenäengebiet)Burushaski11100.000Nord-Pakistan: Hunzatal und Yasintal im KarakorumgebirgeTungusisch121175.000Russland: Ostsibirien; MandschureiTschuktscho-kamtschadalisch5514.000Russland: Tschuktschen-Halbinsel, KamtschatkaNahali (Kalto)112.000Indien: Maharashtra (Nimar District)Jenisseisch61800Russland: Zentralsibirien (Jenissei-Gebiet)Niwchisch (Giljakisch)11700Russland: Sachalin, AmurJukagirisch31200Russland: NordostsibirienAinu11fast †Russland: Sachalin / Japan: HokkaidoKusunda11fast †Nepal: Tanhun DistrictTyrsenisch †30 †Italien: Etrurien, Rätien; LemnosHattisch †10 †ZentralanatolienHurro-Urartäisch †20 † Ostanatolien, NordsyrienSumerisch †10 † Süd-MesopotamienElamisch †10 † Iran: Südwest
Über die genannten ausgestorbenen Spracheinheiten hinaus gab es in Eurasien etliche weitere Sprachen, von denen nur minimale Spuren erhalten sind. Siehe die Artikel Altorientalische Sprachen und Isolierte Sprachen.
Areale Sprachgruppen in Eurasien Altaisch Kaukasisch Paläosibirisch
Eurasische Makrofamilien Eurasiatisch Nostratisch Dene-Kaukasisch Austrisch
Indopazifischer Raum Zum indopazifischen Raum, der geographisch die Philippinen, Indonesien, Malaysia, Borneo, Neuguinea und die Inselwelt des Pazifiks umfasst, gehören der weitverbreitete austronesische Sprachstamm, die kleine andamanische Sprachfamilie und 17 nicht-austronesische Spracheinheiten Neuguineas und umliegender Inseln, die man areal als Papua-Sprachen zusammenfasst.