mini|hochkant=1.3|Dietmar Schönherr, 2006 rahmenlos|zentriert|class=notpageimage skin-invert-image|200px|Unterschrift Dietmar Schönherr österreichischer Schauspieler Dietmar Otto Hugo Schönherr (* 17. Mai 1926 in Innsbruck, Tirol; † 18. Juli 2014 in Santa Eulària des Riu, Ibiza, Spanien) war ein österreichischer Schauspieler, Moderator, Hörspielsprecher, Synchronsprecher, Schlagersänger, Schriftsteller, Übersetzer, Regisseur und Entwicklungshelfer in Nicaragua.
Schönherr erlangte durch seine Hauptrolle in der ersten und bis heute einer der beliebtesten deutschen Science-Fiction-Fernsehserien Raumpatrouille – Die phantastischen Abenteuer des Raumschiffes Orion eine bis heute anhaltende Popularität. Er moderierte die innovative Fernsehshow Wünsch Dir was und ab 1973 die erste Talkshow im deutschsprachigen Fernsehen Je später der Abend. Ab 1985Werner Hörtner: In: Salzburger Nachrichten, 13. Mai 2006. engagierte sich Schönherr in Nicaragua für soziale und kulturelle Projekte. Sie hatten für ihn die mit Abstand größte Bedeutung in seinem Lebenswerk.
Leben Herkunft Dietmar Schönherrs Großvater, der k. u. k. Generalmajor Hugo Schönherr, wurde am 21. August 1917 mit dem Prädikat „Edler von Schönleiten“ in den erblichen österreichischen Adelsstand erhoben. Nach dem Untergang der österreichisch-ungarischen Monarchie ging der Familie mit dem Adelsaufhebungsgesetz 1919 die Nobilitierung verloren.
Dietmar Schönherrs Vater, Otto Schönherr, diente als Oberst im österreichischen Generalstab und im Zweiten Weltkrieg als Generalleutnant in der deutschen Wehrmacht. Otto Schönherr war ein musischer Mensch, der gern Klavier spielteSchönherr: Sternloser Himmel. 2006; . und Gedichte schrieb. Dietmar Schönherrs Mutter Maria, geb. Koller, stammte aus Triest, ein Vorfahre war ein Genueser Kaufmann. Schönherr wollte zunächst die gleiche Laufbahn wie sein Vater und sein Großvater einschlagen. Nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich 1938 wurde sein Vater Angehöriger der deutschen Wehrmacht, obwohl er nach Angaben seines Sohnes gegen den Anschluss Österreichs an Deutschland und ein Gegner des Nationalsozialismus gewesen war. Später soll er mit Widerständlern sympathisiert haben und mit Henning von Tresckow befreundet gewesen sein.Schönherr: Sternloser Himmel. 2006; . Seine Einstellung belegen Anti-Kriegs-Gedichte, die in seinem Nachlass gefunden wurden.
Nichtsdestoweniger zog die Familie nach Potsdam, als Otto Schönherr zum Infanterie-Regiment Nr. 9 („Graf Neun“) versetzt wurde. Im weiteren Kriegsverlauf stieg Otto Schönherr zum Generalleutnant auf. Nach dem Krieg kehrte er mit der Familie nach Österreich zurück und siedelte sich in Ried im Oberinntal bei Landeck an, der Heimat von Otto Schönherrs Großvater.
Jugend 1943 machte Dietmar Schönherr das Abitur am Potsdamer Victoria- (heute: Helmholtz-) Gymnasium. Direkt von der Schulbank wurde er von Filmregisseur Alfred Weidenmann für die Hauptrolle in dem UFA-Film Junge Adler entdeckt. Schönherr spielte den arroganten Theo Bracke, der zu Erziehungszwecken in der Fabrik seines Vaters zum Flugzeugbauer ausgebildet wird. Mit der Aufnahme Theos in die Kameradschaft der Lehrlinge verknüpft der Film Zeltlagerromantik und nationalsozialistische Werthaltung. Regisseur Weidenmann und sein Freund Herbert Reinecker als Drehbuchautor, beide überzeugte Nationalsozialisten, gelang hier nach Einschätzung des Erziehungswissenschaftlers Rolf Seubert der Durchbruch zum genuin nationalsozialistischen Erziehungsfilm.Deutsche Kinemathek - Museum für Film und Fernsehen (Hrsg.): Der deutsche Film. Aus den Archiven der Deutschen Kinemathek. Hatje Canz, Berlin 2024, S. 357.
Die Eltern sollen erleichtert gewesen sein, ihren Sohn für ein paar Monate vor dem Krieg bewahrt zu sehen. Doch unmittelbar nach Ende der Dreharbeiten meldete er sich im Mai 1944 als Freiwilliger zum Kriegsdienst bei den Gebirgsjägern als Fahnenjunker. Im April 1945 desertierte er und konnte bei einem befreundeten Bauern untertauchen.
Privatleben Von 1950 bis 1964 war Dietmar Schönherr mit Ellen Schönherr (1923–2013) verheiratet. 1963 lernte er die dänische Produzentin, Sängerin und Schauspielerin Vivi Bach (1939–2013) kennen, die ihn für ihren Film engagieren wollte. 1965 heirateten sie.. In: Beckmann, Das Erste, 8. Mai 2006. Ab den 1970er Jahren wohnte das Ehepaar in einem von ihm renovierten Bauernhof in Voglhub bei Straßwalchen nahe Salzburg, der zu einem beliebten Treffpunkt von Künstlerkollegen wurde. 1990 siedelten sie ins Schweizer Städtchen Kaiserstuhl (Kanton Aargau) um. Im Jahr 2005 bezogen sie ihren Altersruhesitz auf IbizaSirio Flückiger: . In: Radio Argovia, 18. Juli 2014, (Audiodatei, 2:37 Min., offline). Alexandra Plank: Ein Vielbegabter mit sozialem Gewissen. In: Tiroler Tageszeitung, 17. Mai 2011. in Santa Eulària des Riu bei Santa Agnès de Corona. Vivi Bach starb am 22. April 2013.. In: Yahoo! TV, 23. April 2013. Nach Schönherrs letztem Willen wurde seine Asche gemeinsam mit der seiner Ehefrauen im Mittelmeer verstreut.
Künstlerisches Schaffen Film, Fernsehen, Synchronisierung und Moderation Schönherr begann 1946 ein Architekturstudium, kehrte aber bald zur Schauspielerei zurück, wenn auch auf Umwegen: Von 1947 bis 1952 war er Sprecher, Schauspieler, Regisseur, Reporter und Autor beim Österreichischen Rundfunk. Danach wechselte er als Hörfunkdramaturg und Moderator zum WDR nach Köln.
Im Jahr 1955 kam der Durchbruch mit dem Film Rosenmontag mit Ruth Niehaus als Filmpartnerin unter der Regie von Willy Birgel. Danach wirkte er in mehr als hundert Kino-Filmen mit, so etwa 1965 in Franz Josef Gottliebs Ferien mit Piroschka, wo er an der Seite von Götz George spielte. In dem tschechisch-deutschen Märchenfilm Schneewittchen und das Geheimnis der Zwerge übernahm er 1992 unter der Regie von Ludvík Ráža die Rolle des Königs. Seine letzte Rolle in einem Kino-Film hatte er 2006 in der Schweizer Filmkomödie Handyman in einer Nebenrolle als Dr. Meyer.
mini|Stefan Walz (links) und Dietmar Schönherr im Fernsehfilm Der Tod zu Basel von Urs Odermatt, 1990 Neben seinen zahlreichen Rollen auf der Kinoleinwand wurde Schönherr einem weiten Publikum durch die Rolle des Commander Cliff Allister McLane in der Fernsehserie Raumpatrouille bekannt. Diese Science-Fiction-Serie (Erstausstrahlung im September 1966) erlangte einen bis heute anhaltenden Kultstatus bei den deutschsprachigen Fernsehzuschauern; Schönherrs Commander McLane gilt als dessen populärste TV-Rolle. Mit zur Raumschiffbesatzung gehörten damals Eva Pflug, Claus Holm, Wolfgang Völz, Friedrich G. Beckhaus und Ursula Lillig. Ein weiterer Erfolg für Schönherr wurde die dreizehnteilige Familienserie Leinen los für MS Königstein, in der er von 1997 bis 1998 die Hauptrolle des eigenwilligen Kapitän Heinrich Starke spielte, der im Ort Königstein in einem Fährhaus lebte und von dort aus mehrere Abenteuer erlebte. Eine seiner letzten Hauptrollen im Fernsehen hatte er 2005 neben Christine Neubauer in dem Film Glück auf halber Treppe als pensionierter Archäologieprofessor Werner Kleist. Im Jahr 2009 gab Schönherr nach den Dreharbeiten der Fernsehkomödie Zeit für Träume seinen Abschied vom Film- und Fernsehgeschäft bekannt.
Als Synchronsprecher war Dietmar Schönherr die deutsche Stimme von James Dean in den Filmen Jenseits von Eden, … denn sie wissen nicht, was sie tun und in Giganten. Daneben sprach er unter anderen Sidney Poitier sowie Audie Murphy in Denen man nicht vergibt und Steve McQueen in Thomas Crown ist nicht zu fassen.
Wünsch Dir Was - Die TV-Show 1969 bis 1972 Schönherr machte sich zudem mit der Moderation von neuartigen Fernsehformaten einen Namen. Von 1969 bis 1972 moderierte er mit seiner Ehefrau Vivi Bach die innovative und vielgesehene Fernsehshow Wünsch Dir was.Der rebellische Schauspieler und Entwicklungshelfer Dietmar Schönherr wird 75 Jahre alt: Er stört gern. In: Berliner Zeitung, 11. August 2014. Mit ihr präsentierte er ebenfalls Fernsehshows wie Sie und er, Luftsprünge sowie Du und ich. Mit Je später der Abend moderierte er ab 1973 die erste Talkshow des deutschen Fernsehens. WDR, 18. März 2003.
Theater Schönherr spielte zahlreiche Rollen auf folgenden Theaterbühnen: Exl-Bühne in Innsbruck, Contra-Kreis-Theater in Bonn, Theater in der Josefstadt, Theater an der Wien, Salzburger Landestheater, Tiroler Landestheater in Innsbruck, Komödie Berlin, Renaissance-Theater in Berlin, Ha-Bimah in Tel Aviv und schließlich von 1977 bis 1990 am Zürcher Schauspielhaus. In: Neue Luzerner Zeitung Online, 18. Juli 2014; (sda/dpa). mit der Rolle des König Lear als Höhepunkt.
Er war Mitbegründer der Tiroler Volksschauspiele, zunächst in Hall in Tirol und ab 1982 in Telfs. Zudem leitete Schönherr die Volksschauspiele fünf Jahre lang, 1983 inszenierte er dort das Drama Der Weibsteufel von Karl Schönherr (mit dem er nicht verwandt war).
Schlagersänger Schönherr begann 1958 eine wenig erfolgreiche Karriere als Schlagersänger. Seinen ersten Schallplattenvertrag bekam er bei Philips, wo bis 1964 elf von ihm besungene Singles herausgebracht wurden. Weitere Singles wurden bis 1976 bei Ariola, Cornett und Prom veröffentlicht. Insgesamt kamen etwa 17 Singles mit Schönherr auf den Markt, darunter fünf, die er zusammen mit Vivi Bach besang. Schönherrs einziger Schallplattentitel, der die deutschen Hitlisten erreichte, war im Jahr 1959 Such das Glück der Welt, der in den Top 50 der Fachzeitschrift Musikmarkt acht Wochen notiert war und mit Rang 35 seine beste Platzierung erreichte.
Literarische Tätigkeiten Schönherr war der Autor von Romanen und Erzählungen sowie von Kinder- und Jugendbüchern, die er zum Teil selbst als Sprecher für Hörbücher aufnahm. Die Mehrzahl seiner Sujets spielen in Mittelamerika. Darüber hinaus übersetzte er einige Werke von André Gide und Jean-Paul Sartre aus dem Französischen.
Biografischer und künstlerischer Nachlass 2015 übergab der Erbe des Schauspielerpaares und Großneffe Florian Schönherr dem WaRis – Tiroler Filmarchiv den filmischen und einen Teil des privaten Nachlasses von Schönherr und seiner Frau Vivi Bach. Die private Gemäldesammlung des Ehepaares Bach-Schönherr wurde am 15. November 2015 zugunsten von Schönherrs Kulturprojekt Casa de los Tres Mundos in Nicaragua versteigert. sammlungbachschoenherr.de Der Künstler Wolfgang Hunecke, ein Wegbegleiter Schönherrs bei dessen Engagement in Nicaragua, hatte die Sammlung gesichtet und katalogisiert. Darunter befanden sich Kunstwerke von Vivi Bach, Arik Brauer, Gottfried Helnwein, Rudolf Hausner, Tomi Ungerer und Friedensreich Hundertwasser. Der Verkauf von rund 200 Werken erbrachte zwischen 100.000 und 120.000 Euro, davon etwa zur Hälfte ein Aquarell von Hundertwasser. Auch die Deutsche Kinemathek verwaltet einen aus Schriftgut und Fotografien bestehenden Teil des Nachlasses. Diesen erhielt das Museum 2018 von Peter Reichelt, mit dem Schönherr 1985 die Stiftung Hilfe zur Selbsthilfe gegründet hatte.
Politisches und soziales Engagement Dietmar Schönherr engagierte sich schon in jungen Jahren gesellschaftspolitisch. So wurde er 1950 von einem französischen Gericht verurteilt, weil er für Juden, die in Israel lebten und nach Deutschland zurückkehren wollten, Passierscheine fälschte.Aufbau, 21. April 1950, S. 7
Vor der Nationalratswahl in Österreich am 1. März 1970 trat er für die SPÖ auf, um Bruno Kreisky zu unterstützen (der nach der Wahl Bundeskanzler wurde und es bis Mai 1983 blieb).
Anfang der 1980er Jahre wurde Schönherr ein aktiver Unterstützer der deutschen Friedensbewegung, wo er als Redner bei Friedensdemonstrationen gegen den NATO-Doppelbeschluss auftrat. Politisches Aufsehen erregte er im November 1981 mit seiner Beschimpfung des damaligen US-Präsidenten Ronald Reagan als „Arschloch“ in der ersten Ausgabe seiner Talkshow Rendez-vous des Schweizer Fernsehens. Vier Tage später begründete er seine Kritik in der Presse mit der Gefahr eines atomaren Krieges für Hunderte von Millionen von Europäern.