mini|270px|Hohenlimburg an der Lenne mini|270px|Lohmannstraße in der Innenstadt Hohenlimburg ist ein Stadtteil der kreisfreien Großstadt Hagen an der Schwelle vom östlichen Ruhrgebiet zum Sauerland, eine ehemalige kreisangehörige Stadt des 1975 aufgelösten Kreises Iserlohn und früherer Residenzort der 1808 bzw. 1817 aufgehobenen Grafschaft Limburg. Im Jahr 2025 hatte Hohenlimburg 23.752 Einwohner. Bevölkerungszahlen der Stadtteile
Die frühere Stadt Hohenlimburg und die ehemalige Grafschaft Limburg blicken auf eine besonders reiche, vielfältige und alte Geschichte zurück. Überregional bekannt ist Hohenlimburg für sein Schloss, für die dort entstandene Kaltwalzindustrie sowie für bedeutende archäologische Funde, die seit dem 19. Jahrhundert im Lennetal gemacht werden.
Mit „Hohenlimburg“ ist im Sprachgebrauch meistens der gleichnamige „statistische Bezirk“ Hagens gemeint, da der „Stadtteil Hohenlimburg“ offiziell nur die Innenstadt beinhaltet. Zum statistischen Bezirk Hohenlimburg gehören die Stadtteile Elsey, Hohenlimburg (Innenstadt), Holthausen, Wesselbach, Oege, Nahmer, Reh und Henkhausen. Dieser bildet zusammen mit dem statistischen Bezirk Lennetal (Berchum, Halden und Herbeck) den Hagener „Stadtbezirk Hohenlimburg“.
Geologie und Natur In der Umgebung von Hohenlimburg gibt es große Vorkommen von Massenkalk aus dem Devon. Auf ihm wachsen Kalkbuchenwälder mit Beständen von Waldmeister und Orchideen, die als Naturschutzgebiete ausgewiesen wurden, wie z. B. am Weißenstein oder Steltenberg.
Neben den Kalkfelsen mit Felsspaltenvegetation bestehen mehrere alte Karsthöhlenrelikte, darunter die Hünenpforte, aus denen bedeutende archäologische Funde bekannt sind. Das führt zu Interessenkonflikten mit dem Unternehmen Rheinkalk und seiner Niederlassung in Hagen-Halden, das im Steinbruch Donnerkuhle Kalkstein und insbesondere Dolomit abbaut.
In Steinbrüchen und Aufschlüssen in und um Hohenlimburg werden zum Teil seltene Fossilien aus dem Paläozoikum, besonders aus dem mittleren Devon, entdeckt. Wesentliche paläontologische und geologische Funde aus Hohenlimburg und Umgebung werden im Wasserschloss Werdringen ausgestellt.
Geschichte Ur- und Frühgeschichte mini|Bleuler, ca. 1810 mini|Bleuler, ca. 1810 mini|Heinrich Arnold Tilmann (1820–1913). Hohenlimburg an der Lenne von Nordwesten, um 1863/70.
Das frühere Stadtgebiet Hohenlimburgs im Lennetal wurde schon früh von Menschen bewohnt, wahrscheinlich bereits zur Zeit des Neandertalers, wie einzelne Steinwerkzeuge andeuten.
In Höhlen, wie in der Oeger Höhle, oder unterhalb der Raffenburg und an der sagenumwobenen Hünenpforte (nicht in Hohenlimburg, sondern im zu Hagen gehörenden Holthausen), sowie auch auf Flussterrassen entdeckte man Steinwerkzeuge und Keramikscherben von der späten Altsteinzeit bis in die Eisenzeit.
In Blickweite von Hohenlimburg, in einem Seitental der Lenne bei Holthausen, wurden in der tiefen „Blätterhöhle“ Knochenfunde von steinzeitlichen Menschen gemacht, darunter auch die Skelettreste von mindestens zwei der frühesten anatomisch modernen Menschen in Westfalen und im Ruhrgebiet. Diese menschlichen Überreste sind nach Radiocarbonanalysen an den Universitäten in Kiel und Oxford über 10.700 Jahre alt und stammen aus dem frühen Mesolithikum. In Europa gehören sie zu den wenigen überlieferten Menschenresten aus diesem Zeitabschnitt. Die Forschungen sind noch nicht abgeschlossen; die Ausgrabungen in der mit zahlreichen weiteren Skelettresten und anderen Funden gefüllten Höhle haben begonnen. All dies liegt allerdings auf Gebiet, das nie zu Hohenlimburg gehörte.
In der gleichen Höhle wurden auch zahlreiche Skelettreste von Menschen aus der Zeit der Michelsberger Kultur entdeckt, darunter das fast vollständige Skelett einer jungen Frau im Alter von 17 bis 22 Jahren. Untersuchungen ergaben ein Alter von rund 5600 Jahren; die Funde datieren also in die Zeit um 3600 v. Chr. Diese jungsteinzeitlichen Menschenreste, die vermutlich zu Bestattungen gehören, zählen in Europa zu den seltenen archäologischen Relikten. Die Funde werden seit 2004 von einem internationalen Wissenschaftlerteam erforscht und sind anhand von ausgewählten Objekten im Museum für Ur- und Frühgeschichte Wasserschloss Werdringen zu sehen.
Von überregionaler Bedeutung sind auch die Stein- und Geweihgeräte aus dem Ende des Magdalénien sowie Keramikgefäße der jungsteinzeitlichen Rössener Kultur, die in der Oeger Höhle entdeckt wurden. Die Oeger Höhle liegt gegenüber dem alten Hohenlimburger Stadtkern. Noch zu Beginn des 19. Jahrhunderts befand sich die Höhle direkt an der Lenne und war schwer zugänglich.
Aus der Römischen Kaiserzeit stammen Funde einer „germanischen“ Siedlung sowie aus der Völkerwanderungszeit und dem Frühmittelalter mehrere Münzen sowie Bronze- und Keramikobjekte.
Wesentliche archäologische Funde aus Hohenlimburg und Umgebung werden im Museum für Ur- und Frühgeschichte Wasserschloss Werdringen gezeigt.
Mittelalter Gründungsphase – am Anfang stand ein Totschlag mini|Fachwerkhäuser am Marktplatz in Hohenlimburg Ausgangspunkt der Geschichte der Stadt und der Grafschaft Limburg ist die Ermordung des Kölner Erzbischofs und Reichsverwesers Engelbert II. von Berg 1225 in einem Hohlweg bei Gevelsberg durch Graf Friedrich II. von Altena-Isenberg, der eine Opposition westfälischer Adeliger gegen Kurköln anführte. Graf Friedrich wurde 1225 mit dem päpstlichen Kirchenbann und der Reichsacht belegt sowie nach seiner Ergreifung 1226 vor dem Severinstor in Köln gerädert; sein Besitz wurde von Kurköln und den Grafen von der Mark als „herrenloses Lehen“ eingezogen.
Sein Sohn, Dietrich I. von Altena-Isenberg (später nannten er und seine Nachfahren sich nur noch „von Limburg“), versuchte sein Erbe von seinem Onkel, Graf Adolf I. von der Mark, zurückzuerhalten. Ab 1232 sind verschiedene Quellen nachgewiesen, darunter auch Beschwerden des Kölner Erzbischofs an den Papst, die von „Angriffen“ der „Söhne“ des hingerichteten Grafen Friedrich II. von Isenberg berichten. Hinweise auf das spätere Territorium an der Lenne und auf die Burg enthält diese Quellenüberlieferung nicht.
Anscheinend nicht vor 1240 ließ Graf Dietrich I. von Isenberg eine Burg, das spätere Schloss Hohenlimburg, im unteren Lennetal errichten. Nach mehrjährigen Auseinandersetzungen („Isenberger Wirren“) wurde 1243 zwischen den Grafen von der Mark und Graf Dietrich von Isenberg ein Friedensvertrag abgeschlossen. Graf Dietrich hatte die Burg an seinen Onkel, Herzog Heinrich IV. von Limburg, überschrieben und erhielt sie als Lehen zurück. Das 1930, 1980 und 2005 in Hohenlimburg als „Stadtjubiläum“ gefeierte Jahr 1230 ist historisch nicht belegt und beruht auf Spekulationen der örtlichen Heimatforschung.
Das Gebiet zwischen unterer Lenne und ihrer Mündung in die Ruhr unterhalb der Hohensyburg entwickelte sich zum Territorium der Grafschaft Limburg. Im Norden, Süden und Westen wurde das Gebiet von der Grafschaft Mark, im Osten durch das kurkölnische Territorium begrenzt.
Geschichte – Dichtung und Wahrheit Der örtliche Heimatverein in Hohenlimburg feierte 1930 und 1980 aufwändig das 700- bzw. 750-jährige Jubiläum von Burg und Stadt. Im September 2005 ist eine Jubiläumsfeier anlässlich des „775jährigen Stadtjubiläums“ veranstaltet worden. Die Feierlichkeiten beruhen auf Fehlinterpretationen und Irrtümern. Hohenlimburg als Ort entstand nachweislich erst in der Frühen Neuzeit. Das als „Jubiläumsjahr“ angesehene Jahr 1230 ist völlig willkürlich gewählt und besitzt keine belegbare historische Grundlage. Hohenlimburg bzw. Limburg tauchte erst 1242 und 1243 zum ersten Mal in Schriftquellen auf. Vorher gibt es keinen einzigen Hinweis auf einen solchen Ort und die Burg. Die Erwähnungen von 1242 und 1243 beziehen sich ausschließlich auf die Burganlage; einen Hinweis auf eine Siedlung und auf die Existenz einer Grafschaft enthalten diese Quellen ebenfalls nicht. Die Bezeichnung als Suburbium in einer dieser Quelle ist nicht, wie ein Iserlohner Heimatforscher aufgrund einer Fehlübersetzung mehrfach behauptet hat, der Hinweis auf eine Siedlung oder gar Stadt, sondern bezieht sich auf die Vorburg der „Limburg“. Interessant ist, dass in Hohenlimburg die Wiederkehr der wirklichen „Jubiläen“, zum Beispiel in den Jahren 2002 und 2003, nicht gefeiert wurde.
Eine mittelalterliche Siedlung oder gar stadtähnliche Ortschaft, wie sie von einigen Heimatforschern unterhalb der Burganlage vermutet wird, ist nicht nachgewiesen. Die Bezeichnung „Limburg“ bzw. „Hohe Limburg“, wie sie in Schriftquellen anzutreffen ist, bezog sich bis Anfang des 17. Jahrhunderts ausschließlich auf die Burg; anzunehmen ist lediglich eine kleine Ansiedlung direkt im Vorfeld der Burganlage, z. B. in der Form einer Vorburg. Das entspricht auch vergleichbaren Situationen im Vorfeld von anderen mittelalterlichen Burgen.
Die angeblichen und wiederum von dem Heimatforscher Wilhelm Bleicher postulierten Marktrechte von 1252, die Graf Dietrich I. aus politischen Bündnisgründen durch König Wilhelm von Holland verliehen erhielt, bezogen sich nach sorgfältiger Prüfung durch ausgebildete Fachhistoriker und der bekannten Quellenüberlieferung nicht auf eine Siedlung in der Grafschaft Limburg, sondern auf den gesamten Territorialbesitz der Grafen von Limburg und dabei eher auf die Herrschaft Styrum bei Mülheim an der Ruhr, wo seit dieser Zeit tatsächlich ein Markt belegt ist. Die Erwähnung von „Marktrechten“ ist zudem nur als nachträglich erstellte Abschrift einer Urkunde von 1442 belegt. Diese Urkunde besaß einen bestimmten politischen Hintergrund, so dass weitere Schlussfolgerungen auf die Verhältnisse im 13. Jahrhundert problematisch sind.
Burgen, Adelssitze und ein Kloster mini|Mauerreste der Raffenburg mini|Historischer Stiftsbereich Elsey Zum Territorium Kurkölns gehörte die dem heutigen Schloss Hohenlimburg benachbarte Raffenburg bei Hohenlimburg, bis diese 1288 durch Truppen der Grafen von der Mark im „Limburgischen Erbfolgekrieg“ erobert und zumindest in Teilen zerstört wurde. Heute zählt die Ruine mit ihren umfangreichen Siedlungsbefunden zu den archäologisch bedeutendsten Burganlagen in Westfalen. Archäologische Funde von der Raffenburg und weiteren Burganlagen der Region werden im Wasserschloss Werdringen gezeigt.
Oberhalb des Schlosses Hohenlimburg befinden sich die Wallanlagen der „7 Gräben“, eine Turmhügelburg, die nach archäologischen Funden im 13. Jahrhundert existierte, von ihrer Bauform jedoch aus dem 12. Jahrhundert stammen könnte. Da diese Burganlage, für deren Errichtung eine gewisse Zeit benötigt wurde, in historischen Quellen keine Überlieferung findet, sind weitergehende Überlegungen zur Datierung und ihrem Zusammenhang spekulativ.
Auf dem der Hohenlimburg gegenüberliegenden Ufer der Lenne existierte um 1220 in Elsey ein Frauenkloster, das im 17. Jahrhundert als adeliges Damenstift bis 1811 fortbestand. Das Kirchspiel Elsey mit der in den ältesten Bauteilen romanischen Hallenkirche entwickelte sich im Verlauf des 13. Jahrhunderts. Angebliche Hinweise auf eine karolingische Kirchen- und Klostergründung, die der Heimatforscher Wilhelm Bleicher 2003 zu erkennen glaubte und in einem Aufsatz sogar veröffentlicht hatte, sind in das Reich der Fabel zu verweisen. Bekannt sind lediglich einzelne archäologische Streufunde aus dieser Zeit, darunter eine karolingische Münze, die ohne Baubefunde oder sonstige Zusammenhänge, z. B. ein Grabbefund, keine große Aussagekraft besitzen. Größere Rekonstruktionen aus den wenigen Befunden aus dem Spätmittelalter und der Frühen Neuzeit sind höchst spekulativ.
In Berchum und Oege lassen sich für das 13. Jahrhundert kleinere Adelssitze in Form von „festen Häusern“ bzw. Turmburgen anhand von Schriftquellen und Gebäuderesten nachweisen. Zur Grafschaft Limburg gehörten bis zu ihrer Auflösung im Mai 1808 auch Letmathe, Oestrich und Hennen, heute Stadtteile von Iserlohn, sowie Ergste, das nun ein Ortsteil von Schwerte ist.
Burgen und Schlösser in der Grafschaft Limburg