mini|Kartenausschnitt Le Comte de la Marck, Sanson 1692
Lennep ist mit 24.334 Einwohnern (Stand 2025) der drittgrößte Stadtbezirk Remscheids. Als Mitglied der Hanse und preußische Kreisstadt war Lennep lange Zeit eine der wichtigsten Städte des Bergischen Landes.
Lennep besitzt eine in der Grundstruktur mittelalterliche Altstadt, die zu den ausgewählten 35 historischen Stadtkernen Nordrhein-Westfalens zählt. 116 Häuser des Stadtkerns, darunter viele Bauwerke des Bergischen Barocks, die nach dem Stadtbrand von 1746 entstanden, stehen unter Denkmalschutz.
Gliederung Stadtbezirk 3 Lennep 501 Lennep Altstadt 502 Lennep Nord 503 Stadtgarten 504 Lennep Neustadt 505 Lennep West 506 Hackenberg 507 Henkelshof 508 Hasenberg 509 Trecknase 510 Grenzwall 511 Engelsburg 512 Bergisch Born Ost 513 Bergisch Born West260px
Geschichte Wie durch archäologische Funde belegt ist, muss es im Raum Lennep bereits vor 5000 Jahren menschliche Siedlungen gegeben haben. Der Überlieferung nach liegen die Anfänge der Stadt im 12. Jahrhundert. In der Quellmulde des Baches Linepe (heute: Lennepe-Bach) sollen ein Fronhof und eine dem Heiligen Nikolaus geweihte Kapelle bestanden haben, wobei Lennep 1120 erstmals in den Urkunden erwähnt wird. Dieser Fronhof gelangte um 1200 in den Besitz der Grafen von Berg und ging später an den Herzog Heinrich von Limburg, der ihn in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts dem Kölner Stift St. Kunibert schenkte. Mit der Erhebung der Kapelle zur Pfarrkirche bildete sich eine erste geschlossene mittelalterliche Siedlung.
mini|Lennep als rangmäßig erste der vier bergischen Hauptstädte (1596)Widmung der Dissertation des Dr. jur. Nikolaus von Langenberg aus Wipperfürth, Würzburg 1596. Lennep erhielt zwischen 1259 und 1276 die StadtrechteToni Diederich, Rheinische Städtesiegel (Rhein. Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz, Jb. 1984/85), Neuss 1984, S. 281. und gehört damit zu den ältesten Städten des Bergischen Landes. Neben Wipperfürth (1222), Ratingen (1276) und Düsseldorf (1288) galt Lennep zudem als eine der vier Hauptstädte des Herzogtums Berg. Im Jahr 1276 wurde die Stadt im Bergischen Land Konsultationsgericht für das Ratinger Gericht. Zu dieser Zeit existierte bereits eine hohe Befestigungsmauer mit zwei Ausfalltoren. Geografisch günstig, jeweils zwei Tagesreisen von Köln und Dortmund entfernt an der frühmittelalterlichen Fernhandelsstraße nach Magdeburg gelegen, entwickelte sich Lennep schnell zu einer bedeutenden Handelsstadt. Im 13. Jahrhundert wurde Lennep Mitglied der Hanse und unterhielt zahlreiche Handelsniederlassungen. Im Laufe des 14. Jahrhunderts erstarkte die Lenneper Tuchindustrie, deren Produkte weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt waren. Infolge eines Stadtbrandes um 1325 wurden vorhandene Urkunden zerstört, daher bestätigte Graf Adolf der Stadt ihre Privilegien, die er um das Gerichtsrecht erweiterte. Spätestens seit dieser Zeit besaß die Stadt Markt- und Münzrecht, ab 1371 auch das Zollrecht. Am 26. September 1563 zerstörte erneut ein Brand bis auf wenige Häuser die ganze Stadt. Beim Wiederaufbau, der etwa bis 1575 dauerte und durch Steuerbefreiung und Privilegien durch Herzog Wilhelm gefördert wurde, konnte durch Verlegung von Plätzen, Straßen und Gebäuden eine für die Handwerker günstigere Struktur erzielt werden.
Die prosperierende Entwicklung der Stadt endete mit dem großen Stadtbrand am 4. Oktober 1746, dem nahezu die gesamte Stadt zum Opfer fiel. Viele Handwerker und Kaufleute ließen sich daraufhin in benachbarten Städten nieder. Der barocke Wiederaufbau der Stadt auf dem mittelalterlichen Stadtgrundriss vollzog sich nur schleppend. Bis zur Industrialisierung wuchs die Stadt nicht über die mittelalterliche Wallzone hinaus. Erst danach entwickelte sich die Stadt entlang der Hauptausfallstraßen weiter, vor allem in Richtung Süden und Westen, wo die Lenneper Neustadt mit Amtsgericht, Bahnhof und Kreishaus entstand. Dennoch konnte die Stadt kaum mehr mit den umliegenden neuen Großstädten im Wupperviereck konkurrieren. Die Protokolle der Gerichtsakten von 1696 bis 1811 beleuchten intensiv die inneren Verhältnisse der Bürgerschaft.
Im Jahre 1808 wurde die Stadt Sitz eines Kantons im Arrondissement Elberfeld des Départements Rhein im napoleonischen Großherzogtum Kleve und Berg und erhielt eine Munizipalverfassung. Das Gemeindeverwaltungsgesetz von Joachim Murat aus dem Jahre 1807 sah zunächst einen Direktor, ab 1809 einen Maire an der Spitze der Gemeinde vor, der bei weniger als 5000 Einwohnern von einem Beigeordneten unterstützt wurde. Ihnen standen Munizipalräte zur Seite, die an der Haushaltsaufstellung beteiligt waren. Im Verlaufe des Wiener Kongresses wurde Lennep 1815 Preußen zugeschlagen und zu einer Bürgermeisterei im Kreis Lennep mit einem Bürgermeister an der Spitze der Verwaltung.
mini|Kreishaus Lennep (1889 erbaut) – ehemals Sitz der Kreisverwaltung Lennep war 1850 Schauplatz eines Streiks der Tucharbeiter. Am 17. August 1857 wurden Lennep die preußischen Stadtrechte verliehen. Während des Ersten Weltkrieges und im Laufe der Inflation bis 1923 gaben sowohl die Kreisstadt als auch der Landkreis Notgeld heraus.
Im Jahr 1929 erfolgte die Eingemeindung in die Stadt Remscheid, bis dahin war Lennep Sitz des gleichnamigen preußischen Landkreises.siehe Literatur Die Auflösung des Kreises und die Eingemeindung führten anfangs zu starken Protesten in der Bevölkerung, die jedoch vergebens waren. Seither bildet Lennep den flächenmäßig größten Remscheider Stadtbezirk, der 1975 im Rahmen der nordrhein-westfälischen Gebietsreform um die in Teilen bereits zu Lennep gehörige Ortschaft Bergisch-Born erweitert wurde. 1980 wurde das 750. Stadtjubiläum gefeiert.
Wappen mini|Stadtsiegel von Lennep 1451Ausführliche Beschreibung in: Toni Diederich, Rheinische Städtesiegel (Rhein. Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz, Jb. 1984/85), Neuss 1984, S. 280–282; Originalsiegel ebd. Abb. 67. Das Wappen von Lennep, auf ngw.nl das an das 1260/70 entstandene Stadtsiegel angelehnt ist, zeigt auf einem silbernen Schild eine rote Stadtmauer mit Tor und einen roten, doppeltürmigen Kirchenbau mit blauem Dach und blauen Turmhauben. Der (heraldisch) rechte Turm ist von einem goldenen Wetterhahn bekrönt. Oberhalb der Kirche befindet sich ein kleiner silberner Schild mit einem nach rechts aufsteigenden roten Löwen, dem Wappentier der jüngeren Linie der Grafen bzw. Herzöge von Berg. Das Lenneper Wappen zeigt eine auffallende Ähnlichkeit zum Wappen der acht Jahre älteren Stadt Wipperfürth: Auch hier zeugt eine befestigte Kirche als Sinnbild für „Stadt“ in unmittelbarem Zusammenhang zum landesherrlichen Wappen von der Bedeutung des Ortes wie auch vom Prestigegewinn, der sich für den hochmittelalterlichen Landesfürsten mit einer Stadterhebung beziehungsweise Stadtgründung verband.
Stadtbeschreibung Die Altstadt Lenneps entstand im Quellmuldental des Linepe-Bachs; der Stadtgrundriss ist nahezu kreisrund. Die mittelalterliche Haupthandelsstraße Köln-Magdeburg durchschneidet die Stadt von Süd-Südwesten nach Nordosten und bildete in der ehemaligen Stadtmauer ein Kölner und ein Schwelmer Tor. Ein zweiter Straßenzug (heute Wetterauer Straße-Alter Markt-Berliner Straße) entlastete die Fernstraße und führt von den Toren zum Marktplatz der Stadt. Von dort erschließt man auch den Kirchhof mit der Hauptkirche der Stadt. Mit der Lüttringhauser Pforte im Nordwesten und der Mühlenpforte im Osten besaß Lennep zwei weitere Zugänge zur Stadt, die über einen weiteren Straßenzug (heute: Neugasse-Alter Markt-Kronenstraße-Mühlenstraße) miteinander und dem Marktplatz verbunden waren. Der mittelalterliche Befestigungsring, der vermutlich aus Mauer, Wall und Graben bestand, wird noch bis heute von der Wallstraße nachgefahren. Im Norden schlossen sich an die Wallstraße bis zum Thüringsberg verschiedene Lösch- und Trinkwasserteiche an, die heute aber durch eine Grünfläche ersetzt sind. mini|Das Alte Rathaus (18. Jahrhundert) – Alter Markt 6 Von der ursprünglichen mittelalterlichen Bebauung ist wenig erhalten; sie brannte 1746 nahezu vollständig nieder. Nur einige steinerne Bauteile der Stadtkirche, vor allem am Turm, datieren aus der früheren Zeit. Die heutige Bebauung entstand auf Grundlage der alten Parzellenstruktur in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts im Bergischen Barock. Dieser Regionalstil verbindet barocke Schmuckformen mit dem lokalen Lehmfachwerkbau. Für die bergische Bautradition typisch ist der schwarze Anstrich des Ständerwerkes, der weiße Anstrich der Fenster- und Türrahmen, die Kalkung der Gefache, der grüne Anstrich der Fensterläden und Türen und der Einsatz von rheinischem Schiefer zur Wandverkleidung. Oft wurde zunächst nur die Wetterseite der Gebäude verschiefert; wohlhabende Bauherrn leisteten sich allerdings schon früh eine allseitige Verschieferung ihrer Häuser. Besonders imposante Bauwerke stellen das Alte Rathaus (Alter Markt) und das Haupthaus des heutigen Röntgenmuseums (Patrizierhaus von 1803, Schwelmerstraße 41) dar. Bauhistorisches Interesse weckt ebenfalls die evangelische Stadtkirche, die nach 1746 umfassend ausgebaut wurde. Der wuchtige mittelalterliche Turm erhielt eine elegante barocke Turmhaube, die bis heute stadtbildprägend ist. Im Innenraum der neu erbauten Saalkirche verschmelzen die Prinzipalstücke Altar, Kanzel und Orgel, die für die protestantischen Kirchenbauten des Bergischen Landes typisch sind, zu einer eindrucksvollen Einheit.
Die Lenneper Altstadt blieb vom alliierten Bombardement im Zweiten Weltkrieg nahezu verschont. Allein der verputzte Steinbau des Neuen Rathauses am Alten Markt wurde vollständig zerstört. Hingegen trafen mehrere Spreng- und Brandbomben verschiedene Gebäude in der Neustadt. Ebenfalls kam es zu einem größeren Verlust der historischen Bausubstanz durch die Modernisierung während der Wirtschaftswunderjahre in den 1950ern. Ab den 1970er Jahren wurde der Baubestand des 18. Jahrhunderts durchgreifend saniert, sodass das einzigartige städtebauliche Ensemble bis heute erhalten ist.
Seit 2013 ist die Ansiedlung eines sogenannten Designer-Outlet-Centers mit überregionalem Einzugsbereich direkt südöstlich der historischen Altstadt in der Diskussion, was auf überwiegende Unterstützung in der Politik und ein geteiltes Echo in der Bevölkerung trifft, aber aktuell aufgrund planungsrechtlicher Probleme nicht umgesetzt werden kann.
Infrastruktur Bildung Kindergärten und Initiativen mini|Kinderhaus Westerholt Kindergarten Westerholt Evangelische Kindertagesstätte Albrecht-Thaer-Straße Evangelische Kindertagesstätte Ringstraße Katholische Kindertagesstätte St. Bonaventura Elterninitiative KiTa Hackenberg e. V.
Kindertagesstätte Lüttringhauser Straße Städtische Kindertageseinrichtung Henkelshof Städtische Kindertagesstätte Bergisch Born Waldorf-Kindertagesstätte Zaunkönig e. V.
Schulen mini|Portal des Röntgen-Gymnasiums in Lennep Katholische Grundschule Am Stadion Gemeinschaftsgrundschule Freiherr-vom-Stein Gemeinschaftsgrundschule Hackenberg Gemeinschaftsgrundschule Hasenberg Gemeinschaftshauptschule Hackenberg Albert-Schweitzer-Realschule Weiterbildungskolleg (Abendrealschule) Röntgen-Gymnasium, benannt nach dem in Lennep geborenen Wilhelm Conrad Röntgen. Musik- und Kunstschule, Außenstelle Lennep Förderschule mit dem Förderschwerpunkt „Lernen“, Pestalozzi (seit 2014 nicht mehr am Standort Lennep) Rudolf-Steiner-Schule Remscheid e. V.
Büchereien Stadtteilbibliothek Berliner Straße
Verkehr mini|Bahnhof Remscheid-Lennep und Knusthöhe mini|Blick über Lennep mit den Hochhäusern am Henkelshof Lennep war lange Zeit Standort eines Betriebswerkes und des bedeutendsten Bahnhofs auf dem Stadtgebiet Remscheids.