Das Schloss Würting liegt in der Ortschaft Würting der Gemeinde Offenhausen in Oberösterreich. Es geht auf das 9. Jahrhundert zurück.
mini|Schloss Würting um 1674, Kupferstich von Georg Matthäus Vischer mini|Schloss Würting 1849, Lithographie von Leopold Weismann mini|Schloss Würting 2009 mini|Graphik einer Renaissance-Tür aus Schloss Würting als kunsthistorisches Beispiel für die Deutsche Renaissance mini|Schloss Würting: Eingangstor
Baugeschichte Aus der Entstehungszeit eines Edelsitzes in Würting liegen keine historischen Dokumente vor. Vor allem über die erste bauliche Gestalt des Anwesens gibt es keine genauen Kenntnisse. Vermutungen sprechen von einem romanischen Schankhof zur Zeit der ersten urkundlichen Erwähnung im Jahr 814. Auch die weitere Quellenlage gibt kein Bild des baulichen Zustandes im Mittelalter. Anzunehmen ist ein durch einen Wassergraben geschütztes, befestigtes Gebäude im Sinne einer Wasserburg., abgerufen am 17. Dezember 2016.
Gesichert ist der Ausbau zu einem gotischen Wasserschloss in den bis heute erhaltenen Grundstrukturen unter Jörg II. Perkheimer und seiner Gattin Susanna bis 1462. Die Jahreszahl am Perkheim’schen Wappenstein über dem Eingangstor deutet auf den Abschluss der Bauarbeiten hin.Menschen auf Würting. Familien-Schicksale-Zeitbezüge. Reinhard Schotola, Offenhausen 2016, ISBN 978-3-200-04788-4.
Die prächtige Stuckdecke am Korbtonnengewölbe der Eingangshalle sowie weitere Stuckarbeiten im Treppenhaus und am Arkadengang werden dem italienischen Bildhauer und Stuckateur Elia Castello (1572–1602) zugeschrieben.Homepage Artisti Italiani in Austria, abgerufen am 26. November 2016.
Ein weiterer Ausbauschritt des Schlosses im Stil der Renaissance in die bis heute großteils erhaltene Form erfolgte unter Christoph Weiß bis 1610. Große Umgestaltungen im äußeren Erscheinungsbild des Gebäudes gab es in den folgenden Jahrhunderten nicht mehr, im Vordergrund stand der Erhalt der Bausubstanz. Beim Westturm war dies nicht mehr möglich, er stürzte 1877 ein und wurde nicht wieder aufgebaut.
Geschichte und Besitzer Schloss Würting wurde erstmals 814 im Besitz eines Grafen Richarius urkundlich erwähnt („actum ad wirtingen“).Historische Kommission der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften (Hrsg.): Beilage zum Archiv für Kunde österreichischer Geschichtsquellen. k.u.k. Hof- und Staatsdruckerei, Wien 1851, S. 351. Ab dem 10. Jahrhundert gehörte die Herrschaft den Grafen von Wels-Lambach, deren letzter männlicher Vertreter Bischof Adalbero von Würzburg 1056 das nahe gelegene Benediktinerstift Lambach gründete. Nach dessen Tod 1090 ging Würting an das Hochstift Würzburg über.
Im Jahre 1220 kaufte der Babenberger Herzog Leopold Würting, die Herrschaft ging damit an die Herzöge von Österreich, die sie zu Lehen weitergaben. 1380 belehnte der Habsburger Herzog Albrecht III. Jörg Rathalminger mit Würting.
Die Perkheimer Als Alleinerbin und Lehens-Nachfolgerin ihres Vaters brachte Susanna Rathalminger die Herrschaft 1422 in ihre Ehe mit Jörg II. Perkheimer ein. Das Geschlecht der Perkheimer (unterschiedliche Schreibweisen) stammte ursprünglich aus Salzburg. Eine Linie wandte sich dem Land ob der Enns zu und besaß hier viele Herrschaften und Sitze gleichen Namens (Sitz in Timelkam, Oberbergham bei Gaspoltshofen, Schloss Bergham bei Linz, Burg Bergheim bei Geboltskirchen, der Perkhaimerhof in Ebelsberg oder Schloss Bergheim bei Feldkirchen an der Donau). Jörg II. und Susanna starben kinderlos, Erbe wurde daher ihr Neffe Kaspar Perkheimer (1454–1520), der sich – trotz seiner Herkunft aus der unteren Adelsschicht – die persönliche Freundschaft des Kaisers Maximilian I. erwarb und von diesem von 1498 bis 1501 zum ersten Vizedom im Land ob der Enns ernannt wurde. Als Geldgeber des Kaisers erhielt Kaspar 1498 auch die Herrschaft Pernstein bei Micheldorf (heute Burg Altpernstein) als Pfand.
Sein Sohn Jörg III. Perkheimer (1504–1559) übernahm Schloss Würting nach dem Tod des Vaters. Er war hier mit seinen Brüdern Wolfgang und Kaspar d. J. aufgewachsen und hatte eine hohe Bildung durch den Gelehrten Wilhelm Pullinger (1460–1534), den späteren Leibarzt Kaiser Maximilians I. genossen. Jörg III. trat wie viele Adelsgenossen und auch der Großteil der Bevölkerung im Land ob der Enns zum protestantischen Glauben über. Neben einer steilen politischen Karriere (Vertreter des Ritterstandes im Linzer Landtag ab 1529, in dessen Namen Delegierter an mehreren Reichstagen in Regensburg, Speyer und Augsburg) wurde er auch zum Vorstreiter der protestantischen Sache und wirkte in seiner Funktion am Augsburger Religionsfrieden von 1555 mit.Max Doblinger: Jörg von Perkheim, ein ständischer Diplomat des 16. Jahrhunderts. In: Jahrbuch des Oberösterreichischen Musealvereines. Jahrgang 96, Linz 1951, S. 89 ().
In seiner Heimat engagierte sich Jörg III. auch sozial. 1534 erreichte er bei König Ferdinand I. auf Verlangen der Einwohner von Offenhausen und seine Fürbitte für das ihm untertänige Dorf die Erhebung zum Markt. Dieses hatte sich zu einem regionalen Zentrum von Handel, Gewerbe und Handwerk entwickelt. Auch die Volksschule Offenhausen („gemaine Schul“) geht auf eine Stiftung in seinem Testament zurück. Die Einrichtung einer im gemeinsamen Testament mit seinem Bruder Wolfgang für den Fall, dass sie ohne Nachkommen blieben, vorgesehenen evangelischen Landschaftsschule für Knaben auf Schloss Würting kam indes nicht zu Stande. Später wurde diese Schule im Linzer Landhaus eingerichtet. Jörg von Perkheim hatte dafür den evangelischen Landständen Oberösterreichs bereits zu Lebzeiten 6.000 Gulden gewidmet, von seinem Erbe kamen weitere 18.000 Gulden dazu.Konrad Schiffmann: Das Schulwesen im Lande ob der Enns bis zum Ende de 17. Jahrhunderts. Linz 1900, S. 111 ().
Bruder Wolfgang (genannt Wolf) übernahm die Herrschaft auf der von Vater Kaspar Perkheimer 1514 erworbenen Burg Rosseg im Kärntner Rosental. Auch er engagierte sich politisch in den Kärntner Landständen als Vertreter des Ritterstandes. 1547 erwarben die Brüder gemeinsam Schloss und Herrschaft Weidenholz in Waizenkirchen, wohin Wolfgang übersiedelte. Nach seinem Tod 1556 und dem Tod seines kinderlos verstorbenen Bruders Jörg III. († 1559) starb das Geschlecht der Perkheimer im Mannesstamm aus und der Besitz ging auf Wolfgangs Tochter Christina in den Besitz ihres Gatten Georg Achaz von LosensteinBiographie auf der Website des Vereins „Rund um die Burg“ e. V., abgerufen am 28. Juni 2016. über.
Die Familie Weiß 1604 kaufte der wohlhabende Handelsherr und Burgvogt von Wels Christoph Weiß (1549–1617) Schloss Würting. Seine Gattin war Felicitas von Alt, eine Cousine der berühmten Salome Alt von Altenau. Weiß hoffte, in den Freiherrenstand erhoben zu werden und baute das Schloss großzügig im Stil der Renaissance aus. Bis 1610 ließ er das Schloss um einen „Gaden“ aufstocken, nach Osten und Süden erweitern und das Innere „mit fürstlicher Pracht“ ausstatten. Zahlreiche Stuckarbeiten und Deckengemälde wurden in dieser Zeit im Schloss angebracht, darunter ein künstlerisch bedeutender allegorischer Gemäldezyklus, der Claude Aubertin oder Pieter IsaacszJuliette Roding, Marja Stompé: Pieter Isaacsz (1569–1625): een Nederlandse schilder, kunsthandelaar en diplomaat aan het Deense Hof. Uitgeverij Verloren, Hilversum 1997, ISBN 978-90-6550-145-5, S. 31. zugeschrieben wird und in dem Christoph Weiß seinem Gönner Kaiser Matthias huldigte, dem er seinen gesellschaftlichen Aufstieg verdankte. land-oberoesterreich.gv.at, Presseinformation des oö. Landesmuseums vom Juni 2007 zur Präsentation der „Würtinger Tafeln“ im Schlossmuseum Linz, abgerufen am 28. Juni 2016. 1612 besuchte Kaiser Matthias Schloss Würting auch persönlich. Bei Christoph Weiß’ Tod war sein Sohn und Erbe Christoph Ludwig (1599–1623) noch minderjährig. Er verstarb bereits mit 23 Jahren und hinterließ seine Gattin und den dreijährigen Sohn Hans Christoph Weiß (1620–1651). Durch die langjährige Vormundschaft und auch bedingt durch die allgemein schwierige wirtschaftliche Lage (es herrschte der Dreißigjährige Krieg) kam es zum raschen finanziellen Niedergang der Familie Weiß. Hans Christoph wurde 1651 von Kaiser Ferdinand III. zwar noch zum Freiherrn von Weißenberg erhoben, er starb aber im selben Jahr völlig mittellos.
Die Seeauer Im Zeitraum 1648 bis 1650 ging das Schloss von der Familie Weiß in den Besitz der Grafen von Seeau über. Nach einem langwierigen Kridaprozess kaufte Elias von Seeau (1608–1670) das Wasserschloss Würting schließlich 1650 von einem Verwalter. Über seine erste Frau, Susanna Magdalena Alt von Altenau, war Elias von Seeau mit den Weiß von Würting verschwägert., abgerufen am 28. Juni 2016.Johann Georg Adam von Hoheneck: Die Löbliche Herren Herren Stände Deß Ertz-Herzogthumb Oesterreich ob der Ennß, Als: Prälaten, Herren, Ritter, und Städte Oder Genealog- und Historische Beschreibung, Von deroselben Ankunfft, Stifft, Erbau- und Fort-Pflantzung, Wapen, Schild, und Helmen, Ihren Clöstern, Herrschaften, Schlössern, und Städten [e]tc., [e]tc, Band 2, S. 832 bis 834. Passau: G. Mangold, 1747. Die Seeauer stammten aus dem Salzkammergut. Ihr Stammsitz, das „Seeauergut“, existiert noch heute am Nordende des Hallstättersees in Bad Goisern.Haus Seeaugut, ehem. Freisitz Gut Seeau, abgerufen am 20. Dezember 2016. Die Grafen von Seeau bekleideten seit Generationen die Position des Salzamtmannes im (Salz-)Kammergut. Das Salzamt hatte die staatliche Aufsicht über die gesamte Salzgewinnung und den Salzhandel in der Region. Die Position war – nicht zuletzt aufgrund des hohen wirtschaftlichen Ertrags aus dem Salzhandel – den Habsburgern entsprechend wichtig und direkt dem Kaiserhaus unterstellt (Hofbeamter).
Neben Würting besaßen die Seeauer in weitverzweigten Familienlinien unzählige andere Edelsitze.Stiftung Seeau, abgerufen am 20. Dezember 2016. Johann Friedrich Graf von Seeau (1659–1729), Sohn des Elias von Seeau, wurde zum Begründer der Würtinger Linie der Familie. Sein voller Titel lautete: Johann Friedrich war also auch im Besitz der Herrschaft Moos in Offenhausen, die höchstwahrscheinlich seine Gattin Maria Eleanora von Gera in die Ehe einbrachte und somit zur Herrschaft Würting kam. Die Eheleute sind in der „Freyherrlichen Seeauischen Gruft“ in der St. Anna Kirche in der Pfarre Timelkam bestattet.Kirchenführer St. Anna Kirche, Katholisches Pfarramt Timelkam, 2011, abgerufen am 28. März 2017.
Unter Misswirtschafts- und Korruptionsvorwürfen im Salzkammergut begann ab 1707 ein rascher Abstieg des Hauses Seeau, der sich auch in den Folgegenerationen fortsetzte. Graf Johann Friedrich und auch sein Sohn Ferdinand Friedrich (1693–1768) kamen beim Kaiserhaus in Ungnade, was zur Einschränkung ihrer Kompetenzen und auch zu einem finanziellen Niedergang führte. Dessen Sohn Ferdinand Franz Anton (1743–1812) war, vielleicht auch mangels größerer Aufgaben, passionierter Landwirt und tat sich als solcher bei der Urbarmachung des Gebietes der Maxlhaid bei Wels hervor. Der von ihm erbaute Seeauhof wurde 1835 zur Station MaxlhaidHomepage Gasthof Museum Maxlhaid, abgerufen am 27. März 2017., abgerufen am 27. März 2017. der Pferdeeisenbahn Linz-Gmunden umfunktioniert. Die Seeauer hielten Schloss Würting bis ins 19. Jahrhundert, nahmen in dieser Zeit jedoch keine wesentlichen baulichen Veränderungen vor.
Johann Grillmayer und Sohn