mini|Beschreibung der Teile am Beispiel eines Stockankers hochkant|mini|Moderner Anker eines Schiffes während eines Aufenthaltes in einem Trockendock Ein Anker ist eine Einrichtung, mit der Wasserfahrzeuge oder Seezeichen am Gewässergrund festgemacht werden, um nicht durch Wind, Strömung, Wellen oder andere Einflüsse abgetrieben zu werden. Der Vorgang wird ankern bzw. verankern genannt. Anker halten aufgrund ihres Gewichts und/oder ihrer Form.

Als Symbol steht der Anker für die Treue, in der christlichen Symbolik für die Hoffnung und wird oft in Wappen verwendet.

Ankerformen hochkant|mini|Steinanker in einem griechischen Museum Die ursprünglichste Form des Ankers ist ein an einem Seil befestigter Stein. Die ältesten Abbildungen finden sich in ägyptischen Gräbern aus der Zeit um 3300 v. Chr. Auch Funde aus Nordeuropa sind bekannt.Stone Anchor (11A19). shipsproject.orgStone Anchor (11A01). shipsproject.org Zur Verankerung von Seezeichen wurden bis ins späte 19. Jahrhundert auch in Deutschland noch Steinanker verwendet. hochkant|mini|Unter­schiedliche Anker am Bug des Feuerschiffs Amrumbank Um das Ankerseil zu befestigen, wurden, wenn verfügbar, Steine mit natürlichen Löchern verwendet, sonst wurden die Steine durchbohrt. Da Gewichtskraft und Reibung nur eine beschränkte Haltekraft boten, wurden bald über kreuz gebundene Äste vor dem Stein befestigt, die sich in den Boden eingraben und dadurch höhere Zugkräfte ermöglichen.

Auch wenn sie mit Flunken versehen sind, werden Anker, die vorwiegend aufgrund ihres Gewichtes halten, als Gewichtsanker bezeichnet. Dazu zählen vor allem ältere Ankertypen wie der klassische Stockanker. Zum anderen gibt es Patentanker oder auch Leichtgewichtsanker, die sich vorwiegend aufgrund ihrer Form bei Zugbelastung über die Ankerkette mit einer oder mehreren Flunken in den Boden eingraben und trotz des geringeren Gewichts eine ausreichende Haltekraft aufweisen können. Nicht alle Ankertypen eignen sich bei jedem Grund gleich gut.

Zu den Patentankern zählen der Pflugschar-Anker, Pfluganker oder CQR-Anker, der Danforth-Anker oder Plattenanker, der Heuss-Anker, der Bügel-Anker, der d’Hone-Anker oder HKG-Klippanker, der Bruce-Anker ohne bewegliche Teile und viele andere. Eine Sonderrolle spielt der Pilzanker, mit dem Feuerschiffe oder Seezeichen für längere Zeit festgemacht werden. Der vier- oder sechsarmige DraggenEin Draggenanker wird gelegentlich auch als Dregganker bezeichnet; Dragge und Dregge sind gleich wird vor allem im Mittelmeerraum von Fischern und als Faltdraggen auf kleinen Sportbooten genutzt. Neben den Formen, die zum Ankern verwendet werden, finden sich auch (Falt-)Draggen mit sehr schmalen Flunken, die zum Fischen von auf dem Grund liegenden Leinen dienen. Schließlich gibt es noch Sandanker, die eine spiralförmige Spitze haben und in sandigen Meeresboden oder am Ufer in den Sand eingedreht werden müssen, damit sie halten.

Namen Bild Eigenschaften Stockanker, Admiralitätsanker rahmenlos|100px Klassischer Gewichtsanker, besonders älterer Schiffe. Besteht aus Schaft, Kreuz mit den gebogenen Armen sowie den Flunken und dem Ring (Schäkel) zum Befestigen der Ankerkette oder des Ankertaus. Hält etwa das 10-fache seines Eigengewichtes. Weiterhin muss oft vor dem Einsatz des Ankers erst der Stock angebracht werden; ältere Anker hatten ein festes Querholz.Stockanker. In: Segler-Lexikon. Durch den Stock dreht sich der Anker am Grund immer so, dass sich eine Flunke in den Boden gräbt. Stockanker halten gut auf steinigem, tonigem oder verkrautetem Grund.Seemannschaft. Handbuch für den Yachtsport. S. 94 ff. Draggen rahmenlos|100px Der Draggen hat vier abgebogene Flunken, die prinzipiell bei jeder Lage des Ankers halten sollten. Allerdings ist die Zugrichtung der Kette oft so, dass der Anker durch horizon­talen Zug ausbricht, was bei den anderen Leicht­gewichts­ankern nicht der Fall ist. Draggen werden daher kaum noch eingesetzt. Faltanker, Schirmanker, Klappdraggen rahmenlos|100px Faltanker besitzen vier Arme, die ähnlich wie bei einem Regen­schirm eingeklappt werden können. Dadurch sind Faltanker gut auch in Booten zu verstauen, die keinen Anker­kasten haben, weshalb sie auf Jollen und als Beiboot­anker verbreitet sind. Ihre Haltekraft ist relativ gering. Danforth-Anker rahmenlos|100px Der Danforth-Anker ist ein Leichtgewichts­anker, der je nach Untergrund das 3- bis 300-fache Gewicht eines Stockankers gleichen Gewichtes zu halten vermag. Optimal halten sie in Schlick und Tonmergel, weniger gut in verkrautetem Boden. Pflugschar-Anker, CQR-Anker rahmenlos|100px Dank des pflug­förmigen Kopfes gräbt er sich bei Zug in weichem Grund sofort ein. Bei hartem oder verkrautetem Grund oder zu kurzer Kette kann er sich schlecht eingraben. Hält eingegraben sogar noch besser als der Danforth-Anker. Ein Pflugschar­anker lässt sich an Bord schlecht verstauen, er ist aber der Standard­anker für Boote mit einer Ankerklüse auf dem Vorschiff. Bruce-Anker rahmenlos|100px Sieht einem Pflugschar­anker sehr ähnlich, hat aber keinen beweglichen Schaft und kann daher bei starkem Schwojen (Bewegungen des Schiffes am Ankerplatz) ausbrechen. Auch er wird eigentlich nur bei Booten mit einer Ankerklüse verwendet. Bügelanker, Rocna rahmenlos|100px Weitere Variante des Pflugschar- oder Bruce-Ankers; besitzt zusätzlich einen Bügel auf der Rückseite, damit der Anker sich immer mit dem Schaft zum Boden drehen soll.Bügelanker. In: Segler-Lexikon.

Ankergeschirr Das Ankergeschirr besteht aus einem Anker, dem Ankerschäkel (oft ein Wirbelschäkel) und der Ankerkette. Auf Katamaranen gehört üblicherweise ein Hahnepot zum Ankergeschirr.

Die Ankerkette stellt eine stabile Verbindung zwischen Anker und Schiff her und erhöht zugleich mit ihrem Gewicht die Haltekraft des Ankers: Zum einen erzeugt die schwere Kette etwas Reibung am Boden, was allerdings ein kleiner Effekt ist, solange sie sich nicht verhakt, zum anderen sorgt sie dafür, dass der Anker mit seinem Schaft flach am Grund liegt, wo die Haltekraft am größten ist.Ankermanöver. In: Andreas Siemoneit (Hrsg.): Nautisches Lexikon. Abgerufen am 17. November 2019.

Auf manchen kleineren Schiffen, insbesondere Sportbooten, wird die Kette durch eine Trosse ersetzt, teilweise kombiniert mit einigen Metern Kette direkt am Anker („Kettenvorlauf“). Teilweise finden sich Ankertrossen mit eingearbeiteten Bleigewichten, um das geringere Gewicht der Trosse zur Kette auszugleichen, alternativ können zusätzliche Reitgewichte an der Trosse befestigt werden.

Anker auf Seeschiffen Der heute auf Seeschiffen gebräuchliche Anker ist der Patentanker. Für Schiffe der Kriegsmarinen, besondere Arbeitsschiffe, früher auch Feuerschiffe, Leuchttonnen usw., gibt es spezielle, für diese Schiffstypen geeignete Anker.

Der Anker ist mit einem Schäkel an der Ankerkette befestigt, geschweißte oder geschmiedete Verbindungen sind heute unüblich. Die Kette selbst ist aus Längen von 25 Metern zusammengesetzt, die durch Schäkel miteinander verbunden sind. Jeder Schäkel ist mit einer hellen Farbe markiert, um beim Lichten des Ankers die eingeholten Schäkel leichter zählen zu können; so wird bestimmt, wie viel Ankerkette bereits eingeholt ist. Die Ankerkette läuft beim Hieven des Ankers durch die Ankerklüse auf das Schiffsdeck, von dort weiter durch einen mechanischen Kettenstopper in das Zugrad, die Kettennuss der Ankerwinde und weiter in den Kettenkasten.

Jedes größere Schiff hat auf der Back zwei Ankerwinden mit jeweils einem Anker und dazu mindestens einen Reserveanker, wobei der Reserveanker mit einer Genehmigung der Klassifikationsgesellschaft nicht mitgeführt werden muss. Das hat zur Folge, dass der Reserveanker beim Verlust eines Ankers so schnell wie möglich zum Schiff gebracht werden muss, was bei großen Schiffen problematisch sein kann (Ankergewicht 20 Tonnen und mehr).

Länge der Kette mini|Ankerketten vor dem Maritimmuseum von Bilbao mini|Vollständig abgelegte Ankerketten während eines Aufenthaltes in einem Trockendock Die Ankerkette oder Trosse muss so lang gesteckt (ausgefahren) sein, dass der Anker auch bei Zugbelastung über die Ankerkette noch flach auf dem Grund liegen bleibt, da er sonst aus dem Boden herausgerissen wird und nicht mehr hält. Ist dies nicht der Fall, so liegt das Schiff kurzstag. Dies sollte nur unmittelbar vor dem Lichten (Ausbrechen aus dem Grund) und Hieven (Hochziehen) der Fall sein, da die Haltekraft des Ankers dann nur noch gering ist.

Die Gesamtlänge der Ankerkette von Seeschiffen liegt üblicherweise zwischen zehn und zwölf Kettenlängen. Das entspricht zwischen 275 m und 330 m. Neuere Kreuzfahrtschiffe sind mit bis zu 14 Schäkel Kette pro Anker ausgerüstet, was einer Länge von 384 m entspricht.

Die Länge der ausgefahrenen Ankerkette wird in der Berufsschifffahrt in Schäkeln angegeben. So kann die Anweisung vor dem Ankern lauten: „5 Schäkel zu Wasser“ oder „3 Schäkel am Spill“. Sie hängt hauptsächlich von der Wassertiefe am Ankerplatz und der Bodenbeschaffenheit (Schlick, Sand, Schill, Steine, Bewuchs etc.) ab. Auf den ersten Metern liegt die Kette auf dem Meeresgrund und führt dann in einem Bogen (Bucht) nach oben zum Schiff. Das Gewicht der am Boden liegenden Kette trägt etwas, jedoch nicht viel zur Haltekraft bei. Die Bucht, in der die Kette vom Schiff zum Grund hängt, wird bei kurzzeitiger Krafteinwirkung auf das Schiff, z. B. durch Stampfbewegungen bei Seegang oder Dünung, etwas gestreckt und wirkt so als Stoßdämpfer gegen Kraftspitzen, die sonst zu Schäden am Ankerspill oder zum Brechen der Kette führen könnten. Bei nachlassender Krafteinwirkung sinkt die Kette oder Trosse durch ihr Gewicht wieder zum Boden und das Schiff wird damit wieder an den ursprünglichen Ort gezogen. Je größer die erwarteten Kräfte auf das Schiff (durch Winddruck, Strom, Seegang, Eisgang) sind, desto mehr Kette muss gesteckt werden. Eine doppelt so lange Kette kann bei doppelter Wassertiefe das Vierfache an Energie aufnehmen. Daher kann es bei ausreichend Platz und Kette sicherer sein, in tieferem Wasser zu ankern, sofern der Seegang und die Böen dort nicht größer sind. Wird statt der Kette eine leichtere Trosse verwendet, so ist sie entsprechend länger zu wählen.

Bei wenig Wind und ohne Seegang reicht das Drei- bis Vierfache der Wassertiefe als Kettenlänge aus. Bei Seegang und Starkwind muss bis zum Zehnfachen der Wassertiefe an Kettenlänge gesteckt werden. Diese Angaben hängen allerdings etwas von der Wassertiefe ab, da die Kette in einem Bogen hängt und nicht eine gerade Linie bildet. Deshalb muss man in sehr flachem Wasser manchmal deutlich mehr als das Drei- bis Vierfache der Wassertiefe als Kettenlänge stecken, während im tiefen Wasser ein kleineres Vielfaches reicht. Es gibt diverse Onlinerechner, die die benötigte Kettenlänge für verschiedene Szenarien berechnen.

Da ein ankerndes Schiff unter dem Einfluss von Wind und Strom um den Anker herum schwoit, besteht die Gefahr, dass es auf einer engen Reede mit einem benachbarten Schiff oder mit Tonnen oder festen Strukturen kollidiert, wenn die Kettenlänge zu groß gewählt ist. Kann diese nicht ohne Risiko gekürzt werden, so muss das Schiff unter Umständen „Anker auf“ gehen und einen geeigneteren Ankerplatz aufsuchen.

In der Freizeitschifffahrt wird die Kettenlänge normalerweise in der üblichen Maßeinheit Meter angegeben. Fahrtenyachten sind mit zwischen 50 und 100 Metern Kette ausgerüstet, kleine Schiffe auch mal nur mit einer Trosse. Die Größe einer Yacht erlaubt ihr, näher ans Ufer zu fahren als Berufsschiffe, um zu ankern. Yachten bevorzugen dafür geschützte Buchten. Gleich bleibt die Empfehlung, das 5- bis 7fache der Wassertiefe an Kette zu stecken, was ebenfalls zu einem großen Schwojkreis führen kann. Ist die Bucht zu eng, wird besonders in skandinavischen Gewässern das Schiff (zusätzlich) mit Leinen am Ufer festgemacht. Dies funktioniert natürlich nur an Steilküsten der Schären oder ähnlich beschaffenen Uferstreifen.

Vorgang des Ankerns

Auswahl des Ankerplatzes