Vreden (plattdeutsch Vrene) ist eine Stadt im westlichen Münsterland im Nordwesten von Nordrhein-Westfalen. Sie gehört dem Kreis Borken im Regierungsbezirk Münster an.
Das Kommunalprofil des nordrhein-westfälischen Landesbetriebs für Information und Technik weist Vreden als „Kleine Mittelstadt“ aus.Kommunalprofil der Stadt Vreden (PDF; 222 kB); abgerufen am 18. November 2010.
Geografie Lage mini|hochkant=1.2|Verlauf der Berkel am Schulzentrum in Vreden
Vreden liegt im westlichen Münsterland, im Übergang von der norddeutschen Tiefebene zum Niederrhein. Der Fluss Berkel und der Ölbach fließen durch Vreden. Weitere größere Fließgewässer sind der Moorbach, der im Stadtbereich in den Ölbach mündet, sowie der Ausbach (Innenstadt), der Huningbach (Ammeloe) und der Emrichbach (Wennewick-Oldenkott), die jeweils in die Berkel münden.
Aus naturräumlicher Sicht ist das Vredener Gebiet den Vreden-Gronauer Niederungen, einem Teil des Westmünsterlands, zuzurechnen.vgl. zum Beispiel ILEK-Plan, S. 12 (PDF; 7,8 MB); abgerufen am 3. Dezember 2010.
Die Vreden umgebende Münsterländer Parklandschaft ist geprägt durch Wiesen und Wälder, Heidelandschaften und Moorgebiete (Venn).
Nachbargemeinden Deutsche Nachbargemeinden von Vreden sind Ahaus, Stadtlohn und Südlohn. Den größten Teil der Gemeindegrenze macht jedoch die Staatsgrenze zu den Niederlanden aus.
Auf niederländischer Seite grenzt Vreden seit der niederländischen Gemeindereform vom 1. Januar 2005 an die Provinz Gelderland mit den Gemeinden Winterswijk, Oost Gelre (früher Groenlo) und Berkelland (früher Eibergen) sowie an die Provinz Overijssel mit der Gemeinde Haaksbergen.
Stadtgliederung mini|Ortsteile (rot) und Bauerschaften (orange) von Vreden Die Stadt ist in den Stadtkern, die fünf Kirchdörfer Ammeloe, Ellewick-Crosewick, Lünten, Wennewick-Oldenkott und Zwillbrock sowie die fünf Bauerschaften Doemern, Gaxel, Großemast, Kleinemast und Köckelwick gegliedert. hochkant=1.2|mini|Oldenkott-Wennewick, katholische Pfarrkirche Sankt Antonius Der Stadtkern selbst erweiterte sich, ausgehend von der mittelalterlichen Stadt innerhalb der Stadtmauern, nahezu kreisförmig und gleichmäßig in alle Richtungen. Die in den 1970er Jahren in mehreren Abschnitten begonnene und 2006 durch den Ringschluss fertiggestellte Umgehungsstraße bildet zumeist den Abschluss der geschlossenen Bebauung.
Die verschiedenen nach dem Krieg auf dem Gebiet des seinerzeit eigenständigen Amtes Ammeloe errichteten Siedlungen, die ursprünglich außerhalb der Stadt lagen, zählen aufgrund der starken Ausdehnung der Stadt inzwischen zur geschlossenen Bebauung, wenngleich sie sich teilweise außerhalb des äußeren Rings (Umgehungsstraße) befinden.
Mit dem „Marienhook“ in Gaxel sowie der Ferienhaussiedlung „Seerose“ in Ellewick liegen somit nur noch zwei größere Siedlungsgebiete außerhalb der eigentlichen Stadt bzw. der Kirchdörfer.
Geschichte mini|hochkant=1.2|Vreden im Jahr 1649 Grabungsfunde zeigen, dass das Gebiet des Zwillbrocker Venns bereits vor mehr als 10.000 Jahren besiedelt war. Auf dem Gebiet der heutigen Stadtbebauung reichen Bodenfunde bis etwa in das fünfte Jahrhundert v. Chr. zurück.
Mittelalter Aus den Xantener Annalen ergibt sich, dass im Jahre 839 die Reliquien dreier Heiliger nach Vreden überführt wurden.Albert K. Hömberg: Westfälische Landesgeschichte. Mehren & Hobbeling, Münster 1967, S. 50. Der Knochenstaub der hl. Felicitas liegt noch im Altar der Stiftskirche. Die anderen beiden Heiligen waren Felicissimus und Agapitus. Dies ist die erste urkundliche Erwähnung Vredens und dürfte zeitlich mit der Gründung des Damenstifts zu Vreden zusammenfallen.
Im Jahr 1016 wird Graf Wichmann III., ein Billunger und Verwandter des Königshauses, in Vreden beerdigt.
Ende 1024 besuchte der neugewählte König Konrad II. im Rahmen seines Königsumritts Vreden. Dort wurde er von den Äbtissinnen Adelheid von Vreden und Sophia von Essen empfangen, die Töchter von Kaiser Otto II. und seiner Gattin Theophanu bzw. Schwestern des verstorbenen Kaisers Otto III. waren.
Während das reichsunmittelbare Stift dem Erzbistum Köln zuzurechnen war, gehörte die Stadtgemeinde zum Bistum Münster. Im Jahre 1252 verpflichteten sich – in einem ungewöhnlichen Zusammenwirken zweier Bischöfe als Stadtgründer – der Erzbischof von Köln und der Bischof von Münster, Vreden durch die Anlage der Neustadt als Stadt auszubauen und zu befestigen. Vreden erhielt somit die Stadtrechte. 1324 brannte die bislang nicht lokalisierte Burg in der Altstadt ab und wurde 1398 durch einen Neubau an der Stelle des heutigen Rathauses ersetzt. Im Rahmen der münsterischen Stiftsfehde wurde Vreden zwischen 1451 und 1455 mehrmals belagert und eingenommen. Im Jahre 1470 wurde Vreden Mitglied der Hanse. Innerhalb der Hanse gehörte Vreden zum Braemquartier.Johannes Ludwig Schipmann: Politische Kommunikation in der Hanse (1550–1621). Hansetage und westfälische Städte. Böhlau, Köln 2004, ISBN 3-412-11704-8, S. 116. Das Braemquartier war eines der beiden Unterquartiere im Münsterschen Hansequartier. Dessen Vorort (Prinzipalort) war Coesfeld.Heinrich Hart, Julius Hart: Lebenserinnerungen. Rückblicke auf die Frühzeit der literarischen Moderne (1880–1900). Herausgegeben und kommentiert von Wolfgang Bunzel (= Veröffentlichungen der Literaturkommission für Westfalen. Reihe Texte. Band 5). Aisthesis-Verlag, Bielefeld 2006, ISBN 3-89528-553-6, S. 247.
Neuzeit Der Achtzigjährige Krieg in den benachbarten Niederlanden sowie der Dreißigjährige Krieg betrafen auch Vreden. Im Jahr 1598 wurde Vreden von spanischen Truppen besetzt. Erst der Westfälische Friede beendete im Jahre 1648 die Feindseligkeiten. Die Grenze zwischen dem Bistum Münster und dem Erzbistum Utrecht wurde zur heute bestehenden Staatsgrenze. Etwa zur gleichen Zeit wurde die Berkelschifffahrt aufgenommen.
Im Jahre 1811 fiel Vreden vorübergehend an Frankreich. Im gleichen Jahr vernichtete ein Stadtbrand weite Teile der Stadt. Ein zweiter katastrophaler Brand ereignete sich 1857. Zur Förderung der lokalen Wirtschaft wurde 1841 die Sparkasse gegründet, die dritte im Münsterland. Viele Industriebetriebe, insbesondere Webereien und Spinnereien, nahmen im Laufe des 19. Jahrhunderts die Produktion auf. Dennoch dauerte es bis zum Jahre 1903, bis Vreden einen Anschluss an die Nordbahn der Westfälischen Landes-Eisenbahn erhielt.
Große Teile der Stadt und der Industrie wurden im Zweiten Weltkrieg durch Luftangriffe kurz vor Kriegsende zerstört, darunter auch die beiden Kirchen. Während die Stiftskirche wieder aufgebaut wurde, mussten die Trümmer der Pfarrkirche St. Georg einem Neubau weichen. Im Rahmen der Bauarbeiten wurden unter St. Georg die Fundamente mehrerer Vorgängerkirchen entdeckt, die bis in die Zeit des ersten Jahrtausends n. Chr. zurückreichen.
Nach dem Krieg wuchs die Stadt beständig und überschritt in den 1990er Jahren die Marke von 20.000 Einwohnern. Die Textilindustrie wich zunehmend einem gut diversifizierten Mix aus verschiedenen Branchen.
Zum 1. Juli 1969 wurden die Gemeinde Ammeloe (131,88 km²), die seit dem Anfang des 19. Jahrhunderts verwaltungstechnisch als Landgemeinde eigenständig war, und die Stadt Vreden (damals 3,71 km²) zur neuen Stadt Vreden zusammengeschlossen. Das Rathaus der Kragengemeinde Ammeloe befand sich in der Vredener Innenstadt.
Im Zuge der kommunalen Neugliederung wurde mit dem Münster/Hamm-Gesetz der bisherige Kreis Ahaus, zu dem Vreden seit 1816 zählte, am 1. Januar 1975 in den erweiterten, neuen Kreis Borken eingegliedert. Das Vredener Amtsgericht wurde kurz zuvor aufgelöst, zuständiges Amtsgericht ist seither Ahaus.
Bevölkerung mini|400px|Einwohnerentwicklung von Vreden von 1998 bis 2017
Einwohner (jeweils zum 31. Dezember) 1998: 21.392 1999: 21.554 2000: 21.718 2001: 21.931 2002: 22.030 2003: 22.220 2004: 22.387 2005: 22.790 2006: 22.723 2007: 22.775 2009: 22.911 2011: 22.658 2012: 22.395 2015: 22.688 2017: 22.561 2018: 22.641 2019: 22.670 2020: 22.676 2021: 22.758 2022: 23.161 2023: 23.265Staatsangehörigkeit (Stand: 1. Januar 2017), abgerufen am 17. Januar 2017 95,2 % deutsch 2,4 % niederländisch 1,1 % polnisch 0,8 % syrisch 0,4 % irakisch 0,3 % türkisch 0,2 % kosovarisch 0,2 % rumänisch 0,2 % serbisch 0,1 % afghanisch 0,1 % bulgarisch 0,1 % italienisch 0,1 % albanisch
Geschlecht (Stand: 31. Dezember 2022)Landesbank NRW; abgerufen am 23. Juni 2023. männlich 11.820 weiblich 11.341
Am 1. Januar 2019 waren insgesamt (Haupt- und Nebenwohnung) 23.768 Personen in Vreden gemeldet.
Politik
Stadtrat Das Ergebnis der Stadtratswahl am 14. September 2025 ist im nebenstehenden Diagramm wiedergegeben. Die Tabelle zeigt die Sitzverteilung im Rat seit 2009. +Sitze im Rat CDU SPD FDP UWG GRÜNEDie LinkeBSW202522422321202021532520141982232009187522
Bürgermeister Mit 92,28 Prozent der gültigen, abgegebenen Stimmen wurde der amtierende Bürgermeister Dr. Tom Tenostendarp, CDU wiedergewählt. Bei der letzten Kommunalwahl im September 2020 waren es bei drei weiteren Gegenkandidaten 67,51 Prozent. Mit 29 Jahren (Stand: September 2020) war er 2020 der zweitjüngste amtierende Bürgermeister in Nordrhein-Westfalen. Er ist Nachfolger von Christoph Holtwisch (CDU), der bei der Kommunalwahl 2020 nicht wieder zur Wahl stand.
Abgeordnete Johannes Röring (CDU) vertrat den Bundestagswahlkreis Borken II von 2005 bis 2020 im Deutschen Bundestag. Ursula Schulte (SPD) wurde im September 2013 über die Landesliste in den Deutschen Bundestag gewählt. 2020 stand sie nicht mehr zur Wahl. Bernhard Tenhumberg (CDU) vertrat den Landtagswahlkreis Borken II von 1995 bis 2017 im Landtag Nordrhein-Westfalen.
Städtepartnerschaften Vreden pflegt seit 1990 eine Städtepartnerschaft mit dem brandenburgischen Elsterwerda.
Wappen und Banner Banner, Wappen und ehem. Wappen 85px 100px 100px Der Stadt ist mit Urkunde des Regierungspräsidenten in Münster vom 14. September 1973 das Recht zur Führung eines Wappens, einer Flagge und eines Dienstsiegels verliehen worden.
Blasonierung: „Auf blauem Grund in Gold (Gelb) die Heiligen Petrus mit aufgerichtetem silbernen (weißen) Schlüssel und Paulus mit aufgerichtetem silbernen (weißen) Schwert als Schildhalter eines von Silber (Weiß) zu Blau gespaltenen Schildes, der vorn ein durchgehendes schwarzes Kreuz, hinten einen goldenen (gelben) Balken zeigt.“
Mitte des 13. Jahrhunderts wurde Vreden vom Kölner Erzbischof und Münsteraner Bischof, die gemeinsam über Vreden herrschten, als Stadt ausgebaut. Das Siegel der Stadt zeigt die Bistumspatrone Paulus (Münster) und Petrus (Köln) vor einem gespaltenen Schild. Dieser zeigt vorne das Kölner Kreuz und hinten den münsterischen Balken. Dieser Schild ist das Wappen der Stadt Vreden. Der goldene Balken, eigentlich auf rotem Grund, ist auf eine falsche Farbgebung Ende des 17., Anfang des 18. Jahrhunderts zurückzuführen.
Seit Mitte der 1970er Jahre wird fast ausschließlich auf das Siegelbild zurückgegriffen, welches das eigentliche Wappen beinhaltet.
Beschreibung des Banners: „Das Banner ist in zwei gleich breiten Bahnen von Blau und Gelb längs gestreift und zeigt in der Mitte der oberen Hälfte das Stadtwappen im Schild.“
Religionen Katholische Kirchengemeinde mini|Pfarrkirche St. Georg Die römisch-katholische Kirche hat in der Geschichte Vredens eine herausragende Stellung. Grabungsfunde unter der St. Georgs-Kirche zeigten, dass in Vreden eine der ersten Kirchen im Bistum Münster stand. Im Mittelalter bestimmten dann die Bischöfe von Köln und vor allem Münster maßgeblich die Geschicke Vredens. Mit dem in Vreden-Lünten geborenen Heinrich Tenhumberg stammt auch ein früherer Bischof von Münster aus Vreden.