Die Bergkeller in Eilenburg sind das größte in Lockergestein vorgetriebene Stollensystem in Sachsen. Es befindet sich im Hochufer der Mulde in Eilenburg-Berg und unterkellert den Stadtteil in weiten Teilen, wobei bis heute nicht (mehr) alle Keller bekannt sind. Auf einer Fläche von etwa 3 Hektar bestehen Gänge von mehreren Kilometern Länge und mindestens 15.000 Quadratmetern umbauten Raumes.Eilenburger Geschichts- und Museumsverein e. V. (Hrsg.): Die Bergkeller zu Eilenburg. 1. Auflage. Verlag für die Heimat, Gräfenhainichen 2017, S. 1. Die Umstände der Entstehung konnten bisher nicht eindeutig geklärt werden. Auch das Alter des Bauwerks konnte noch nicht exakt bestimmt werden, wobei für die ältesten Gänge ein Alter von mindestens 800 Jahren als gesichert gilt.Eilenburger Geschichts- und Museumsverein e. V. (Hrsg.): Die Bergkeller zu Eilenburg. 1. Auflage. Verlag für die Heimat, Gräfenhainichen 2017, S. 72–79. Die grob in vier Bauphasen errichteten Keller erfuhren im Laufe der Zeit verschiedene Nutzungen und sind heute im Rahmen von Führungen zu besichtigen. Die Eilenburger Bergkeller in ihrer Gesamtheit sind ein eingetragenes Kulturdenkmal in der Denkmalliste des Landesamtes für Denkmalpflege Sachsen, einschließlich der heute verfüllten Keller.

Geschichte Entstehung

Die Errichtung der ersten Bergkeller im Bereich zwischen der heutigen Kellerstraße, Friedrichshöhe und dem Fischerweg datiert wahrscheinlich in die Zeit zwischen 1150 und 1250 und hängt wohl zeitlich mit dem Bau des Sorbenturms zusammen. Dafür sprechen das Format der verwendeten Backsteine und ein in Keller E8K5 verbauter Findling mit der Jahresgravur 1250.Eilenburger Geschichts- und Museumsverein e. V. (Hrsg.): Die Bergkeller zu Eilenburg. 1. Auflage. Verlag für die Heimat, Gräfenhainichen 2017, S. 72–79. Aller Wahrscheinlichkeit nach dienten die Keller zunächst der Weinlagerung durch Mönche, die die hiesigen Weinhänge bewirtschafteten. Zwar gab es in der Stadt kein Kloster, doch verfügte das Petersberger Kloster in Eilenburg seit 1147 über Grundherrschaft und betrieb ausgiebig Landwirtschaft.Eilenburger Geschichts- und Museumsverein e. V. (Hrsg.): Das Geheimnis der Steine. 1. Auflage. Verlag für die Heimat, Gräfenhainichen, 2019, S. 36–37. Der Weinbau wurde im Umfeld der Keller betrieben, wovon heute noch Flurnamen wie die Weinbergstraße zeugen. Die Annahme, dass Burgmannen bereits im 10. Jahrhundert Bergkeller anlegten, sind heute widerlegt. So war der Gewölbebau mit dem Untergang des Weströmischen Reiches ab dem 5. Jahrhundert in Vergessenheit geraten und gab es eine Backsteinfertigung im für den Bau der Kelleranlage notwendigen großen Stil erst ab dem 12. Jahrhundert. Zudem ist die Unterminierung einer der Verteidigung dienenden Burg als unwahrscheinlich anzusehen.Eilenburger Geschichts- und Museumsverein e. V. (Hrsg.): Die Bergkeller zu Eilenburg. 1. Auflage. Verlag für die Heimat, Gräfenhainichen 2017, S. 1–2.

Zweite und dritte Bauphase

Infolge der Reformationsgeschehnisse wurden die Mönche bis spätestens 1525 aus der Stadt vertrieben und die Bergkeller der Öffentlichkeit zugänglich. Dieses Jahr nennt auch der Stadtchronist Jeremias Simon 1696 bei der Ersterwähnung der Bergkeller:

Es markiert den Zeitpunkt der zweiten Bauphase, an deren Ende nach einer Zählung von 1744 35 Kellerstrecken mit 206 Kellern bestanden haben.Verzeichnis der Bergkeller 1751, Stadtarchiv Eilenburg, Rep. XXI b/13; zitiert nach: Eilenburger Geschichts- und Museumsverein e. V. (Hrsg.): Die Bergkeller zu Eilenburg. 1. Auflage. Verlag für die Heimat, Gräfenhainichen 2017, S. 27. Die Keller dienten fortan der Lagerung von Bier der bis zu 300 Hausbrauereien der Stadt und wurden zu diesem Zweck ausgebaut und erweitert. Nach dem Niedergang der Hausbrauereien im 18. Jahrhundert und dem Beginn der industriellen Bierherstellung ab etwa 1850 erfolgte ein weiterer Ausbau der Keller. In dieser dritten Bauphase entstanden weitere Keller und große unterirdische Lagerhallen. So legte die Eilenburger Vereinsbrauerei 1858 bis zu 100 Meter lange und 4 Meter hohe Gänge mit zu beiden Seiten anschließenden Lagerräumen an. Auch die Brauerei Landsperger erschloss sich zu dieser Zeit neue großzügige Lagermöglichkeiten im Berg.Eilenburger Geschichts- und Museumsverein e. V. (Hrsg.): Die Bergkeller zu Eilenburg. 1. Auflage. Verlag für die Heimat, Gräfenhainichen 2017, S. 11–13. Gleichzeitig wurden die für die industrielle Lagerung ungeeigneten älteren und kleineren Keller von den Eilenburger Fleischern als Kühlhaus genutzt. Die Krisenjahre nach dem Ende des Ersten Weltkrieges überlebten die Eilenburger Brauereien nicht; sie stellten 1922 ihren Betrieb ein. Der größte Teil der Stollen lag vorerst brach.

Vierte Bauphase und Nutzung im Zweiten Weltkrieg

Nachdem die Luftangriffe auf deutsche Städte im Verlauf des Zweiten Weltkriegs zunahmen, erschloss die Wehrmacht die vorhandenen Keller für die Rüstungsproduktion und als Luftschutzkeller. So wurden ab 1943 Teile der Produktion des Propellerwerks Gustav Schwarz aus Eilenburg unter die Erde verlegt. Hier erfolgte die Herstellung von Flugzeugkanzeln und möglicherweise weiterer Bauteile für die Typen Ju 87, Ju 288, Ju 290 und Ju 352 für die Junkers Flugzeugwerke. Zu diesem Zweck erfolgte der Einbau von Toiletten, einer Be- und Entwässerung und einer autarken Energieversorgung. Das Personal bestand zum großen Teil aus Fremdarbeitern, die sich aus niederländischen, belgischen und tschechoslowakischen Kriegsgefangenen rekrutierten. Der Deckname des Objekts lautete „Karausche“ und folgte damit einem Schema, nach dem Tarnbezeichnungen für unterirdische Rüstungsbetriebe auf Fischarten oder Amphibien lauteten. Außerdem führte die Anlage die Nummer „601“.Eilenburger Geschichts- und Museumsverein e. V. (Hrsg.): Die Bergkeller zu Eilenburg. 1. Auflage. Verlag für die Heimat, Gräfenhainichen 2017, S. 13–14.

Während der Kampfhandlungen um die Stadt vom 17. bis 23. April 1945 dienten die Keller geschätzt 4.500lt. Erinnerungen des ehem. Eilenburger Stadtarchivars Rolf Vettermann; zitiert nach: Eilenburger Geschichts- und Museumsverein e. V. (Hrsg.): Die Bergkeller zu Eilenburg. 1. Auflage. Verlag für die Heimat, Gräfenhainichen 2017, S. 15–16. bis 6.500Andreas Flegel: Das alte Eilenburg in Farbe. 1. Auflage. Geiger-Verlag, Horb am Neckar 2006, ISBN 3-86595-159-7, S. 21.  Eilenburgern und Flüchtlingen aus den deutschen Ostgebieten als Zufluchtsort. Die Bergkeller stellten keine Luftschutzkeller oder -bunker im eigentlichen Sinne dar, sondern entsprachen am ehesten Luftschutzstollen. Für die Ordnung in den Kellern sorgten Bunkerwarte und die Polizei. Laut Erinnerungen von Zeitzeugen wurde in dieser Zeit ein Ausgang zur Fischeraue hin durchgebrochen, über den die Keller in den Beschusspausen verlassen werden konnte. Am 23. April erreichten die ersten US-amerikanischen Soldaten der 69. Infanterie-Division die Keller. Ein US-Soldat erinnerte sich später:

Rund 1000 deutsche Männer wurden in Gefangenschaft genommen. Da 90 Prozent der Innenstadt zerstört waren und tausende Menschen obdachlos wurden, wohnten viele Eilenburger vorerst in den Kellern.

Vernachlässigung zu DDR-Zeiten und Unterschutzstellung

Zu DDR-Zeiten geriet die Anlage zunehmend in Vergessenheit. Geringe Anteile der Keller wurden in den 1950er Jahren von der Zuckerwarenfabrik Henze („Henri-Bonbons“) und als Kartoffellager genutzt. In den Jahren 1968 und 1972 erfolgten Untersuchungen zum Zustand des Bauwerks und zur etwaigen Nutzbarmachung für die Landesverteidigung. Im Ergebnis wurde allerdings festgestellt, dass sowohl eine militärische als auch eine zivile Nutzung nicht in Frage kamen. Bei der Untersuchung 1972 zählte man 30 Gänge und 73 Keller, die einer Strecke von 1.180 Meter und eine Fläche von knapp 4.000 Quadratmetern entsprachen. Man beschränkte sich aber wegen bestehender Schäden auf die Eingänge E1 bis E6, so dass alle östlich und westlich davon gelegenen Kellergruppen nicht erfasst wurden.Eilenburger Geschichts- und Museumsverein e. V. (Hrsg.): Die Bergkeller zu Eilenburg. 1. Auflage. Verlag für die Heimat, Gräfenhainichen 2017, S. 31. Ab den 1980er-Jahren bis zum Ende der DDR erfolgte in zwei Kellern die Produktion von Kulturchampignons für die Leipziger Interhotels. Der überwiegende Teil der Keller blieb die DDR-Zeit über allerdings ungenutzt und sich selbst überlassen. Durch die zunehmende Verstopfung der Eingänge und Lüftungsschächte mit Schutt und Abfällen war die Belüftung großer Teile der Anlage nicht mehr gegeben. Die sich bildende Staunässe verursachte schwerwiegende Mauerwerksschäden, die sich ab Ende der 1980er Jahre durch mehrere Einbrüche an der Erdoberfläche bemerkbar machten.Eilenburger Geschichts- und Museumsverein e. V. (Hrsg.): Die Bergkeller zu Eilenburg. 1. Auflage. Verlag für die Heimat, Gräfenhainichen 2017, S. 21. Eine neuerliche Befahrung der Keller erfolgte 1988; man kam zu dem Ergebnis, dass eine Nutzung, etwa als Lagerfläche, grundsätzlich möglich und bis etwa 1995 anzustreben sei.

Zu dieser Zeit entwickelte sich im örtlichen Kulturbund eine Interessengemeinschaft Denkmalschutz, die sich für den Erhalt der Bergkeller einsetzte. Auf Antrag von Andreas Flegel, dem späteren Leiter des Stadtmuseums Eilenburg, wurden die Bergkeller 1989 unter vorläufigen Schutz gestellt. Damit konnte der bergmännische Versatz der Keller im Wesentlichen gestoppt werden, wobei eine beträchtliche Zahl als unrettbar geltender Abschnitte dennoch verfüllt wurde. Am 13. August 1991 wurden die Eilenburger Bergkeller vom Landesamt für Denkmalpflege Sachsen unter Denkmalschutz gestellt.

Silberschatzfund 1994

Am 6. Juni 1994 entdeckten gegen 8 Uhr 50 zwei Arbeiter der Bergsicherung Leipzig bei Sanierungsarbeiten in einem der Gänge eine unverschlossene Steinzeugflasche, die augenscheinlich bis zum Rand mit Münzen gefüllt war. Die Arbeiter verständigten gegen 9 Uhr zunächst den damaligen Eilenburger Bürgermeister Herbert Poltersdorf (CDU), der daraufhin den Fundort aufsuchte, den Flaschenfund barg und in sein Büro ins Rathaus verbrachte. Anschließend informierte Poltersdorf das Landesamt für Archäologie Sachsen und die Eilenburger Redaktion der Leipziger Volkszeitung. Der Weisung des Landesamtes, den Inhalt unberührt zu lassen, widersetzte sich der Bürgermeister im Glauben, der Fund sei Eigentum der Stadt Eilenburg. Im Beisein des Journalisten Frank Pfütze entleerte er die Flasche auf seinem Schreibtisch, damit dieser aussagekräftigere Aufnahmen anfertigen könne. Aus archäologischer Sicht war dieses Vorgehen von Nachteil, denn so konnten wichtige Informationen wie die originale Auffindesituation und die Reihenfolge, in der die Münzen in die Flasche gelangt waren, nicht mehr rekonstruiert werden.Hanna Thurecht: Der Silberschatz von Eilenburg. In: Der Sorbenturm. Band 10, Eilenburg 2013, S. 69 ff.

Flasche und Inhalt

Die aus Waldenburger Produktion stammende Steinzeugflasche ist etwa 21 Zentimeter hoch. Sie ist zu vier Seiten abgeflacht und besitzt ein umlaufendes einfaches Rillenzier sowie ein einzeiliges Rollstempelmuster. Der Inhalt und die äußere Erscheinung der Flasche lassen auf eine Datierung in die zweite Hälfte des 16. Jahrhunderts schließen.

Im Gefäß befanden sich 612 Silbermünzen sowie circa 400 Gramm Sand. Die älteste Münze ist ein Meißener Groschen aus der Regierungszeit des Markgrafen Friedrich III. (1349–1381), die jüngsten Münzen sind zwei Groschen jeweils des Herzogs von Münsterberg-Oels und des Herzogs von Mansfeld aus dem Jahr 1612. Die Münzen stammen nahezu aus dem gesamten Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation. Ein Verschluss der Flasche konnte nicht gefunden werden. Die große Menge Sand weist darauf hin, dass die Flasche nicht über einen solchen verfügt hat.

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