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Gasbeleuchtung oder Gaslicht ist künstliches Licht, das durch brennendes Gas (früher Stadtgas, heute Erdgas) entsteht. Das Gas wird durch ein Netz von Rohrleitungen zu den Leuchten geleitet, liegt in flüssiger Form in einem Behälter nahe der Leuchte vor oder wird in ihr erzeugt.

Öffentliche Gasbeleuchtung

Geschichte

Seit den Anfängen der Industrialisierung beschäftigte die Verbrennung von Gas zur Fortentwicklung der hergebrachten Beleuchtung den Forschergeist in mehreren Ländern Europas. 1684 bemerkte der irische Reverend John Clayton, dass sich aus Steinkohle ein brennbares Gas gewinnen ließ. Die gleiche Beobachtung machte unabhängig von ihm der Brite Stephen Hales im Jahr 1727. Die erste funktionierende Gaslampe nahm 1785 in den Niederlanden Johannes Petrus Minckeleers in Betrieb. Im Jahr 1786 erzeugte der Würzburger Mediziner und Chemiker Johann Georg Pickel Leuchtgas durch trockene Destillation von Knochen. Der Maler Willy Jacob (1895–1968) hatte diese Szene 1936 anlässlich des 150-jährigen Jubiläums der Gasbeleuchtung in Würzburg in einem Ölgemälde dargestellt.Andreas Mettenleiter: Das Juliusspital in Würzburg. Band III: Medizingeschichte. Herausgegeben vom Oberpflegeamt der Stiftung Juliusspital Würzburg anlässlich der 425jährigen Wiederkehr der Grundsteinlegung. Stiftung Juliusspital Würzburg (Druck: Bonitas-Bauer), Würzburg 2001, ISBN 3-933964-04-0, S. 508. Am 21. September 1799 erhielt in Paris Philippe Lebon ein Patent für eine mit Gas betriebene Heizlampe („Thermolampe“).Radio-Feature WDR-ZeitZeichen am 21. September 2009. Der Schotte William Murdoch und sein Assistent William Clegg stellten als erste Leuchtgas im großen Stil her und führten auch in ihren Fabriken eine Gasbeleuchtung ein. 1807/1808 gelang es Friedrich Albrecht Winzer, die ersten Gaslaternen zur Straßenbeleuchtung entlang der Pall Mall, City of Westminster in London in Betrieb zu nehmen. Die erste Gasgesellschaft, die Chartered Company, wurde 1810 vom britischen Parlament bestätigt. In Kontinentaleuropa brachte Wilhelm August Lampadius 1811 in Freiberg an seinem Wohnhaus die erste Gaslaterne an. Da sie mit offener Gasflamme ohne Glühstrumpf betrieben wurde, war sie im Vergleich zu modernen Gasleuchten sehr lichtschwach. 1816 richtete er im Königlich-Sächsischen Amalgamierwerk Halsbrücke bei Freiberg eine Anlage zur Leuchtgaserzeugung ein, die bis 1895 in Betrieb war. 1817 folgte Josef Johann Prechtl im Polytechnischen Institut in Wien.

Als Datum der ersten öffentlichen Gasbeleuchtung gilt der 1. April 1814, als man im Londoner Kirchspiel St. Margareths die Öllampen durch Gaslaternen ersetzte. Bald erwarb sich das neue Licht wegen seiner Vorzüge allgemeine Anerkennung. Als William Clegg noch weitere technische Verbesserungen einführte, wie die Reinigung des Gases durch Kalkmilch (von sauren Begleitstoffen) und einen Gasmessapparat, trat die neue Technik ihren Siegeszug durch die industrialisierte Welt an.

Die ersten Gemeinden mit eigenständiger Gasindustrie auf deutschem Boden waren Hannover und Berlin, die von der Imperial-Continental-Gas-Association mit Steinkohlengas versehen wurden. Diese Gesellschaft trat in Konkurrenz zur britischen Gasindustrie, ebenso wie die 1828 von Blochmann in Dresden gegründete Gesellschaft. Im gleichen Jahr errichteten Schiele und Knoblauch in Frankfurt am Main eine Gasfabrik auf Ölschieferbasis. Ebenfalls 1828 war in dem Dorf Burgk nahe Dresden eine Gaserzeugungsanlage auf Basis des lokalen Steinkohlebergbaus in Betrieb genommen und damit im ersten Dorf der Welt eine Gasbeleuchtung eingeführt wurden.

Schnell verbreitete sich die neue Beleuchtung über die ganze Erde und wurde von den Bewohnern der Großstädte als technischer Fortschritt gefeiert. Zunächst wurden die Gaslaternen von Laternenanzündern angezündet, die mittels einer an die Leiterbolzen angelehnten Leiter zur Laterne hochstiegen.

Erhöhung der Effizienz

Später wurde das Anzünden automatisiert,Typisch brannte dauerhaft bei niedrigem Gasdruck nur eine kleine, sparsame Zündflamme. Durch Hochregeln des Gasdrucks in der Leitung öffnet in der Leuchte ein Aktuator ein Ventil und damit den Zustrom zu den Glühstrumpfbrennern. Diese werden durch die räumlich nahe Zündflamme gezündet. so dass der Beruf des Laternenanzünders entfallen konnte. In der Literatur spielte der Laternenanzünder, zum Beispiel im Buch „Der kleine Prinz“ (1943) von Antoine de Saint-Exupéry, eine wichtige Rolle.

Laternen auf der Basis von bloßen Gasflammen (aus Stadtgas im Allgemeinen aus Methan (Erdgas), Wassergas oder Zersetzung von Mineralöl) bleiben ähnlich den Lichtquellen Kerze, Öl- und Petroleumlampe relativ lichtschwach. Erst Glühkörper in der Gasflamme erhöhen die Lichtausbeute pro verheizter Leistung auf ein Mehrfaches.

Das gilt auch für Rußpartikel in der Acetylengasflamme der vulgo Karbidlampe, die breite Verwendung als Grubenlampe im Bergbau und bei Höhlenforschern fand, als auch bei Front- und Schlusslichtern von Eisenbahnzügen, sowie Beleuchtung von Signalen und Weichen und auch der Befeuerung von Wasserstraßen und in Leuchttürmen.

Der im späten 19. Jahrhundert von Carl Auer von Welsbach entwickelte Glühstrumpf vervielfacht die Lichtausbeute von Gaslicht aus Stadtgas.Anm. Maßeinheit für Lichtausbeute: Lumenstunden pro Normkubikmeter Gas. Gasglühlicht eroberte sowohl die öffentliche Beleuchtung von Plätzen, Straßen und Gassen in den Städten als auch die Beleuchtung von Gängen und Räumen von Häusern. Mitunter währte die Nutzung von Gasglühlicht nur relativ kurz, bis es durch elektrisches Glühlampenlicht ersetzt. Die Phase der Raumbeleuchtung durch Gas(glüh)licht dauerte im Bischöflichen Gymnasium Graz nur ein Jahrzehnt.

Während bei Karbidlampen der Gasentwickler bei Stoß von unten typisch zu viel Wasser auf die Karbidfüllung tropft, kann ein filigraner Glühstrumpf schon bei mäßiger Erschütterung brechen.

Abkehr vom Gaslicht

Die meisten deutschen Städte haben bereits in den 1960er-Jahren auf die Gasbeleuchtung verzichtet. Jedoch brennen auch in den 2020er Jahren noch in einigen deutschen Städten jede Nacht Gasstraßenleuchten – die meisten in Berlin (17.400, Stand 2025, Umrüstung auf LED kostet 10.000 € pro Leuchte, Amortisation nach 12 Jahren), gefolgt von Düsseldorf (ca. 14.000, Stand 2024),Kommt ein Autobahnschild für die Düsseldorfer Gaslaternen?, Westdeutsche Zeitung vom 31. August 2018. Frankfurt am Main (ca. 4000, Stand 2024), und Dresden (<1200, zumeist in historischen Stadtvierteln, Stand 2022). Einige weitere Städte betreiben noch wenige Gaslaternen. Außerhalb Deutschlands finden sich mit Stand von 2020 noch in Boston, London, South Orange und Cincinnati Bestände im niedrigen vierstelligen Bereich. Stand August 2021 gibt es nur noch zwei Städte in der Europäischen Union, in denen Gaslaternen manuell durch Laternenanzünder gezündet werden. Dabei handelt es sich um Zagreb in Kroatien und Breslau in Polen.

Für und Wider

Früher war die Gasbeleuchtung alternativlos, weil elektrische Beleuchtung technisch nicht oder nicht ausgereift zur Verfügung stand. Auch das Stromnetz war nicht flächendeckend vorhanden. Die Lichtausbeute einer Gaslampe beträgt ca. 5 lm/W und ist daher der einer Glühlampe ebenbürtig, wobei die Glühlampe jedoch wesentlich teureren elektrischen Strom benötigt. Jedoch im Vergleich mit heutigen elektrischen Lichtquellen (Gasentladungslampe, Leuchtdiode − jeweils weit über 50 lm/W) ist die Effizienz einer Gaslampe gering. Auch bei der Betrachtung des Primärenergiebedarfs sind elektrische Lichtquellen effizienter, da die Umwandlungs- und Übertragungsverluste im Stromnetz geringer sind als die Verluste durch Leckage, im Durchschnitt längere Transportwege, Rohrreibung und Verdichterstationen im Gasnetz.

Die Kosten der Gasbeleuchtung betragen aber vor allem wegen des höheren Wartungsaufwandes ein Mehrfaches der elektrischen Beleuchtung mit Gasentladungslampen oder LED-Leuchten. Glühstrümpfe haben eine Lebensdauer von 4000 Stunden, also ebenfalls geringer als die Lebensdauer von Gasentladungslampen oder gar LED-Lampen.

Gaslicht ist prinzipiell flimmerfrei, kann allerdings an beschädigtem Glühstrumpf oder Zylinder flackern. Außerdem ist es nicht von Stromabschaltungen betroffen – das Ferngasnetz und Speicher puffern regionale und saisonale Produktions- und Verbrauchsschwankungen. So funktionierten beispielsweise nach dem Brandanschlag auf das Berliner Stromnetz 2026 die wenigen noch vorhandenen Gaslaternen weiterhin. Als Argumente für den Erhalt noch bestehender Gasbeleuchtungen wird neben dem kulturhistorischen Wert angeführt, dass die schädliche Wirkung auf Insekten geringer sei als bei elektrischem Licht und dass größere Mengen an Treibhausgasen vermieden werden könnten, wenn das für den Umbau benötigte Geld vorerst in andere Maßnahmen investiert werden würde.

Städte mit aktiver Gasbeleuchtung

In Berlin wurde nach längerer Planung 2011 beschlossen, die Gasleuchten komplett durch eine elektrische Beleuchtung zu ersetzen. Die damals noch rund 44.000 Gasleuchten machten mehr als die Hälfte des weltweiten Bestandes aus. Aus Gründen des Denkmalschutzes regte sich heftiger Widerstand.DIE ZEIT vom 15. Januar 2009.Tagesspiegel vom 9. April 2008.. (PDF; 20,9 MB) Mittlerweile wurde beschlossen, etwa 3.300 Gasleuchten, verteilt auf 29 Bereiche in neun Bezirken, dauerhaft zu erhalten. Außerdem kommen bei der Umrüstung inzwischen zumindest teilweise LED-Varianten zum Einsatz, die weiterhin die alten Masten nutzen und sich hinsichtlich Aussehen und Lichtfarbe kaum von den Gasleuchten unterscheiden sollen.Umrüstung der Gasleuchten auf berlin.de. Abgerufen am 28. Februar 2021. Im Jahre 2018 waren in Berlin immer noch mehr als 30.000 Gaslaternen in Betrieb,Braun Lighting Solutions e. K. Abgerufen am 16. Januar 2020. im Dezember 2019 waren es noch rund 27.500, auf berlin.de. Abgerufen am 28. Februar 2021. im August 2020 noch 26.400,Berliner Gasbeleuchtung – das Licht geht aus auf denk-mal-an-berlin.de. Abgerufen am 28. Februar 2021. im Juni 2022 noch 23.400, im September 2023 noch 20.760, im Oktober 2024 noch rund 18.300 und im Mai 2025 noch rund 17.500.