mini|alternativtext=Portraitfoto von Dieter Nuhr, lächelnd mit Mikrofon vor dem Mund. Darunter seine Unterschrift|Dieter Nuhr (2017)rahmenlos|zentriert|150x150px|klasse=skin-invert-image
Dieter Herbert Nuhr (* 29. Oktober 1960 in Wesel) ist ein deutscher Kabarettist, Komiker, Autor, Fotograf und Fernsehmoderator. Er moderiert seit 2011 die Sendung Nuhr im Ersten.
Neben seiner Fernsehtätigkeit ist er als Fotokünstler aktiv und stellt seine Werke international aus.
Leben Dieter Nuhr wurde 1960 in eine katholische Beamtenfamilie geboren und wuchs bis zu seinem vierten Lebensjahr in Wesel auf. Später zog er mit seinen Eltern und einem Bruder nach Düsseldorf, wo sein Vater, Erhard Nuhr (1925–2018), als Regierungsrat und später als Regierungsdirektor arbeitete. Als Jugendlicher war Nuhr Messdiener. Nach dem Abitur am Leibniz-Gymnasium Düsseldorf studierte Nuhr ab 1981 an der Universität-Gesamthochschule Essen bildende Kunst und Geschichte auf Lehramt. 1988 legte er hierfür das Erste Staatsexamen ab.
Nuhr lebt in Ratingen. Er ist verheiratet und hat eine Tochter (* 1996). 2014 spielte er Tennis für die Mannschaft der Altersklasse 50 des TC Bovert in der Niederrheinliga.
Kabarett Seine Bühnenauftritte begann er in einer Schülertheatergruppe. Erste Vortragstexte entwarf er während eines Projekts der Theatergruppe am Düsseldorfer Schauspielhaus. 1986 gründete er mit Frank Küster das Kabarettduo V.E.V.–K.Barett. Ab 1987 absolvierten sie erste gemeinsame Auftritte mit dem Programm Haben Sie sich Ihre Schranknummer gemerkt? 1989 entstand das Programm Pralle Pracht, und ab 1990 traten die beiden unter dem leicht geänderten Namen V.E.V.–Kabarett mit dem nächsten Programm Schrille Stille auf. Zipfeltreffen hieß das letzte gemeinsame Programm des Duos. Ab 1994 war Nuhr mit seinem ersten Soloprogramm Nuhr am nörgeln! unterwegs.
Für sein Programm Nuhr weiter so bekam er 1998 den Deutschen Kleinkunstpreis in der Sparte Kabarett. 2003 erhielt er den Deutschen Comedypreis für den besten Liveauftritt. 2022 gab er die Moderation des Kleinkunstfestivals in den Wühlmäusen auf und bekam dessen Sonderpreis.
Fernsehen Zahlreiche Fernsehauftritte machten ihn über die Kleinkunst-Szene hinaus bekannt, etwa in Scheibenwischer, Hüsch und Co., Die Harald Schmidt Show, Quatsch Comedy Club, Genial daneben, Schillerstraße oder 7 Tage, 7 Köpfe. Sein Programm Ich bin’s Nuhr besuchten etwa eine halbe Million Menschen.
Nachdem er 2004 erstmals bei Sat.1 den humorvollen Jahresrückblick Nuhr ein Jahr präsentiert hatte, ist er seit 2006 am Jahresende mit einem ähnlichen Programm im ZDF zu sehen. Mitte 2007 strahlte das ZDF zwei Episoden Nuhr – Wer's glaubt, wird selig aus, in welchen sich Nuhr mit Fragen zu Glaube und Religion beschäftigte. Am 24. Oktober 2008 übernahm Nuhr zum ersten Mal die Moderation des Deutschen Comedypreises. Vom 3. November 2009 an war er mit der vierteiligen Comedy-Reihe Nuhr so an vier Dienstagabenden live im ZDF zu sehen.
2009 beteiligte er sich an A Tribute to Die Fantastischen Vier zum zwanzigsten Jubiläum der Hip-Hop-Gruppe. Auf der Kompilation covern Künstler aus unterschiedlichen Richtungen Lieder der Stuttgarter. Nuhr spielte bei Buenos Dias Messias alle Instrumente selbst und nahm das Lied in seinem Arbeitszimmer mit der sonst für Radiobeiträge genutzten Technik auf., abgerufen am 28. Oktober 2014
Nachdem im Dezember 2010 Mathias Richlings Vertrag für die Moderation der ARD-Sendung Satire Gipfel geendet hatte, übernahm Nuhr im Januar 2011. Die Sendung war die direkte Nachfolgerin des 1980 bis 2009 ausgestrahlten Scheibenwischers. Im Oktober 2014 wurde der Satire Gipfel in Nuhr im Ersten umbenannt.
2010 produzierte er für RTL ein zweiteiliges Special zur Fußball-Weltmeisterschaft 2010, in dem er das Thema Fußball ironisch kommentierte. Außerdem produziert er für den Hörfunksender WDR 2 wöchentlich kabarettistische Beiträge. Von Juli 2012 bis März 2013 moderierte er zusammen mit Ralph Caspers die Quizshow Null gewinnt im Vorabendprogramm der ARD. Seit 2012 nimmt er regelmäßig an der ARD-Themenwoche mit Beiträgen passend zum jeweiligen Thema teil, zuletzt 2022., abgerufen am 5. Dezember 2014.ARD.de: Nuhr dran glauben, abgerufen am 13. Januar 2019.
2013 moderierte Nuhr zum sechsten Mal den Comedypreis. Im Oktober 2014 folgte ihm nach sechs Jahren Carolin Kebekus als Moderatorin; 2015 und 2016 war er Vorsitzender der Jury. In der RTL-Sendung Mario Barth deckt auf! war Nuhr 2014 regelmäßig zu Gast und präsentierte gemeinsam mit Barth Fälle von vermeintlicher Steuerverschwendung. 2015 startete das ARD-Format Nuhr ab 18 mit ihm als Moderator. In der 30-minütigen Sendung stellte er jeweils vier junge Comedians vor. 2020 war er mit seinem Programm Kein Scherz! auf Tournee in Deutschland, Österreich und der Schweiz.
Rezeption Der Nuhr zugeschriebene Ausspruch „Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal (die) Fresse halten.“ wird häufig zitiert, und Nuhr wollte ihn als Marke schützen lassen, was vor dem Oberlandesgericht Stuttgart Ende Januar 2023 scheiterte. Ein ähnlicher Ausspruch wurde in der Folge Frühjahrsputz der WDR-Sendung Ein Herz und eine Seele bereits 1974 geäußert: „Wenn man keine Ahnung hat, dann hält man bescheiden die Schnauze.“
Im Mai 2014 erhielt Nuhr den Jacob-Grimm-Preis Deutsche Sprache. Die Jury begründete die Ehrung mit den Worten:
2020 kritisierte Nuhr das Buch von Alice Hasters mit dem Titel Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen, aber wissen sollten. Der Titel soll laut Nuhr „reißerisch“ und umgekehrt „rassistisch“ gegenüber Weißen sein. Im Tagesspiegel wiederum bewertete es Hannes Soltau als „schlicht ignorant“, wenn Nuhr „einer Schwarzen Autorin auf Grundlage eines Buchcovers Rassismus [...] unterstell[t], ohne sich mit ihren Gedanken auseinanderzusetzen“.
Nuhr wurde 2021 von vier Kabarettisten in der Sendung Die Anstalt und 2023 von Jan Böhmermann persifliert. Volker Pispers bezeichnete Nuhr als „humoristischen Arm der Pegida“ – eine Bewertung, der sich auch Christine Prayon anschloss. Im Tagesspiegel schrieb Joachim Huber 2023 über Nuhr und zählte ihn zu den Comedians „aus der rechten Ecke“, die „mit rassistischem, sexistischem Gedankengut und Vokabular um sich schmeißen, um die Wut auf Cancel-Culture und alles Woke anzufeuern“.
Im Jahr 2026 wurde Nuhr durch den Zentralrat der Juden der Leo-Baeck-Preis verliehen. Dies sorgte bei einigen Beobachtern für Unverständnis. So sagte Tom Uhlig, Professor für Demokratieförderung an der Hochschule RheinMain, er könne die Verleihung „nicht nachvollziehen“, denn Nuhr „sieht beim Antisemitismus im eigenen Milieu weg“. Lisa Eckhart, die wegen Antisemitismusvorwürfen in der Kritik steht, wurde mehrmals von Nuhr in seine Sendung eingeladen. Auch Ronen Steinke bemerkte über die Auszeichnung kritisch: „Armer Leo Baeck, dass sein Name nun so benutzt wird.“
Im Juni 2026 stieß ein Witz über Femizide von Nuhr auf Kritik. Er sagte in der Sendung Nuhr im Ersten XXL unter Bezugnahme auf einen Text im SZ-Magazin, der den Wunsch nach einer Beziehung in den Kontext einer Bedrohungslage durch Gewalt in der Partnerschaft stellte, die Wahrscheinlichkeit, von einem Mann ermordet zu werden, gehe für Frauen tatsächlich gegen Null und riet den Betroffenen: „Zur Sicherheit wäre es nicht schlecht, wenn man den Partner vor dem Geschlechtsverkehr einfach erst mal kennenlernt. Vielleicht einfach mal fragen, ob er nebenberuflich als Frauenmörder tätig ist.“ Nuhr würde sich über Opfer von Femiziden lustig machen und den Frauen selbst die Schuld geben, so die Kritik. Zudem ignoriere er, dass fast alle Femizide von Partnern und Ex-Partnern verübt werden und nicht von Fremden, die es kennenzulernen gelte. Nuhr betonte in seinem Beitrag: "Es gibt jedes Jahr etwa 300 bis 350 Frauenmorde, und bitte: Natürlich sind das 300 bis 350 zu viel – das ist doch keine Frage." Die ARD reagierte auf die Kritik mit: „Über Geschmacksgrenzen lässt sich diskutieren und streiten“. In Satireformaten gelte es, auch die künstlerische Freiheit zu achten. Nuhr dürfe als Künstler vor dem Hintergrund der Kunstfreiheit auch provozierend und zugespitzt formulieren. Nuhr selbst bezeichnete die Kritik im Netz als „Interneterregung“.Aussagen sorgten für Empörung: „Kein Witz über Femizide, nirgends“: Jetzt meldet sich Dieter Nuhr zu Wort, morgenpost.de vom 26. Juni 2026.
Islamkritik 2014 Nuhr ist laut Reinhard Mohr einer der wenigen Kabarettisten in Deutschland, die sich in ihren Programmen und Büchern mit Aspekten des Islams satirisch auseinandersetzen.
Im Oktober 2014 erstattete der Muslim Erhat Toka Strafanzeige gegen Nuhr wegen Beschimpfung von Religionsgemeinschaften. Die Staatsanwaltschaft Osnabrück stellte das Verfahren im November 2014 ein.
Der Islamwissenschaftler Mohammad Gharaibeh warf Nuhr vor, dass er zwar Missstände wie Islamismus und Fundamentalismus offenlege, sich aber meist über Muslime und den Islam im Ausland belustige und dadurch gängige Vorurteile auf diese Religion und ihre Anhänger projiziere und entsprechende Stereotype fördere. Äußerungen Nuhrs legten nahe, dass er Muslime in Deutschland als Fremde empfinde, die nicht zur europäischen Kultur gehörten.
Thunberg-Kritik 2019 In einer Ausgabe seiner Sendung Nuhr im Ersten vom 30. September 2019 ging Nuhr auf Greta Thunbergs eine Woche zuvor gehaltene Rede beim UN-Klimagipfel ein und erklärte: „Ich werde – weil meine Tochter zu den Freitags-Demos geht – im Kinderzimmer nicht mehr heizen“ und „Wenn unsere Kinder meinen, wir können diese Welt mit ein bisschen Sonne und Wind antreiben, dann sollten wir Eltern ihnen ein Hamsterrad mit Dynamo ins Kinderzimmer stellen“. Diese Äußerungen riefen viel Kritik hervor.
Darauf angesprochen sagte er in einem Interview, er sei eigentlich für Fridays for Future und Klimaschutz, aber die Forderungen der Bewegung seien unerfüllbar und liefen auf die Auflösung der Welthandelsordnung hinaus. Dies würde dann nicht zu Millionen, sondern zu Milliarden Toten sowie einem Dritten Weltkrieg führen. Spiegel Online stellte zur Kritik fest, , und zitierte Herbert Feuerstein: In einer Kolumne der taz wurde die Redaktion der Emma kritisiert, weil diese Nuhr wegen seiner Äußerungen über Thunberg gelobt hatte. , kommentierte Sebastian Briellmann in der Basler Zeitung.
DFG-Beitrag 2020 Für ihre Jubiläumskampagne im Jahr 2020 veröffentlichte die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) einen Audiobeitrag von Nuhr. Darin erklärte er unter anderem: „Wissen bedeutet nicht, dass man sich zu 100 Prozent sicher ist, sondern dass man über genügend Fakten verfügt, um eine begründete Meinung zu haben.“ Es sei daher richtig, dass Wissenschaftler ihre Meinung änderten: „Das ist normal. Wissenschaft ist gerade, dass sich die Meinung ändert, wenn sich die Faktenlage ändert. Und wer ständig ruft ‚Folgt der Wissenschaft!‘ hat das offensichtlich nicht begriffen.“
Nachdem Nuhr in sozialen Medien kritisiert worden war, da ihm zuvor wissenschaftlich fragwürdige Relativierungen des menschengemachten Klimawandels und der COVID-19-Pandemie vorgeworfen worden waren, löschte die DFG den Beitrag. Nuhr wertete dies als Cancel Culture. Der Literaturwissenschaftler Johannes Franzen wies später darauf hin, dass die Kritik an Nuhr auf Twitter von zahlreichen Vertretern der wissenschaftlichen Community vorgebracht wurde und nicht, wie oftmals behauptet, von einem anonymen ‚Mob‘.